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Deutschland.

*% Wiesbaden, 16. Januar. Gestern stand Friedrich Scherer, gebürtig zu Geisenheim, Bürger zu Dornholz- hausen, Herzoglichen Justizamts Nassau und seit längerer Zeit zu Langenschwalbach temporär sich aufhaltend, vor den Assi- sen. Es fungirten: HosgerichtSrath Forst als Präsident, die Hofgerichtsräthe von Bierbrauer, von Löw und Stahl und der Hofgerichtsassessor Vigelius als Richter; Substitut Flach als Staatsanwalt, und den Angeklagten vertheidigte Prokurator August Wilhelmi. Friedrich Scherer war M- her Müller, ernährte sich in der letzteren Zeit als Makler und trieb gleichzeitig einen Handel mit geschälter Gerste. Er ist 47 Jahre alt, lebt in zweiter Ehe, ist Vater von fünf Kin­dern und ganz vermögenslos. Friedrich Scherer war ange­klagt, falsche Guldenstücke mit Großherzoglich Hess. Gepräge wissentlich, daß sie falsch seien, an sich gebracht und gewerbs­mäßig verausgabt zu haben. Die Verhandlungen dauerten dis gegen 9 Uhr Abends. Die Geschwornen bejahten die an sie gestellte Thatfrage und der Assisenhos verurlheiltè auf dies Verdikt der Geschwornen und den Antrag der Staatsbehörde den Angeklagten zu zwei Jahren Korrektionshausstrafe. Hier­von kommt V» Jahr in Abzug, welches der Angeklagte nach verflossener Voruntersuchung in Haft hat verbleiben müssen, weil die Anklage gegen ihn bei den Assisensitzungen im vorigen Quartal nicht zur Verhandlung hatte gelangen können.

Mit dem Wahrspruche der Geschwornen muß man voll­kommen einverstanden sich erklären. Ueber die Leistungen des fungirenden Asstsenpräsidenten, des Staatsanwalts und des Vertheidigers soll bas Wesentlichste in dem nächsten Blatte nachgetragen werden.

§ Dillenburg, 12. Januar. Vor den diesmaligen Assisen deS hiesigen Hofgerichis werden erscheinen:

Den 14. und 15. Januar: Friedrich Geisler, Lud­wig Geisler und Ludwig Klöckner aus Alpenrod, Justizamts Hachenburg, wegen Gewaltthätigkeit; Ver­theidiger: Prokurator Braun;

den 16. Januar: Johann Philipp Schumann aus Mensfelden, JustizamtS Limburg, wegen falschen Handgelöbnisses; Vertheidiger: Prokurator Keller;

den 17. Januar: Johann Peter Heiderich auS Atzelgift, Justizamts Marienberg, wegen Diebstahls; Vertheidiger: Prokurator Schenck;

den 18. Januar: Jakob S ch âfe r aus Obertiefen­bach, Justizamts Runkel, wegen Diebsta h ls; Vertheidiger: Prokurator Schenck.

Aus der Pfalz, 8. Jan. Von Seiten des protestanti­schen Konsistoriums wird gegen mehrere Geistliche wegen ihres Verhaltens zur Zeit des Aufstandes aus disziplinärem Weg mit Strenge eingeschritten. Pfarrer Höpfner von Oberotter­bach ist bereits auf 2 Jahre seines Amtes enthoben.

Stuttgart, 14. Jun. (D. Z.) Die Versammlung in Plochingen für den Anschluß WürtembergS an den deutschen Bundesstaat am 13. war so außerordentlich zahlreich und zwar auS allen Landestheilen besucht, daß der dazu bestimmte Saal nicht zureichte und man sich in die geräumige Kirche deS OrtS begeben mußte. Duvernoy begrüßte die Versammlung und verlas, zum Vorsitzenden berufen, eine kräftige Erklärung für den Anschluß, worin die Einwendungen dagegen siegreich wider, tegt sind. Die Versammlung trat ohne Debatte einmülhig dieser Erklärung bei. Sofort wurde dieselbe unterzeichnet, und wird überall im Lande Verbreitung finden und weitere Unterschriften gewinnen. Die weitern Verhandlungen ergaben den Wunsch nach einer volksthümlichen historischen Bearbei­tung deS gegenwärtigen Standes der deutschen Frage zur Auf­klärung namentlich des Landvolks, sowie den Wunsch nach Bildung von deutschen Vereinen. Die Versammlung war ein wichtiger Schritt auf der Bahn WürtembergS zum Anschluß an daS, was uns allein noch frommen kann. Wir bemerkten unter den Theilnehmern der Versammlung die bedeutendsten Männer des Landes: Duvernoy, Goppelt, Haßler, Rümelin, Federer, Mursch el, Fallati, u. s. w.

