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Ungarn.

Preßburg, 18. Jan. Von dem Michaelithurme weht die kaiserliche Fahne, in großen goldenen Lettern ist auf dem Haupt­platze der Wahlspruch deS Kaisers: Viribus unitis, zu lesen, und darüber prangt das österreichische Kaiserwappen; vom Reiche heißt cS in der Charte vom 4. März, und der 7. Pa- ragraph besagt: „Das ganze Reich ist ein Zollgebiet," und doch bestehen eine Stunde von hier Schranken, welche sehr derb daran erinnern, daß es einst ein Ungarn und ein Oesterreich gab. Die Zollschranken bestanden zwar auch unter der ein­stigen Regierung, aber die Kontrole wurde bei Weitem weniger streng gehandhabt. (Konst. Bl. a. B.)

Italien.

Florenz, 22. Jan. (A. Z.) Die bildenden Künste haben durch den in diesen Tagen erfolgten Tod des berühmten Bild­hauers Bartolini einen schmerzlichen Verlust erlitten. Gestern fand dessen feierliche Beerdigung, welcher alle Mitglieder und Schüler der Akademie, sowie viele ausgezeichnete Personen und Freunde des Verstorbenen beiwohnten, statt. Die Enden des Leichentuchs wurden vom französischen Gesandten Grafen Wa- lewSky (da Bartolini Inhaber des Ordens der Ehrenlegion war), vom Maestro Rossini, dem Präsidenten der Akademie und dem Senator Lamporecchi gehalten. Die irdischen Reste des Dahingeschiedenen wurden zuerst nach der Akademie und von da nach der S. S. Annunziata gebracht und in einer im dortigen Kloster befindlichen, nur für ausgezeichnete Künstler bestimmten Kapelle beigesetzt. .

Wie man sagt, soll die päpstliche Regierung vor kurzem die Konzession zum Bau einer Eisenbahn von Rom nach Chiusi ertheilt haben. Wenn sich dieß bestätigt, so' würde eS von großer Wichtigkeit seyn, da von letztgenanntem Orte nach Siena, wohin bereits eine Schienenverbindung von hier aus besteht, nur eine verhältnißmâßig unbedeutende Entfernung ist.

Der Postwagen von Terracina, welcher gewöhnlich die Depeschen von Neapel bringt, ist vor Kurzem zwischen Velletri und den pontinischen Sümpfen von sieben bewaffneten Män­nern angehalten worden. Es schien nur auf die Briefe und die Depeschen abgesehen zu seyn, indem die Räuber diese Mit­nahmen, sonst aber nichts raubten. Zum Theil war die auf diese Weise aufgefangene Korrespondenz an die Kommission der drei Kardinäle gerichtet.

Mehr als je ist in Turin die Rede von der angeblich österreichischerseits beabsichtigten Abtretung der Lombardei bis zum Mincio an Sardinien. Als Bedingungen dieser Abtre­tung soll die österreichische Regierung außer der Schleifung der Festungswerke von Mantua eine Entschädigung von 400 Mil, lionen Francs und den Abschluß eines Offensiv- und Defensiv- Bündnisses mit Piemont gestellt haben. Andererseits wird versichert, nicht an Piemont, sondern an Modena wolle Oester­reich den erwähnten Landstrich abgeben, und unterhandle nur scheinbar mit dem ersteren Staate, um Zeit zur ungestörten Verfolgung seiner wahren Plane zu gewinnen.

F r a rr k r e i eh.

