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wurde. Alle übrigen hier bei dem Provisorium Deutschlands weilenden Vertreter von Regierungen haben einen provisori­schen Charakter.

München, 1. März. Der k. sächsische LegationSrath von Carlowitz ist auS Dresden hier angekommen, wie ich höre, um im Auftrage seiner Regierung dem Schlußakte der hiesigen deutschen VcrfassungSkonferenzen beizuwohnen. Die Unter­zeichnung eines Vertrags der drei Regierungen von Bayern, Sachsen undWürtemberg hat vorge­stern, am 27. Februar, stattgefunden, wie nicht mehr zu zweifeln ist.

Die A. A. Z. bringt neben der Berichtigung, Idaß der Verfassungsvertrag zwischen Bayern, Würlemberg und Sach­sen, „unter Oesterreichs Auspizien," nicht am 26., sondern am 27. Febr. unterzeichnet worden — Hannover hat den An­schluß „vorläufig" abgelehnt — auS „unterrichteter Quelle," die folgenden Mittheilungen über den Inhalt ver Bedingungen, welche Oesterreich für seinen Eintritt in Deutschland stellt. Oesterreich verlangt, wenn eS mit allen seinen Ländern (Ita­lien ausgenommen) beitritt, eben soviel Repräsentanten im VolkShause als Preußen und daS übrige Deutschland, d. h. 100 Oesterreicher, 100 Preußen und 100 auS dem übrigen Deutschland, und innerhalb deö Direktoriums nimmt eS von den festgestellten 7 1 Stimme in Anspruch. Mit jener neu zusammenberufenen Nationalversammlung von 300 Abgeord, neten soll dann „vereinbart" werden.

Am 25. Februar bot die Schlußverhandlung des Schwur­gerichts zu Halle dem zahlreichen Publikum zwei interessante Szenen aus der Studentenwelt. Im Februar 1849 waren mehrere „Westfalen" auf ihrer „Kneipe" mit Jenensern zusam­men gerathen, um gegenseitig die Klingen zu probiren. Der für einen Jenenser gehaltene Kandidat Leonhardt kontrahirt unter Anderem mit dem Studenten Ruprecht, und zwar auf Pistolen. Bei dem am 12. Februar vollzogenen Duell fehlt Leonhardt seinen Gegner, und dieser schießt — wie behauptet wird — absichtlich in die Luft. Bei dem zweiten Gange thut Leonhardt wiederum einen Fehlschuß, während er von Ruprecht in den Schenkel getroffen wird. Da dem die Wunde behan­delnden Professor BlasiuS dieselbe gefährlich scheint, obwohl die Folge das Gegentheil gelehrt hat, so denunzirt er daS Duell. Nachdem die Vertheidiger, Rechtsanwalt Schede für Ruprecht, Referendar Leyßring für Leonhardt, mit besonderer Beziehung auf die Beurtheilung eines Studentenduells, aber, wie eS unS scheint, nicht ganz in Uebereinstimmung in Betreff der Gefährlichkeit eines Pistolen-Duells gesprochen hatten, stellte der Gerichtshof zunächst die Frage, ob eine Herausforderung u. s. w. stattgefunden habe, welche von den Geschwornen ver­neint ward. Die zweite Frage, ob daS Duell stattgefunden, ward mit 11 gegen 1 Stimme bejaht, dagegen die dritte, ob eine Absicht der Verletzung vorhanden gewesen, verneint. Der Gerichtshof erkannte auf eine 10jährige Festungshaft.

Der hierauf vorgeführte Angeklagte war ebenfalls ein Student, aber kein Preuße, sondern ein Schweizer mit Namen Merz. Er war vor einiger Zeit in einem Wirthshause von Preußenvereinern aufgefordert, daS Preußenlied mitzusingen, und als er sich weigerte und mit den Preußen in Wort- wechsel gerieth, mißhandelt worden. Die auf die Denunzia­tion derer, welche ihn mißhandelt hatten, gegründete Anklage legte 'ihm zur Last, auf den König und seine Generale ge­schimpft zu haben; der eine Ausdruck soll, wie dies nament­lich der als Interpret geladene Professor Herzog bekundete, in der Schweiz so viel als betrogen bedeuten. Da der andere von den zwei inkriminirten Ausdrücken sich auf ein unsicheres, weil nicht parteiloses, Zeugniß — eines der arretirenden Sol­daten — gründete, so blieb eigentlich nur der zweite übrig. Dennoch sprachen die Geschwornen mit 7 gegen 5 Stimmen daS Schuldig. Der Gerichtshof indessen trat auf die Seite der fünf vissentirenden Stimmen und sprach den Angeklagten frei.

