Heidelberg, 18. San, (Schw. M.) In diesen Tagen wurden hier mehre Frauen verhaftet. Besonders sollen es Frauen seyn, welche sowohl früher schon die Flucht von Frei- schârlern aus den hiesigen Hospitälern unterstützten, als auch jetzt noch politisch Berüchtigten, wenn es nöthig ist, zur Flucht beförderlich sind. Längere Zeit bestand hier ein demokratischer Frauenverein. Dieser hat sich zwar aufgelöst, allein einzelne frühere Mitglieder desselben zeigen sich in der oben angeführten Weise noch thätig. Man steht daher noch mehreren Verhaftungen von weiblichen Personen entgegen-
Karlsruhe, 23. Jan. Die gewöhnlich von hier aus sehr gut unterrichtete „Köln. Ztg." meldet: Die Kammern werden voraussichtlich nicht vor Ende Februar, vielleicht gar erst am Anfänge des März einberufen. Veranlassung hierzu bieten nicht mehr die Wahlen, denn solche könnten fast sämmtlich in den nächsten Wochen stattfinden. Wohl aber wünscht man manche in Berlin obschwebenden Fragen in ein weiteres Stadium vorgerückt zu sehen, und eben so hofft man, bis dahin den Kriegszustand aufheben zu können. Außerdem ist man mit mehreren wichtigen Vorlagen an die Kammern noch nicht fertig.
Ulm, 25. Jan. Heute Mittag nach 12 Uhr tvu.be der Redakteur der „Ulmer Donauzeitung", Beischlag, der kaum zuvor unter der Bedingung „ruhigen Verhaltens" Strafaufschub wegen Familienverhältnissen erhalten und dies selbst veröffentlicht hatte, zum Antritt seines sechsmonatlichen FestungsArrests auf den Asberg abgeführt. Seine Familie ist in großer Bedrängniß.
Berlin. In den höchsten Kreisen ist man auf die in kurzem bevorstehende richterliche Entscheidung des Prozesses gegen den frühern kurhesstschen Minister, jetzigen AppellationS- gerichtspräsideuten Dr. Hassenpflug in Greifswald gespannt. Die Anklage beschuldigt den Präsidenten der Unterschlagung von Baugeldern. Sie gründet sich auf eine Denunziation eines Kastellans. Der Advokat Dr. Anderssen wird den berühmten Angeklagten dem Vernehmen nach vertheidigen.
Oldenburg, 26. Jan. Die Betheiligung an den Wahlmännerwahlen fürs Volkshaus ist außerhalb der Hauptstadt so unter aller Erwartung gering, daß sich die W. Z. scheut, auch nur von Minoritätswählen zu sprechen. Und in der That scheint diese Bezeichnung nicht auf Fälle zu passen, wo von ganzen Wählerklassen hier und da gar Niemand, an andern Orten anstatt Hunderter: zwanzig, zehn, oder, wie in der.Landgemeinde Oldenburg, wo 10 Wahlmänner zu ernennen, waren, im Ganzen fünf Urwähler der einen und fünf von der andern Klasse erschienen. Wir wußten, daß sich das Berliner Bünd- niß des Beifalls der Demokraten nicht erfreut. Aber eine so allgemeine Zurückhaltung vom Wahlgeschäfte hätten wir nicht erlebt, wenn die Nachricht von der königlichen Botschaft aus Berlin nicht die öffentliche Meinung so tief niedergedrückt hätte.
Prag, 23. Jan. Die böhmischen Blätter sind voll von Klagen über die Witterung; denn nicht allein werden durch den bedeutenden Schneefall die Postverbindungen gänzlich gehemmt und die Wölfe aus den Wäldern in die Nähe der Dörfer getrieben, sondern der rasche Wechsel von Frost und Thauwetter erzeugt eine Menge gefährlicher Krankheiten, deren weiterer Verbreitung durch die täglich vor sich gehenden Truppendislokationen der unglücklichste Vorschub geleistet wird. Unter den Regimentern an der sächsischen Gränze wüthet der Typhus und fordert um so mehr Opfer, als in den Kantonnirungs- dörfern die Verpflegung der Kranken nur äußerst mangelhaft seyn kann.
Prag. Das „Konst. Bl. aus B." schreibt: Die Bot, schaft des Präsidenten der Ver. Staaten von Nordamerika enthält eine Stelle, die eben nicht am freundlichsten für Oesterreich lautet; auch daß General Caß im Kongreß zu Washington einen Antrag auf Abbruch deS diplomatischen Verkehrs mit dem Wiener Kabinet stellte, dürfte erinnerlich seyn. Die österreichische Regierung scheint der amerikanischen mit keiner größeren Freundlichkeit entgelten zu wollen; das nachfolgende Faktum läßt wenigstens AehnlicheS vermuthen. Ein Engländer Herr R... und ein Nordamerikaner Hr. H>... hatten die Absicht, Prag zu besuchen, und hier bei einem unserer Landsleute , der als Pianist einen auswärtigen Ruf ge.
meßt, Unterricht zu nehmen. In Dresden wandten sich beide an den österreichischen Gesandten, um von ihm die nöthigen Paßvisa zu erlangen. Der Engländer erhielt dasselbe ohne Anstand, dem Nordamerikaner jedoch wurde bedeutet, daß nach erhaltenen Instruktionen von Seite deS Wiener-KabinetS Bürgern der Ver. Staaten der Eintritt in das österreichische Staatsgebiet verschlossen sei. Hr. R . . . ist bereits in Prag angekommen ; Hr. H. . . mußte aber in Dresden bleiben. Er hofft übrigens durch direkte Verwendung beim österreichischen Ministerium doch noch die Erlaubniß, nach un- lerer Hauptstadt zu kommen, zu erlangen.
