werden vier Protokolle der Ministerkonferenzen veröffentlicht, schwerlich jedoch die andern der fürstlichen Berathungen. — In einer Sitzung war vorgeschlagen worden , die protestirende Note nicht nur nach Wien" zu schicken, sondern die Aufnahme derselben in das Frankfurter Protokoll zu beantragen. Hr. v. Radowitz brachte zur Geltung, daß Beides geschehen müsse. Jetzt soll die Ansicht hier vorherrschen, daß, wenn Oesterreich seinen Kongreß als Bundestag weiter tagen läßt und von der Protestation keine Notiz nimmt, die Bevollmächtigten der Union sich zurückziehen. Das war gestern noch als die im Moment geltende Meinung hingestellt. — Am 15. Juli läuft das Pro- vijorium ab. Wie soll dann das Definitivum eingesetzt oder dasselbe Provisorium verlängert werden? Vierzehn Stimmen mit Preußen wollten dies dem Provisorium selbst zuerkennen, sieben aber (Baden, Schwerin, Anhalt, Nassau, Hamburg, Lübeck, Bremen) verlangten für diesen Fall den Rekurs auf den früheren Verwaltungsrath oder einen neuen Kongreß. Es wird sich nun faktisch so Herausstellen, daß die Vierzehn sich (?) unter einander verständigen, und dann die Sieben, gemäß dem früheren Modus, zuziehen. Dies ward auch schon auf dem Kongreß hervorgchoben. Hessen-Kassel und Genossen, die schon zum Provisorium eine partikulare Stellung eingenommen, kommen hier natürlich gar nicht in Frage oder nur so, wie die Sieben.
Berlin, 22. Mai. Die „Deutsche Reform" berichtet in halb offizieller Weise über daS Attentat auf des Königâ Majestät : „Wir haben eine That zu melden, welche daS Herz jedes Preußen mit Entrüstung und tiefer Beschämung erfüllen wird, aber zugleich einen AuSgang der That, welcher freudiger Hoffnung Raum gibt. Es ist ein Attentat auf das Leben Sr. Majestät unsers theuern Königs verübt worden, aber der Gott der Gnade, welcher Preußen schirmen will, hat den Plan der Nichtswürdigkeit vereitelt, und den König am Leben geschützt. Um 12 Uhr wollten Se. Majestät die seit längerer Zeit beabsichtigte Verlegung der Residenz nach Sanssouci auS- führen, und hatten Sich zu diesem Zwecke in Begleitung Ihrer Majestät der Königin nach dem Potsdamer Bahnhof begeben. Als Allerhöchstdieselben auf dem Perron standen, um eben in den Wagen einzutreten, näherte sich ein Mensch in der Uniform eines Artilleriefeuerwerkers, zog ein Pistol hervor und feuerte dasselbe nach der Brust Sr. Majestät ab. Der König machte eine ausweichende Bewegung, wurde aber leider dennoch am rechten Unterarme von der Kugel getroffen, welche außerdem die Brust stark streifte. Man stürzte sofort von allen Seiten herbei , vorzugsweise um Sr. Majestät die nöthige Hülfe zu leisten; ein Theil deS Publikums warf sich mit der Wuth der äußersten Entrüstung auf den Thäter, welcher kaum der augenblicklichen Volksjustiz entrissen wurde. Se. Majestät waren unterdeß sofort zur Ruhe gebracht worden; die erste ärztliche Hilfe leistete der Prof. Böhm, welcher gerade am Bahnhof vorüberfuhr und herbeigeholt wurde. Man schickte unverzüglich nach den königlichen Leibärzten Dr. Grimm und Professor Schönlein, welche beide auch in kurzer Zeit erschienen und die erforderliche vorläufige Pflege anord- neten. Unterdessen waren Se. königl. Hoheit der Prinz von Preußen und die meisten der übrigen Prinzen, der Ministerpräsident Graf v. Brandenburg, der Minister des Innern Hr. v.Manteuffel und mehrere der höchsten militärischen und Zivil- beamten auf dem Bahnhöfe cingelroffen. Sie konnten glücklicher Weise die Nachricht erhalten, daß nach übereinstimmender Ansicht der Aerzte die Wunde keine gefährliche zu seyn schien. Der Bahnhof war vor dem Andrang des auf die schnell verbreitete Nachricht von allen Seiten herbeiströmenden Publikums durch eine herbeigeholte Abtheilung Militär abgesperrt worden; am Potsdamer Thor aber sammelten sich sehr zahlreiche Volks- Haufen aus allen Klassen, unter welchen sich daS Gefühl tiefer Entrüstung offen kund that. Bald wurden die Herzen freudiger bewegt, indem Se. Majestät mit Ihrer Majestät der Königin aus dem Bahnhof heraus auf den Weg nach Charlottenburg zurückfuhren. In einem einfachen Koupe sitzend, schienen Allerhöchstdieselben zwar sichtlich angegriffen, aber doch heiter und muthvoll, und dankten aufs freundlichste, als die versammelte Menge bei dem Vorüberfahren ihrer Liebe in lautestem Hurrah- rufen Luft machte. Alle näher und entfernter Stehenden oder erst Hcrbeieilendcn winkten mit den Hüten, aus den Fenstern der nahe liegenden Straßen wehte man mit den Tüchern. Gott gebe, daß wirklich jede Besorgniß der Gefahr beseitigt sey. Der Thäler, welcher sofort verhaftet worben, ist ein am 1. Okt. 1849 entlassener Artillerieunteroffizicr Namens Scfeloge
aus Wetzlar. Wir wollen uns für heute jeder Andeutung über die direkte oder indirekte Verbindung dieser That mit der Politik enthalten, obwohl wir leider nur allzu guten Grund haben, gewisse Symptome der äußersten Entartung mit aller Schärfe zu beobachten und hervorzuheben.
