Nachtwachen und folgeweise für die öffentliche Sicherheit von merklich wohlthätigen Folgen ist. Auch ein Zug von Menschenfreundlichkeit verdient bei dieser Gelegenheit öffentlich erwähnt zu werden. Der berittene Landjäger Zimmermann (früher Wachtmeister bei den Armee-Gensd'armen) traf neulich auf einer Patrouille in beträchtlicher Entfernung von Beilstein einen aus diesem Orte gebürtigten, unterwegs schwer erkrankten Mann an. Da derselbe völlig außer Stand war, seinen Weg fortzusetzen, sitzt der Landjäger ab, hebt den Kranken auf sein Pferd, bringt denselben so nach Beilstein, und rettet ihm dadurch ohne Zweifel das Leben.
So ungetheilten Beifalls sich nun auch das Landjäger- Institut in hiesiger Gegend erfreut, ebenso allgemein verbreitet ist die Ansicht, daß die Zahl der Landjäger viel zu niedrig gegriffen ist, wodurch nicht nur die Sache selbst sehr bald empfindlich leiden, sondern auch eine schwer zu verantwortende Ausreibung von Menschen und Pferden herbeigeführt werden muß.
Sogar vom finanziellen Gesichtspunkte auS läßt sich eine so niedrige Anzahl von Polizeimannschaft in keiner Weise rechtfertigen, indem hierdurch nicht nur bedeutende und kostspielige Verzögerungen, z. B. bei dem Transport der Gefangenen entstehen, sondern auch vielfach Dienstleistungen, sür die ein Gensdarmeriekorps recht eigentlich bestimmt ist, dem Linien- Militär übertragen werden müssen. So mußte z. B. bei den neuesten Assifensitzungen zu Dillenburg zur Erhaltung der Ordnung ein Detachement Linien-Militär von Weilburg aus requirirt werden, wodurch, da sich dies jedes Quartal wiederholen wird, so viele Kosten entstehen, daß man davon wenigstens 5—6 Landjäger mehr hätte anstellen können, welche zu fraglichem Zwecke vollständig ausgereicht, und nach beendigten Assisen-Verhandlungen anderwärts höchst nützlich hätten verwendet werden können!
Frankfurt, 21. Jan. (K. 30 Sian spricht hier viel von einem Konflikt zwischen dem österreichischen General v. Schirnding als Truppen-Kommandanten und dem preußischen Major Deetz als Stadt,Kommandanten. Veranlassung gab die von Letzterem angeordnete Einziehung der bisherigen Militärwachen auf den Bahnhöfen. Die Wachen werden auf Hrn. v. Schirndings Befehl nach wie vor wieder bezogen, und Hr. Deetz wird, wie man glaubt, wegen dieser Vorfälle die seit den Septem- dertagen 1848 von ihm bekleidete Stadt-Kommandantschaft mrderlegen.
Darmstadt, 23. Januar. (Mainz. Journ.) Die Majorität der aufgelösten zweiten Kammer beabsichtigt, einen Aufruf an das Volk in Form eines Protestes zu erlassen. Die Auf- kâsung der Kammer war ein vollständig konstitutioneller Akt; wir sind begierig, ob in dem Proteste die konstitutionelle Grundlage des Staates negirt werden wird. Die Partei glaubt ihren Wählern gegenüber einen solchen Schritt thun zu müssen.
Karlsruhe, 21. Jan. (K. Z.) Eine schon seit mehreren Wochen ausgeschriebene Versammlung der konstitutionel-libera- len Partei wurde gestern hier abgehalten. Es halten sich nicht allein die bekannten 22 Abgeordneten des Landtages, sondern auch die durch das ganze Land verbreiteten vaterländischen Vereine durch Vertrauensmänner dabei betheiligt; nur aus dem entlegenen Seekreise und aus dem Odenwalde, dessen politische Apathie längst bekannt ist, waren keine Vertreter erschienen. Hr. von Soiron führte den Vorsitz, und benachrichtigte zunächst die Versammlung, welche Aussichten vorhanden seien für die bevorstehenden Land tagswah len. Hieraus ergab sich, daß die „rothe" Partei an allen Orten bei den Wahlmännerwahlen vollständig unterlegen, daß aber zwischen der konservativen Partei der längst von mir vorausgesagte Bruch zum Vorschein gekommen ist, so daß von nun an die allgemeine Benennung „konservativ" oder „konstitutionel" durchaus nicht mehr zureicht. Trügt nicht Alles, so wird aus den neuen Wahlen wiederum eine starke Anzahl von Staatsbeamten hervorgehen, doch wird eS nicht gelingen, die bisherige Kammer-Majorität in die Minorität zu bringen.
._®eu3' 23- 3an. (K. Z.) Der Eisgang war gestern so machttg , daß daS Uebersctzen von Fuhrwerk schon um 10 Uhr
""gestellt werden mußte. Die Dampfschiffe konnten chre Fahrten nur mit großer Anstrengung bis gegen 5 7, Uhr AbendS fortsetzen. Von dieser Zeit an wurde die Verbindung zwischen beiden Ufern nur durch Nachen unterhalten. — Daö
Oberrhein-EiS steht von St. Goar bis zur KlemenS-Kapelle, eine Strecke von 6 Stunden Länge. Am Unterrheine soll sich das Eis gestern Nachmittags bei Düsseldorf gestellt haben. Leider ist der Eisgang heute fast noch eben so wie gestern, weßhalb das Uebersetzen des Fuhrwerkes bis jetzt (8 Uhr Morgens) noch nicht wieder vorgenommen werden konnte.