Prag, 23. Januar. Das Const. Bl. a. Böhmen berichtigt aus offizieller Quelle, daß eine Verweigerung des Paß- visa's für einen Amerikaner Seitens der österreichischen Gesandtschaft in Dresden allerdings, aber nur deßhalb stattgefunden habe, weil die Bedingungen der Ertheilung des Vifa nicht vorhanden gewesen, nicht aber, weil Nordamerikanern überall der Eintritt in die österreichischen Staaten nicht mehr gestattet sey. Der in Frage stehende Reisende ist seitdem auch wirklich in Prag cjngeiroffen.
Wien, 24. Jan. Sckneestürme, furchtbare Kälte, dann plötzlicher Umschlag der Temperatur bilden das Thema der Unterhaltung. Die Nordbahn war wieder einen Augenblick frei, die Fahrten mußten aber wieder eingestellt werden. - Ein Transport Honved soll in der Nacht vom 22. auf den 23. Jan. auf der Haide bei Parrendorf zum Theil vom Tode des Erfrierens ereilt worden seyn, Es seien achtzig Mann gewesen , davon seien eilf Mann, worunter auch zwei eskortirende kaiserl. Offiziere und zwei geleitende Bauern, erlegen. Näheres ist abzuwartcn.
Aus Wien 20. Jan. wird dem Schwäbischen Merkur geschrieben: „Ich bin fertig", so hat, wie man vernimmt, eine der jüngsten telegraphischen Botschaften res Erzherzogs Albrecht, Kommandirenven des Armeekorps in Böhmen, gelautet. Es ist kein Zweifel, daß damit der vollkommen vorbereitete Zustand seiner Truppen einen etwanigen Marschbefehl zu vollziehen gemeint ist. Ueber den eigentlichen Zweck der größern Truppenkonzentrirung in Böhmen, wie auch in Vorarlberg , scheint man indessen in öffentlichen Blättern bisher wenig unterrichtet zu seyn. Weder die politische Stimmung im Lande, noch die unmittelbare Absicht in Sachsen einzurücken, sind der Grund davon, am allerwenigsten aber der Gedanke bei einem voraussichtlichen Konflikt mit Preußen gerüstet dazustehen. Wir erinnern an die freundschaftliche Zusammenkunft des Kaisers von Oesterreich und des Königs von Preußen im Sommer des vergangenen Jahres in Teplitz: ungeachtet mancherlei Verschiedenheit in den Ansichten der Kabinette haben sich diè beiden Monarchen wohl damals schon in der Hauptsache über die ihnen durch die Nothwendigkeit gebotene Politik geeinigt, um den allgemeinen Feind des friedlichen Bestandes von Deutschland und der Ruhe Europa's, die Uebergriffe der Demokratie darnieder zu halten. In dieser Voraussetzung ist es wahrscheinlich , daß unsere Truppen in Böhmen vielmehr eine freundschaftliche Stellung zu der preußischen Regierung einnehmen, und dieß zu bethätigen angewiesen seyn dürften falls die Empörung abermals ihr Haupt erheben würde. Wir glauben übrigens; daß unser Kabinett hier und in Frankfurt zwar auf einen dauernden Bestand der Ruhe hinarbeiten, aber sich zu nichts entschließen wird, was eine rückgängige Richtung gegenüber den gwähcten Freiheiten einschlüge.
Aus österr. Schlesien, 19. Januar. (D. Z.) Prießnitz, der große Wassermann, hat in seiner unmitelbaren Nähe einen unerwarteten Rivalen in der Person des Bauers Schrott zu Lindewiese bekommen. Wenn Prießnitz im kalten Wasser ein Universalmittel gegen alle Krankheiten finden will, so behauptet gagegen Schrott eben so steif und fest: „Wasser sey in den meisten, wenn nicht sogar in allen Fällen, Gift!" Die Kur- methode dieses neuen Aeökulap's ist ganz eigenthümlicher Art, fast bizarr und jedenfalls für starke Verdauungsorgane berechnet, denn sein Hauptmittel besteht in harten, altbackenen Semmeln, die seine Patienten würfelartig geschnitten genießen und darauf unversüßten, warmen Wein trinken. Einige sehr gelungene Kuren des Lemmelvoktors, wie er hier zu Lande genannt wird, haben derartiges Aufsehen erregt, daß viele Kranke, denen die Aerzte und. Gräfenberg keine Besserung verschaffen konnten, nach Lindewiese zu Schrott pilgerten, so daß
