noch lange nicht hinreichend erforscht find, kommt es vorzüglich darauf an, sich einen richtigen Begriff von der Konstruktion deS Gebirges selbst zu machen. Wir sehen nämlich gegenwärtig z. B. bei den älteren Grauwacken eine Reihenfolge von sandigen und thonigen, auch mitunter glimmerigen Schiefer- Schichten, von mehr oder weniger Spaltbarkeit, die von der feinen Schieferung der Dachschiefer bis zur Blockbildung der Sandsteine variirt und mitunter, wie namentlich bei der hornigen Grauwacke, auch undeutlich ausgesprochen ist. Diese Schickten, welche fast überall, wo keine örtlichen Störungen durch Ueberstürzungen und Verschiebungen rc. vorkommen, einen sehr entwickelten ParallelismuS zeigen, nach dem in Hori- zontaler und vertikaler Richtung das Streichen und Fallen angenommen wird, sind auch noch nach anderen Richtungen theilbar , die örtlich unter bestimmten Winkelverhältnissen ausgesprochen gefunden werden. Diese Erscheinungen sind aber zuverlässig nicht mit der ursprünglichen Lagerung zusammenhängend , sondern daS Ergebniß chemischer Veränderungen, welche in dem Gesteine stattgefunden haben, wie schon allein auS der Beschaffenheit und der Art des Vorkommens der Versteinerungen mit Bestimmtheit nachgewiesen werden kann. Nur an wenigen Punkten sind die ursprünglichen Schichtungs- Verhältnisse, welche auf eine sanft geneigte Ablagerung überall hindeuten, noch erkennbar und die Neigung der Schieferungs- Ebene auf die der ursprünglichen Ablagerung, die örtlich sehr verschieden ausgesprochen ist, bedingt daS s. g. Einfällen. Hieraus geht schon allein hervor, daß weder daS Streichen noch daS Einfallen der Schichten ein sicheres Kriterium zur Beurtheilung der relativen Altersverhältnisse und der Art der Ablagerung abgeben kann. Eben so wenig kann aber auch aus denselben auf Vorgänge geschlossen werden, wie sie mit der Hebungstheorie in Zusammenhang gebracht worden sind.
Ich gebe diese Andeutungen nur, um zu zeigen, daß von der Anschauungsweise, wie sie in der Geologie herrschend ist, abgegangen werden muß, wenn eine richtige Würdigung, der Geschichte unseres Gebirges erzielt werden soll. Es sind in der Geologie eine Menge herrschender dunkler Begriffe, die sich als wahre Dogmen Geltung verschafft haben. Die Geologie soll aber eine reine Erfahrungswiffenschaft seyn, die von Vorstellungen möglichst rein gehalten werden muß, die nicht durch Vorgänge gerechtfertigt sind, wie sie noch gegenwärtig in der Natur vorkommen. Besonders ist es bei den verwickelten Ge- birgSverhältnissen, wie sie die zweite Abtheilung darbietet, nothwendig, mit der größten Vorsicht und mit sehr strenger Prüfung zu verfahren.
Indem ich diesen Aufsatz schließe, um bei einer späteren Gelegenheit wieder auf die in demselben behandelte Materie zurückzukommen, gebe ich der Hoffnung Raum, daß bei der bevorstehenden nächsten Besprechung der mineralogischen Sektion des Vereins für Naturkunde in Nassau, welche dem Vernehmen nach am 21. und 22. d. M. in Dillenburg abgehalten werden soll, wenigstens eine gründliche Erörterung der Mittel und Wege statthabe, wie eine wahre Darstellung der GebirgSver- hâltnisse des HerzogthumS Nassau anzubahnen sey.
Deutschland
Frankfurt, 22. April. Die Herzogin von Orleans traf gestern Abend mit den beiden Prinzen, ihren Söhnen, im „Englischen Hof" aus Eisenach dahier ein und setzte heute Morgen die Reise nach England fort. In demselben Gasthof stieg heute Morgen der regierende Herzog von Sachfen-Koburg- Golha ab und begibt sich heute Abend nach Karlsruhe.
Hanau, 22. April. (D.Z.) Prozess Auerswald-Lichnowsky. Bei der Eröffnung der Sitzung theilt der Präsident mit, daß er die Verhandlungen über die Beweißaufnahme wieder aufnehmen müsse, wenn dagegen keine Einwendungen erfolgten. Da dies von keiner Seite geschieht, so erklärt derselbe, der Angeklagte Ludwig habe ihn gestern rufen lassen und ihm eröffnet, daß er zugeben müsse, einen Schuß auf LichnowSky abgefeuert zu haben, er habe sich bisher vor dem Publikum gescheut, die Wahrheit zu sagen; bei der Tödtung Auerswalds habe er sich gar nicht betheiligt, aber als LichnowSky von dem Haufen durch die Pappelallee geführt worden, da habe er (Ludwig) sich zu dem Fürsten burchgedrängt, um ihn vor Mißhandlungen zu schützen. Hierbei habe ihm LichnowSky nach seinem Karabiner gefaßt und bei dem Ringen sey derselbe
wahrscheinlich durch eine Berührung des gespannten Hahns losgegangen, der Schuß müsse LichnowSky in die Hand getroffen haben, denn dieser habe sie mit einem Schrei in die Höhe gehoben, es sey dies der erste Schuß gewesen, der gefallen, später habe er noch einen vernommen. Ludwig erkennt die Aussage auf Befragen als von ihm herrührend an. Der Präsident hält ihm die mit seiner letzten Erzählung nicht übereinstimmenden Zeugenaussagen vor, bei denen Ludwig auf seiner Behauptung stehen bleibt.
