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Wie ich höre, hat er sich bei Gelegenheit deS letzten großen Ausfalles der Insurgenten aus Komorn im vorigen Jahr, als die schwachen Zernirungötruppen weichen mußten, ein Lungen­übel zugezogen, dem er auch erlag. Bekanntlich starb der Vater dieser zwei Brüder einige Tage vor der zu Arad erfolg­ten Hinrichtung seines älteren Sohnes aus' Kränkung, und nun folgte der jüngere, seinem Monarchen treugebliebene Sohn seinem Vater und Bruder in so kurzer Zeit. So hat diese be, kannte Familie durch die unglückliche ungarische Revolution drei Mitglieder verloren. Die Wittwen der beiden Brüder leben in Presburg in Zurückgezogenheil.

Das Tyroler Wochenblatt entgegnet auf die bekannte Nachricht: es habe der preußische Ministerpräsident Graf Bran­denburg nach dem Tode seiner Schwester, der verwittweten Herzogin von Köthen, welche die letzte Zeit ihres Lebens in Wien zubrachte, dort katholisch wurde, und fast it)r. ganzes Vermögen den Jesuiten vermachte, das Testament derselben als erschlichen und deßhalb ungültig angefochten, indem er als nächster Erbe den Heimfall dieses Vermögens beanspruchte, und es se» in dieser Angelegenheit soeben das Urtheil erfolgt, die Ansprüche des Grafen Brandenburg seyen als gerechtfer, tigt anerkannt und das angefochtene Testament wirklich kassirt worden, Folgendes:Aus ganz zuverlässiger Quelle können wir versichern, daß ein Rechtsstreit zwischen dem Grafen von Brandenburg und dem Jesuitenorden in Bezug auf die Ver­lassenschaft der im Januar 1848 verstorbenen Herzogin Julie zu Anhalt-Köthen nie stattgefunden hat! Auch ist der Ueber- tritt der Herzogin zur katholischen Kirche nicht in Wien, son­dern bereits im Jahre 1825 zu Paris, und zwar in Gemein­schaft mit ihrem 1830 mit Tod abgegangenen Gemahle, dem Herzoge Ferdinand, erfolgt."

Wien, 30. Jan. Das Beispiel der Arbeiterrenitenz in der Schickschen Fabrik in Prag hat bereits Nachahmung ge­funden. Auch in der Fabrik des Herrn T. Kanders haben sämmtliche Druckergesellen die Arbeit eingestellt, um einen höheren Lohn zu erzwingen.

Aus Pesth wird geschrieben, daß dort der Mangel an Scheidemünze so fühlbar ist, daß die Wasserträger beim Ein­tritt in ein HauS fragen, ob sie mit Scheidemünze oder mit Münzscheinen bezahlt würden, in welch letzterem Falle der Preis der Kufe Wasser um 2 kr. theuerer ist.

In der Umgegend von Krakau treiben Räuberbanden ihr Unwesen, wodurch sich die Regierung bewogen fand, eine Kompagnie Militär nach dem Marktflecken Chrzanow zu ver­legen und daselbst das Standrecht verkündigen zu lassen.

Siebenbürgen ist von den mannigfachsten Plagen heimge- fucht. Unter den Menschen wüthet der Typhus und alle Spitäler sind überfüllt. Das Hornvieh wird von der noch immer herrschenden Seuche hinweggerafft und bei den Pferden hat sich jetzt die Krätze in sehr ansteckender Weise gezeigt.

Nach einem Bericht aus Belgrad ist Koffuths Gattin im Dezember über Semlin nach Belgrad geflüchtet, wo sie englische Pässe erhielt und nach Schuinla ging. Für die Gattin ihres Bedienten sich au°gebcnd, hatte sie sich seit der Affaire bei Vilagos in Ungarn verborgen.

Wien, 30. Januar. Ich kann Ihnen die höchst wichtige Nachricht mittheilen, daß sich der Pabst mit den katho­lischen Mächten über die Verfassung des Kir­chenstaats endlich geeinigt hat. Diesem Uebereinkom­men zufolge bleibt das Motuproprio PiuS IX. vom vorigen Jahre die Grundlage derselben. In der weiteren Ausführung soll der Kirchenstaat in vier Legationen getheilt werden, deren jeder ein Kardinal als politischer Chef vorstehen wird. Ebenso soll ein Mitglied des heiligen Kollegiums Präsident des Mini- sterrathS unter dem bisher üblichen Titel: Kardinalstaats­sekretär seyn, derselben Körperschaft werden auch der Präsident und Vizepräsident der Cosulta di stato angchören. Das Ver­hältniß zwischen Laien und Priester in Betreff der übrigen Aemter ist jedoch noch nicht festgesetzt. (C. Z.)

Frankreich.

