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Waldeck's und sang ein Lied dazu. Dies wollte die Polizei nicht dulden, und da der Kommissar seinen Zweck, die Herun­ternahme der Bildnisse, nicht erzwingen konnte, so erschienen bald daraus der Polizei-Präsident, der Kommandant und zwei Kompagnien Infanterie; man jagte die Gesellschaft auseinan­der, verhaftete Mehrere und schrieb Viele auf. Gestern wurde hier ein Spottgedicht auf den König, ohne Angabe deS Druckers gedruckt, durch die Colporteure verkauft, von einem so gehässigen, niedrigen und gemeinen Inhalt, wie mir selbst in den Tagen unserer glorreichen Revolution Aehnliches nicht zu Gesicht gekommen ist.

Posen, 14. Jan. Unsere Nachbarstadt Gnesen war in diesen Tagen der Schauplatz einer lebhaften Begwegung. Am 7. d. M. begannen die Verhandlungen deS dortigen Schwur­gerichts gegen 18 des Aufruhrs angeklagte Polen. Auf der Anklagebank saßen 4 Geistliche, einige Lehrer und Dorfschul­zen, welche sich bei der Affaire von Trzemeszno kompromittirt hatten. Der Saal der Geschwornen war durch polnisches Publikum überfüllt, auch auf den Straßen der Stadt wogte die Menge. Bei Konstituirung des Gerichtshofes lehnte der Vertheidiger (Kellermann) elf der Geschwornen ab, die Staats- anwaltschaft einen. In der Jury war demnach die entschiedene Majorität polnisch. Der Staatsanwalt hielt sein Rcquisitorium theils in deutscher, theils in polnischer Sprache und richtete dasselbe mit dem meisten Nachdruck gegen den Bürgermeister Gonski, aus Trzemeszno, der angeklagi war, sich das Amt eiueS DistriktS-KommiffärS angemaßt und ohne Befugniß die KreiSkaffen an sich genommen zu haben. Zwei der angeklagten Lehrer waren beschuldigt, Kapitänsstellen im polnischen In- surgentenheere bekleidet und preußische Stafetten angehalten, die Schulzen, die preußischen Adler abgerissen zu haben, wäh­rend die Geistlichen durch aufreizende Reden für die Insurrektion gewirkt hätten. Der Präsident stellte die Fragen Anfangs deutsch, fügte sich aber dem aus dem Publikum (?) erschallen­den Rufe: polnisch! und verhandelte mit Hülfe eines Dol­metschers. Die Freisprechung der sämmtlichen Angeklagten erfolgte unter rauschendem Beifall der Menge.

Nach einem in dem von Polen bewohnten Theile Westpreu­ßens erscheinenden BlatteSzkota narodowa« ist hier beschlossen worden, daß die Polen insgesammt an den Wahlen für Erfurt Theil nehmen. Sie hoffen in sechs Kreisen, unter denen der stargardter, die Majorität zu erhallen.

Die Flensburger Landesverwaltung fährt inzwischen mit Exekutionen und Absetzungen fort. Ein Bataillon Schweden mit scharfen Patronen ist nach dem widerspenstigen Angeln ge­schickt; im Sundewittschen hat sie in den letzten 8 Tagen fünf Geistliche ohne Angabe der Gründe abgesetzt, und statt ihrer die früheren dänischen Prediger wieder 'eingeführt, welche im Jahre 1848 ihre Pfarren verlassen hatten. Nach denHam­burger Nachrichten" hätte die Lanvesverwaltung dem preußischen General Hahn aufgetragen, die holsteinischen Festungen Rends­burg und Friedrichsort zu besetzen, von dem Genera! aber die Antwort erhalten, daß er dazu nicht ermächtigt sey.

Prag, 11. Jan. (Ll.) Der Typhus grassirt hier und in böhmischen Festungen furchtbar. Die Regierung sah sich da­her veranlaßt, junge Aerzte mit einem Entgeld von täglich 37» fl. K. M. hier und auf dem Lande in Militärspitälern zu verwenden. Die Krankenzahl ist enorm. Mancher Arzt hat allein hier 200 Typhöse zu behandeln, mancher ist auch sei­nem Berufe schon erlegen.

Wien, 14. Jan. Das Ministerium des Innern hat die in Tyrol,^ Salzburg und Oberösterrcich agirenden Katholiken- Vereine für politische Vereine erklärt und dieselben den Be­schränkungen jener unterworfen.

Die Reparatur der Lagunenbrücke von Venedig ist erst im Juni vollständig zu gewärtigen und nimmt einen Auf­wand von 1 Mill. Lire in Anspruch. Von den 220 Bogen dieser Brücke wurden nämlich 15 bei dem Rückzüge der Vene- tianer von Malghera in die Luft gesprengt.

Frankreich.

