Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^R LS. Freitag den 22. Februar 1S5O*
Zweite Ausgabe.
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Uebersicht.
Zeitungsschau.
Deutschland. Audenschmiede bei Weilburg (Stattliche Beisteuer zur deutschen Flotte). — Mainz (Urtheil der Geschwornen). — Frankfurt (Der Brand im Zimmer des Prinzen von Preußen. Die Garni- sonSverhâltniffe). — Stuttgart (Die Wahlen). — München (Neueste Berichte aus Griechenland). — Berlin (Badische Truppen nach der Mark und Pommern verlegt). — Wien (Die Deutschkatholiken. Die griechischen Differenzen).
Frankreich. Paris (Vermischtes).
Italien. (Die Hinrichtungen in Palermo. Vermischtes). — Rom (Mordversuche. Strenge Ordre).
Schweden. (Verlobung zwischen dem Kronprinzen und der Prinzessin Louise der Niederlande).
Großbritannien. Dublin (Aufhebung des vizeköniglichen Hofes).
Rußland. Kalisch (Schlechter Stand des russischen EinnahmebudgetS)
Zeitungsschau.
Die „Deutsche Reform" schreibt: „Wir glauben das hiesige Publikum vor den immer erneuten Uebertreibungen warnen zu müssen, durch welche man täglich die Nachrichten aus Frankreich zur Erregung lebhafter Besorgnisse benutzt. Besonders müssen wir in dieser Beziehung wiederholt die Ansicht aussprechen, daß etwaige Unruhen in Frankreich jetzt nicht im Stande seyn würden, unmittelbar auf unsere Verhältnisse trübend einzuwirken. Die Staatsregierung findet, so viel wir wissen, in den betreffenden Befürchtungen zwar eine Veranlassung zu e rh ö h t e r W a ch s a m k ei t an den westlichen Grenzen, aber sie hegt zugleich die zuversichtliche Ueber, zeugung, daß diese Vorsorge durchaus hinreichen wird, um unsere innere Entwickelung selbst vor jeder ernstlichen Störung zu bewahren.
Der sehr gut unterrichtete Korrespondent deS „Wiener Wanderers" in Konstantinopel schreibt Folgendes: Die eng- lische Regierung hat unumstößliche Beweise in Händen, daß die Insurrektion auf den jonischen Inseln durch Hetarien herbeigeführt wurde, die mit der griechischen Regie, rung in Verbindung standen; sie weiß, daß Rußland Marineoffiziere incognito nach den griechischen Inseln geschickt hat, welche alle zum Dienst tauglichen Seeleute verzeichnen sollten, und daß die Arbeit dieser Agenten als Resultat die ansehnliche Ziffer von 25,000 Seeleute gegeben hat. Die große Menge von Dampfschiffen, welche die Flotte des Admirals Parker begleiteten, läßt wohl den im Hintergründe verborgenen Gedanken Englands ahnen, — könnte England im schlimmsten Falle nicht wegen Aufhebung deS Blockus der griechischen Häfen unterhandeln und als Bedingung die Räumung der Donau, fürstenthümer stellen?
Die „Assemblee nationale", bekanntlich streng konservativ, bemerkt auS Anlaß des bevorstehenden Wahlkampfes: „Die neue Organisation großer militärischer Zonen wird von allen Freunden der Ordnung als eine neue Bürgschaft der Ruhe begrüßt werden. Ein neuer bewaffneter Aufruhr ist Hinfort wenig zu fürchten. Um so gefährlicher werden aber jene anderen aufrührerischen Bewegungen , welche man Wahlen nennt. Die Feinde der Gesellschaft richten auf diese ihre ganze Kraft, unablässig bearbeiten sie die Bevölkerung und vielleicht nach einem Jahre schon sind die Provinzen für die Sache der Ordnung verloren. Denkt man wohl an den sozialen Krieg, welcher sich vorbereitet ? Dann werden Generäle und Truppen nicht mehr genügen; der Sozialismus braucht sich nicht mehr in den Straßen zu schlagen; er wird durch die Wahlurne lriumphiren. Die beste Schutzwehr gegen diese Gefahr wäre nach unserer Ansicht eine gute Wahlreform. Das allgemeine Stimmrecht ist früher oder später der Sieg deS Sozialismus; er sagt eS selbst, er braucht nur zu warten und kann in der Zwischenzeit über eure kleinen Polizeimaßregeln ruhig lachen."
Wir theilen in Folgendem die bezeichnendsten Stellen deS Proudhon'schen Artikels in der „Voir du peuple," „ES lebe der Kaiser!" mit, — wegen dessen, das Blatt saisirt und der Verfasser au secret gesetzt wurde:
„Es lebe der Kaiser! Es ist jetzt eine ausgemachte Sache, wir werden einen Staatsstreich haben; Louis Bonaparte hat einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Der Teufel, nachdem er die parlamentarische Majorität in fünf oder sechs Fraktionen gespalten, wie eS heute Morgen der „Kredit" und ferner das Zeugniß der „DebatS," deS „Constitu, tionnel," der „Ordre" und der „ A fsemb le e nati o, nale" bestätigt, hat in eigener Person, unter der Gestalt des Herrn Seron (Red. des Constitutionel) einen Vertrag geschrieben und mit seiner Klaue unterzeichnet, worin er Hrn. Louis Bonaparte das Kaiserthum zusichcrt. Der „Constitu, tionnel" von gestern enthielt eine Abschrift dieses Aktenstücks, das ganz Paris gelesen hat, als es gestern von verschiedenen Journalen denunzirt ward, heute Morgen weder erläutert noch in Abrede gestellt wurde. Was der Teufel geschrieben hat, bleibet also geschrieben: „Wir werden einen Kaiser, wir werden einen Staatsstreich haben." — — — „Nun gut! Ihr wünscht einen Staatsstreich, wir wollen ihn auch, und worüber Ihr Euch noch mehr wundern werdet, wir gehören zu den Eurigen. Nur her mit dem Staatsstreich, sag' ich Euch! Wir gehen mit Euch unter demselben Feldgeschrei, unter demselben Banner! — Ist es denn nicht wahrhaftig unmenschlich , das Volk noch zwei Jahre lang schmachten zu lassen , wenn wir mit Hülfe LouiS Bonapartes die Sache jetzt gleich abthun können? Was riskiren wir denn? DaS Pro, letariat hat nichts zu verlieren und Alles zu gewinnen; die halbruinirte Bourgeoisie macht sich wenig aus dem, was sie noch hat, sie thut am besten, den letzten Trumpf auSzu« spielen. —
