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fierium und Kammern besteht, immer deutlicher heraus. Die Minister haben auch gar kein Hehl damit. Der Minister- Präsivent, als er — wie bekannt — im Schooße einer Kom- mifswn erklärte, das Ministerium mache keine Kabinetsfrage daraus, sondern diese sey da, meinte nichts anderes. Montag früh sprach sich der Kommission erster Kammer gegenüber der Minister deö Innern über das historische Verhältniß noch klarer aus. Er fürchte seinen Rücktritt nicht für sich, der nach Ruhe verlange, sondern für das Land. Aber die Bestimmung über sein Verbleiben oder seinen Rücktritt ruhe nicht in seinen Hän­den. So gelangen wir denn nicht etwa an die Alternative, ob die Regierung die Amendements der Kommission erster Kammer annehmen wird oder nicht, sondern, ob dieselben Amendements, welche wahrscheinlich in der zweiten Kammer mit einigen Modifikationen durchgehen, die schließliche Geneh­migung der Krone erhalten. Darum handelt eS sich.

Berlin, 18. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Die Hoffnung auf eine Ausgleichung, welche bereits festen Boden gewonnen hatte, ist seit gestern Nachmittag wieder umdüstert. Nichtsdestoweniger sind einflußreiche Männer der Kammern der Ansicht, daß im entscheidenden Augenblicke die Stimmung der Mehrheit sich der Verständigung zuneigen werde. Die Vermittelungsvorschläge des Herrn Kamphau,en werden von der Krone nicht im ganzen Umfange, sondern nur mit Mo­difikationen angenommen werden. Sowohl von der Rech­ten als von der Linken treten nun Hindernisse diesen Vermit­telungsvorschlägen entgegen. Die Rechte hält um den Preis solcher Zugeständnisse die Pairie für zu theuer errungen, wo­hingegen die Linke die Modifikationen der Krone für zu be­schränkend in Bezug auf daö Steuerbewilligungsrechl erachtet. Die Linke verlangt , daß bei Nichtz u sa m m en b e rufu n g der gesetzlichen Kammern die Sleuerverweigej- rung ein trete, und daß das Steuerbewilligungs­recht der zweiten Kammer allein zuerkannt werde. Wie willig die Regierung die Hand zu einer Aus- gleichung darbietet/möchte daraus hervorgehen, daß der erste Punkt: „daß bei Nichlzusammenberufung der gesetzlichen Kam, mern die Steuerverweigerung eintrete", von dem Ministerium angenommen werden dürfte, während indessen das Ver­langen, „daß das Steuerbewilligungsrecht der zweiten Kam­mer allein zuerkannt werde", von dem Ministerium entschie- den von der Hand gewiesen wird. Der ersten Kammer gegen- über würde bei Annahme des letzteren Punktes die Ausgleichung in einer Weise erschwert werden, daß alte Hoffnung auf eine Verständigung schwände. Herr Minister v. Mantruffel hatte gestern eine Besprechung mit dem Könige in Bezug auf die gegenwärtige bedeutungsvolle Frage.

Den ausgetauchten Gerüchten, als ob Rußland bei der in Preußen obschwebenden Krisis einen Einfluß gemacht habe, kann auf das bestimmteste widersprochen werden. ES hat in Bezug auf die vorliegenden Fragen keine Einmi­schung der entferntesten Art von Seite Rußland stattgefunden. Als zuverlässig kann hingestellt werden, daß die Gewissensbe- denken des Königs hinsichtlich der Beschwörung der Verfassung, wie letztere gegenwärtig vorliegt, einzig und allein zu den in Verhandlung stehenden Vorlagen Veranlassung gegeben haben.

Berlin, 18. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Uebermorgen wird das Krönungs- und Ordensfest gefeiert werden. Man hatte ge, glaubt, daß eine Anzahl Deputirter mit Auszeichnungen be­dacht worden wäre. Betreffenden OrtS ist aber in Erwägung gezogen, daß das Hervorziehen Einzelner als Parteibevorzu­gung gedeutet werden könnte, und so ein Beschluß gefaßt, der Niemanden kränken kann. Die bereits dekorirten Mitglieder der Kammern sind indeß zur königlichen Tafel geladen, wiewohl mehrere, da sie nicht mit dem Gallaanzuge versehen sind, ab- gemeldèt haben. Zum Präses der Generalordenskommission ist der Generallieutenant v. SelasinSki durch gestrige Kabi- netsordre ernannt worden. Die Zahl der zu verleihenden Orden wird sehr beträchtlich seyn. Die höchste Auszeichnung fällt dieses Jahr einem um den Staat und die Kirche hochverdienten katholischen Geistlichen zu, dem Herrn Fürstbischof von Breslau, Dr. Melchior v. Diepenbrock, und eS ist nicht zu bezweifeln, daß dieser Akt königlicher Würdigung unter Protestanten wie Katholiken gleich angenehm seyn wird. Herr v. Diepenbrock wird den rothen Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub erhalten.

