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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 6L Samstag den 16» März 1850*

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

ZeitungSschau.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag. Nassauische Gesangbücher nach TeraS). — Darmstadt (Der Gvrlitzische Prozeß). — Kasse l (Der Bruch der Stände mit dem Ministerium). — München (Einkommen- und Kapitalsteuer). — Hamburg (Preßverfolgungen).— Schleswig- Holstein (Die Verweisung VollprachtS von der Insel Alsen).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Zeitungsfchau.

Der neuerwählte Präsident der badischen zweiten Kammer, StaatSralh Bekk, eröffnete seine Amtsführung mit einer Rede, auS welcher wir folgende beherzigenSwerthe Worte entnehmen:

In den Bewegungen der Jahre 1848 und 1849 im Allge­meinen liegt für Alle, auch für die Mächtigen, ein neuer Fin­gerzeig, daß die Macht der Ideen nicht mißachtet werden dürfe, und daß die Befriedigungen zu rechter Zeit, wo man daS freie Maß und die nöthige Fürsorge gegen Auswüchse noch in der Hand hat, ehe der Sturm ihre schrankenlose Gewährung plötzlich abnöthigt, geschehen müssen. Diejenigen aber, die sich namentlich in unserem sonst so glücklichen Lande zu einer Ueber# stürzung und selbst zu offener Gewalt verleiten ließen, können, da sie unsern oft wiederholten Warnungen nicht glaubten, nun endlich durch die Thatsache belehrt seyn, daß die Ueberstür- zung, Verwilderung und Gewaltthat nicht zum Guten, sondern zum Unheil und zum Gegentheil von dem führt, was damit erstrebt wird, und daß eS überhaupt ohne gesetzliche Ord­nung keine Freiheit gibt.

Ferner können auch die Gleichgültigen ersehen, wo­hin eS führt, wenn sie, dem Geschrei deS TageS weichend, nur den kühn hervonretenven Feinden der Ordnung daS öffentliche Feld allein überlassen, um sich selbst keinen Anfeindungen und keinen Unannehmlichkeiten auSzusetzcu.

Endlich werben Alle, die ès mit dem Lande ehrlich meinen, ob auch sonst von verschiedenen Ansichten, mehr die Ueberzeu­gung gewinnen, wie es nöthig sey, die Leidenschaften zu zäh­men und sich gegenseitiger Verdächtigungen, so wie überhaupt aller Mittel zu enthalten, welche die Grundlagen der staatlichen Ordnung, die Sittlichkeit und den RechlSsinn des Volkes zu untergraben geeignet sind. Ein offener, redlicher Kampf, ein freier, wenn auch warmer Austausch der Meinungen mit ge­genseitiger Achtung und mit Achtung der verfassungsmäßigen Autoritäten sey der Weg, auf dem die Verbesserungen erstrebt, Ansichten und Interessen vertheidigt werden. DieS ist zumal in unserer Lage zu würdigen, wo die Zerstörung zwar überwunden, die Wunde aber noch nicht vernarbt ist, und die sichtbare Ermattung keineswegs schon einer innern Heilung gleich gilt.

Die Deutsche Reform bespricht den großdeutschen Ver- saffungsentwurf, als daS so pomphaft verkündigte und so kläg­lich ausgefallene Ergebniß der Pfordtenschen StaatSweiSheit. Die Unterhandlungen in München sind also beendigt, Bayern, Sachsen und Würlcmberg haben den Entwurf eines Entwurfes unterzeichnet. „Wir wünschen den betreffenden Kabinetten Glück, sagt daS genannte Blatt, zu dem endlichen Abschluß ihres mühseligen Unternehmens. Freilich vermögen wir unS nicht zu dem starken Glauben zu erheben, daß dieser Plan zu irgend einer Verwirklichung gelangen könnte, aber wir geben unS der Hoffnung hin, daß daS Schicksal, welches dem endlich zu Stände gebrachten Entwürfe vorbehalten zu sein scheint, eine heilsame Lehre für seine Urheber und ein bedeutsamer Finger­zeig für ganz Deutschland seyn werde. Wenn diese Hoffnung sich erfüllt, so wird und daS neue DreikönigSbündniß immerhin dem Ziele der Einigung einen großen Schritt näher geführt haben; denn die deutsche Nation wird sich dann um so früher überzeugen, daß nur der Weg, auf welchem Preußen vorange, gangen ist, zu diesem Ziele zu führen vermag."

„BiS zu dem Augenblicke, wo daS viel besprochene Pro­jekt bekannt wurde, sahen die Freunde deS Bundesstaats dem­selben mit einiger Besorgniß entgegen; denn man vermeinte, nach den langwierigen gewaltigen Anstrengungen der Kabinette auf ein Werk gefaßt seyn zu müssen, welches der Erfurter Politik ernstliche Gefahr bringen könnte. Nun aber, seitdem die Siegel von dem Buche der Offenbarung genommen sind, ist alles Bangen geschwunden: es steht in dem Buche nichts Verhängnißvolles für den Fortgang des preußisch-deutschen Unternehmens. Im Gegentheil erhält die Politik vom 26. Mai durch daS Licht dieser neuen Offenbarung nur eine höhere Glorie der Weisheit und der Gerechtigkeit. Es ist jetzt unleugbar klar geworden, daß der eifrigste Wille der Widersacher Preußens sie im besten Falle doch nur im Negiren des preußischen Werkes, nicht aber im Neuschaffen zusammenzuhallen vermag, daß dieselbe Gewalt deS EonverinteresseS, welche sie dem Bündniß vom 26. Mai den Rücken kehren hieß, sie auch unter einander zerfallen läßt, sobald eS gilt, einen positiven Gedanken zur Verwirklichung zu führen.

DaS sogenannte Vierkönigsbündniß entspricht von vorn­herein diesem seinem Ramen nicht, weil in dem entscheiden­den Augenblicke der eine der Kontrahenten, Hannover, seine neuen Bundesgenossen ebenso im Stich ließ, wie er eS vor Kurzem mit anderen Verbündeten gethan. Oesterreich, auf welches bei dem Plan vorzugsweise gerechnet war, nimmt an der Publikation und Empfehlung desselben keinen Antheil, wahrscheinlich, um sich nicht direkt dabei zu kompromiltircn, da eS den Entwurf höchstens als einen Versuch zur Ablenkung von dem Erfurter Wege gut heißen mag, nicht aber als einen ernstlichen Vorschlag für ein vermeintliches Mittelreich. Und Sachsen selbst, welches das große Faktum mit unterzeichnet hat, hegt doch ein so geringes Vertrauen zu den dabei zu erzielenden Resultaten, daß eS in demselben Momente Erklä­rungen abgibt, welche ihm die Thür nach der andern Seite hin offen lassen, und welche beweisen, daß eS das Ganze nur als ein neues Erperiment betrachtet, wodurch für eine ernst-