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Dabei wäre also der interne Verkehr, der einer Eisenbahn durch den Rheingau zuströmen muß, noch gar nicht veranschlagt.

Bis jetzt ist noch kein Kostenvoranschlag der Anlage über den Westerwald bekannt geworben und die cristirende Berech­nung beS dortigen Verkehrs fußt weder auf offiziellen Angaben, noch schließt sie den internen Verkehr auS, im Gegentheil schraubt sie denselben sogar durch willkührliche Annahmen sehr hoch hinauf, und stellt bei alledem nicht vaS günstige Resultat unserer Berechnung her. Man kann überzeugt seyn, daß die Anlage über den Westerwald nicht wohlfeiler wird, wie die durch den Rheingau. Wer auf den Schwingen des Dampfes an dessen Ufern vorbeieilt und die jäh in den Rhein stürzen­den Felsen und Berge sieht, der muß freilich glauben, da wäre eine Eisenbahn nur in Gestalt eines steten Tunnels zu führen; wer aber vorzieht, zu Fuß in diese Felsen und Klüfte einzu­dringen, der wird stets eine Oeffnung finden, wo er durch und mit nicht so großem Aufwand ein Schienenweg hergesteUt wer­den kann.

Um nun auch die s. g. Lahnbahn nach unserer Ansicht in das rechte Licht zu stellen, so braucht der Westerwald diese ebenso wenig als Konkurrent zu fürchten als der Rheingau. Die Lahnbahn hat nach unserm Dafürhalten als integrirender Theil der Rheinbahn gar keine Bedeutung; sie würde, nehmen wir sie einmal als solchen an, den Verkehr der Rheinbahn in eine Gegend auSströmcn, wo wahrhastig kein Schwerpunkt des deutschen Handels ist; oder will vielleicht Kassel, wo sie enden würde, mit Frankfurt ebenbürtig auftreten; oder soll gar über Kassel nach Frankfurt, ein Knotenpunkt des deutschen Eisen­bahnnetzes, gehandelt und verkehrt werden?

Die Lahnbahn gewinnt erst Bedeutung durch die angelegte Rheinbahn, dieser wird sie den internen Bekehr aus Nassau vermitteln und von ihr Rohstoffe und namentlich Steinkohlen zur Betreibung unserer Fabrikation in's Land führen, sie kann deßhalb sicherer auf eine Eristenz zählen, als der Rhein­gau oder Westerwald oder Rheinhessen auf die Erlangung ei­nes Schienenweges, aber erst, nachdem eine dieser drei Gegen­den ihr Streben gekrönt sieht.

Frankfurt kann es einerlei seyn, ob die Bahn über den Westerwald kommt oder durch den Rheingau; Wiesbaden auch, denn der Bahnhof, käme die Rheinbahn durch das Rheingau, würde vielleicht 5 Minuten weiter von der Stadt, an die Biebricher Kurve zu liegen kommen, als der Bahnhof der Rheinbahn über den Westerwald; dagegen Koblenz muß mit dem Rheingau seyn, und dieser selbst regt sich und wird gründ­lich durchwühlt, so daß eS wahrhaftig an seiner Rührigkeit nicht gefehlt haben kann, wenn ihm nicht die Siegespalme wird. —

Deutschland.

Wiesbaden, 23. Fedr. Laut Urtheil vom 15. d. M. hat der Assisenprâsident dahier den Dr. FranzGerau, Arzt, 24 Jahre alt, in Weilburg wohnhaft, dermalen flüchtig, in contu­maciam des durch Verschwörung zur gewaltsamen Abänderung der Verfassung des Herzogthumes begangenen Hochverrathes, sowie der in der Volksversammlung zu Idstein vom 10. Juni v. J. geschehenen öffentliche n Auf­forderung z u hochverrätherischen Handlungen schuldig erkannt und zu einer Zuchthausstrafe von 6 Jahren, sowie in die Kosten der Voruntersuchung im Be­trage von 135 fl. 31 fr. peruriheilt. Hierin finden unsere Geschworenen ein Urtheil des Assisenhofes über ihren Aus­spruch in gleicher Sache, und die Lanblagsabgeorbneten Raht, Lang ic. einen Maßstab Dessen, was sie diesen Geschwore­nen zu verdanken haben. (M. I.)

O Diez, 22. Februar. Wenn es eine ausgemachte Sache ist daß diejenige Polizei, von welcher man am wenigsten ver­spürt, die beste ist, und wenn der nämliche Satz auch von der Justiz gilt ^ so können wir kühn behaupten, daß unsere hiesigen Zustände ein vielleicht noch nicht erreichtes Ideal von Justiz- und PolizeiverwaUung darbieten, alldieweil von Beiden auch mit den besten Teleskopen und Mikroskopen in der That sehr Wenig zu verjpüren ist.