Berlin, 12. Jan. Abends. (D. Z.) Der Verfassungs- auSsckuß der zweiten Kammer hat so eben zwei minder wesent- licbe Punkte der Vorlagen, die Eingangsworte in die Provin- zialorbnung und die gerichtliche Verfolgung von Beamten

betreffend angenommen, dagegen die Einführung eines StaatS- gerichtshofs mit 13 gegen 7 Stimmen und denGrundiatz, daß über die Nechtsgültigkeit der nach §. 105 erlassenen vorläufigen Verordnungen nicht die Gerichte, sondern lediglich die Kammern zu entscheiden kompetent seyn sollten, mit 12 gegen 8 Slim, men verworfen. Simson hat es übernommen, bis Montag über alle bisher verhandelten Punkte den Bericht zu erstatten. Die Berathung über die Pairskammer und die Fideikommisse wird bis dahin ausgesetzt.

Berlin, 12. Jan. (K. Z.) Die Minister, und Kam­mer-Krisis dauert an. Die Konferenzen der Minister mit einzelnen Abgeordneten hatten zu keinem Ergebniß geführt. Die bedrohliche Sachlage veranlaßte nun heute Morgens daS Staats-Ministerium, abermals zu einer Gesammt- Sitzung zusammenzutreten, welche unter dem Vorsitze des Königs in Bellevue abgehalten wurde, und den ganzen Vor- mittag gedauert hat. Die bereits angesetzte Sitzung der zwei­ten Kammer wurde deßhalb abgesagt. In dieser Minifterial« Konferenz sollte nochmals Alles aufgeboten werden, um die Krone dahin zu vermögen, der zweiten Kammer in Bezug auf die Finanz.Partie solche Konzessionen zu machen, welche die Majorität in den Stand setzen könnten, ihren früheren Be­schlüssen entgegen, in die gegenwärtige neue Zusammensetzung der ersten Kammer zu willigen. Ueber das Resultat war bis heute Nachmittags um 5 Uhr noch nichts bekannt, und eS entsteht daher die dringende Vermuthung, daß die Krone ledig, lich bei ihren letzten Vorlagen beharrt habe. In diesem Falle darf die Verwerfung als feststehend und damit auch der Rücktritt deS Ministeriums als ausgesprochen angesehen werden. Die königlichen Propositionen in ihrem jetzigen Zusammenhänge und ohne jedes kompensirende Gegengewicht annehmen, würde nichts Anderes heißen, als die Konlre-Revolution der Junker förmlich sanktioniren; es wären eben damit auch das Ablösungs-Gesetz und die Gemeinde Ord­nung schon aufgegeben. Das eben ist der Grund des lauten Jubels, in welchen die Kreuzzeitung auSbricht, und der tollen Hymnen, mit welchen sie den Unglückstag des 7. Januar ver, Herrlicht. Eine erste Kammer zur größeren Hälfte aus Privi- legirten bestehend, eine zweite Kammer ohne Steuerbewilli- gungsrecht, und eine durch die Art, diese Ungeheuerlichkeit durchzusetzen, prostituirte und vor sich und dem Volke lächer­lich gemachte Volksvertretung: — das sind die schönen Früchte, welche hohnlächelnd unsere Junker von der „Feigheit" der je­tzigen Kammer zu pflücken gedenken! Hoffentlich werden sie sich täuschen!

Königsberg, 10. Jan. Die demokratische Partei ist im Zwiespalt über das Wählen oder Nichtwählen. Kosch, Jakoby sind gegen das Wählen; ebenso die meisten demokratischen Zei­tungen. An der Spitze Derer, die wählen wollen, steht Rupp. Er hat neuerdings in seinem Volksboten einen Artikel von Proudhon abgedruckt, welcher die Passivität der preußischen Demokraten geißelt.

Wien, 11. Jan. Die Widerstandsversuche gegen obrig, keitliche Wachpersonen nehmen in dem Maße zu, als sich di. Dauer des Belagerungszustandes verlängert. — Die Fabrik­arbeiter in einigen Bezirken außer der Linie der Residenz, welch« nur gegen erhöhten Tagelohn arbeiten wollten, haben sich groß, tentheils wieder in die Ordnung gefügt, und eS ist zu keinen weiteren Erzessen gekommen. Es ist indessen eine allgemein« Klage der Fabrikbesitzer über Mangel an Arbeitern. — Bei der Belagerung Venedigs sind österreichischerseits 15,000 Mann und darunter mehr als 13,000 am Lagunenfieber gestorben.

Schweiz.

Zürich, 6. Januar. Schweizerische und deutsche Blätter brachten kürzlich die Mittheilung, baß der nach Amerika über- gesievelte Julius Fröbel eö verschmäht habe, sich dort alS Märtyrer feiern zu lassen und zum Entsetzen der „eleganten" Welt von Ncw-Nork einen ihm dargebotenen Lehrstuhl ausge­schlagen habe, um Seifensieder zu werden. Ich bin im Stande Ihnen heute Näheres darüber zu berichten. Fröbel ward bei seiner Ankunft in New-Nork auf das Zuvorkommendste em­pfangen; die ersten Familien,der Stadt welteif-rten, ihnen ihre Kreise zu ziehen, um den friend and associate of the german