Auf die Frage, warum er (Ludwig) seinen Karabiner gespannt gehalten habe: erklärt derselbe, man habe jeden Augenblick die Ankunft von Militär erwarten müssen. Der Angeklagte scheint selbst sein Schicksal vorauszusehen, daher dieser letzte verzweifelte Versuch sich zu retten. Anwalt Michael erklärt , eS seyen diese Geständnisse ohne feine Zuziehung durch den Hrn. Pflüger zu Wege gebracht, er müsse daher jede Verantwortlichkeit ablehnen. Herr Pflüger: Ich habe mich durch die Verhandlungen überzeugt, daß Ludwig nicht ganz schuldlos dasteht, ich bin daher in ihn gedrungen, um mein Gewissen zu beruhigen und er hat mir daS oben vorgetragene offene Geständniß abgelegt. Eine Deduktion der Glaubwürdigkeit deS letzter« wird durch den Präsidenten abgeschnitten, welcher hierauf die Beweisaufnahme für geschlossen erklärt. Der Staatsprokurator erhält daS Wort zur Begründung der Anklage.
Staatsprokurator Schüler: Meine Herrn Geschwornen! Sie sind mit treuer Erfüllung Ihrer Pflicht Wochen lang den Verhandlungen gefolgt, die einen trüben Blick auf die sittliche Verwilderung unserer Tage thun ließen. Sie haben ein Verbrechen in seinen blutigen Einzelnheiten schildern hören, das die Menschlichkeit aufs Tiefste verletzt, ein Verbrechen, begangen gegen Vertreter der deutschen Nation, und zwar an dem Orte begangen, wohin sie durch den Willen der Nation gesandt waren. Sie haben sich überzeugt, daß falsche Gewichte in die Wagschale der Gerechtigkeit gelegt wurden, um Sie zu täuschen; Männer sind der Versuchung, falsches Zeugniß abzugeben, erlegen; aber das ist der große Segen der Oeffentlich- keit, daß die Lüge sich nicht mehr gleißnerisch in daS Gewand der Wahrheit einhüllen kann. Sie sollten getäuscht werden, aber Sie sind nicht getäuscht worden. Schlechte Zwecke erfordern schlechte Mittel; und so wurden Verdächtigungen gegen die Beamten erhoben, welche die Voruntersuchung geführt hatten. Sie kannten diese Männer nicht, allein als Sie jenen Knaben (Jean Rein) hörten, der zu einer Aussage gezwungen seyn wollte, von deren Inhalte jedes Kind auf der Straße Aufschluß geben konnte; als Sie jene Frau (die Ehefrau Dietrich) vernahmen, die eine ihr aus Mitleid verabreichte Unterstützung als eine Bestechung verkehrte, da mußten Sie inne werden, daß jene Verdächtigungen ein plumpes Gewebe einer boshaften Verläumdung seyen , gestrickt von ungewandten Händen. Sie haben auch die Männer, gegen die diese Verdächtigungen erhoben wurden, selbst gesehen und ihr festes bestimmtes Auftreten vor Ihnen, meine Herrn, zeigte vollkommen die Grundlosigkeit jener Verdächtigungen; mag diese Beamten das Bewußtseyn, ihre Pflicht redlich erfüllt zu haben und die Achtung aller Freunde der Gerechtigkeit für die ihnen widerfahrene Unbill entschädigen. Es haben Versuche zur Verleitung zum falschen Zeugnisse stattgehabt, aber diese Versuche haben ein Beweismittel gegen die Angeklagten gebildet; denn nur die Schuld verbindet sich mit der Lüge.
Nach dieser Einleitung bezeichnete der Staatsprokurator drei Fragen als die von ihm zu beantwortenden, nämlich: 1. ob eine Tödtung stattgehabt habe; 2. ob die Angeklagten der Theilnahme an diesem Verbrechen überführt seyen; 3. mit welchem Willen die Handlungen begonnen seyen.
In B treff der ersten Frage führt er aus, daß durch die Gutachten ver Aerzte und die Aussagen der Zeugen feststehe, baß eine Tödtung stattgefunden. Auerswald habe 2 Schußwunden, die den Tod nothwendig zur Folge haben mußten, erhalten, die erste in den Unterleib, die zweite in den Kopf, welche letztere den Tod augenblicklich herbeigeführt , während die erste den Tod zwar an und für sich auch, doch so schnell nicht verursacht haben würde. LichnowSky habe eine tödiliche Wunde in den Rücken bekommen. Fest stehe, daß dem Leben Beider durch Gewalt ein Ende gemacht worden sey; und darin sey der Thatbestand des Verbrechens der Tödtung zu finden. Die Menge der beigebrachten geringeren Wunden und die Verschiedenartigkeit der Werkzeuge, mit welchen diese zugefügt, zeige, daß eine größere Mehrzahl ihren Willen zur Begehung deS Verbrechens vereinigt habe; eine bestimmte Verabredung