Erfurt, 1. März. (D. A. Z.) ES ist Vorsorge getroffen, daß die Augustinerkirche für die Abendsitzung des Parla­ments Gasbeleuchtung erhalte. Ein Partikulier will diese Beleuchtung auch in der Stadt, welche bisher solcher entbehrte, anwenden. Die Polizei am Bahnhöfe wird jetzt schon ver. schärft. Ja General v. Voß, der Gouverneur unserer Festung, soll die Errichtung einer Kaserne in der Nähe in Vorschlag ge­bracht haben. DaS 31. Regiment wird von hier nach Baden gehen, wogegen hierher Garden aus Berlin kommen. Ueber-

Haupt wird die Garnison in und um Erfurt um 14,000 Mann erhöht.

Berlin, 2. März. (K. Z.) Der VerwaltungSrath hat in seiner gestrigen Sitzung die dem deutschen Reichstage vorzu­legende Additionalakte, sowie die Botschaft der Regierungen zum Abschluß gebracht und ferner die hannoversche Angelegen­heit verhandelt.

Berlin, 1. März. (Lith. Kor.) Wie billig beschäftigt sich die Regierung wie daS Publikum angelegentlich mit der Schwei­zer Frage. In einer gestern von unS gegebenen Mittheilung haben wir bereits angedeutet, daß die Regierung Sr. Majestät von allen Maßregeln gegen die Schweiz abzustehen Willens ist, wenn dies geschehen kann, ohne daß durch ein Nachgeben preußischer SeitS daS Ansehen und die Würde Preußens ge­fährdet wird. Die Regierung soll, so wird glaubhaft ver­sichert, geneigt seyn die Vermittelung einer auswärtigen Macht in der Flüchtlingsfrage anzunehmen und ihre Absichten sollen nicht dahin gehen, Neuenburgs halber einen Krieg anzufangen. Sind wir hierin recht unterrichtet, so würde die Regierung in der That in der Schweizer Frage eine Politik verfolgen, die der Ausdruck der öffentlichen Stimmung ist. Ein Kampf Neuenburgs halber hätte keine Sympathien, der Besitz Neuen­burgs — wenn von einem Besitz die Rede seyn kann — war lediglich eine Last für Preußen und wenn von einer „Gebiets­verringerung gesprochen wird, so bietet die Erwerbung der Hohenzollerschen Stammlande, doch wahrlich Ersatz genug für Neuenburg. Hier will man übrigens wissen, daß die Haltung des Wiener KabinetS gegen die Schweiz keineswegs eine so versöhnliche sey und daß Radetzky Tessin mit einem Einmarsch sehr bald bedrohen wird.

Frankreich.

Paris. Hr. Cabet hat an seine Freunde in Paris ge­schrieben, daß er im nächsten April daS „undankbare" Amerika (wofür hat ihm Amerika denn dankbar zu seyn?) verlassen werde, um wieder nach Frankreich zurückzukehren, wo für solche Schwindeleien wie die Cabetschen, der Boden allerdings dank­barer ist. Man kann nichts dagegen haben, daß Hr. Caver, nachdem er erst seine Anhänger in Verzweiflung gebracht, und nun selbst an seinem „Jcarien" verzweifelt ist, wieder nach Frankreich zurückkehrt; nachdem aber sein Versuch, seine Theo- rien auf daS Leben anzuwenden, zum Verderben Vieler so gänzlich verunglückt ist, wagt man kaum zu glauben, wenn man liest, daß er in Frankreich die Propaganda für seine un­glückliche Lehre wieder aufzunehmen im Sinne hat.

Italien.

In Viterbo sind mehrere Personen eines eigenthümlichen Verbrechens wegen verhaftet worden. Ihr Vergehen bestand nämlich einfach darin, daß sie vier Hunde verschiedener Nace zusammengekoppelt hatten und zu gleicher Zeit an einem Kno­chen zerren ließen. Dem kurzsichtigen Zuschauer mochte dies als die unschuldigste Sache von der Welt erscheinen; die Be­hörden von Viterbo aber waren scharfsinniger und witterten auf der Stelle den tieferen Sinn des Schauspieles. Was konnte klarer seyn, als daß der Knochen Rom oder Italien bedeutete, die vier Mitglieder deS Hundegeschlechtes aber die vier edelmüthigen Mächte darstellten, welche dem Statthalter Christi zu Hülfe geeilt waren? Die Allegorie ist in der That genial und fast im Stande, unS in die Zeiten eines Dante zurück zu versetzen. Ob sie aber die Erfindung der Hundeführer oder der weisen Obrigkeit von Viterbo ist, müssen wir dahin­gestellt seyn lassen.

Dem Lloyd wird auS Venedig geschrieben: Unsere Stadt hat einen ganz eigenthümlichen Wegweiser erhalten. Alle Gassen, welche von der Eisenbahnstation bis herein zum Markusplatze führen, wurden an den Seiten mit einer fchma- len, mit weißen Steinen gepflasterten Linie versehen, welche sich durch ihre Farbe vom andern Pflaster so sehr unterscheidet, daß jeder Fremde, ohne Jemanv fragen zu müssen, den kür-

I zestcn und bequemsten Weg vom Bahnhof und zurück von selbst findet. Der verdienstvolle Mann, welcher auf diesen genialen