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die Leiche Lichnowskys zu sehen, sey ihm ein Mann mit brau­nem oder graukarrirtem Sommerrock und einer Kappe mit rothem Streifen begegnet, der habe gesagt, „das war ein guter Schuß, jetzt ist aber auch mein Karabiner entzwei!" Dagegen will sich Zeuge auch hier nicht erinnern, vom „Berliner" später als er in Bornheim im Wirthshaus gewesen, gehört zu haben, daß derselbe geschossen habe, obgleich er auch dieses mit Bestimmt­heit früher ausgesagt. Der Präsident befragt den Zeugen, ob er früher bei dem Justizamt zu Bockenheim die Wahrheit ge­sagt habe, der Zeuge bejaht dies. . Durch den ObergerichtS- rath von Bischoffshausen werden seine Aussagen aus der Vor­untersuchung vorgelesen, worin die von dem Zeugen eben theils geleugneten, theils angeblich vergessenen Umstände be­stimmt ausgesagt sind. Derselbe erkennt diese Protokolle für die seinigen an, behauptet aber, den Ludwig früher gar nicht gekannt und auch vom „Berliner" nie etwas gehört zu haben. Der Aktuar Hille habe ihm gedroht, wenn er nicht so aus­sage, wie er gethan, dann wolle er ihn von Station zu Sta­tion mit GenSd'armen in seine Heimalh bringen lassen (Be­wegung im Publikum). Auf Befragen des Staatsprokura- tors: der Amtmann Kraus sey auch dabei gewesen. (Schluß 7 Uhr, nächste Sitzung morgen 9 Uhr. Fortsetzung des Zeu­genverhörs).

Karlsruhe, 10. April. (A. Z.) Vor mehreren Tagen hat der österreichische Geschäftsträger dem Minister des Aus­wärtigen eine Note übergeben, in welcher das Wiener Kabinet bestimmte Aufschlüsse über die Militärkonvenlion verlangt, welche zwischen der Krone Preußen und dem Großherzogthum Baden abgeschlossen sey oder abgeschlossen werden soll. ES wird darin der badischen Regierung bemerkt, daß der Wiener Hof gegen diese Konvention dasselbe Verfahren einhalten werde, welches er gegen Braunschweig eingehalten habe, wenn sie ; Bestimmungen wie diese enthalte. Unseres Wissens ist darauf noch keine Antwort erfolgt.

Köln, 14. April. (K. Z.) Gestern Abend soll Gottfried- Kinkel im hiesigen Arresthause eingetroffen seyn, um dem­nächst in dem Prozesse wegen deS ZugeS gegen das Landwehr- Zeughaus zu Siegburg hier vor den Schranken des Gerichtes zu erscheinen.

Erfurt, 13. April. (K. Z.) Nach der großen und erfri­schenden That des Parlaments gedenkt man mit klopfendem Herzen der Resultate.--Des Staatenhauses sind die Besten und Vorsichtigsten fast gewiß. Aber man glaubt auch, die Regierungen würden nach geben. Bodelschwingh hätte sich sonst wohl auch nicht auf die Intentionen der preu­ßischen Regierung berufen können. Diese Berufung gibt den­jenigen einen Halt, welche Manteuffel's gestrige Worte dahin erklären, er empfehle die Revision, werde aber doch dem Kö­nige rathen können, die Stimme des Hauses zu beachten, v. Radowitz ist wieder unklar geblieben. Viele Teputirte ha- ! ben seine Aeußerung gestern wie wir aufgefaßt, daß er also

! gleichsam den Hasselbach'schen Antrag befürwortete. Heute warnte er und drohte fast. DaS Haus hat sich demnach be- i wâhrt ! Die Zukunft müssen wir jetzt erwarten, aber wir : können sie erwarten, denn unser Glaube an die deutsche , Ehre und Treue ist ungetrübt geblieben!

; Berlin, 14. April. (L. C.) Die Abstimmung in der gcstri-

> gen Sitzung des Volkshauses zu Erfurt ist das Ereign'ß, das heute alle Kreise bewegt. Man kann sagen, daß hier das Ergebniß c der Diskussion unerwartet gekommen ist. Freilich hat man j hier auch nirgends erwartet, daß v. Bodelschwingh an die , Spitze der Opposition treten werde, und diejenigen, welche für die Wirksamkeit deö Parlaments in Folge der Abstimmung Be- e forgnisse hegen, schöpfen aus der Thatsache, daß Bodelschwingh , mit der Majorität votirt hat, volle Beruhigung. Ueber die - Entschließung der Regierung verlautet begreiflicher Weise noch , nichts. Muthmaßlich ist eS zu einer solchen auch noch gar e nicht gekommen, da erst die Dienstag im Staatenhause begin- t nende Diskussion abgewartet wird, obschon daS Resultat der ß letzteren gar nicht zweifelhaft ist.

