unter den Ersten sahen wir die Minister v. d. Heydt, v. Schleinitz, v. Manteuffel ; in den Augen nicht allein der Personen aus der nächsten Umgebung des Königs, sondern des Publi» kums standen Thränen der Wuth über die That und deS tiefen Schmerzes, denn Jeder sagte sich, und hundertfältig wurde es in lauten Worten ausgesprochen: DaS ist die fluchwürdige i Ernte, die jene fluchbeladene Saat der Aufreizung und Ein-: pörung erzeugt, welche alle Treue, alle Ehre, alle Tugend im Wolke zu ersticken sucht, und Mord, Diebstahl und Ruchlosig-- keit an ihre Stelle pflanzt."
Der Meuchelmörder ist, so viel bis jetzt ermittelt worden, ein seit dem Herbst entlassener Artillerist auS der Handwer- - kerkompagnie. Der Mann soll auS Mitleid schon seit 2 Jähren auf dem Etat mit durchgeschleppt worden seyn und sich viel- , fach durch Exaltation bemerklich gemacht haben, die auch die' Ursache seiner Entlassung war. Auf dem Bahnhöfe wurde erzählt, daß er durch Aufreizung noch mehr eraltirt worden ; sey. Diese Aufreizung hat ihn zur fluchwürdigen That gerne-| ben. Die Waffe, mit der er geschossen, war ein Terzerol mit | auffallend großem Kaliber. In diesem Augenblick ist ein vor-| läufiges Verhör mit ihm angestellt worden. Eine Eskadron j Gardedragoner (Rittmeister v. Korsigk) ist so eben auf dem ' Bahnhof angekommen , um den Mörder zum Gefängniß zu i eskortiren. Wir bemerken nachträglich, daß auch viele der frem« ? den Gesandten, darunter der englische und französische, auf den : Bahnhof eilten". *
Der Urheber deS mörderischen Angriffs auf den König ist f bereits einem vorläufigen Verhör unterworfen worden. Er heißt Sefeloge und ist ein auS dem Dienste entlassener Unter-. offizier. Seine Aeußerungen sollen das Gepräge höchster de- ; mokratischer Ucberspannung getragen und er unter anderm ausgerufen haben: er sey souverän und habe ein großes Volk, hinter sich." Die Entrüstung über den frechen, wahnwitzigen ‘ Mordversuch ist allgemein; der ganzen Stadt sieht man die, Aufregung an. Man erzählt, der Thäter sey mit noch drei; andern Unteroffizieren wegen gefährlicher demokratischer Ge-; sinnungen aus seinem Regiment entlassen worden, und habe- später mehrfach geäußert, daß er fich blutig rächen werde.! Man habe aber dabei höchstens an einen Anfall auf einen j Offizier gedacht. j
Das „Corr.-Bur." theilt Folgendes mit: Der Thäter» heißt Mar Sefeloge. Er ist aus Potsdam (Wetzlar?) ge- j bürtig, etwa 31 Jahr alt, im Militärwaisenhause zu Potsdam| erzogen und hat später als Unteroffizier in der Artillerie ge-: dient. Nach den Zeugnissen, die er erlangt hat, war seines Führung „durchaus befriedigend". Wie man glaubt, in Folge j großer Anstrengungen, verfiel er vor etwa 2 Jahren in Gei- ; steSkrankheit. Er wurde im Lazareth zu Spandau behandelt! und von dort als Invalide entlassen. Keineswegs soll er jedoch • geheilt gewesen seyn. Sein ganzes Benehmen ließ keinen Zweifel darüber, daß er noch wahnsinnig sey. (Unter andern i bildete er sich ein, Erfinder der Chokolade und der Schièßbaum-! wolle zu seyn; die Gründung eines KolonialstaateS mit Bei-s Hilfe deS Bei von Tunis gehörte zu seinen LieblingSgevanken.) ;
Berlin, 22. Mai. Die Protokolle des hiesigen Fürsten-; kongresses werden morgen Abend durch den „Preußischen s StaatSanzeiger" veröffentlicht werden. So weit wir dieselben i kennen, ist in Bezug auf Preußen der günstigste Eindruck von dieser Veröffentlichung zu erwarten. — Se. Maj. der König hat, wie wir hören, dem General v. Radowitz als Anerkennung seiner vielfachen Verdienste um Preußen den Großstern des rothen Adlerordens erster Klasse verliehen. Zugleich soll der König diese Auszeichnung mit einem sehr huldvollen Schreiben begleitet haben. Die Anfeindungen, welche Hr. v. Radowitz auch hier zu erdulden hatte, sind dadurch auf die geeignetste Weise beantwortet. Die entschiedene bundesstaatliche Stimmung am königl. Hofe findet auch in dieser Aufmerksamkeit deS Königs eine neue Bestätigung. — Die Reise des Prinzen von Preußen nach Warschau dürfte in den nächsten Tagen, erfolgen.---Der Minister v. Manteuffel, welcher in den Pfingsttagen einen kleinen Ausflug gemacht hat, wird heute hier zurückerwartet. — Von Seite des dänischen Bevollmächtigten, Hrn. v. Reedtz, welcher bereits vor mehreren Tagen hier eingetroffen ist, erwartet man die Erklärung Dänemarks in Bezug auf das preußische Ultimatum. DaS ist alles, waS sich in dieser Angelegenheit bis jetzt berichten läßt. — DaS rasche Zustandekommen der preußischen Anleihe von 18 Mill. Thalern einen außerordentlich günstigen Eindruck. DaS Drängen zur Betheiligung an dieser Anleihe soll nach der Aussage un
serer Geldmänner ein in der That ungewöhnliches seyn und seit lange Aehnliches in der Börsenwelt sich nicht bekundet haben. Man hatte den Kredit Preußens hoch angeschlagen, aber in diesem Grade nicht. Dieses glänzende Ergebniß hat zur Hebung der Stimmung bedeutend beigeträgen.