Paris, 17. San. Heute Nachmittag wurde der Bank von rankreich eine Summe gestohlen, welche auf nicht weniger als ^Million Fr. angegeben wird; die beiden Diebe sollen jedoch »irö verhaftet seyn.

Die Regierung scheint sehr bemüht, dem Luxus durch glänzende Festlichkeiten möglichsten Impuls zu geben. Täglich wird von großen Diners und Bällen in den amtlichen Regionen berichtet, wodurch natürlich viel Geld unter die Leute kömmt. Nächster Tage gibt der Finanzminister wieder ein großartiges Bankett.

Ein bei der letzten Verschwörung betheiligter russischer Offizier ist hier angekommen und hat von der Regierung eine AufenthaltSerlaubniß erhalten, die wahrscheinlich so lange in Kraft bleibt, bis russischerseits seine Ausweisung verlangt wird.

Paris, 18. Januar. DerMoniteur" zeigt an, daß der Minister des Innern nächstens einen Gesetzentwurf vorlegen werde, wodurch für die diesjährige Gemälde- und Sculpturen- Ausstellung ein besonderer Kredit verlangt wird. Da die Lo­kale der Tuilerien für die Ausstellung nicht geeignet scheinen, will der Minister daS PalaiS National in Vorschlag bringen. Die Eröffnung der Ausstellung wird schwerlich vor Mai Statt finden.

Die Zahl der Diebe, welche in den Gewölben der Bank eine ansehnliche Summe entwendeten, wird auf drei angegeben; sie sollen, als sie sich fortbegeben wollten, von der Wache des Postens verhaftet worden seyn.

Die Meuterei zu DoullenS bestand darin, daß die Ge­fangenen, weil eine von ihnen im Hofe aufgeführte Schneepyra­mide -auf Befehl des Direktors zertrümmert ward, in ihrer» Kammern die Scheiben und Möbel zerschlugen, worauf eine Abtheilung Soldaten einschritt und 32 der ärgsten Unfugtreiber nach den Kasematten brachte.

Italien.

Wie cs um den Schutz der im Auslande befindlichen Deutschen durch die betreffenden Gesandten aussieht und wie nothwendig eine diplomatische Vertretung mit reeller Macht hinter sich ist, zeigt sich in folgendem Vorfall, den die Konsti­tutionelle Zeitung aus Rom berichtet: Ein junger Maler auS Sachsen, der eben aus seiner Heimath nach Rom, wo er seit mehreren Jahren seinen Aufenthalt hat, zurückkehren wollte, kam in französische Gefangenschaft. Die Franzosen griffen ibn bei Velletri auf und schifften ihn, trotz seines Paffes, den er vorzeigte, als Kriegsgefangenen ein. Ein Engländer, der den Franzosen auf dieselbe Weise in die Hände fiel, wurde im Hauptquartier sofort wieder auf freien Fuß gesetzt; der arme Deutsche aber, zu dessen Gunsten keine ge­fürchtete Nationalität sprach, mußte sich gefallen lassen, mitten unter allerhand Gesindel bis in die Nähe der französischen Küste auf einem Dampfschiff auszuhalten, bevor er aus freien Fuß gesetzt wurde. Seine Effekten, darunter solche, die er einem Freunde, von dessen Mutter, mitbrachte, waren ab­handen gekommen. Ein französischer Oberst hatte sich Goethe'S Faust" aus der Beute zugeeignet. Bisher sind alle Rekla, mativnen wegen Entschädigung oder überhaupt wegen einer angemessenen Genugthuung fruchtlos geblieben. WaS wohl Palmerston gethan hätte, wenn einem englischen Unterthanen eine solche Behandlung widerfuhr? Pritchard mußte mit 20,000 Fr. entschädigt werden und Pritchard trat als offener Feind der Franzosen auf.

Ungarn.

Die Besteuerung von Ungarn hat eine große Schwierigkeit im allgemeinen Geldmangel. Seit die KoffuthMoten für ganz ungültig erklärt worden sind, ist Ungarn ohne Geld. Man muß nicht die Komitate an der österreichischen Gränze, man muß nicht Pesth als Maßstab nehmen, sondern die Gegenden an der Theiß und Siebenbürgen; dort ist kein anderes Geld als Kossuth-Noten, und folglich wird eS mit der Steuerzah­lung schlecht stehen. Bei den Kossuth-Noten tritt überdies noch der Umstand ein, daß von den 60 Millionen, die Kossuth in Umlauf gesetzt, trotz aller Befehle nur 5 Millionen eingeliefert und verbrannt sind. Die übrigen Millionen bekommt man nur, wenn man sie in herabgesetztem Preis einlöst, sonst nicht; und sollte jener, der eine Kossuth. Note aufhebt, nicht manchmal denken:Ein Umschwung kann diesem Papiere wieder Werth geben?" Und wer so denkt, ist schwerlich der Regierung mit Leib und Leben ergeben.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl,