schen in jenen Ländern. Magyaren, Slowaken, Kroaten, Wa« i lachen und Serben sind ihre erbitterten Feinde, die sic um ihre ] Bildung und Wohlhabenheit beneiden, ihnen für die Fehler der Regierung Rache schwören, ja ihnen geradezu mit Ausrottung drohen. Unter diesen Verhältnissen ist an eine deutsche Einwanderung in Ungarn, wie die Augsburger Allgemeine Leitung sie predigt, nicht zu denken. . , .
3 In den Sphären des höchsten und hohen Abels haben niemals so zahlreiche, ebenbürtige Vermählungen stattgesunden, wie in den letzten Monaten. DaS Familienleben der Aristokratie scheint in dem Maße zuzunehmen, als deren äußere Mittel im Verschwinden begriffen sind; denn eS ist nicht zu läugnen daß die Revolution an allen Orten, wo der Zehnt- bezug eristirte, die Wohlhabenheit deS Adels total vernichtete, wie dies auch auS den späteren gerichtlichen Feilbietungen der früher so lukrativen Herrschaften mit Zehnt- und trockenen Gefällen ersichtlich werden dürfte. Am schlimmsten sind die Kaufer von Staatsgütern dabei belheiligt, welche dieZehentherrlichkeit im Lizitationöweg um schweres Geld erkauften, und dermalen beiläufig mit einem Drittheil jenes Ankaufspreises entschädigt werden. Man hegt deßhalb vielfach den Wunsch, daS Ministerium, welches die Beendigung der Revolution sich zur Aufgabe gestellt, möge Modifikationen bei einer Ablösung eintreten lassen, welche die Begriffe von Eigenthum so schwer verletzt.
Schweiz
Bern, 13. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Großes Aufsehen machte die Ankunft der in Neuenburg bisher stationirten polnischen Flüchtlinge, eskortirt von 25 Mann Neuenburger Milizen. Der Grund dieser Zusendung ist der in der Kaserne, worin sie mit deutschen Flüchtlingen gleichzeitig einlogirt waren, ausgebrochene, die Stadt Neuenburg selbst bedrohende Brand. Eine Partei beschuldigte die Polen daS Feuer angelegt zu haben, und daS zum Löschen herbeigeeilte Landvolk wurde, dadurch dermaßen in Wuth versetzt, daß wenig gefehlt hätte, daß sie die mit Lebensgefahr auS dem brennenden Gebäude Geflüchteten wieder in die Flammen geworfen, oder sie fast massakrirt hätten. Die Behörde konnte sie nur dadurch vor einem solchen Schicksale retten, daß sie dieselben verhaften, und dann am andern Tage hierher transportiren ließ. Auf der andern Seite beschuldigt man die Royalisten(wahrscheinlich mit eben so wenig Grund), sie hätten das Feuer anlegen und den Pöbel durch den gegen die Flüchtlinge auSge, streuten Verdacht zur Wuth aufstacheln lassen, welche daun gegen die Regierung als Beschützerin derselben hätte geleitet werden sollen. Bei der gegenseitigen Erbitterung der Parteien wird eben jebeS noch so zufällige Ercigniß zu einer Angriffswaffe gegen die Gegner ausgebeutet.
Auch in Freiburg fürchtete man eine Erplosion und hat daher vorsorglich die dort einquartierten Flüchtlinge nach Murten bringen lassen. Deren Loos ist nachgrade sehr beklagenswerth, allenthalben werden sie als Agitationsmittel in dem oder jenem Sinn von den sich entgegenstehenden Parteien benutzt, un sie mögen eS machen, wie sie wollen, von einer Seite werden sie jedenfalls verfolgt.
Frankreich.
