steht zur schließlichen Erörterung das Verhalten, welches die verbündeten Regierungen auf dem von der kaiserl. österreichischen Regierung auf den 10. Mai nach Frankfurt berufenen Kongresse ein tu nennen haben werden, und zwar namentlich zu den beiden auf dem Kongresse zu verhandelnden Hauptfragen, nämlich die Frage 1) über Bildung des Interims, 2) über Umgestaltung der Verfassung des deutschen Bundes. v.Radowitz trägt vor, daß die erste dieser beiden Fragen in die beiden Un-1 terfragen zerfalle a) über die Kompetenz, b) über die Zusammensetzung des Interims. Die Kompetenz betreffend, so wolle Preußen aucb hier mit der offenen Darlegung seiner eigenen Ansicht den verbündeten Regierungen entgcgcntreten. Preußen wünsche zunächst: 1) Beschränkung des Interims auf die Verwaltung deS BundeSeigenthumS, sodann und sofern die Beschränkung der bisherigen Kompetenz deS Interims an keiner Weise zu erreichen stehe, werde eS mit seinem Wunsche 2) bis auf die Kompetenz des Interims der bisherigen Bundeskommission zurückgehen. In keinem Falle werde cs aber 3) zugeben, daß die Kompetenz des Interims sich über diese Grenzen auSdehne und nebstdem auf unbestimmter Ausschließung der Verfassungs- frage von der Kompetenz des Interims bestehen. Bei der Umfrage erklären die sämmtlichen anwesenden Regierungen, mit Ausnahme von Kurhessen und Mecklcnburg-Streiitz, welche sich dem Vorschläge Preußens nur ad 2, d. h. nur insofern, anschließen, als dem Interim jedenfalls die Kompetenz der jetzt-1 gen Bundeskommifsion zugestanden werde, und mit Ausnahme des Großherzoglhums Hessen, welches an der Abstimmung keinen Theil nimmt, — daß sie bereit sind, sich dem von Preußen angekündigten Verhalten bezüglich der Erörterung und Abstimmung über die vorstehende Frage über die Kompetenz des ferneren Interims anzuschließen. Oldenburg hat sich bei dieser Abstimmung dahin ausgesprochen, daß dem neuen Interim so wenig Kompetenz als möglich zugestanden werden möge; Hamburg unter dem Beifügen, daß es die Kompetenz des Interims in dem ersten Stadium des Vorschlages, wo dieselbe über die Verwaltung des gemeinschaftlichen BundeSeigenthumS nicht hinausgehe, zu beschränkt finde, und unter der darauf von General von Ravowitz zur Erwägung gestellten Frage, daß gerade in dieser äußersten Beschränkung der Juterimskompetenz den Regierungen ein Kompelle für die Herbcischaffuug des DcfiuüivumS gegeben seyn werde; Bremen mit dem Wunsche, daß die Konferenz zugleich über einen Termin für das neu ein* tretende Interim statuiren möge. v. Radowitz findet diese Wünsche in der Sache völlig gegründet. Die in Gemäßheit derselben von ihm gestellte Frage wird von der Konferenz allseitig, mit einziger Ansnahme des Großherzoglhums Hessen, daS auch hier nicht mit abstimmt, dahin bejaht und festgcstcllt, daß die verbündeten Regierungen auf dem Frankfurter Kongresse für ein Interim von drei Monaten stimmen. In Bezug auf die Zusammensetzung des Interims geht die Ansicht der preußischen Regierung dahin: 1) zunächst Fortdauer der bisherigen Zusammensetzung im Falle dies zu erreichen; 2) Bildung der provisorischen Behörde unter gleichberechtigter Mitwirkung sämmtlicher deutscher Regierungen; 3) in keinem Falle ein GruppirungSsystem. Sämmtliche zur Konferenz vereinigte Regierungen — Großherzoglhum Hessen und Mecklenburg-Strelitz, die sich der Abstimmung enthalten, allein ausgenommen — erklären , daß sie auch in Bezug auf die Zusammensetzung des Interims sich der soeben dargelegten Ansicht der preußischen Regierung anschließen, und daß sie demgemäß auf dem Frankfurter Kongresse stimmen werden. Baden hat seine Beistimmung mit dem Ausdruck der höchsten Anerkennung für die durch Aussprache dieser Absichten kund gegebenen Gesinnung Preußens begleitet. Kurhessen hat sich der Zustimmung im Ganzen nicht entzogen, wird aber vielleicht, sofern das Interim nicht ganz in jetziger Zusammensetzung bleibt, was cs vor Allem wünlcht, in einzelnen Modalitäten von Preußen abweichen, jedoch mit der bestimmten Erklärung, daß das Projekt der Trias in Kurhessen jederzeit seinen entschiedenen Widerspruch finden werde. BiS zum Schluffe der Konferenz bleibt noch die vorläufige Erörterung über die auf dem Frankfurter Kongresse zu berathende Umgestaltung des deutschen Bundes. Anberaumung einer Abendsitzung 7 Uhr.
