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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

â SS Freitag den 8. Februar 1850»

Zweite Ausgabe.

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Uebersicht.

Zeitungsschau.

Deutschland. Biebrich (Der Rhein). — Idstein (Feier der Frei­sprechung der Idsteiner Kongreßmitglieder). — Aus d ein Kreisamte Hadamar (Die Wirren in der Gemeinde Langendernbach). — Frank­furt (Das Mainwaffer). — Gießen (Politische Prozesse). — Karls­ruhe (Der ehemalige Vorstand der Finanzen). — Rastatt (Der Prinz von Preußen. Flucht). — Wien (Die Gendarmerie. Gerüchte. Zeu- tralseebehvrde. Hofbälle. Banus Jellachich. Herr Kübeck und Schvn- hals. Statistik der Demokratie).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Großbritannien. London (Embargo der griechischen Schiffe in Malta). Griechenland. Athen (Die Forderungen Englands).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Zeitungsschau.

Ueber die englische Thronrede schreibt die Deutsche Zeitung: Die schwächsten Stellen in der Thronrede waren unstreitig die über das Ausland, indem fast nur mit einigen nichtssagenden Worten der Verwickelung zu Konstantinopel in Betreff der un< garischen Flüchtlinge gedacht war. Es gehörte einiger Muth dazu, in der Thronrede zu versichern, daß England mit allen Völkern in ungestörtem Frieden und in.Freundschaft lebe, fast zu derselben Zeit, wo cs in Mittelamerika, wie in Griechen­land sich die größten Gewaltthätigkeiten gegen schwächere Völ­ker erlaubt, wo es den Fluch von Montevideo und Sizilien auf sich geladen hat, wo es, wegen des Uebermuthes seines Gesand­ten, noch immer in geschiedener diplomatischer Ehe mit Spa­nien lebt, nicht zu gedenken der blutigen Metzeleien, die es erst jüngst unter den wenigstens den Engländern sehr unschädlichen Flibustiern von Borneo und China anrichtete. Es fand sich kein Kritiker, der diese wunden Stellen der Thronrede beherzt und aufrichtig bloßgelegt hätte, obschon im Oberhaufe Lord Stanley mit einigen Worten darauf zu sprechen kam. Die Minister hätten wie immer versichert, sagte er, England lebe mit der ganzen Welt in Friede und Freundschaft. Könne man etwa sagen, daß das Verhältniß Englands zu Oester­reich und Rußland ein freundschaftliches sey? (Hört!) Der italienischen Angelegenheiten sey in der Thronrede mit keinem Worte gedacht, und doch seyen sie derartig ange­than, daß sie gar sehr die Aufmerksamkeit Englands auf sich ziehen sollten. Denn wie könne man es ruhig mit ansehen, daß fid) die Österreicher und Franzosen gewisser­maßen in die päpstlichen Staaten theilten, indem jene die östli, chen, diese die westlichen Gebietstheile derselben besetzt hielten? Voriges Jahr habe der Minister Lansdowne erklärt, die Fran- zosen würden gleich nach Wiederherstellung des Friedens und der Rückkehr des Papstes sich wieder einschiffen. „Ich hoffte, sagte der Redner, in der königl. Rede der Ankündigung zu be­gegnen, wann denn endlich dieser abnorme Zustand ein Ende

nehmen werde (Hört!), aber eS war dies eine eitle Hoffnung, die sich nicht erfüllt hat."

Auffallend war es auch, daß in der Thronrede der Kolo­nien gar nicht gedacht ward, während doch bei dem letzten Zu­sammentritt des Parlaments in Canada ein Aufstand stattge- funden hat, in der Kapkolonie die passive Widersetzlichkeit gegen die Befehle der Kolonialregierung fortbauert, die Pflanzer von Jamaica mit derselben Regierung grollen re. Nur Hr. Ber, kelcy rügte im Unterhause diese auffallende Auslassung als unerkârlich und unverzeihlich.

Die Karlsruher Zeitung schreibt: Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß in der Schweiz fortwährend Pläne zu neuen Versuchen, Deutschland zu revolutioniren, geschmiedet werden. Diese Pläne stützen sich hauptsächlich auf die Hoff­nung, daß in Frankreich eine neue Schilderhebung der rothen Republikaner stattfinden und der Wellenschlag dieser Bewegung auch nach Deutschland hinüberfluthen werde. Zeugniß dieser revolutionären Thätigkeit in der Schweiz sind mit Blut ge­schriebene Flugschriften, Kalender, Pamphlete aller Art, welche neuerdings über die Grenze in unser Land eingeschwärzt wer­den, um die Gleichgesinnten zur Ausdauer und Hoffnung zu crmuthigen, die Feinde, wo möglich, einzuschüchtern, und die Muthlosen unter den Konservativen durch die Furcht vor der Rache der Zukunft abzuhalten, sich thatkräftig im Kampfe ge­gen den allgemeinen Feind zu erweisen.

Am Zürchersee sind in allen Wirthshäusern sogenannte badische Lieutenants, d. h. ehemalige Unteroffiziere, stationirt, welche Propaganda für die rothe Republik machen; Zürich ist der Hauptsammelplatz der Flüchtlinge in der östlichen Schweiz, von wo mit Baden und Würtemberg Verbindungen unterhal­ten werden. So ward vor einigen Wochen unter Fickler'S Vorsitz im „Hotel du Lac" eine Hauptversammlung gehalten und die Hoffnung baldiger Rache verkündet. In Zürich sind mehrere Druckereien, die mit dem Druck und der Ver­breitung wühlerischer Schriften sich beschäftigen. Es ist eine solche bekannt, aus der grade jetzt vielfache Sendungen nach Stuttgart, München und nach Baden abgehen. Dicht an der Grenze hausen Kolporteurs, die mit Schlechtgesinnten im Inland verkehren. Allgemein ist unter den Flüchtlingen die Rede davon, daß Mitte Februars losgeschlagen wird. Ein konservati­ves Berner Blatt, der „Oberländer Bote" nannte sogar den Tag, den 24. Febr.; übereinstimmend damit ist die Angabe einer Korre­spondenz der Pariser „Assemblee nationale". So unsinnig ein neues Unternehmen erscheinen mag, die Wahrscheinlichkeit neuer Versuche ist nicht gradezu in Abrede zu stellen. Daß in Paris die Rothen über neue Pläne brüten, ist bekannt; die franzö­sische Regierung ist auf ihrer Hut. Schon die hilflose Lage der meisten dieser Flüchtlinge, die durch die neu sich regende Reaktion gegen den Radikalismus und den bevorstehenden Sturz desselben noch prekärer wird, drängt sic zu neuen Versuchen, aus ihrer elenden Lage herauszukommen. Aufgestachelt werden sie durch den von deutschen und andern Flüchtlingen herausge­gebenen „Völkerbund", der unter allem revolutionären Gesindel