sich an die Spitze Deutschlands stellt, muß erkennen, was sie dem deutschen Volke, eine preußische Regierung, was sie dem Andenken des großen Friedrich schuldig ist! Die Regierung ist verpflichtet in Bezug auf den deutschen Bundesstaat auch nicht einen Schritt zurückzugehen. Sie darf nicht in dem ersten Falle, wo ein Kompetenzkonflikt zwischen Bundeskommission und Vcrwaltungsrath entsteht, den engern Bundesstaat bedeutunglos dadurch machen, daß sie dem österreichischen Andrängen nachgiebt.
Preußen stehen zwei Wege offen.ZVon zwei Seiten wirbt «an um das jungfräuliche Preußen. England und Frankreich auf der einen, Rußland und Oesterreich auf der andern Seite. Eine Mittelstellung ist unmöglich. Gott verhüte es, aber erfolgt die Entscheidung, die Wahl in welche der beiden Verbindungen man treten will, nicht bald, so wird die Zeit kommen, wo Preußen allen vier Großmächten dienen wird, wo daS Land Friedrichs des Großen aufhören wird, eine Großmacht zu seyn. Man hat zu wählen zwischen der Rückkehr zur heiligen Allianz und zwischen einer Verbindung mit Frankreich und England. Entweder — Oder.
Entweder man bekriegt mit Oesterreich gemeinsam die S hweiz, man huldigt von Neuem dem LegitimitâtSprinzipc der heiligen Allianz, oder man hat den Muth, mit Hülfe eines neuen Bundesgenoffen, mit Hülfe Englands, zu behaupten, zu -erkämpfen schlimmsten Falls die Emanzipation Deutschlands von Wien. Dem Muthigen gehört die Welt! Friedrich der Große wagte es eine selbständige Politik zu verfolgen. Die Söhne des neunzehnten Jahrhunderts dürfen nicht aufgeben was sie von glorreichen Zeiten ererbt.
Wir gehen ernsten Zeiten entgegen, die parlamentarischen Kämpfe werden aufhören, wenn die Kanonen donnern. Noch ist es möglich, den Kanonen die Richtung zu geben! Möge man Alles aufbieten, die Regierung zu einer bestimmten Politik zu bewegen! Der deutsche Kaiser könnte auf dem Schlacht- felde gemacht werden!
D e u t. f eh ^ « N D.
Mainz, 21. Febr. (M. I.) Heute wurde die Anklage gegen Wilhelm Frambach von Alzei wegen Majestätsbeleidigung verhandelt. Die Anklage bestand darin, daß Frambach in einem Wirthshause sich dahin äußerte: „Wenn er nur eine halbe Patrone hätte und der Großherzog wäre da, so würde er ihn todischießen; alle Fürsten müßten vertilgt werden." Auch heute wieder sprachen die Geschwornen ein „Nichtschuldig " aus.
Frankfurt, 21. Februar. (O.-P.-A.-Z.) Se. königl. Hoh. der Prinz von Preußen gab gestern ein großes Diner, zu welchem, nächst Sr. Hoh. dem Herzog von Nassau, den Mitgliedern der Bundcszentralkommission und den beiden Bürgermeistern der freien Stadt Frankfurt, die gegenwärtig hier anwesenden sürstlichen Personen, das diplomatische Korps und mehrere ändere ausgezeichnete Personen eingeladen waren.
Frankfurt, 20. Febr. (D. Z.) Unser längst sehr zweck, entsprechend und wahrhaft prachtvoll eingerichteter Assisensaal harrt immer noch seiner Einweihung entgegen, wozu der so, genannte Septemberprozeß bestimmt ist. Was diesen betrifft, so sind dessen umfangreiche Akten nach Hanau geschickt worden, wo bekanntlich am 8. April eine, wahrscheinlich mehrere Wochen andauernde, außerordentliche Schwurgerichts- Sitzung statifindet, um über die dort verhafteten und der Theilnahme an der Ermordung der Reichstagsabgeordneten Lichnowsky und Auerswald beschuldigten Personen zu entscheiden. Die Einsicht der erwähntes, Akten soll interessant seyn- und das Geheimniß der Umsturzplane jener Tage ziemlich vollständig enthüllen. So liegen den Akten unter Andern alle am 17. September 1848 auf der Pfingstweide gehaltenen Reden lithographier bei, ein Beweis, daß sie damals steno- graphirt wurden.
Frankfurt, l9. Febr. (K. Z.) Aus sicherer Quelle erfährt man, daß Fürst Schwarzenberg völlig außer Stande ist, mit den viel verheißenen österreichischen Vorschlägen für eine deutsche Gesammtverfassung hervorzutreten. Die ihm vorgelegten Entwürfe sollen sämmtlich abgelehnt, gleichzeitig aber auch den vier königlichen Regierungen Eröffnungen in dem Sinne ge
macht seyn, daß sich Oesterreich aller Mittel entblößt finde, weitere Unterhandlungen mit Aussicht auf Erfolg anzuknüpfen. Wir erkennen darin ein Einlenken auf denjenigen Weg der Verständigung, der uns von Anfang an allein geeignet schien, das so sehr gewünschte brüderliche Band zwischen Deutschland und Oesterreich auf eine für beide Theile segensreiche Weise fester zu knüpfen.
