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die Versammlung zu Limburg bestimmen, gegen bereits, aus dem dortigen Wahlkreise selbst hervorgegangene Kandidatur zu wirken. — Dieß zur Beseitigung von Mißverständnissen, welche für die Einigkeit und Solidarität der konstitutionellen deutschen Partei deS Herzogthums nur nachtheilig seyn könnten.

^ Wiesbaden, 20. Jan. Gestern stand vor den Schran­ken des hiesigen Schwurgerichtes PH. Martin Kopp von Breithardt, des Raubmordes und der versuchten Nothzucht an­geklagt, welche Verbrechen er auf dem Wege von Born nach Breithardt im September vergangenen Jahres an der Ehefrau Weber von Born verübt haben soll. Der zweite Theil der Anklage wurde am Vormittag in nicht öffentlicher Sitzung ver­handelt. Die Verhandlungen über die Anklage des Raubmor­des begannen erst am Nachmittage und beschränkten sich bis zum Abend auf das Verhör von Zeugen und die Abgabe des ärztlichen Gutachtens über den Befund der Leiche.

Frankfurt, 28. Jan. Die fürstlich Thurn- und Taris'sche Post führt bei allen ihren Aemtern und Erpeditionen Postasstg« naten ein, wodurch die kleinen Geldsendungen bis zum Be­trage von 25 Rthlr. preußisch Cour, in Zukunft unterbleiben können, indem gegen den aufzugebenden Geldbetrag eine Assig­nate iu gleichem Betrage ausgestellt und von dem Postamte des Ortes, wohin die Geldsendung gerichtet ist, eingelöst wird. Als Vergütung wird das einfache Geldporto im ent­sprechenden Betrage berechnet. Jedenfalls muß diese neue zweckmäßige Einrichtung den kleinen Geldverkehr sehr erleichtern.

Gießen, 26. Jan. Gestern und heute standen hier vor den Asstsen die Studenten Leistner von Schönhaide im Kö­nigreich Sachsen und Dernburg, Sohn des Generaladvo­katen Dernburg am Kassationshof in Darmstadt, angeklagt, der erstere , bei einer Volksversammlung am 18. Sept. 1848 im Philosophenwald bei Gießen zur Verjagung der Fürsten und so zum Hochverrath aufgefordert zu haben, der zweite, zum Zuzug nach Frankfurt aufgefordert zu haben, somit zum Anfänge der gewaltthätigen Umänderung der Verfassung, in Deutschland überhaupt und auch des Großherzogthums, sowie endlich der Verleitung der Soldaten zum Treubruch. Vor­gestern war eine Verurtheilung wegen Majestätsbeleidigung erfolgt (wegen harter erwiesener Schmähung auf den Groß­herzog), bis jetzt die einzige politische Verurtheilung vor den hiesigen Assisen. Indeß wurden beide Angeklagte in allen Punkten freigesprochen. Wir sind überzeugt, daß, wenn (um mit Faust zu reden) die Vernunft überall wieder anfängt, zu sprechen, man einsehen wird, daß politische Prozesse, zumal in aufgeregten Zeiten, überall nicht vor Geschworne, sondern vor einen unabhängigen Staatsgerichtshof gehören. Im Kampfe der Parteien ist auch Terrorismus über die Geschwor­nen möglich, und sie müßten nicht Menschen seyn , wenn auch sie selbst nicht eine Parteiansicht haben sollten.

Darmstadt, 26. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Die gestrige As- sisenverhandl ung war weniger durch die Bedeutung des Vergehens und die unbegreifliche Freisprechung, sondern da­durch von hohem Interesse, daß man hier Gelegenheit hatte, einen Blick in das Getriebe der kirchlichen Wühlerei zu thun. Eine Anklage gegen den öfter genannten Kattmann wegen eines Preßvergehens gab die Veranlassung, daß die Zustände bet Gemeinde Kirchbrombach, wo Kattmann zuerst den Feuer- brand hinwarf, erörtert wurden. Man hörte aus dem Munde schlichter Landleute, die theilweise selbst bis auf die neueste Zeit zu den Anhängern Kattmanns gehört hatten, in naiver Form Schilderungen des unglücklichen Zustands jener Gemeinde, man hörte wie Haß und Zwietracht in die Familie gekommen sey, wie der sogenannte „Geistliche" Kattmann selbst dahin wirke, daß jeder Verkehr zwischen den Anhängern der verschie­denen Kirchengenossenschaften abgebrochen werde, und zuletzt der Bürgermeister der Gemeinde, der offenherzig zugestand, daß auch er lange Zeit sich habe verleiten lassen, sichtlich er­griffen ausrief, der früher glückliche Ort sey jetzt in wahrhaft jämmerlicher Lage.

Kattmann selbst, dessen Auftreten zeigte, daß er ein nichtssagendes, unbedeutendes Werkzeug Anderer ist, gab diese Zustände zu und erregte eine wahre Indignation, als er sagte, auch Christus habe Zwietracht gebracht. Die Galerien waren überfüllt, bis auf die Straße standen die hiesigen Anhänger KattmannS, größtentheilS der untersten Hefe des Volks ange.

hörig, und empfingen den freigesprochenen Apostel mit widrigem Gejohle.

