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beim Stadtgericht ein. Zwei, der Vergolder Tempel und der Schneidergesclle Friedrich Wilhelm Hahn hier, wurden zum Tode, und zwei andere, der Schuhmachergeselle Fischer aus Salzgitter in Hannover, ein Israelit, und der hiesige Aufläder Janke zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt.

Berlin. Soeben und für die Neue Preußische Zei­tung sehr zu unglücklicher Stunde ist hier eine Thatsache in weiteren Kreisen bekannt geworden, die sehr geeignet seyn möchte, diesem Organe des exklusiven Patriotismus nach einer Seite hin eine Beleuchtung zu geben , welche die wichtigen Verhandlungen und Ermittelungen im Prozeß Walbeck nach einer andern Seite hin bewirkt haben. Während der Prozeß Walbeck gewissermaßen die innere Politik des Blattes der äußersten Rechten zutageförderte, ist die neueste Enthüllung mehr eine Enthüllung der auswärtigen Politik und der eigenthüm­lichen Bethätigung deS Patriotismus der Neuen Preußischen Zeitung in Dingen der auswärtigen Politik. Es hat sich nämlich kürzlich in einem von dem Abgeordneten zur schles­wig-Holsteinischen Landesversammlung Jürgensen gegen den Re­dakteur der Neuen Preußischen Zeitung anhängig gemachten Jnjurienprozesse herauSgestellt, daß die Neue Preußische Zeitung ihre Mittheilungen über die bänisch-schleSwig'sche Angelegenheit von keinem Andern als einem hier seit längerer Zeit sich auf- haltenden dänischen Agenten, dem Privatsekretär des dänischen Diplomaten von Reedh, Hrn. Peter Möller, empfängt. Die Neue Preußische Zeitung belehrt also ihr Publikum über Ver­hältnisse, welche Veranlassung zu einem Kriege für daS eigene Vaterland geworden sind und noch immer sind, durch die Feder eines Mannes, der im Interesse des feindlichen Landes, im Interesse der gegen die preußischen Waffen gerüsteten und käm­pfenden Macht thätig ist! Der Verfasser der betreffenden Ar­tikel, als der Redakteur nach einigem Zögern ihn namhaft zu machen genöthigt war, erklärte zu seiner Entschuldigung: man müsse die inkriminirten Artikel aus dänischem Gesichtspunkte auffasscn, er sey „ein Däne mit Leib und Seele" und kenne in seiner Wirksamkeit kein anderes Interesse als das seines Vater­landes. Zur Geltendmachung dieses spezifisch-dänischen Inte­resses öffnet die Redaktion der Neuen Preußischen Zeitung, daS Organ des spezifischen Preußenthums, ihre Spalten, während Preußen und Dänemark im Kriege mit einander begriffen sind.

Berlin, 27. Mai. (C. C.) Aus Breslau schreibt man: Die Nachricht von dem am 22. d. M. gegen Se. Maj. den König verübten Attentat hat hier eine weit verbreitete Entrü­stung nicht bloß gegen den Thäter , sondern überhaupt gegen die Demokratie, deren Lehren noch mehr oder minder bestim­mend eingewirkt haben, hervorgerufen. Ganz ähnlich soll sich, direkten Nachrichten aus Liegnitz und Oppeln zufolge, die Stimmung in allen Theilen der Provinz.Schlesien aüs- sprechen.

Der Mittheilung eines ehemaligen Stubenkameraden des rc. Sefeloge entnehmen wir Folgendes: Sefeloge hielt wenig Umgang mit den Kameraden. Er lebte sehr abgeschlossen, zeigte große Neigung für sich allein zu stubiren und eine höhere Lebensrichtung anzustreben, als vielleicht seinen Geisteskräften entsprechend sein mochte. Selbst die wenige der Erholung ge­widmete Muse verwendete er zum Stubiren, weßhalb ihm von den Kameraden der Spitzname: „der Stillvergnügte" beigelegt wurde. Trotz seiner Sonderbarkeit und Abgeschlossenheit habe ich jedoch Spuren von Geistesstörung, von fixen Ideen oder excentrischen Projekten niemals an ihm wahrgenommen.

Am 21. dS. Mts. ist im sogenannten Huis de Pavon (Pfauenhaus) im Haag die silberne Hochzeit Sr. königl. Hoheit des Prinzen Friedrich der Niederlande und der Prinzessin Louise, jüngsten Schwester Sr. Majestät des Königs, gefeiert worden.

Berlin, 27. Mai. (D. Z.) Daß hier auf die am 16. erlassene zweite Protestnote schon eine österreichische Antwort eingetroffen sey, wie mehrere Blätter behaupten, ist durchaus falsch. Nur so viel ist richtig, daß Herr Prokesch von Osten mündlich gegen die Anordnung zweier Bevollmächtigten zu dem Frankfurter Kongreß (der Herren von Peucker und MatthiS) Einspruch erhoben hat, wie natürlich vergebens, da es ja jedem Staate frei steht, sich durch so viele Bevollmächtigte vertreten zu lassen als ihm beliebt. Uebrigens wird hier die Abreise dieser Bevollmächtigten so lange hinausgeschoben werden, bis Oesterreich die von ihm veranlaßten formellen Schwierigkeiten (Präsidialrecht und Cbarakterisirung des Kongresses als Bun-

deschlenum) beseitigt hat. Ist dies geschehen, so werden die Herren Matlhis, Seebeck und Liebe sich sogleich nach Frank­furt begeben. (Der Zweitgenannte vertritt dieselben 11 Stâateii, die ihn früher zum Berwaltungsrath bevollmächtigt hatten.) Gleich Preußen nehmen auch alle übrigen uuionsgetreuen Regierungen Anstand schon jetzt den Kongreß zu beschicken.

