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Stehen nun die Modifikationen der Verfassung, welche durch das Provisorium nothwendig werden, in allgemeinen Umrissen fest, so ernennt der Reichsvorstand sofort sein Mini­sterium, und der Reichstag vertagt sich auf kurze Zeit. Die neue Regierung möge sich hierauf installiren, die nöthigen Ein­richtungen für ein Gouvernement treffen, und nachdem die ersten organischen Gesetzentwürfe, Voranschläge des Budgets rc. im Fürstenkollegium vorbereitet sind, einen Reichstag zur Be­rathung noch während des JahreS 1850 wieder einberufen. Mittlerweile hätte sich auch das Fürstenkollegium organisirt. Hier sind zwei Schwierigkeiten zu lösen. Die eine besteht in der gegenwärtigen nothwendigen Kurienorganisation, die zweite in der Verständigung verschiedener Staaten im Schooße einer Kurie untereinander. Hinsichtlich der ersten wird Folgendes vorgeschlagen: Die 6 Stimmen des Fürstenkollegiums bleiben, wie sie der §. 67 bestimmt. Aber man läßt halbe Stimmen zu, wie auf der frühern Schweizertagsatzung. Man thue dies durch folgende Organisation: 1. Kurie Preußen 1 Stimme; 2. Kurie Bayern 1 Stimme; 3. Kurie a) Sach­sen % Stimme, b) Sachsen - Weimar, Koburg - Gotha, Meiningen, Altenburg, die drei anhaltischen, Lie beiden schwarzburgischen und die reußischen Staaten zusammen 7i Stimme; 4. Kurie a) Hannover % Stimme, b) Braun­schweig, die beiden Mecklenburge, Oldenburg und die drei Hansestädte zusammen '/, Stimme; 5. Kurie a) Würtemberg Vi Stimme, b) Baden 7, Stimme, vorbehaltlich der Regu- lirung einer etwanigen Stellung der beiden Hohenzollern in dieser Kurie; 6. Kurie ungetheilt Kurheffen, Hessen-Darmstadt, Waldeck, Schaumburg-Lippe, Lippe, Nassau und Frankfurt a. M. zusammen 1 Stimme. So lange also die vier Königreiche ihre gegenwärtige Stellung bewahren, würde daS Fürsten­kollegium aus sieben halben Stimmen bestehen, von denen Preußen zwei halbe führt. Die zweite Schwierigkeit würde dadurch beseitigt, daß jeder Staat einen Bevollmächtigten mit Sitz und Stimme inS Fürstenkollegium sendet. Bei Abstim­mungen wird daS Volum durch besondere Abstimmungen in­nerhalb der Kurie ermittelt. DaS Abstimmungsverhältniß der Mitglieder normirt sich nach der Zahl Derjenigen, welche jeder Einzelstaat ins StaatenhauS schickt.

Der Kreuz-Zeitung wird aus Münster geschrieben: Die Gerüchte scheinen mir Das für die politische Welt zu seyn, was die Luft für die natürliche Welt ist. Zwar man lebt nicht von der Luft, aber man kann nicht ohne dieselbe leben. Eben so athmet man in der politischen Welt die Gerüchte ein und aus, so daß man daran oft die Temperatur des Zeitgei­stes messen kann. Nehmen Sie dieses als Vorwort, oder wenn Sie wollen, als Entschuldigung des nachfolgenden Gerüchtes, welches von so vielen Seilen aussteiqt, daß dessen Mittheilung nicht vom Uebel zu seyn scheint. Man will nämlich bemerkt haben, daß sich in letzter Zeit wieder allerlei Emissäre in West­phalen, namentlich aber in der Gegend von Münster zeigen, um daS Volk im Geiste der Flüchtlinge nach der Schweiz zu bear­beiten, damit eine neue Schilderhebung eS reif finde. Auffal, lender Weise trifft mit diesem allgemein verbreiteten und im Rückblicke auf vergangene Ereignisse nicht unglaublichen Ge­rüchte die auS Frankreich verlautende Nachricht zusammen, daß die Umsturzpartei in Süddeutschland nur auf einen neuen Ausbruch in Paris lauere, um gleichfalls einen neuen Schlag zu riskiren.

Unserer hiesigen Geistlichkeit sind wir die Genugthuung schul­dig, zu erklären, baß sie sich zu konservativen Gesinnungen be­kennt und demgemäß wirkt. Wie bedeutend aber diese Wir­kung anzuschlagen ist, geht daraus hervor, daß in Westphalen und den Rheinprovinzen besonders viele Geistliche nach Erfurt gewählt worden sind, die, wenn sie (was vorauSzusetzen ist) nach gleichen Grundsätzen stimmen, allerdings ein erhebliches Gewicht in hie Schale werfen werden. Damit, daß sie konser­vativ sind, ist jedoch keineswegs gesagt, daß sie für die deutsche Verfassung en bloc schwärmen wie die gebildeten Juden Ber­lins. Im Gegentheile wird die katholische Geistlichkeit lieber die ganze Verfassung zu hintertreiben suchen, als Bestimmun­gen in derselben zu lassen, welche den sogenannten „freien Ge­meinden" gestalten, wie Pilze aus der deutschen Erde hervor« zuwachsen. „Wir wollen eine Freiheit, sagte mir neulich ein ehrwürdiger Priester, welche den Boden urbar macht für den Waizen deS Herrn, aber nicht für daS Unkraut!" Und als ich ihn fragte, was er von den umlaufenden Gerüchten in Bezug auf die herumspukenden Emissäre halte, da beobachtete er

einen Augenblick hindurch ein ernstes Schweigen und antwor­tete dann: „Wo ein Verwesendes ist, da sammeln sich die Geier!"

