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Ustssauische

Allgemeine Zeitung.

J£ L2L Dienstag den 28. Mai 1S5O»

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsckau.

Aus den Verhandlungen des Fürstenkongrefses.

Deutschland, Nassau (Selbftbefenntniffe eines Mörders). — Kassel (Der Oetker'sche Antrag). — Berlin (Das Befinden des Königs. Der Prinz van Preußen. Konferenz in London zur Schlichtung der dänischen Frage). — Bremen (Berichtigung). — Wien (Hr. von Schmerling bestohlen).

Ungarn. (Oekumenische Synode des griechischen Klerus. Die Kinder Koffuthr).

Zeitungfchau

In der „Constitutionellen Zeitung" lesen wir: Die „Deutsche Reform" vindizirt der demokratischen Presse die Mitverantwort, lichkeit „für die geistige und sittliche Entartung, die sich gerade im Fürstenmord äußert, selbst wenn die Hand eines Wahnsinn nigen ihn voüführt". Als wenn das Verbrechen des Fürslcn- mordes nur in der Demokratie seinen Ursprung hätte! Von den fürstlichen Mördern, Johann von Schwaben und Otto von Wittelsbach, den Werkzeugen hierarchischer Politik, wie Clement und Ravaillac, oder den adeligen Meuterern, wie An- karSwärd und den Orloff's herab bis zu den demokratischen Fanatikern unserer Tage, Louvel, Alibaud k„ gibt eS fast kei­nen Stand und kein Prinzip, die sich nicht mit’ diesem Verbre­chen befleckt hätten. Aber Preußens Geschichte ist bis vor Kurzem völlig rein davon geblieben, und das einzige traurige Beispiel eines solchen Frevels traf nicht eine im Volk verbrei­tete Partei, eS war der Ausdruck der Privatrache eines Einzel­nen. Bei der schrecklichen Wiederholung desselben ist der Thä­ter ein Mensch, für dessen gestörten Gemüthszustand zahlreiche Indizien sprechen. Statt die Ehre unseres Volkes, wenn mög­lich, von dem Schimpf dieser That rein zu erhalten, erklären jene Organe von vorn herein eine zahlreiche Partei bis in ihre gemäßigten Nuancen für unbedingt mitschuldig für das Ver­brechen, selbst eines Wahnsinnigen. In England ist eS Grund­satz der Politik, jeden Königsmörber für wahnsinnig zu erklä­ren, um keinem Theil der Nation die Solidarität für diese Schmach aufzubürdcn. Bei uns gibt es Menschen, die große Kreise deS Volkslebens für den Königsmord verantwortlich machen wollen, — selbst wenn der Thäter wahnsinnig ist.

Die Lichgr. Nachrichten schreiben aus Berlin: zDas At- **n tn t liegen das Leben unsers Königs, schon an sich verab- scheuungswürdig genug, scheint auch für die Zukunft eine Quelle beklagenswerther und folgenschwerer Maßregeln werden zu sollen. Man versichert aufs Bestimmteste , daß man damit umgehe, nicht nur allgemeine strenge Strafgesetze für die Preß­vergehen zu erlassen, sondern auch Spezialedikte gegen einzelne besonders mißliebige Organe zu publiziren. Eö hat den An­

schein, als wolle man das unheilvolle Ereigniß zu den verderb­lichen Zwangseinrichtungen ausbeuten. Ueber den persönlichen Zustand des Königs erfährt man in wohlunterichtelen Kreisen das Günstigste. Auch die Stimmung des leidenden Monarchen scheint trotz der Schmerzhaftigkeit der Wunde eine heitere zu seyn. Man trägt sich wenigstens mit einer Reihe scherzhafter Aeußerungen, welche der König in Bezug auf verschiedene An­gelegenheiten gemacht haben soll. Auch die Deputation der Stadtverordneten, die heute eine Adresse überbrachte, hat manche solcher Aeußerungen in der Umgebung des Hofes vernommen und in weitere Kreise gebracht.

Wir bringen hier folgendes Schreiben zur öffentlichen Kenntniß , das wir an den verantwortlichen Herausgeber der Neuen Preußischen Zeitung, Assessor Wagener, gerichtet haben:

Die Neue Preußische Zeitung führt in der gestrigen Num, mer unter den Indizien, die für die Komplizität der Demo­kratie mit dem Sefeloge'schen Attentate sprechen sollen, auch „die geflissentlich verbreitete falsche Nachricht von der Abreise des Prinzen von Preußen nach Warschau" auf. Diese Nach­richt, die wir für richtig zu halten guten Grund hatten, ist lediglich durch unsere Lithographirte Korrespondenz in die Öf­fentlichkeit gelangt. Ew. Wohlgeb. werden es demnach ganz in der Ordnung finden, wenn wir Sie hierdurch dringend er­suchen, bestimmt und unumwunden anzugeben, welchen Antheil Sie uns, als Verbreitern jener Nachricht, an der von Ihnen behaupteten Komplizität beimessen. Berlin, 24. Mai 1850. Das Korrespondenzbureau.

Wir werden nicht verfehlen, über den weitern Verlauf die­ser Angelegenheit und unserer eventuell zu thuenden Schritte öffentliche Mittheilung zu machen.

Welche Plane die Organe der krassesten Reaktion, die Kreuzzeitung und die Deutsche Reform, an das Attentat auf den König knüpfen, das ihnen fast wie gerufen erscheint, erhellt aus folgenden Aeußerungen dieser beiden Blätter. Die Deutsche Reform sagt: Es ist natürlich, daß sich im Hinblick auf das bejammernSwerthe Attentat die öffentliche Beachtung und die Entrüstung aller ernsten Politiker von neuem aus die Zeichen der Zeit ' gerichtet hat, wie sie in einem gewissen Theile der Presse tagtäglich zu finden sind. Bei dem mögli­chen positiven Zusammenhang des Verbrechens mit faktischen Parteibestrebungen und bei der offenbaren moralischen Zusam­mengehörigkeit mit den blasphematorischen Lehren des Radika­lismus fragt man sich von neuem mit entschiedener Besorg­niß, ob der Staal ruhig zusehen soll und.darf, wenn gewisse weit verbreitete Organe in unablässiger Bemühung das gei­stige und sittliche Bewußtseyn eines großen Theils des Volks auf das schändlichste vergiften und verwirren, wenn Das, waS der Gesellschaft heilig und unantastbar seyn sollte, täglich den niedrigsten Verdächtigungen und Schmähungen preisgegeben wird? Die öffentliche Meinung muß erwarten , daß diese Frage eine neue ernstliche Erwägung finde; die Regierung