Wien, 14. Jan. (A. Z.) Die Angelegenheit in Padua hat hier großes Aufsehen erregt. Die Regierung läßt die Sache durch einen besonderen Beauftragten an Ort und Stelle untersuchen. Der gestorbene Professor ist der berühmte Gia- komini. DaS Ministerium will überall kräftig, stets aber in den Schranken der Gesetzlichkeit auftreten. Erzherzog Johann ist seit acht Tagen hier. Hof und Regierung suchen ihn durch alle mögliche Zuvorkommenheiten die etwas brüske Art ver­gessen zu machen, womit man ihn von dem Posten eines Di­rektors des Geniekorps entfernte. Die Frau v. Brandhof, so­wie der Graf von Meran stiegen im Micheler-Hof ab. Sie speisten gestern beim Kaiser im Schloß, wobei Se. Majestät der Frau Gräfin persönlich das Diplom als Gräfin v. Brand­hof überreichte.

Frankreich.

Paris, 16. Jan. Vom 1. Febr. an soll der „Napoleon," als Hauptorgan des Elysee, täglich erscheinen. Er wird dann wohl das Interesse und die Bedeutung verlieren, die man den seitherigen vereinzelten Nummern beigelegt hat, weil man fast bei jedem Artikel in L. Napoleon den Verfasser vermuthete. Dies kann doch bei dem täglich erscheinenden Blatte nicht mehr der Fall seyn.

Die „Liberte" enthält folgenden Artikel, dessen Inhalt nicht vielen Glauben zu verdienen scheint: „Eö heißt, Louis Napoleon habe die Generale der Armee von Paris zu sich ins Elysee berufen und sie über die Geneigtheit der Truppen, ihn zum Kaiser auszurufen, befragt. Man soll ihm geant­wortet haben, die Truppen seyen unentschieden; sie würden nicht den Anfang machen, sondern geschehen lassen, vorausge, setzt, daß kein unerwarteter Widerstand des Volkes oder ge­wisser Generäle, die man namentlich bezeichnete, sie im ent­gegengesetzten Sinne fortreiße. Es war.darauf von Chan- garnier'S Ersetzung im Oberbefehle der hiesigen Truppen durch Magnan die Rede, falls ein imperialistischer Staatsstreich unternommen werden sollte."

DaS angebliche Projekt einer Vertagung der National- Versammlung scheint in dieser selbst wenig Anklang zu finden. Man meint, daß das Ministerium, wenn es jetzt dieselbe vorschlagen würde, höchstens 80 bis 100 Simmen erhalten dürfte. — ;

Großbritannien

Aus einer Statistik der englischen Eisenbahnen geht hervor, daß Ende 1844 2148 englische Meilen Bahnen zur Benutzung offen waren. Im Jahre 1845 kamen 293 Meilen hinzu. Im Jahre 1846, 595 Meilen, im Jahre 1847, 780 Meilen, im Jahre 1848, 1191 Meilen. Bemerkenswerth ist, daß die Bahnen durch alle Stürme der Zeit hindurch hier unausgesetzt weiter geführt worden, und wie in dem ereigniß- reichen Jahre 1848 so viele Bauten vollendet wurden. Auf­fallend ist aber die Entwerthung, in welche selbst die solidesten und ertragfähigsten Bahnen verfallen. Die London Nordwest­bahn z. B., welche sehr'solide ist, und durchschnittlich 7 Pro, zent Dividende trägt, steht nur 112, trotz deS Geldüberflusses und trotz der Millionen, welche in den Kellern der Bank brach liegen. Die Ungunst, welcher die Eisenbahnen ausgesetzt sind, ist eine so große, daß während die KonsolS in den letzten zwei Monaten gegen 5 Prozent gestiegen, gute Eisenbahnaktien ge­fallen sind. Der wahre Grund dazu liegt einfach und allein in dem großen Mißtrauen, welches das Publikum nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit gegen die unverantwortlichen, keiner wirksamen Kontrole unterliegenden Bahnverwaltungen gefaßt hat.

Verantwortlicher Redakteur; W. H. Riehl.

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Die Expedition der Nafl. Allg. Zeitung.

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