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!- Hamburg, 12. April. (D. R.) Unsere konstituirende Ner- r sammlung geht ihrer Auflösung mit Riesenschritten entgegen. K Die ganze Fraktion der Linken beharrt bei ihrem einmal ge- y faßten Entschluß, aus der Versammlung zu treten. Zwar n werden von Seiten der Konstituantenpartei alle mögliche Mittel

angewendet, um die Grollenden wieder zu begütigen und die klaffende Wunde noch geheim zu halten; allein alle Bemühun­gen sind vergebens und alle Aussöhnungsmitrel wollen nichts fruchten. Schroff und entschieden steht diese Partei ihren ehe­maligen politischen Freunden gegenüber und weist alle Vor­schläge zur Ausgleichung von sich. Dieser offene Zwiespalt im Lager der Konstituante ist jedenfalls für die friedliche Lö­sung unserer Verfassungsangelegenheit von großer Bedeutung.

Wien, 12. April. Eine für die ganze Monarchie, Ungarn und Italien ausgenommen, erlassene Ministerialverordnung bestimmt den Zensus für das Gemeindebürgerrecht für alle Gemeinden, die nicht besondere Gemeindeordnungen erhalten, auf einen Steuerbetrag von 1 fl. C.-M.; nur, wo bei dieser Steuer nicht wenigstens drei Mal so viel Wahlmänner vor­handen wären, als Ausschuß- und Ersatzmänner zu wäh­len sind, wird die Zahl der Wahlberechtigten bis zu diesem Verhältnisse aus den zunächst unter 1 fl. Besteuerten ergänzt. (D. Z.)

Wien, 10. April. (D. Z.) Die Geistlichkeit von Prag hat eine Petition an den Kaiser gerichtet, in welcher um die baldige Besetzung des Prager Erzbisthums gebeten wird, „wodurch allein den stets weiter um sich greifenden Ueber- tritten zum Protestantismus wirksam entgegengearbeitet wer­den kann."

FrankreieH

Paris, 14. April. Gestern legte der Minister des Innern eine Kreditforderung von 200,000 Fr. zur Feier deS 4. Mai (Jahrestag der Ausrufung der Republik durch die Konstituante) in die Hände des Präsidenten der Nationalversammlung nieder. Es heißt darin: „Das Gesetz vom 15. Febr. verordnet, daß der 24. Febr. und der 4. Mai jedes Jahres in Zukunft Feier­tage und Nationalfeste seyn sollen. Am verflossenen 24. Febr. wurde eine fromme Pflicht erfüllt, indem man auf Verord­nung der Regierung einen Trauergottesdienst in allen Ge­meinden der Republik feierte, um das Andenken derjenigen zu ehren, die in dem Kampfe, dem wir unsere neuen Institutio­nen verdanken, gefallen sind. Allein der 4. Mai, an den kein Andenken der Trauer sich knüpft, kann ganz einem Rational- feste gewidmet werden. Wir bitten um die Mittel, einen sol­chen Jahrestag würdig zu feiern. Nach den bereits entworfe­nen Plänen wird der Place de la Concorde der Schauplatz einer großartigen architektonischen Dekoration und dann wäh­rend der Nacht der Mittelpunkt einer großen Illumination seyn, die sich längs der Champs Elysees fortsetzen soll."

Man unterhält sich wieder sehr lebhaft von einer bevor­stehenden KabinetSänderung, indem der Präsident der Repu­blik den gegenwärtigen Ministern den Vorwurf machen soll, daß sie, wie das frühere Kabinet unter Odilon Barrot, nicht energisch genug gegen die Nationalversammlung aufträten. Was diesen Gerüchten einigen Bestand zu geben scheint, ist ein im heutigen Dir Decembre enthaltener Artikel, worin die Nothwendigkeit behauptet wird, „neue Männer an die Spitze der Gewalt zu stellen, Männer, die vor seiner Kaste, Klasse oder Körperschaft zurückweicben, die den festen Willen haben, sich selbst lieber aufzuopfern, ihre Stellung und ihre Laufbahn lieber preiszugeben, als nur einen Augen­blick vor einem Hinderniß zu zaudern, die nichts von ihrer Energie und ihrer Individualität in einer traurigen Vergan­genheit politischer Routine verloren haben." Die Aenderung des Ministeriums würde jedoch jedenfalls erst nach der Wahl vom 28. April und nach der Diskussion deS Budgets eintreten. Einem Gerücht zufolge würde das neue Ministerium auS der gemäßigten Linken genommen seyn. Ein anderes Gerücht nennt Lamartine als den Hauptnamen, um den einige dem Präsidenten der Republik persönlich ergebene Männer sich reihen sollen.

Lola Montez, die sich bekanntlich gegenwärtig in PariS befindet, ist, wie man versichert, vom Präsidenten in einer be­sondern — Audienz empfangen worden, welche zwei Stunden dauerte.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.