D e u t f eh i s W d
•H Dillenburg. Am 22. und 23. d. Mts. ist die zweite öffentliche Versammlung der Sektionen deö nass. Vereins für Naturkunde hier abgehalten worden. Die verschiedenen Vor
träge, über Mineralogie, Botanik und Zoologie in den Sitzungen, sowie die nach Beendigung derselben staltgcsundenen Exkursionen an interessante Punkte in der Umgegend, lieferten reichhaltige Beiträge zur Kenntniß unseres Landes, und zugleich den Beweis, mit welch warmem Interesse der Verein die Zwecke desselben verfolgt. Daß eine Anerkennung in wissenschaftlicher Beziehung der Verein auch jenseits der Grenzen unseres engeren Vaterlandes bereits besitzt, beweißt, daß außer mehreren anderen Fremden auch Hr. Geheimrath Bischoff von Bonn den SektionSversammlnngen beigewohnt hat, und seine Anwesenheit bei den Sitzungen, sowie bei den Exkursionen wurde freudigst begrüßt.
Der bei Schluß der ersten Versammlung in Weilbung im Oktober v. I. ausgesprochene Wunsch deS Vorsitzenden: daß ein ferneres rüstiges Voranschreilen und gutes Gedeihen der Arbeit sich im Interesse des Landes und der Wissenschaft an jene erste Vereinigung der Sektionen knüpfen möge, hat sich in dem Ergebniß der zweiten durch die That bewährt, und wir wünschen, daß bei der nächsten Versammlung, welche zu Pfingsten 1851 in NiederlahnHein und wahrscheinlich in Verbindung mit dem Nachbarvereine Preußens stattfinden soll, gleich erfreuliche Resultate zu Tage kommens
Stuttgart, 25. Mai. (M. I.) Die Beschlagnahm« deS neuesten Romans von Sue, „Geheimniße des Volk." ist auf Reklamation der Franck'schen Buchhandlung, welche Schoder zum Advokaten angenommen, von der Regierung aufgehoben worden.
Dresden, 22. Mai. (A. Z.) Heute früh starb Dr. von Ammon, unser hochgeachteter, emeritirter Hofprediger: sein Ableben ist unvorhergesehen und schmerzlos eingetreten, wie man hört; sein Geist wird hoffentlich unter uns fortleben.
Döbeln, 22, Mai. (DreSdn. 3.) Ein furchtbarer Unglücksfall hat gestern Abend unsere Stadt betroffen. Gegen 6 Uhr Abends brach nämlich ein erst vor kurzer Zeit neu auf- ; geführtes Seitengebäude eines hiesigen Grundstücks zusammen ; und verschüttete eine beträchtliche Anzahl Arbeiter, welche bei ; dem noch nicht vollendeten innern Ausbau des Gebäudes noch ! beschäftigt waren. Von den Unglücklichen blieben die Maurer- ; gesellen Weise und Reisthardi und der Kleber Händel auf der Stelle todt, wogegen der Handarbeiter Kurth schwer, der Maurergeselle Lorenz leicht verwundet wurden. Händel hinterläßt eine Wittwe mit sechs unerzogenen Kindern, wovon das jüngste erst ein halbes Jahr alt, deren einziger Ernährer und Versorger er war, in den traurigsten Verhältnissen.
Aus Dessau, 22. Mai, berichtet die „Deutsche Reform" eine grausenerregende That. Die Leiche der verstorbenen Frau Herzogin ist in ihrer Ruhestätte, einer Gruft in der Kirche zu Jonitz, entweiht und beraubt worden. Noch fehlen ge, nauere Angaben.
Berlin. Der Treubund hatte bekanntlich eine BelobungS- abreffe an die HH. Gerlach und Stahl für ihr preußisch- patriotisches Wirken in Erfurt entworfen und herrumgcschickt. Schon hatten sich Einige unterschrieben, als in einer Treu- bundsversammlung dagegen stark protestirt wurde, namentlich durch einen patriotischen Schneidermeister, der die HH. Gerlach und Stahl so schilderte, als seyen sie so viel mehr geheime Freund.e Oesterreichs als jemals Preußens. Ihre Wirksamkeit in Erfurt sey eine ächt österreichische gewesen. In Folge dieser wirkungsvollen Rede des patriotischen Herrenkleidermachers und und JnnungsmeisterS kamen die Herren Gerlach und Stahl um das Glück, eine BelobungSadreffe vom Berliner Treubunde zu besitzen.
Berlin, 26. Mai. Die neuesten BülletmS über das Befinden deS Königs lauten wie folgt: „25. Mai, Abends 9*/2 Uhr. Das Fieber hat sich gegen Abend vermindert, obwohl die Geschwulst in der Umgebung der Wunde etwas weiter verbreitet scheint. Die Absonderung der Wunde ist nach Menge und Qualität erwünscht". „26. Mai, Morgens 10 Uhr. Se. Maj. der König hat den größten Theil der Nacht ruhig geschlafen. Bei unbedeutendem Fieber hat sich die Geschwulst, nicht aber die Empfindlichkeit des Arms vermindert. Die Wunde hat ein gutes Aussehen und die eiterige Absonderung auS derselben dauert fort." Die Gerüchte, daß in Folge deS Attentats namentlich neue Preßmaßregeln genommen werden
