viel Federlesens machen und sie schon weit früher von ihren Stellen entfernen sollen.
Wenn Lehrer Mann wirklich mit dem Dichterling der Freien Zeitung identisch und wenn eS wahr ist, daß er mit drn Knaben zu Biebrich, als sie aus dem Religionsunterricht des Kaplan Ilgen kamen, die bekannte Eregese über den Tod Jesu in acht destruktiver, übrigens schon vor Manns Geburt abgedroschener Manier, ganz unbefugter und Herrn Ilgen kompromittirender Weise hielt; wenn daS nur zum Theile wahr ist, was die Geistlichen und die Bürgerschaft zu Oberursel und Kamberg dem Lehrer Rühl zum Vorwurfe machen; so ist die Entlassung beider Lehrer durchaus geboten, eS liegt aber darin insoweit keine rechte „Musik", als sie schon weit früher hätte geschehen müssen und zwar schon zu der Zeit, wo die Wühler die besten Geschäfte machen zu können glaubten und in der èhat aber auch gemacht haben. Hätte man damals mit dem Stecken darein geschlagen und mit starker und nachhaltiger Stimme gerufen: quos ego! so würde in unserem Lande mancher Unsinn unterblieben und mancher brave Bürger und Bauer von halbgebildeten „Gesinnungstüchtigen" zum Unfuge nicht verleitet worden seyn. Uebrigens bin ich weit davon entfernt, dem Ministerium beS Innern einen theilweisen Vorwurf wegen dieser Maßregel als einer verspäteten zu machen, weil ich nicht weiß, ob sie in der That eine verspätete genannt werden kann ; denn es ist leicht möglich, daß diese Behörde früherhin noch nicht gehörig informirt war, um eine solche Verfügung zu erlassen. Letzteres ist sogar wahrlchein- lich, sonst würbe sicherlich das technische Mitglied der früheren Landesregierung Sorge dafür getragen haben, daß Lehrer Rühl wenigstens nicht, wie solches geschehen ist, in die Schulkommission gekommen wäre. Ein solches „Lummerichsverfah- ren" ist mir wenigstens nicht denkbar.
Möge dem aber immerhin seyn, wie ihm wolle; so verdient diese Maßnahme des Ministeriums des Innern die Anerkennung aller vernünftigen, nach klaren und sichern Zuständen strebenden Einwohner Nassau'S. Die nassauischen Schulmeister haben Unfug genug gemacht, und es muß einmal Ordnung unter sie kommen, wenn nicht das ganze Volk unterwühlt und sittlich und religiös zu Grunde gehen soll. Die aufgestachelten, nunmehr aber zur politischen und religiösen Abklärung gekommenen Einwohner des HerzogthumS Nassau, namentlich in den . Aemtern des Westerwaldes, Hadamar, Limburg und im Kam- i Herger Grunde sehen den weiteren Maßnahmen des Ministe- ; riums des Innern in dieser Beziehung vertrauensvoll entgegen. ; Wie ich vernommen habe, so sollen noch einige evangelisches Schulmeister auf der Aar und ein katholischer Lehrer im ; Rheingau im Wühlen „machen" und noch eine ziemliche Anzahl anderer unwürdiger Subjekte in dem Schullehrerstande sich befinden. Wird man Seitens des Schulkollegiums Muße und Muth haben, den Schullehrerstand, der durchaus sittlich und röligiös, aber auch materiell gehoben werden muß, von diesen zu reinigen?
Ich werde mit einem Briefchen nachhelfen, wenn es im Drange der Geschäfte in Vergessenheit gerathen sollte. Hilft's nichts; so schadet es wenigstens nichts!
D e u t f t^ l o n 6.
Uttenweiler (in Würtemberg), 4. Juni. (Rh. Z.) Unlängst starb hier ein merkwürdiger Mann , ein Säckler, Namens Schefold. Von hier entsprossen, arbeitete er in seiner Jugend 8 Jahre zu Petersburg als Säcklergeselle, und nachdem er Geld erspart hatte, machte er nach seinen eigenen Worten „einen Spaziergang" von Petersburg nach Jerusalem über Konstantinopel und durch Kleinasien, beichtete am Heiligen Grab, besuchte den Sinai , Kairo in Aegypten und kehrte über Rom in seine Heimath zurück. Sein ruhiger, fleißiger und sittlicher Wandel bleibt Allen unvergeßlich, die ihm näher standen. Er sprach deutsch, russisch, türkisch und etwas arabisch.
Dessau, 8. Juni. (Dtsch. Reform.) Nr. 42 des hier «Meinenden „Fortschritts" enthielt ein auf das Attentat vom 22. v. Mts. bezügliches Gedicht unter dem Titel „schauderhafte Mordthat", von einer Tendenz, die selbst gemäßigte Demokraten entrüstet hat. Das Ministerium hat in Folge dessen dem hiesigen Oberlandesgericht die Beschleunigung deS anzuhängenden Prozesses zur Pflicht gemacht, um — wie eS in
dem bezüglichen Reskripte heißt — wenn die darauf stehende Strafe der Größe des Verbrechens nicht angemessen seyn sollte, diejenigen Maßnahmen in Erwägung ziehen zu können, welche geeignet sind, solchen entsittlichend wirkenden Erzeugnissen der Presse mit Entschiedenheit entgegenzutreten.
Berlin, 11. Juni. (Telegraph. Depesche.) Se. Majestät der König haben in dieser Nacht ruhig und erquicklich geschlafen. Die Vernarbung der Wunde geht ihrer Vollendung entgegen. —
Berlin, 9. Juni. (Aachener Ztg.) Heute macht ein Korps, Befehl an die Garnison nicht geringes Aufsehen, wodurch jeder Soldat aufgeforbert wird über seine Kameraden zu wachen, und wo an einem solchen demokratische Gesinnungen bemerkt, oder gar Aeußerungen in diesem Sinne gehört werden, er verpflichtet sey, sogleich davon Anzeige zu machen. Im Gegensatz dazu erfährt man, daß das Junker-Parlament sich auf- | löste. Verzweifelt eS oder ist eS feiner Zwecke ohnehin sicher?
Berlin, 10. Juni. (D. Z.) Die Sitzungen des VerwaltungsratHS sind eingestellt; derselbe bildet sich dafür zum inzwischentlichen Fürstenkollegium um. Für die erste Kurie darin, für Preußen ist, wie heute endlich auch auS halbamtlicher Quelle wiederholt wird, Hr. v. Radowitz zum Bevollmächtigten und für die Dauer seines Urlaubs Herr v. Sydow zum Stellvertreter des Generals ernannt. Für die zweite Kurie, Sachsen und die thüringischen Staaten, ist als Stimmführer der letzteren Herr v. Plötz und außerdem bis jetzt für Sachsen-Meiningen besonders Herr Seebeck bevollmächtigt. In der dritten Kurie sind, wie wir wissen, für Oldenburg, Braunschweig und die Hansestädte die bisherigen Mitglieder deS Verwaltungsralhs, nämlich die Herren Mosle, Liebe, Smidt, Banks und Elder ernannt; die Ernennung für Meck, lenburg-Schwerin steht noch immer zurück. Die vierte Kurie, Baden, vertritt Herr v. Meysenbug. In der fünfte Kurie ist für Nassau Herr Vollpracht ernannt; für das Großherzogthum Hessen sieht Herr v. Lepel seiner Ernennung täglich entgegen, wogegen Kurheffen bis jetzt noch in zuwartender Stellung verharrt.
Die Const. Corr, bestätigt ferner, daß der preußische Bevollmächtigte in Frankfurt, Herr Matthis, entschlossen ist, die Theilnahme an den von Oesterreich veranlaßten Verhandlungen so lange abzulehnen, als letzteres die auf Art. 5 der Bundes- äste gegründete Prästdialbesugniß .in Anspruch nimmt. Bemerkenswerth erscheine dabei, daß Graf Thun auf dieser Be- fugniß beharren soll, während unmittelbare Nachrichten auS Wien die Geneigtheit der kaiserlichen Regierung zu erkennen geben, jenen Anspruch fahren zu lassen, „sofern man Oerster- reich den Vorsitz aus Rücksichten des Ranges und der Kour, toiste zugestehe". Also doch den Vorsitz zugestehe!
Gestern Nachmittag ist nach längerer Krankheit der General v. Rauch gestorben. Er ist 60 Jahre alt geworden und genoß bekanntlich sowohl von Seiten des Königs das größte Vertrauen als auch von Seiten deS Kaisers von Rußland, dem er stets alS die erwünschteste Mittelsperson galt.
Der Bestand der hauptstädtischen Presse wird wie es den Anschein hat, in Folge der Ministerialverordnung eine Veränderung nicht erleiden. So viel man bis jetzt vernimmt, werden alle Zeitungen, denen daS Gesetz die Kautionsbestcllung zur Pflicht macht, im Stande seyn , der Auflage zu genügen. Fühlbarer wird das Gesetz der Provinzialpresse werden, ein Umstand, der leicht zur Folge haben dürfte, daß die demokratischen Organe der Hauptstadt, die bisher nur wenig verbreitet sind, in die Absatzstellen der eingehenden Provinzialblättn rücken und durch diese Konzentration einerseits für ihre Tendenz, andererseits für ihr eigenes Bestehen um so wirksamen arbeiten. Den Nachtheilen, die aus der Entziehung deS Post- debitS entstehen könnten, glaubt man durch Privatveranstaltuii- gen, mit Hülfe der Eisenbahnen, begegnen zu können.
Die Arbeiten an dem Fußgestelle zum Denkmal Friedrichs deS Großen, die vor nunmehr zehn Jahren mit der Grundsteinlegung begonnen, werden jetzt mit großem Eifer fortgeführl. Die Statue selbst ist schon seit einiger Zeit vollendet und wird in dem alten Münzgebâude , in dessen Räumen sie ausgestellt ist, von patriotischen und kunstlicbenden Beschauern in großer Zahl besucht. Eine frühere Annahme, , daß die Aufstellung zum Geburtstage dcö jetzt regierenden Königs erfolgen werbt, gewinnt gegenwärtig sehr an Wahrscheinlichkeit.
Die Rüstungen werden zwar fortbetrieben, doch nach der Liih. Korresp. nicht in dem Umfange und mit derselben Eilt
