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auch jener schimpflichen Strafe erwähnte. Daß aber der ge- dachte Professor aus Schreck davon gestorben oder überhaupt die Androhung der Prügel in einer offiziellen Weise geschehen sey , gehört in das Reich der Erfindungen. Zugleich ist zu erwähnen, daß der Stadtkommandant von dem Marschall Radetzky einen ernsten Verweis erhalten hat und sofort versetzt worden ist.

Nachschrift.

* In Langenschwalbach ist Oberbergrath Lossen zum Erfurter Reichstag gewählt. In Limburg fiel die Wahl auf Mar v. Gagern mit 79 Stimmen unter 86 Wählenden.

Frankreich

Paris5 28. Januar. Der Ministerrath hielt heute eine Sitzung, welcher L. Napoleon beiwohnte.und worin angeblich über eine wichtige Depesche aus Wien berathen wurde, welche den schon erwähnten Plan der Abtretung eines Theils der Lombardei an Sardinien betreffen soll. Changarnier hielt heute wieder Heerschau über eine Brigade. Auf der ganzen Linie der Boulevards fand um Mittag ein bedeutendes Hin- und Her­ziehen von Truppen statt, welches nach derEstafette" die Be­völkerung einigermaßen beunruhigte. Dies Blatt meint, daß solche durch nichts veranlaßte militärische Promenaden schlecht geeignet seyen , den Glauben an die Staatsstreichgerüchte zu zerstören.

Paris, 29. Jan. Die Nationalversammlung hat endlich das Mobilgardengesetz mit 533 gegen 49 Stimmen angenom­men: die Gesammtausgabe, welche dem Staat dadurch erwächst, beträgt 280,000 fl. Man spricht von einem Ultimatum Oester­reichs und Preußens an die Schweiz, in welchem, wenn nach Ablauf einer bestimmten Frist (April) den Umtrieben der Flüchtlinge nicht definitiv ein Ende gemacht worden, die so­fortige Intervention angedroht wäre. Dieselbe, hoffentlich sehr unsichere Quelle, welcher dieses Gerücht entstammt, will wis­sen, daß Hr. v. Persigny in Berlin seine ganze Thätigkeit zu Gunsten eines Ministeriums Gerlach-Stahl entfalte.

Amerika.

Newyork, 9. Jan. Der SteamerEmpire City" hat 327,000 Dollar in Goldstaub als Postgut überbracht, über 3,700,000 Dollar fallen die 277 Passagiere mitgebracht haben, welche sich an Bord befanden. Man schüttelt hier einigermaßen den Kopf, wenn man die Zahl dieser Passagiere überzählt und berechnet wie viel Dollar von der gesummten Fracht auf jeden derselben kommt. In San Franzisko wiederholen sich bereits die sozialen Bewegungen älterer Staaten: die Zimmer­leute haben dort Schicht gemacht, weil sie einen Tagelohn von 16 Dollar verlangen und die Bauunternehmer ihnen nur 12 Dollar bewilligen wollen. Man fürchtete in Kalifornien eine HungerSnoth, und Lebensmittel hatten nach den letzten Nach­richten ausschweifende Preise; vielleicht ist aber die Besorgniß übertrieben und von Spekulanten angeregt worden. Von den Ueberlandpilgern nach Kalifornien sind neuerdings 32 von Indianern ermordet worden.

Ein Privatbrief aus Kalifornien, den ich gesehen habe, sagt:Ein Pilot von San Franzisko nach den Minen wurde von uns mit 500 Dollar bezahlt. Ich erhole mich eben von einem Sumpffieber; Arznei, 6 Dollar die Flasche; Honorar für den Arzt unglaublich hoch. Die Arbeit und die Strapazen in den Minen unbeschreiblich; drei von fünfen werden krank dabei. Eine glückliche Bande hat 60 Dollar pro Mann täg­lich gemacht. Ich verkaufte 35 Fuß dünne Planken für 21 Dollar. Ein Paar Küchlein ist 5 Dollar werth , ein Pfund Kartoffeln 37% C. Ich rathe meinen Freunden nicht dies Wagniß zu unternehmen. Geld und Krankheit in jeder Ge­stalt ist hier in Ueberfluß. Spielhöllen sind in San Fran­zisko mehr als Fische im Misstjsippi und alle haben ihren be­sonderen Köder. In der einen sitzt eine schöne Chilenerin, mit Juwelen bedeckt, welche ihre Unzen hinwirft, als wären es Mes- fingknöpfe; in der andern spielt ein Musikkorps Heil Kolum- bia; in der dritten bieten hübsche Mädchen gin Cocktails und Brandy smashers feil; in einer vierten findet man neben Würfeln und Karten Taschenspieler, Affen, äthiopische Sän­ger , italienische Geiger. Das ist Leben in Kalifornien. In den Minen selbst sterben die Menschen bei Hunderten, und nur einzelne sind eS, welche mehr verdienen, als sie verzehren."

Sprechsaal

für Stadt und Land.

A Wiesbaden, 31. Jan. Der Artikel in Ihrem gestrigen Blatte in Betreff des Hrn. Vollpracht hat in denjenigen Schichten der Wiesbadener Gesellschaft, welche Sie für die hauptsächlichsten Leser Ihrer Zeitschrift ansehen können, eine unverkennbare Sensation hervorgerufen. Es ist nicht allein die Art und Weise der Verunglimpfung, es ist noch mehr die Zeit und der Ort derselben, welche, abgesehen von der plump hervortretenden Absicht des leicht zu errathenden geistigen Ur­hebers, indigniren.

Während Herr Vollpracht in Berlin schon seit mehre, ren Monaten für den deutschen Bundesstaat eine unmittelbare Thätigkeit entfaltet, welche wenigstens in allen außernassauischen Gauen von der größten Hochachtung begleitet wird, ihm aber Zeit und Gelegenheit benimmt, dem FaktionSgetriebe seiner speziellem Heimath für die Erfurter Wahlen irgend eine Auf­merksamkeit zu schenken, erscheint in einem Blatte, in welchem, als in seinem Organe, daskonstitutionelle Wahlkomite" seine Kandidaten zu empfehlen pflegt, erscheint an erster Stelle der Korrespondenz und zwar so berechnet, daß das Blatt, das für den Ausdruck des hiesigen Wahlkomites gilt, noch, just zum rechten Momente etwa nach Rennerod gelangen könne, ein Artikel, um den Abwesenden bei den Wahlmânnern zu verdâch- tigen, einen Mann, auf dessen ausgezeichnete Qualifikation und Tüchtigkeit zur Vertretung der Interessen des weiteren und engeren Vaterlandes die übrigen vorgeschlagenen Kandidaten, und wäre es selbst der in jenem Artikel erwähnte Herr Her­genhahn, im Ernste auch nur einen leisen Anspruch zu er­heben, schwerlich den Muth haben werden.

Solch ein Verfahren richtet sich selbst. In früheren Zei­ten, wo freilich die Leidenschaft und Selbstsucht der Wahlum- triebe noch nicht die Lehren der Moral verwischt hatten, hieß es unter ehrlichen Menschen ein unehrlich Werk, einen Abwe­senden zu schmähen, wie ja auch schon die Fabel nicht recht weiß, ob sie solch ein Werk für das Stückchen eines EselS oder eines Fuchses ausgeben soll.

Aber freilich, Anerkennung für die Vertretung wirklich freisinniger Prinzipien unter ungünstigen Verhältnissen, Ach­tung der edlen Beweggründe, welche Herrn Vollpracht be­stimmten, im Jahre 1848 die Leitung der Angelegenheiten an­dern , damals momentan für fähiger gehaltenen Händen zu überlassen, Achtung vor dem Schmerze der bittern Täuschung, welche, fürwahr! nicht er verschuldete, Achtung vor der Ehr­lichkeit, mit welcher er die geläufigen Mittel verschmähete, sich für unersetzbar auszugeben, Alles das sind Gefühle, welche in der Selbstsucht eines Wahlgetriebes, in der Furcht, von einem wirklich Würdigern aus dem Sattel gehoben zu werden, zu leicht verloren gehen.

Allein die Dreistigkeit, womit die Verläugnung derselben zur Schau getragen, die Perfidie, womit der bisher völlig ma­kellose Charakter des Herrn Voll Pracht durch Hinweisung auf seine Beziehungen zu dem Erzherzog Stephan zu verdäch­tigen gesucht wird, in diesem Blatte zu rügen, glauben wir der Ehre der Heimath des Abwesenden schuldig zu seyn.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

* Wiesbaden, 1. Febr. In der heutigen 12. Verloosung der Herz. Nass. 25 fl. Loose sind auf folgende Nummern Haupttreffer gefallen: m

Nro. 20,787 fl. 15,000; Nro. 7155 fl. 3000; Nro 81,711 fl. 2000; Nro. 36,140 fl. 1000; Nro. 22,109 und Nr». 102,582 â fl. 400; Nro. 1770 und Nro. 41,946 a fl. 200; Nro. 77,951 und Nro. 32,183 â fl. 100.