Stuttgart, 27. Jan. Der Staatsanzeiger berichtet, daß außer der erfolgten Niederschlagung der Untersuchung gegen viele Theilnehmer an dem Zuge des Rau von Gailsdorf, nun auch in Beziehung auf die politischen Verbrechen und Berge, hen, die mit den Ereignissen des Frühjahrs und Sommers 1849 verflochten sind, eine Ausscheidung der Kategorien als Vorbereitung der Niederschlagung deS Verfahrens wider die Masse der geringer Belasteten eingeleitet worden ist.

Braunschweig, 23. Jan. Die Deutsche Reichs-Zeitung berichtet über die am gestrigen Tag im Herzogthume sorge» nommenen Wahlen der Wahlmänner, welche am 31. Jan. die drei Männer zu bezeichnen haben, welche das Herzogthum Braunschweig im Volkshause zu Erfurt vertreten werden. Die Demokratie hat sich weder an den Vorbereitungen zur Wahl noch an der Wahl selbst betheiligt. Wie stark die Theilnahme an den Wahlen auf dem Lande und in den übrigen Städten gewesen, ist der Reichs-Zeitung noch nicht bekannt. In Braunschweig selbst mag etwa bet vierte Theil der Wahlbe­rechtigten seine Stimme abgegeben haben. Die von dem Spezialwahlkomite vorgeschlagenen und in Vorversammlungen der Urwähler gebilligten 78 Wahlmänner sind mit überwiegen­der Stimmenmehrheit ernannt und Minoritäts, wie Doppel, wählen überall vermieden.

Erfurt, 23. Jan. Die Vorbereitungen zum Par, lamente sind nun abermals in ein neues Stadium getreten. Um das ParlamentSgebäude in möglichst kurzer Frist Herzu, stellen, muß jetzt täglich an demselben 18 Stunden, nämlich von Morgens 5 bis Nachts 11 Uhr gearbeitet werden. Die strenge Kälte bringt in diese Bestimmung keine Veränderung, denn man hat, um dieselbe zu mildern und die zu bearbeiten­den Steine zu erwärmen, im Innern der umzuwandelnden Kirche mehrere Feuer angebracht. Außerdem erblickt man darin stets zum Behufe der Mauerarbeit mehrere siedende Kessel. Ein großer Theil unserer Gewerke und ArbeitSleute sind bei dem Bauwerke beschäftigt und die Anzahl der beschäftigten Hände ist noch täglich in einem um so größeren Wachsen be­griffen, als jetzt das ursprüngliche Vorhaben, die Kammeruten­silien Berlins nach Erfurt zu befördern^ wieder auffgegeben und die Neubeschaffung derselben definitiv beschlossen ist.

Die Erhebung Erfurts zur Parlamentsstadt bringt auch in die militärischen Sphären eine besondere Rührigkeit. Man erwartet hier täglich den Durchzug mehrerer südwestlich herkom- mender preußischer Militärabtheilungen, um in der Umgegend Erfurts zu kantoniren. Man spricht von einem starken Armee, korps, welches um die neue Parlamentsstadt mobilisirt werden soll. Faktisch ist, daß in Preußisch-Sachsen, namentlich im Eckartsberger Kreise, die Standquartiere schon bestimmt; in dem kleinen Orte Kölleda allein sind 300 Mann angesagt; auch in andern Ortschaften dieser Gegend sind bereits die Quartiermacher angelangt.

Die Garnison der Stadt und Festung Erfurt wird indessen, wie man hört, während den Parlamentssitzungen keine weitere Verstärkung erhalten, trotz dem dieselbe in diesem Augenblicke nicht aus viel mehr als 4000 besteht.

Berlin, 25. Jan. Die Urwahlen scheinen doch günstiger für die Gothaer Partei ausgefallen zu seyn, als man im An, gesichte der Krisis hoffen und glauben mochte. Man nennt hier Camphausen, Beckerath, Gagern, Heinrich von Arnim, Beseler als die Kandidaten.

Wien, 22. Jan. In die österreichische Marine ist jetzt ein Baron Wedel v. Jarlsberg eingetreten, der zwei Jahre in der dänischen Marine gedient und auf dem Dampfer Geyser als Gegner der Deutschen die Affaire bei Eckernförde mitge, macht hat. Sein Bruder war mit dem Christian VIII. in die Luft geflogen, j^ch mit dem Leben davongekommen. Bekannt, lieft führt auch ein dänischer Admiral den Oberbefehl in der Marine der deutschen Bundeömacht Oesterreich.

Die in Brünn erscheinende „Presse" macht bekannt, ob­gleich sie im halben Kaiserstaate verboten sey, habe sie doch schon wieder 7000 Abonnenten.

Verantwortlicher Redakteur; W. H. Riehl