Der Globe unternimmt eS, das Verfahren Englands gegen Griechenland zu rechtfertigen. Er beginnt einen Artikel über diesen Gegenstand mit den Worten: „Et tu, Brutei In der Times lesen wir folgenden PassuS unter der Ueberschrift: öster­reichische Unverschämtheit. All ihr Götter und Kosacken! Oesterreichische Unverschämtheit!" (Jener Passus in der Times, die sonst Oesterreich mit seltenen Ausnahmen das Wort zu reden pflegt, lautet: „Oesterreichische Unverschämtheit! Die Wiener Zeitung Lloyd vom 3. Febr. versichert, daß eine öster­reichische Flotte bereit sey, nach Griechenland unter Segel zu gehen, um sich dem Verfahren Sir W. ParkerS und deS eng­lischen Geschwaders zu widersetzen.") Der Globe meint nun, daß, nächst der spanischen Armee, welche bestimmt gewesen, den Papst in seiner Herrschaft wiederherzustellen, eine österreichische Flotte, die für den Schutz König OttoS bestimmt sey, daS possirlichste Schauspiel abgeben würde, welches das gegenwär­tige Zeitalter noch mit angesehen hätte. Weiter beklagt sich der Globe über ein Schreiben des Grafen Ingelheim, österreichi­schen Botschafters am Hofe von Athen, worin derselbe dem griechischen Minister seinen Glauben auSdrückt, daß zu Wien, wie unter allen gebildeten Völkern die von den Briten getrof­fenen Maßregeln nach ihrem wahren Werthe gewürdigt werden dürften, und daß die Würde und Festigkeit, womit sich Grie­chenland ihnen widersetze, die Sympathien, welche die kaiser­liche Regierung bereits für Griechenland fühle, noch vermehren würden. „Es ist schwer zu sagen, meint der Globe, ob man mehr den diplomatischen Styl in diesem Schreiben, oder die darin ausgedrückte kaiserliche Sympathie bewundern soll." Der Globe in seinem höhnischen Uebermuth fragt, ob denn die Festigkeit und Würde einer Regierung, die diese Eigenschaften nur in der eitlen Annahme auswärtiger Unterstützung beweise, Sympathie verdiene? und charakterisirt dann die griechische Regierung eben so kurz als beleidigend mit folgenden Worten: „König Ottos Regierung thut nichts als Gläubiger betrügen, eingebürgerte Fremde berauben und Banditen Schutz gewähren."

Einer griechischen Korrespondenz des „Morning Herald" entheben wir folgende Stellen: „Sämmtliche Offiziere der grie­chischen Armee haben auf ihren Sold verzichtet für so lange, als sich die Regierung in dieser von England ihr verursachten Verlegenheit befinden wird. Die Kammern haben alsbald alle Opposition gegen daö Ministerium aufgegeben, und leisten ihm einhellige Unterstützung. Dem Lord Palmerston werden nun endlich die Augen aufgehen, und er wird einsehen, daß dieje- nigen, die ihm da sagten, die Griechen verabscheuten ihren König und warteten nur auf eine Gelegenheit, ihn zu vertrei­ben, ihn gröblich belogen..." JnPatraS lief dieser Tage daS englische Paketboot auf den Grund, zwei griechische Fahrzeuge eilten ihm zu Hülfe, aber der Kapitän sagte: Unter den jetzi­gen Verhältnissen zwischen England und Griechenland könne er ihren Beistand nicht annehmen. Nachdem er sich jedoch die ganze Nacht vergebens abgemüht, wieder flott zu werden, mußte er die verschmähte Hülfe annehmen und wurde gerettet. Zwei Stunden später tras ein anderes englisches Dampfboot ein, welches sich eben dieser zwei griechischen Schiffe im Namen der englischen Regierung bemächtigte!"

Der „Standard" schreibt: „Wir haben etwas neuere Berichte aus Griechenland , wornach es scheint, daß Admiral Parker beträchtliche Thätigkeit entwickelte, um die gegen jenes Land erhobene Forderungen geltend zu machen. Dies Verfah­ren darf jedoch nicht in Erstaunen setzen, da es nur die na­türliche Folge der von Lord Palmerston ertheilten Instruktio­nen ist, und die nächste Post auS jenen Gegenden wird wahr, scheinlich eine Wendung der Dinge melden. Es läßt sich kaum zweifeln, daß die guten Dienste Frankreichs die gütliche Bei, legung einer Frage zu Stande bringen, welche den guten Ruf Englands nicht vermehrt, wohl aber den seiner jetzigen Regierer ernstlich beschädigt hat. Allein beunruhigen darf man sich wegen obiger Berichte nicht, da sie in der That nichts weiter sind, als was sich nach den vor einigen Tagen im Parlament gegebenen Erörterungen voraussehen ließ."