Kürzlich ist zwar eine Anzahl „Gesinnungstüchtiger", weil sie in der Neujahrsnacht den bekannten Skandal mit einem Gensb'armen aufgeführt, zu verschiedenen Arreststrafen verur- theilt worden; daß dieselben jedoch auch wirklich Bekanntschaft mit dem Amtsaefängnisse machen, glaubt kein Mensch, der da weiß, daß es hier bis auf die heutige Stunde noch nicht ge­

lungen ist, den wegen Beschimpfung des Amtes schon seit */, Jahren verurtheilten D., trotzdem daß derselbe alle RekurS- und Gnadenwege vergeblich betreten hat, zur Verbüßung seiner Strafe zu bringen, weil sich derselbe dem Vernehmen nach stets durch ärztliche Zeugnisse darüber ausweist, daß das Befinden außerhalb des Amtsgefängnisses ihm zuträglicher sey, als daS innerhalb desselben! Da nun verschiedene Vagabun­den und andere ehrliche Leute meinten, daß das bei ihnen ja gerade so sey, so wird man wohl bald das Amtsgesângniß zu andern Zwecken verwenden können.

Vor einiger Zeit wurde zwar von Kreisamtswegen — wie man sagt: aus höheren Orts gegebener Veranlassung — eine Art Anlauf zur Einführung einiger polizeilicher Ordnung genommen, auch wollte der Gemeinderath, durch das Uebermaß von Unfug hierzu bewogen, einen eigenen Polizeidiener an# stellen, soll jedoch auf die ihm gewordene Versicherung, daß ja die Gcnsvarmen den Polizeidienerdionst in Diez zu verrichten hätten, zur Freude der souveränen Gassenjugend davon zuruck­gekommen seyn, und Alles ist eben wieder beim Alten.

Der würdige Kaplan Künstler, dem selbst seine Feinde, wenn sie ehrlich seyn wollten, nachrühmen müßten, daß er die in einem verwahrlosten Zustande übernommene Realschule in Ordnung gebracht, wird das Leben auf jegliche Weise verbit­tert— neulich wurde z. B. durch Die Gemeindeschelle zur Betheiligung an einer Agitation gegen denselben aufgefordert.

Inzwischen entwickeln sich die „frei-christlichen" Bestrebun­gen in schönster Blüthe, und werden — wir sind dessen gewiß — Die optimistischen Ansichten derer , welche dieses Treiben für einflußlos auf den Bestand der evangelischen Landeskirche hal­ten — arg täuschen.

Die Haltung deS Militärs war bisher musterhaft — ich sage absichtlich war — denn wenn nicht alle Zeichen trügen, wird eö den Offizieren bei der fortwährenden Recht­losigkeit Der Mannschaft, allen Schmähungen und Mißhand­lungen gegenüber , die ihr der souveräne Pöbel in reichlichem Maße zu Theil werden läßt, nur noch ganz kurze Zeit gelingen, die Unteroffiziere und Soldaten abzuhalten, sich selbst Recht zu verschaffen; daß dieser Beschluß gefaßt ist, und daß sie sich auch zu dessen Ausführung stark genug halten, dafür bürge ich.

Auf wem wird dann die Verantwortlichkeit für die daraus entspringenden, schwer zu berechnenden Folgen, welche mit einigem guten Willen und einlger Energie so leicht abzuwendeft wären, fallen?

Auch möge sich bei dem ans Fabelhafte gränzenden Laissez- aller der Staatsbehörden Niemand wundern, wenn der Muth der rechtlichen Einwohner täglich abnimmt und die Schaar der zur rothen Fahne Schwörenden in demselben Ver­hältnisse anschwillt!

Darmstadt, 24. Febr. Die heute erschienene Nummer des großherz. Regierungsblattes enthält die Verordnung, die Staats­aufsicht über neue Religionsgemeinschaften und über Versamm­lungen zu kirchlichen Zwecken betreffend. Die gesetzlichen Be, stimmungen haben den Zweck, die Beziehungen der in den letz­ten Jahren entstandenen und etwa sich ferner bildenden neuen Religionsgemeinschaften zu Den bestehenden Kirchen und älteren Religionsgemeinschaften und zum Staat zu regeln, den unter Dem Vorwande der Religion gegen Die öffentliche Ordnung und den Frieden unter den Religionsparteien gerichteten An­griffen zu begegnen und die Religion vor Entweihung zu bewahren.

Karlsruhe, 23. Febr. (D. Z.) Man versichert hier auf das Bestimmteste, daß Der Gouverncurposten in der Festung Rastatt nunmehr endlich definitiv vergeben sey. Wie Sic wissen, war er Dem preußischen Generallieutenant v. Scharn­horst bestimmt. Ob die Unvollständigkeit der Fortifikationen, zu deren Weiterban für dieses Jahr nur 40,000 fl. von Frank­furt aus bewilligt sein sollen, den Grund für ihn abgab, auf die Gouverneurstelle zu verzichten, wissen wir nicht. Es muß vorausgesetzt werden, daß dem Gouverneur nicht mehr Ver­antwortlichkeit ausgeladen werbe, als eben die noch nicht vol­lendete und der Hauptstärke namentlich deS befestigten LagerS noch entbehrende Festung tragen kann. Bezeichnet zu diesem Posten ist jetzt der badische Generallieutenant v. Gayling, frü­her Kommandeur der Kavalerie, der sich nach der Militär- meuterei und Revolution deS vorigen Jahres aus der Aktivi­tät zurückgezogen und cs wäre in der That zu wünschen, daß Die Dienste dieses ausgezeichneten Mannes dem Slacue erhal­ten blieben.