Flensburg, 17. Mai. Ueber die Entweihung des hiesigen Friedhofs durch die Dänen berichtet die Nord­deutsche freie Presse: Verruchte Hände haben auf dem Fried- Hofe in diesen Tagen alle schleswig-Holsteinischen Fahnen und Fähnlein herabgerissen und zum Theil zerissen. Keine Stätte ist verschont; nicht der Platz, welchen daS allen bei uns ge­fallenen deutschen Kriegern gesetzte Denkmal ziert, keine Grab­stätte von der des Obersten Saint-Paul an bis zu der Grab­stätte des OberjägerS Wohlers aus Neumünster. Ehe diese Schandthat verübt war, hatte eine verruchte Hany eine her­vorragende deutsche Trikolore geraubt, oder sage ich ueber : gestohlen; denn die Feigheit geht Schleichwege.

Wien. Ueber die Entlassung der Kinder Kossuth'S zu ihren Aeltern nach Kleinasien, welche so plötzlich und un- vermuthet kam und allenthalben eine gewisse Verwunderung hervorrief, bringe ich so viel in Erfahrung, daß dieselbe ein Werk der erkrankten und verwundeten, in den ungarischen Spitälern zurückgebliebenen Russen sein soll. Bekanntlich wqr die Schwester Kossuth'S während des ungarischen Kriegs mit der Oberaufsicht über die Spitäler betraut, welches Amt die­selbe treulich und mit aller Aufopferung verwaltete. Kein Un­terschied zwischen Freund oder Feind, und die Russen und Oesterreicher wurden von ihr ebenso liebevoll behandelt und verpflegt als die eigenen Landeskinder. Kein Wunder, daß das Benehmen dieser edlen Dame die Aufmerksamkeit nament­lich der Fremdlinge auf sich zog und dieselben zur besondern Dankbarkeit verpflichtete. Als nun endlich die Russen auch von dem Schicksale Kossuth'S und seiner Kinder Nachricht er­hielten , wurden sie über daS Schicksal derselben tief gerührt, und sie sprachen sich insgesammt dahin aus: Wenn der Bru­der (Kossuth) seiner Schwester gleicht, so ist diese unnatürliche Strafe für ihn und seine Kinder zu hart und ungerecht. Sie vereinigten sich sodann und schickten eine Deputation an Hay- nau mit der Bitte, derselbe wolle dahin wirken, daß die Kin­der Kossuth'S zu ihren Aeltern gebracht werden könnten. Die Kinder befinden sich nun auf der Reise. (Schles. Z.)

Wien, 22. Mai. (D. A. Z.) Radetzky fängt an unge­duldig zu werden über die ministerielle Politik, die mit nichts vorwärts schreitet , als mit der immer größeren Verwirrung unserer verworrenen Verhältnisse. Auf der anderen Seite be­ginnt man den Retter der Monarchie mit mißtrauischen Augen zu betrachten, weil er, mirabiie dictu, zu demokratische Grund­sätze hege. Als solche werden ihm seine Leutseligkeit und die Kameradschaftlichkeit zugerechnet, die er in seiner Armee ein­geführt hat. Die Paradehelden deS HofkriegSralheS schreien, daß dadurch die Disziplin der Armee verdorben, daß sich die aus Italien zurückkehrende Mannschaft dem Reglement nicht werde fügen wollen. Jetzt, wo der Sieg errungen ist, ver, geffen die Bureaukraten , daß Radetzky eben nur durch seine fidele Humanität im Stande war, die von Wien auS arg vernachlässigten und schmählich Preis gegebenen Truppen zum Siege zu führen.

Es ist von verhängnißvoller Bedeutung für unsere Zu­kunft, daß die drei Haupiführer mit dem Ministerium grollen. Iel lach ich, der im Grunde eine bornirte ehrliche Soldaten­natur ist und als solche leicht begeistert werden konnte, wird durch die Wort- und Schriftführer des Slawismus immer mehr zur Einsicht gebracht, daß er lediglich als Werkzeug be­nutzt worden, daß er nicht erfüllen könne, was er seinen Kroaten versprochen und was die Allmutter Slawa von ihm gehofft. Dies ist gefährlich bei einem Manne, dessen Hauptmotiv der Ehrgeiz war, von sich reden zu machen. Man fürchtet hohen Orts diese Gefahr und denkt an die Worte, welche Franz I. in Betreff Hofer's und der Tyroker gespro­chen : „Was die Leute jetzt für uns thun, können sie einmal gegen uns thun". Man ist daher nahe daran, mit den Ma­gyaren Frieden zu schließen, und die Kroaten, wie einst die Tyroler zu vergessen. Hay nau ist in Pesth gerade so , wie vor ihm Windischgrätz, gänzlich vom Netz der aristokratischen Magyarenpartei umgarnt und im entschiedenen Bruche mit den Ministern und ihren Kommissaren. Man erzählt sich ein cha-