Paris, 1. Februar. Man lieSt heute im halbamtlichen Constitutionnel":Die Opposition wirft uns häufig politischen Optimismus vor; wir sind also keine Alarmisten. Wenn aber die Gefahren, denen die Gesellschaft ausgesetzt ist, nicht über­trieben werden müssen, so soll man sie deßhalb nicht verhehlen. Die materielle Ordnung ist gesichert; dies hat man lange wie­

derholt. Nichtsdestoweniger ist, nach anscheinend begründeten Gerüchten, eine Störung dieser Ruhe zu Lyon wahrscheinlich. Es soll jetzt dort und an mehreren Punkten der 6. Militär- division ein außerordentlicher Grad von Aufregung herrschen, was die Behörden zu glauben veranlaßt hat, daß in Kurzem eine Bewegung ausbrechen könne. Ein hoher Beamter des Rhone-Departements (der außerordentliche RegierungS-Kom« missar) soll hier angekommen seyn, um die Regierung von der Sachlage zu unterrichten, und Vermehrung der Truppenmacht zu begehren. Diese gewaltige Agitation wird der unaufhör­lichen Aufregung zugeschrieben, welche die Flüchtlinge in der Schweiz unter der Bevölkerung an der Gränze unterhalten. Die deutschen Mächte, welche von einer gemeinsamen Besetzung der Schweizer-Kantone träumen, benutzen angeblich dlesMNDn-^ stand, um die Mitwirkung Frankreichs in Berücksichtigung seiner eigenen Gefahren zu beanspruchen. Wie dem auch seyn mögt die Regierung, welche das Treiben der Ruhestörer genau über­wacht, ist vorbereitet, die Entwickelung desselben zu verhindern oder ihr wenigstens Einhalt zu thun.' Der Tag, an welchem die Bewegung ausbrechen sollte, ist ihr bekannt. Der Jahres­tag des 24. Februar sollte auf diese Weise gefeiert werden. Wir unseres Theils stehen nicht an, diese Nachrichten zu ver­öffentlichen ; es ist das beste Mittel, die uns angekündigte Ge­fahr abzuwenden."

Großbritannien.

London, 1. Febr. Die von der Königin zur Eröffnung des Parlamentes ernannten Kommissäre waren der Lordkanzler, der Marquis von Lansdowne, der Marquis von Breavalbane, der Graf Minto und der Bischof von London. Es war gestern um zwei Uhr, als die Kommission im Hause der Lords erschien und ihre Plätze einnahm. Nachdem die Mitglieder des Hauses der Gemeinen vor die Barone des Oberhauses beschieden wor­den waren und der Lordkanzler die Thronrede verlesen hatte, entfernten sich die Unterhausmitglieder sowie die Kommissare- und das Haus der LordS vertagte seine Sitzung bis um 5 ITßr. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erhob sich der Graf v. Esser, um die Adresse zu beantragen, die ein Echo des Inhalts der Thronrede war. Der Verabredung gemäß unterstützte Lord Methuen den Antrag. Ein von dem Grafen Stradbroke ein­gebrachter Verbesserungsvorschlag im Sinne der Protektionisten ward unter anderen durch Lord StmUey befürwortet. Bei der Abstimmung erhielt die ursprüngliche Fassung der Adresse je, doch eine Majorität von 49 Stimmen.

Italien.

Rom, 23. Jan. (K. 33 Nach Privatbriefen aus der Romagna scheinen die mehrfach wiederholten Gerüchte von protestantischen Regungen nicht ungegründet zu seyn. In den Städten soll Hinneigung zum Protestantismus allgemein ver­breitet seyn, und zwar ganz besonders unter dem weiblichen Geschlechte, bei welchem auch die eigentlich religiöse Seite der Bewegung sich geltend mache, obwohl es nicht geleugnet wer­den könne, daß Mazzini'sche und kommunistische Schriften den ersten Anstoß gegeben. In Rom ist die Kontrolc zu groß, als daß dergleichen aufkommen könnte.

Ungarn.

Die Meldungen von Raubanfällen in Ungarn und den Nebenländern mehren sich auf eine grauenhafte Weise. Be­zeichnend für den Stand des Landes im Allgemeinen ist eine neuerliche Anordnung des Pesther Obcr-Distriktskommissärs an alle ihm unterstehenden Gemeinden, worin er ihnen befiehlt, alle in ihrem Weichbilde noch nicht beerdigten Opfer der letzten unglücklichen Epoche allsogleich zu begraben, damit durch die schädliche Ausdünstung sich keine gefährliche Krankheiten ent­wickeln. Wenn man bedenkt, daß seit August v. I. die Kämpfe in der Umgebung Pcsths ruhen, so klingt diese Mahnung in Bezug auf die Bewohner und die Behörden des Pesther Distrikts wirklich beispiellos, und man hört auf, die Angabe, daß die ungarischen Schweine noch nie so fett gewesen, röt? in dem abgelaufenen Jahre, wo sie sich von Menschenfleisch nährten, für eine Erfindung zu halten.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. RUHl.