Paris. Herr Thiers soll mehr erwarten als ein Ministerportefeuille. Man unterhält sich von einem Zwiegespräch, das er neulich bei der Debatte über die La Plata-Frage mit dem ehemaligen Minister des Auswärtigen, Hrn. Drouyn de Lhuys, hatte. Dieser sprach seine Verwunderung darüber auS, daß er, der so gewaltige Angriffe gegen das Ministerium schleudere, nicht selbst geneigt sey, ein Portefeuille zu übernehmen. Hr. Drouyn de Lhuys, erwiderte Hr. Thiers, Minister zu seyn, genügt mir nicht mehr. Ach, Hr. ThierS, entgegnete der Andere, ich hätte eS nicht gewagt zu sagen, aus Furcht, daß dieses republikantsche Gewölbe über meinem Kopfe zusammcnstüezen, und daß ich Ihrer Bescheidenheit zu nahe treten könnte. Ich bin nicht bescheiden, warf Hr. ThierS leicht hin Hr. Thiers ist übrigens nicht der Einzeige, der seine Wahl zum Präsidenten für möglich hält. Als Hr. ThierS seine glänzende Rede über die La Plata-Frage hielt, riefen mehrere
Mitglieder des Berges, und unter andern auch Hr. Charras, hingerissen von dem eminenten Talente des Redners: Wie Schade, daß dieser Mann einen falschen Weg geht! Wir hätten zum Präsidenten der Republik gemacht!
Paris, 14. Jan. Man hat der Nationalversammlung Maßregeln vorgeschlagen, um, im Falle eines Eingriffs gegen die Verfassung der Republik von Seiten des Präsidenten Na- roleon, gesetzlichen Widerstand leisten zu können.
Die Debatten in Betreff der öffentlichen Unterrichls-An« kalten haben in der heutigen Sitzung der Nationalversamm- ung begonnen.
Italien.
Am 25. Dez. brach am Bord der im Hafen von Ancona vor Anker liegenden britischen Handelsbrigg President eine Meuterei mehrerer Matrosen gegen ihren Kapitän auS, velcher von ihnen verwundet wurde. Der Kapitän bat bei der :. k. Kriegsbrigg Pola um Hülfe, von wo sogleich ein bewaffnetes Boot entsendet wurde. Als es sich der englischen Brigg näherte, ward darauf gefeuert, ohne daß jedoch die Schüsse trafen. Nach kurzer Gegenwehr glückte es, die meuterischen Matrosen, sieben an der Zahl, zu bewältigen. Der Vorfall ward sogleich dem britischen Konsul angezeigt, die Arrestanten wurden ihm zur Disposition gestellt. Auf sein Ansuchen wurden sie in das Kommunalgefängniß abgesührt und die Untersuchung gegen sie eingeleitet.
Turin, 9. Jan. Die Deputirtenkammer hat heute mit 112 gegen 17 Stimmen — 6 Mitglieder stimmten nicht — den Friedensvertrag mit Oesterreich genehmigt.
In Piemont sind mehrere Preßvergehen bestraft worden, was seit längerer Zeit nicht geschehen war, indem dieselben entweder ganz unbeachtet blieben oder die Angeklagten sreige- sprochen wurden.
Rußland.
Don der polnischen Gränze, 1. Jan. Wir hatten hier die Gelegenheit, die große Sorgfalt kennen zu lernen, mit welcher die russischen Offiziere alle ethnographischen und statistischen Nachrichten über sämmtliche österreichische Provinzen auszusammeln bemüht waren. Drei vierspännige Wagen wur, den von einer Truppenabtheilung eSkortirt, auf denen sich die zahlreichen Pläne und Situationskarten befanden, die während des ungarischen Feldzuges von russischen Generalstabsoffizieren ausgenommen worben sind. Nach der Versicherung eines Lief« lânders wurden von Seite des Armee-Kommandos weder Mühe noch Kosten gespart, um sich über inländische Festungen, Kommunikationswege, und namentlich über alle Pässe, welche durch die Karpathen nach Ungarn und Siebenbürgen führen, die genauesten Angaben zu verschaffen.
Aber auch alle Nachrichten über österreichische Avministra« tionS- und Finanz-Angelegenheiten waren den Russen willkom, men. Die in dem Heere deS Fürsten PaSkewitsch befindlichen Offiziere, welche der deutschen oder polnischen Sprache mächtig waren, wurden nicht müde, hierauf bezügliche Fragen zu stellen, und einige von ihnen machten gar kein Hehl daraus, die im Gespräche gesammelten Notizen sogleich in ihrer Schreibtafel zu verzeichnen. Von der in mehreren Blättern enthaltenen Nachricht, daß sich viele russische Offiziere auf die magyarische Sprache verlegten, konnten wir uns ebenfalls auf das augenscheinlichste überzeugen, da mehrere mit einer gewissen Osten- tation eine magyarische Grammatik zur Schau trugen und sich die Mühe gaben, mit den Landleuten magyarisch zu sprechen. Die Leute verstanden dieses Magyarische freilich noch weniger, als russisch.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
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