Paris. Von allen Seiten Klagen über den rauhen Winter. Nicht blos an den Pyrenäen, auch im Juradepar, tement machen die Wölfe das Land unsicher. Aus Poligny, 15. Jan. schreibt man: „Seitdem eine dicke Schneedecke auf den Bergen liegt, haben die Wölfe sich in die Ebene gezogen. Der Wald von Vaivre ist der Sammelplatz einer großen Zahl dieser gefährlichen Gäste geworden. Während des Tages sieht man sie in Haufen von fünf oder sechs aus der Straße von Lyon nach Straßburg streifen, die durch diesen Wald geht, und bei Nacht suchen sie ihre Nahrung in den benachbarten Dör­fern , ja sie laufen ohne Scheu bis in die Gassen von Po­ligny." —

Dänemark

Nyborg, 22. Jan. Heute Abend lagen auf Sprogöe alle Eisböte, ungefähr 80 Passagiere und eben so viele Seeleute. ES kann also vorläufig und ehe von Sprogöe auö die Ueber, fahrt gelungen ist, an keine Kommunikation zwischen Seeland und Fühnen gedacht werden. — Hier ist auf telegraphischem Wege die betrübende Nachricht eingegangen, daß Dänemarks großer Dichter, Adam Oelenschläger, mit Tode abge, gangen ist.

Großbritannien.

London, 24. Jan. (W. Z.) Das englische Reich ist wieder etwas größer geworden. Ein Kriegsschiff, der „Herald", wel­ches durch die BehringSstraße in die arktischen Gegenden vor­drang, um Sir John Franklin zu suchen, hat am 17. August 1849 aus 73° N. Br. und 170° W. 8. von Greenwich eine Inselgruppe und in einiger Entfernung ein anscheinendes Fest­land mit Gebirgszügen von 1400 Fuß Höhe entdeckt. Der Kapitän hat an einem jener unwirthbaren Gestade den U.nion- Jack aufgehißt und im Namen der Königin Viktoria von dem Lande Besitz genommen. Von lebenden Wesen fand man dort nichts als zahllose Taucherenten.

Rußland.

Aus den Ostseeprovinzen, im Januar. Nachdem die Buchhandlungen in Riga und Dorpat seit dem Juli 1849 versiegelt waren, hat man am 23. Dezember den Besitzern eröffnet, daß in Folge besonderer Verwendung des General­gouverneurs Fürsten Suwaroff die Läden wiederum geöffnet werden dürfen; die Besitzer haben jedoch so lange Hausarrest, bis das Unheil in dieser Sache (eine Strafe von 50 R. S. und Schluß deS Geschäfts bis zu wiedererlangter Konzession) in Petersburg bestätigt worden. Auch in Moskau sind vor ein paar Wochen die Buchhandlungen versiegelt worden , doch sollen sie bereits wieder geöffnet seyn. Der deutsche Buchhan­del in Rußland ist jetzt nur noch ein Schatten von Dem, war er früher war, und es würde sich Niemand besinnen, sein Ge­schäft zu verkaufen und mit dem Erlös etwas Anderes anzu, fangen oder noch lieber Rußland ganz zu verlassen, wenn sich nur Käufer fänden. Gott bessere es I (D. A. Z.)

Sprechfaal für Stadt und Land.

In Nro. 25 der Nassauischen Allgemeinen Zeitung befindet sich ein Korrespondenzartikel, wonach dem Wiesbadener Wahl- Komite in Limburg ein Brief aus dem Wahlbezirk Rennerod zugekommen, welcher aber durch ein Versehen der Post, erst nach der Versammlung abgegeben worden.

Hierauf sieht sich unterzeichnete Stelle veranlaßt, zu erwie­dern, daß der fragliche Brief aus dem Wahlbezirk Rennerod am 24. d. Mts. Nachmittags hier eingetroffen ist, während die Versammlung in Limburg am 23. stattgefunden hat.

Worin hier ein Versehen der Post liegt, wäre deßhalb von dem Herrn Einsender fraglichen Artikels zu erläutern.

Limburg, 30. Jan. 1850.

Herzog!. Postverwaltung.

Hoffmann.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird au ; jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegeben oder I kann im Expeditionslokale abgeholt werden.

Die Expedition der Nast. Allg. Aeitnng.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof,Buchhandlung in Wiesbaden-