Die übrigen Berliner Blätter enthalten über das Attentat nichts Genaueres. Der „Konstitutionellen Zeitung" entheben wir noch folgende Notiz: Der Thäler stand (angeblich) in der 4. Artilleriebrigade, als er entlassen wurde oder im Eramen zum Oberfeucrwerkcr durchfiel und ein vergebliches Gesuch an den König gerichtet hKle. Er durfte aber in der Kaserne wohnen.
Berlin, 16. Mai. Gestern erregte eine Füsilier des 30. Infanterieregiments, welcher auf der Anhalter Bahn und geschmückt mit der badischen Medaille ankam, durch seine große Jugend Aufmerksamkeit. Derselbe, erst 14 Jahre alt, ist in der Gegend von Trier zu Hause, wo sein Vater, ein alter preußischer Veteran, noch lebt. Als die Füsiliere deS 30. Regiments gegen die badischen Insurgenten marschirten, ging der Knabe freiwillig, mit einer Büchse bewaffnet, mit und hielt sich, trotz seiner Schußwunde im Arme, stets so tapfer, daß Se. kgl. Hoh. der Prinz von Preußen ihm die Uniform beS 30. Regiments gab, und ihn jetzt zur ferneren Ausbildung zur Schulabtheilung nach Potsdam schickte.
Oldenburg, 13. Mai. (W. Z.) Unser Postwesen, nach dessen Regeneration wir schon lange geseufzt, scheint endlich die Zeit begreifen zu wollen. Hinsichtlich der Korrespondenz nach den Vereinigten Staaten z. B. ist eine sehr zweckmäßige Verfügung erlassen. Während nämlich in dem übrigen Deutschland überseeische Briefe auch unfrankirt angenommen wurden, konnten hier zu Lande solche nur frankirt zur Post gegeben werden. Jetzt ist es anders geworden. ES können nunmehr Briefe für die Schiffe zwischen der Weser und New-Nork nicht allein ganz frei , sondern auch nnfrankirt von jedem Orte des Landes abgesandt werden und zwar für den alleinigen Satz vou 2 Grote Gold. Der einfache Porlosatz eines Briefes nach den Verein. Staaten bis Teras und Kalifornien beträgt jetzt auf dem hiesigen Postamt einen halben Thaler Gold. — Vom 1. Juli d. J. an wird auch Oldenburg sich der öster.-preußischen Postkonvention entschließen, wonach die einfachen Portosätze in drei Klassen, zu 1, 2 und 3 Silbergroschen, zertheilt und bis Wien den höchsten Satz betragen werden. Auch in unserer Packereipost wird eine Erleichterung eintreten.
Schleswig-Holstein, 19. Mai. ES ist kein Zweifel mehr, daß die Dänen sich in jeder Weise rüsten. Der StaabSarzt der Armee fordert zum Eintritt als Militärarzt auf mit dem ausdrücklichen Beifügen: „da die Armee in kurzer Zeit auf den Kriegsfuß gefetzt wird". Alle Seepflichtige Mannschaft ist auf den 21. Mai einberufen. Das Kriegöministerium schreibt täglich Lizitationen auS. Sogar die Garde zu Pferde hat Befehl, ins Feld zu rücken. An der jütländischen Gränze soll es bereits von Truppen wimmeln. Die Besatzung von Alfen hat aber einstweilen Befehl, daS Festland nicht zu betreten.
Hadersleben, 16. Mai. (N. f. P.) Die oktroyirten Lehrer an unteren Bürgerschulen haben den Unterricht begonnen, aber, wie zu erwarten stand, nur mit dem siebenten oder achten Theile der schulpflichtigen Kinder. AlS nun zwei der suSpendirten Lehrer (Hr. Willatzen jun. und Hr. Bruhn) Miene machten, durch daS Geben einzelner Privalstunden in Häusern deutschgesonnener Bürger dem tiefgefühlten Bedürfnisse des Unterrichts abzuhelfen, wurden sie sogleich zum EtatS- raih Lassen zitirt, der ihnen unumwunden erklärte, daß, wenn sie sich unterständen, ohne Erlaubniß des Schulkollegiums zu unterrichten, sie sofort der Stadt verwiesen würden. Ihr Protestiren, daß, wenn auch nach der vom Hrn. Etatsrath zilirten Schulverordnung baö Anlegen von Privalschulen nur mit Genehmigung des Schulkollegiums geschehen könnte, sie ja nur auf Aufforderung von Familienväter einzelne Stunden geben würden, und also den Hauslehrern gleich zu achten wären, mithin der Erlaubniß des Schulkollegiums nicht bedürften, half ihnen nichts. — Schon vorgestern hatte man die sichere Nachricht auS Kolding, der zufolge die Permiktirten der dänischen Armee einberufen würden und sich innerhalb 24 Stunden bei ihren respcktiven Bataillonen cinzufinden hätten.
Posen, 20. Mai. Heute sind hier merkwürdige Nachrich, ten im Umlauf, die, so wenig verbürgt sie auch sein wögen, Ihnen mitzutheilen ich nicht unterlassen will. Zunächst ist nach
