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Frankfurt, 30. Mai. Die Deutsche Zeilung schreibt: Da seit geraumer Zeit kein Mitglied deö in Gotha gewählten Aus­schusses mehr seinen ständigen Wohnsitz in Frankfurt hat, so ist eine direkte Mitwirkung bei der Redaktion der Deutschen Zeitung nicht mehr thunlich, und als bloße Fiktion erscheint sie nicht angemessen. DieS ist der Grund, warum die Worte: „Unter Mitwirkung des in Gotha gewählten Ausschusses" bei Benennung der Redaktion am Schlüsse jeder Nummer wegge­blieben stnv. Das Verhältniß der Deutschen Zeitung zu der Partei, welcher sie angehört, ist dadurch in keiner Weise geän­dert, diese Bemerkung aber ist zunächst durch eine Mitthei­lung aus Frankfurt in Nr. 148 der Allgemeinen Zeitung ver­anlaßt.

Worms, 29. Mai. (O.-P.-A.-J.) Die vorgestern in Ost­hofen gehaltene Versammlung der konstitutionellen Partei, zn welcher sich Vertreter auS mehr als 40 Gemeinden cingefnn- ven hatten, und in der auch die HH, v. Gagern, Wernher und Reh anwesend waren, hat eine Eingabe an daS großh. hessische StaatSministerium gerichtet, worin die dringende Bitte ausgesprochen ist, an dem deutschen UnionSwerke fortzuwirken und zu solchem Zweck an dem. Bünvniß mit Preußen festzu­halten. Der Schluß der Eingabe lautet :

Es geht daher unsere so ehrerbietige alS dringende Bitte dahin: 1) die großh. hessische Regierung möge, insoweit noch möglich, durch eifrige Betreibung des Abschlusses deS engeren deutschen Bundes nach Maßgabe der in Vereinbarung mit dem Erfurter Parlament fcstgesteÜtcn Reichsverfassung, die Nach­theile wieder abzuwcnven suchen, welche durch die von ihr mit­verschuldete Verzögerung dieses Abschlusses der deutschen Ein- heitSbestrcbung drohen; und zu dem Ende namentlich: 2) für die Verhandlungen deS Bevollmächtigten-Kongresses zu Frank­furt nach Maßgabe der Uebcreinkunfl instruiren, welche zwi­schen den Unionsregierungen für diese Verhandlungen in Berlin getroffen worden ist.

Eine Deputation ist beauftragt, diese Petition heule Mitt­woch, den 29. Mai, in Darmstadt zu überreichen.

Gießen, im Mai. (O.-P.-A.-Z.) Es ist Thatsache, daß am 2. April aus dem Hafen zu Wetzlar sechs und sechzig Fahrzeuge vollständig beladen, mit Braunstein, Masseln, Eisen­steinen und andern Handelsgegenständen lahnabwärtS gefahren find. Dies ist der schlagendste Beweis, wie wohlthätig die -L-viffMnmrchung b^ Lahn auf die von ihr durchströmten Ge­genden einwirkt. Um so unbegreiflicher ist er, daß die kleine Strecke, welche von der preußisch-Hessischen Grenze bis zu hic- i figer Stadt noch schiffbar zu machen ist, bisher nicht fertig ‘ geworden, während die von den großherzogl. Hessischen Land­ständen zu diesem Zweck bewilligten Gelder schon seit Jahren bereit liegen. Unsere Stadt ist unbestritten der Haupthandels­platz an der Lahn, aus dem sehr bedeutende direkte und indi­rekte Steuern in die Staatskassen fließen, so daß man eine stete Beachtung der Interessen einer solchen Stadt erwarten sollte. Der SpedüionShandel hat sich nun schon nach Wetzlar gezogen, und wer weiß eS, wie schwer eS fällt, den HandelS- und SpedilionSwegen eine andere Richtung zu geben, der wird die Opfer ermessen, welche der hiesige Handel wird bringen müssen, um den Güterweg später wieder über hier zu leiten.

Koblenz, 29. Mai. (K. Z.) Diesen Vormittag ist hier — Wie man sagt, auf telegraphischem Wege — der Befehl eingetroffen, die dritte Abtheilung deS hiesigen Artillerieregi- ments, bestehend aus drei Fuß- und einer reitenden Kompagnie, nebst zwei Munitionskolonnen sofort mobil zu machen. Bereits heute sind die nöthigen Mannschaften abgegangen, um die Pferde zu holen. Man vermuthet, daß die Truppe vorläufig auf dem Huubörücken Kantonnirungsquartiere beziehen wird.

Düsseldorf, 28. Mai. (K. Z.) Vor den heutigen Afsisen wurde ein 25jährigeS Mädchen auS Wanlo bei Odenkirchen zum Tode verurtheilt, welches am 28. März d. I. ihr neuge- borncs Kind in einen benachbarten Wald getragen, dort gc- todtet und hinter einen Busch geworfen hatte. ' Die Art deS TobtenS war noch besonders grausam; sie selbst, die Kindes- Morderin, gab an, daS zappelnde Knèiblein bei den Füßen gc- faßt und es dann mit der Faust auf den Kopf der Art geschla­gen zu haben, daß der Tod erfolgte. Die schweren Kopfver­letzungen, das mangelnde linke Ohr, die gebrochenen, sonst so biegsamen Schädelknochen, die Blulsugillationcn, kurz Alles sprach dafür, und selbst der Vertheidiger nahm dies an haß

die Mörderin das Kind mit den Füßen erfaßt, und gegen einen Baum geschleudert habe. — Die Mörderin blieb während der Verhandlungen sehr ruhig und behauptet, dies in einem Zu­stande der Geistesverwirrung gethan zu haben, und sich von der Thal nichts mehr zu erinnern, während sie früher die That auf die zuerst beschriebene Weise erzählt hatte. Die Geschwor­nen haben sie der Gnade deS Königs anbefohlen.

Berlin, 29. Mai. Die K. Z. bringt das folgende neueste Bülletin: „Se. Majestät der König haben die ganze Nacht ruhig geschlafen und sinv frei von Fieber. Geschwulst und Schmerzhaftigkeit haben sich vermindert. Aussehen und Abson­derung der Wunde sind zufrieden stellend." Die Rüstungen präzisirt man von verschiedenen Seiten dahin, daß 4 Armee­korps mobil gemacht werden sollen, daS Garde-, 1., 4. und 5., nach andern auch das 8. Armeekorps. Nach geschehener Ver­ständigung zwischen der königlichen Regierung und dem päpst­lichen Stuhl ist die obere geistliche Aufsicht über alle dem Heere angehörenden Katholiken, so wie über die katholischen Militärgeistlichen dem Fürstbischof von BreSlau übertragen.

Stralsund, 24. Mai. (K. Z.) Am zweiten Pfingstfeiertag befanv sich daS dem Schiffer Ewert auS Barth gehörende Schiff „Njord" in dem hiesigen Fahrwasser , um in die offene See zu gehen. Der Schiffsraum war mit Getreide gefüllt; auf dem oberen Theile des Fahrzeugs war Mehl in Tonnen geladen; die ganze Ladung sollte nach einem der nördlichsten Punkte von Norwegen gebracht werden. AlS das Schiff in die Nähe der zu Rügen gehörenden Halbinsel Jasmund, auf ungefähr Vi Meile Entfernung vom Strande bei Perth kam, wo daS Binnenwasser sich mit der offenen See verbindet, stieg ein Gewitter in weiter Entfernung auf. Plötzlich faßte eine ; starke Gewilterbrise das Schiff von der Seite, so daß dasselbe ' gekentert (d. h. ganz auf die Seite geworfen) wurde. Die be­ladenen Tonnen rollten nach der lief liegenden Seite und ver- [ stärkten den Druck. In demselben Augenblick drang das Was­ser mit solcher Heftigkeit ein, daß das Fahrzeug sank und nur i die Masten über dem Wasserspiegel hervorragten. Der j S ch i f f s k a p i t ä n und s ä m m t l i cf; e Di a t r o f e n f i n o ! ertrunken. Nur dem Steuermann gelang eS, sich zu ret- i ten, und zwar dadurch, daß er in dem Augenblick, wo daS Schiff zu sinken ansing, an den Raaen rasch hinaufkletterte und sich am Oberende des DiastbaMs festhielt. I n bi e je r Stellung musste er ganze drei Tage verharren, bis er endlich von Lootsen erblick: und gerettet wurde. Er war durch Hunger und Durst, so wie durch die Einwirkung der Sonnenstrahlen am Tage und die kalte Feuchtigkeit wäh­rend der Nacht sehr angegriffen und sein Körper durch daS Seewasser ganz aufgeschwollen, als er gestern von.den Lootsen ans Land gebracht wurde.

Wien, 26. Mai. (D. A. Z.) In der letzten Zeit haben sich die Journale viel mit den Gaunereien eines gewissen Chorin unterhalten, der unter dem Titel eines UntersuchungS- kommissarS und in OffizierSuniform verschiedene Komitate Un­garns durchreiste und überall Untersuchungen, Verhaftungen, Verurtheilungen vornahm, um von den erschreckten Einwohnern bedeutende Summen zu erpressen. Die Einzelnheiten sind fast romanhaft, aber cs ist auffallend, baß kein Journal die Fol­gerung daraus gezogen hat, die am nächsten liegt. Schauspie­ler der Art wie Chorin prosperiren nur durch die Wahrschein­lichkeit, mit welcher sie ihre angenommene Rolle spielen. Wenn Gill Blas erzählt, wie er als Alguazil verkleidet gewirthschaftet hat, hat er zugleich die Phvsiologie des Alguazil gegeben. Wenn man liest, wie dieser Chorin die angesehensten , unbe­scholtensten Leute eines OrlcS vorruft, verdammt, Lösegelb von ihnen annimmt, und sie nicht einmal einen Zweifel, eine An­frage sich erlauben, sondern DaS ganz weitläufig finden: welche seltsamen Erfahrungen und Begriffe müssen sie schon erwor­ben haben!

Dänemark

Kopenhagen, 27. Mai. (D. Z.) Selbst die Garde ist abmarschirt und man glaubt deßhalb, baß der König selbst zur Armee abgehen wird. Heute legen ein Linienschiff und eine Fregatte aus. In Jütland stehen bereits, bei HorsenS und AarhuuS, zwei Brigaden. Die Aussichten werden also immer f t'l PA pri frhor STHösIot<4i i ^fnaan Sta ^^>4^^^^ *^^ ^^ "' ^ ^ *‘ n