Berlin, 23. Mai. (Tel. Depesche d. K. Ztg.) Der König hat eine ruhige Nacht gehabt. Die Wunde hat ein gutes Ansehen, Fieber ist noch nicht eingetreten.
Berlin, 23. Mai. (Tel. Depesch d. K. Ztg.) In heutigen Morgenblättern liest man: Wie wir hören, so sind gestern der Buchvruckerei-Besitzer BehrendS so wie die Literaten Meyen, Streckfuß und Kunowski verhaftet worden. Man sagt, eS werde ihnen zur Last gelegt, eine gesetzwidrige Verbindung politischer Vereine vermittelt zu haben.
Der „Urwähler" meldet die Verhaftung seines Redakteurs Bernstein.
Wien, 23. Mai. (Telegraphische Depesche der Allgemeinen Zeitung). Der Kaiser ist gestern AbendS glücklich zurückgekehrt,
Wien, 19. Mai. (D. 3) AuS Pesth vernehmen wir, daß mehreren Frauen geflüchteter Insurgenten Pässe in daS Ausland unter der Bedingung ertheilt werden sollen, daß sie nicht mehr in ihre Heimath zurückkehren. Das dortige Kriegsgericht hat einen neuen Steckbrief erlassen, womit ein ehemaliger k. k. Oberlieutenant, Franz Flek mit Namen, verfolgt wird. Derselbe hatte nach Zersprengung deS Lagers bei La- gernvorf am 11. Novbr. 1848 vierzig Grenadiere, welche auf Aufforderung der ungarischen Offiziere die Waffen gestreckt hatten, insgesammt erschießen lassen. Flek war früher Mitglied der ungarischen Garde in Wien und zu gleicher Zeit mit Klapka in die Armee eingetheilt worden. Duschek, der ehemalige ungarische Finanzministcr, welcher hier eine Untersuchung unter polizeilicher Aufsicht bestand, ist nun in Pesth eingetroffen, wo dem Vernehmen nach eine „Purifikation" an ihm vorgenommen werden soll. Er hat dem Staate viel an baarem Geld auS der Insurrektion gerettet und es scheint, daß man aus Erkenntlichkeit dafür eS an Bemühungen ihn zu „reinigen" nicht will fehlen lassen.
FrsnZxeLch.
Paris, 22. Mai. Die heutige Sitzung der gesetzgebenden Versammlung begann wieder mit einer Prozession der Mitglieder der Linken zur Eingabe von Petitionen gegen das neue Wahlgesetz. Larochejaquelein dagegen überreicht Mehrere andere, welche einen Aufruf an daS Volk wünschen, sich über seine Regicrungsform zu erklären. In der Versammlung war heute daS Gerücht verbreitet«, es habe das sozialistische Konklave in letzter Nackt eine Sitzung gehalten. Man sagt, daß die Deleginen der Provinz für und die Montagnapds gegen einen Aufstand sich erklärt hätten. — Lord Normanby stürzte gestern bei einem Spazierritt im Bois jde Boulogne vom Pferde; er ist leicht verletzt.
Der von Rom zurückgekehrte General Baraguay d'HillierS erschien gestern zum ersten Male in der Legislativen; in einer Unterhaltung mit einigen seiner politischen Freunde schilderte er die äußerst fatale Stellung der Expedition gegenüber der maßlosen Reaktion der päpstlichen Regierung; nach seiner Ansicht würde die Situation aber in nächster Zeit nicht allein für den Staatsschatz, sondern auch für die äußere Würde Frankreichs noch weit fataler werden.
D â n e m a r k.
Kopenhagen, 20. Mai, Mittags. Die „Nyeste Postefter- retninger" melden, daß, nachdem die gestern und heute hier angekommenen Nummern des „Flensburger Korrespondenten" von den hier vergenommenen Rüstungen reden, so könnten diese Rüstungen, wie sehr man vermuthlich es auch gewünscht hätte, nicht länger verheimlicht bleiben. Die ersten Soldaten seyen heute Morgen abgegangen. „Wir werden diesmal — sagen sie — nur eine Lusttour machen, And so die deutschen Blätter, welche darauf bestehen, daß unsere Rüstungen nur den Herzogthümern imponiren sollen, bestätigen". Kje andern Blätter sind des Pfingstfestes wegen nicht erschienen.
In Abwesenheit deö Redakteurs für die Redaktion verantwortlich : A. Boczek,