Trier, 20. Jan. Nach Publikation des (mitgetheilten) Verdiktâ wurden die Angeklagten wieder in den Saal geführt und ihnen dasselbe auf Anordnung des Präsidenten verlesen. Nachdem dieses geschehen, verordnete der Präsident kraft seiner diskretionären Gewalt die Freilassung der für Nichtschuldig erklärten Angeklagten: Grün, Stoll, Deuster, Dillenburg, MaeS, Nauert, Klein, Bach, Föhr, Forster, M. Jacquinot, Kaes, Anton und Heinz. Diedenhofen wurde in Folge eines wider ihn ergangenen Kriminalurtheils zurückbehalten. Der Oberprokurator stellte sodann die Strafanträge auf Grund deS Art. 440 des St.-G.-B. : Joh. Weisler und Bernh. Reißen von Bitburg, P. Sprink von Wittlich, A. Spanier, Nikolaus Jacquinot von Prüm und P. Niles von Wittlich auf 5 Jahre Zwangsarbeit und 50 Thlr. Geldbuße, Kollmann zur Todesstrafe, sämmtlich solidarisch zu den Kosten. Der Vertheidiger Schönbrod bestritt hierauf die Anwendbarkeit des Art. 440 auf die Verurtheilten, mit Ausnahme deö Kollmann, und beän, tragte deren Freilassung, da selbige als politische Verbrecher behandelt werden müßten; dieser Ansicht schloffen sich die übrigen Vertheidiger an. Der Vertheidiger deS Kollmann bat die Geschwornen, seinen Clienten der Gnade Sr. Maj. deS Königs zu empfehlen. Der Assisenhof zog sich darauf ins Be- rathungSzimmer zurück. Nach einer halben Stunde, als derselbe wieder erschien, verkündete derselbe das Urtheil, gemäß dem Anträge der Staatsbehörde, wonach Kollmann zur Todesstrafe, Weisler, Reißer, Sprink, Spanier, N. Jacquinot und P. NileS , jeder zu 5 Jahren Zwangsarbeit und 50 Thlr. Geldbuße, sämmtlich solidarisch zu den Kosten verurtheilt worden. Hiermit schloß dieser Prozeß, der 11 Tage gedauert und von allen Seiten mit dem größten Interesse verfolgt wurde. (S., u. M.-Z.)
Erfurt, 18. Jan. (Erf. Z.) Seit der Ankunft deS Bau- rathts Bürde aus Berlin haben die Arbeiten für die Einrichtung der hiesigen Augustinerkirche zum Parlamentshause sofort begonnen. Altar und Kanzel sind bereits fortgenommen, Em, Poren und Orgelchor werden in diesem Augenblick abgetragen und alle Einleitungen getroffen, welche auf eine kräftige Füh, rung des Baues schließen lassen, um denselben in der gestellten kurzen Frist zu Ende zu führen. Der Baumeister wird in unmittelbarer Nähe der Kirche, in dem Pfarrhause , seine Wohnung nehmen. Mit der Räumung des MartinsstiftS wird bereits begonnen.
Wien. 19. Januar. Der diplomatische Verkehr zwischen Rußland und Sardinien, der nach der Eröffnung der Feindseligkeiten von Seite Karl AlbertS gegen Oesterreich unterbrochen wurde, ist bisher noch nicht wieder hergestellt. Der Kaiser von Rußland hat auf das bestimmteste erklärt, nicht früher mit der sardinischen Regierung in Verbindung zu treten, bis der König Victor Emanuel den General Chrzanowsky aus den Reihen der piemontesischen Armee entfernt, und demselben befohlen haben wird, die sardinischen Staaten zu verlassen. Man meint, das sardinische Kabinet werde bei den Kammern die Entfernung deö radikalen Generals beantragen,
— Vom Reichsgesetzblatte werden in czechischer Sprache 26,000, in deutscher 20,000, in ruthenischer und slavonischer 7000, in polnischer 6500, in italienischer 4000, in magyarischer, kroatischer, serbischer und romanischer in jeder 2000 Exemplare aufgelegt. Diese zuletzt angeführte geringe Anzahl rührt daher, weil in den ungarischen Ländern noch wenige durchs Reichs- Gesetz-Blatt kundgemachte Gesetze Wirksamkeit haben.
Frankreich.
Paris. G. Sand erklärt von Nonaud aus die Nachricht von ihrer Ausweisung aus Paris für falsch und fügt bei: „Wenn Carlier mir einen solchen Befehl zugeschickt hätte, so würde ich ihn für krank gehalten und mich vielleicht nach seinem Befinden erkundigt haben; weiter aber hätte ich mich einem Anfalle von Tollheit nicht gefügt."