Aus Baden, 18. Febr. Der Erzbischof von Freiburg hat durch ein Hirtenschreiben seinen Diözesanklerus in Kenntniß gesetzt, daß die Domkapitulare Dr. v. Hirscher und Dr. Haitz sich dem Ausspruch des römischen Stuhls, welcher ihre Schriften („Die kirchlichen Zustände der Gegenwart" von Dr. Hirscher und „Das kirchliche Synodalinstitut" von Dr. Haitz) in den Index librorum prohibitorum gesetzt, unterworfen und Alles verdammt haben, was in jenen Schriften nach dem Urtheil Roms der Lehre der katholischen Kirche zuwider ist. „Ich war der Ueberzeugung —'erklärt Hr. v. Hirscher an den Erzbischof — daß mein Schriftchen bei der gegenwärtigen Lage der Dinge, der Kirche Nutzen bringen werde. Da aber dasselbe von dem heil, apostolischen Stuhle verworfen wurde, so unterwerfe ich mich demüthig diesem Urtheilsspruch, erklärend, daß mir nichts mehr am Herzen liegt, als in der Lehre der katholischen Kirche fest zu verharren, und daß deßhalb aufrichtig von mir Alles widerrufen wird, was im genannten Schriftchen und in meinen andern Schriften dieser heiligen Lehre nach dem Urtheile des apostolischen Stuhles zuwider ist." —
Von der würtembergischen Grenze. In wenigen Tagen erwartet man einen preußischen Regierungskommissär, um die beiden Zollern'schen Fürstenthümer zu übernehmen. Die Stimmung hierüber ist nach der politischen Richtung verschieden. Die Konservativen bedauern freilich, den edlen Fürsten Karl Anton und die große Geschichte der südlichen Zollern aufgeben zu müssen; aber sie freuen sich doch wieder darüber, daß der starke Preuße wohl das Eigenthum, die Ehre, Ordnung und Gesetzmäßigkeit schützen und erhalten wird, natürlich den Wühlern gegenüber. Die Demokraten ergeben sich ungern in ihr Schicksal und spielen großentheils die Stillklugen. Auch hört man sie wohl sagen: „Hätten wir diesen Ausgang gewußt, so hätten wir die Bewegung gar nicht angefangen." (S. M^
Dresden, 18. Febr. (D. Z.) Die erste Kammer hat in der deutschen Frage, wie vorauszusehen, Nichts beschlossen: alle Anträge sind nach der Reihe verworfen.
Berlin, 19. Febr. In öffentlichen Blättern wird behauptet, daß nicht allein eine österreichische Note kriegerischen Inhalts in Bezug auf das Zusammentreten des Erfurter Reichstags, sondern auch eine ähnliche Note seitens des Kaisers von Rußland beim hiesigen Kabinet eingegangen sey. In den Kreisen der ersten hiesigen Staatsmänner ist indessen von solchen Noten nichts bekannt. Es können diese Nachrichten auf Grund der hier eingezogenen unmittelbaren Erkundigungen als völlig unbegründete bezeichnet werden.
Se. Maj. der König, welcher das Unglück gehabt hat, durch einen Fall beim Spaziergang im Charlottenburger Park sich das Schienbein zu verletzen, wird die Schließung der beiden Kammern, die am 26. Febr. erfolgt, nicht in Person vornehmen können. Es wird daher einer der Minister vom König mit der Schließung der Kammern beauftragt werden. Die Kammern werden sich zu dieser Feierlichkeit im hiesigen königl. Schlosse am 26. Febr. vereinigen. Der König muß in Folge der Wunde am Schienbein das Zimmer hüten.
Berlin, 18. Febr. (K. Z.) Die Wahlen zur erster Kammer werden voraussichtlich am 5. März stattfinden uni die Kammer nach dem 1. Juli zusammentreten. Man glaubt die Sitzung des ersten Parlaments werbe nicht weit über der 26. Mai hinausreichen. Die Hansestädte werden wahrscheinlick ein su sp e n siv e s Veto für Handelssachen, infofm sie davon betroffen, zugestanden erhalten.
Berlin, 19. Febr. Am 17. Nachmittags wurden in de „Urchristew" Versammlung in der Mauerstraße die ersten Kind taufen vorgenommen. Die Kinder erhielten die Namen Her mann Waldeck W o l ff (Sohn eines Schuhmachers) und Gusta Adolf Ludolf (Sohn eines Schirmfabrikanten). Die „Tau Handlung" bestand in Aufzeichnung der Namen in eine Liss
