Handlungen über die Anklage gegen Wilhelm Schäfer aus Esch das Jnquisitorium zur allgemeinen Zufriedenheit geführt. Wir selber konnten ihm nicht beiwohnen. WaS das Refumö betrifft, so hat er gut und auf eine faßliche Weise auf die gesetzlichen Vorschriften, welche bei Beurtheilung der Thatfrage in Betracht kommen müssen, die Geschwornen aufmerksam gemacht. Herr Forst hat auch die einzelnen Beweismittel, wie sie sich ergeben haben, aufgezählt und übersichtlich durchgegangen. Eine logische Zusammenstellung derselben hat er aber nicht gegeben, oder — um unS eines modernen Ausdrucks zu bedienen — ein Spiegelbild hat er den Geschwornen nicht gezeichnet und vorgehalten. Wir können unS deßhalb nur theilweise mit seinem gestrigen ResumS einverstanden erklären, wünschen jedoch, daß er künftighin auch in dieser Beziehung den Anforderungen eines Assisenprästdenten entsprechen möge.
Die Vertheidigung des Angeklagten kann, obwohl dieser nicht durchgekommen ist und die Rede nicht lange war, eine glänzende genannt werben. Sie bewegte sich auf feinem juristischen Boden und befriedigte den Sachkenner in Form und Inhalt. Ein Spektakelstück war sie freilich nicht. Rathen möch, ten wir jedoch dem Herrn v. Eck, etwas lauter zu sprechen.
Mannheim, 14. Januar. (Mannh. I.) Von den bis jetzt gefällten kriegsgerichtlichen Erkenntnissen passirten nachstehende drei die Revue des Kriegsministeriums: Den l l.Dez. stand vor dem hiesigen Kriegsgericht Karabinier Klump nebst vier Soldaten. Sie gehörten zu der in Landau gelegenen Schwadron des 2. Dragonerregiments und machten sich, zu PatrouillewDiensten verwendet, heimlich aus dem Staube. Der Komploitirung und Desertion im Felde angeklagt und für schuldig erklärt, erkannte daS Kriegsgericht gegen den Ersten auf Tod durch Erschieße», gegen die Andern auf achtjährige Zuchthausstrafe. Durch allerhöchsten Befehl Sr. königl. Hoh. des GroßherzogS wurde jedoch die ausgesprochene Todesstrafe in sechsjährige und die achtjährige Zuchthausstrafe in zweijährige Militärarbeitsstrafe ermäßigt. Ende desselben Monats stand ferner Soldat Ritzhaupt von Heidelberg, der Theilnahme an der hiesigen Militär-Emeute angeklagt, vor dem Kriegsgericht. DaS über ihn gefällte Urtheil lautet auf ömonatliche Militärarbeitsstrase. Den 3. Dez. endlich wurde Kriegsgericht über Oberwachtmeister Thoman gehalten. Derselbe wurde der Theilnahme an der badischen Revolution für schuldig erkannt und zu vierzehntägiger Arreststrafe verurtheilt. In Berücksichtigung seiner Unterstützung der hiesigen Contrerevolution und sonstigen MilderungSgründen wurde ihm diese Strafe von dem Kriegsministerium erlassen und er in seine Funktion als Oberwachtmeister wieder eingesetzt.
Karlsruhe, 13. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Die Wahlen zu dem nächsten Landtage fallen überall im Lande entschieden konservativ auS. Mag auch zugegeben werden, daß die im gegenwärtigen Augenblick strengere Handhabung der Militär- und Polizeigewalt auf die Wahlen nicht ohne Einfluß bleibt, so läßt sich doch nicht verkennen, daß jenes Resultat insofern ein erfreuliches ist, als daraus die endliche Rückkehr zur Einsicht dessen, was nothwendig und praktisch ist, hervorleuchtet. Auch kann man jetzt deutlich einsehen, daß die früheren radikalen Wahlen meist eine Folge der Umtriebe jener Leute waren, welche nun tl'eilS flüchtig geworden, theils auf andere Weise unschädlich gemacht sind. Sie verstanden das Geschäft, d.h. sie verstanden eS, den Sinn des Volks zu berücken, und hatten um so leichteres Spiel, je unthätiger, furchtsamer und plan- loser ihnen gegenüber die konservativen Parteiführer verführen.
Stuttgart, 13. Jan. (M. I.) Ein Gerücht durchläuft die ganze Stadt. Das „Deutsche Volksblatt", das auS München die besten Nachrichten hat, bringt die wichtige De. pesche, daß die österreichische Regierung sich bereit erklärt habe, nach den Vorschlägen v. d. Pfordten'S eine Volksvertretung für ganz Deutschland zuzugeben. Ob offiziell oder nicht, können wir noch nicht sagen, es knüpft sich daran daS Gerücht, Oesterreich habe mit Würtemberg, Bayern, Hannover und Sachsen ein Bündniß geschlossen und wolle einen Reichstag nach Regensburg berufen. Das Staatenhaus würde fallen gelassen, nur über die Zahl der Abgeordneten sey man noch nicht einig.
Heute Mittag findet die Plochinger Versammlung der Altliberalen und Preußischgesinnten statt und man darf sich einer großen Theilnahme versehen, da die Regierung, wie wir aus guter Quelle erfahren, einen Kommissär an' den Ver.
sammlungsort absenden wird, um den Theilnehmeru anzuzeigen, daß man nicht gesonnen sey, den Wünschen und Forderungen, die in der angedeuteten preußischen Richtung gemacht würden, irgendwie zu entsprechen. So wissen wir denn etwas Positives — Würtemberg schließt sich nicht an; die Dynasten verbünden sich, ohne die Völker zu fragen und wir stehen auf dem Boden deö Bundes von 1815!
Kassel, 11. Jan. Der Vorstand deS Ministeriums der Innern, Eberhard, hat unterm 10. Jan. in Beziehung auf die Wahlen zum Volkshause des deutschen Parlaments ein Rundschreiben an die Bezirksdirektoren erlassen, in welchem er, Angesichts der wenn auch mehr vereinzelten Versuche zur Vereitelung jener Wahlen, die Direktoren auffordert, die Freiheit der Wahl überall streng aufrecht zu erhalten, und, wo eS erforderlich erscheinen sollte, durch Belehrung und Verständigung etwaniger Täuschungen und Mißverständnissen zu begegnen, und dahin zu wirken, daß richtige Erkenntniß der hohen Bedeutung der bevorstehenden Wahlen für das Gesammtvaterland alle Wähler zur Betheiligung an dem Wahlakt und zur gewissenhaften Erfüllung ihrer gesetzlichen Wahlpflicht bestimme.
Berlin, 12. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Die Mitglieder der preußischen Nationalversammlung, die wegen der Theilnahme an dem Steuerverweigerungsbeschlusse vom 15. November 1848 nächstens vor den hiesigen Ges ch wornen stehen werden, sind meist die am wenigsten bekannten. Die namhaftem unter ih, nen sind der Assessor Schultze (Delitzsch), der Justizkommissär Moritz aus Torgau, der Kaufmann Krackrügge aus Erfurt und Advokat Borchart aus Köln. — Man geht mit dem Plane um, für Berlin ein zweites Schwurgericht ins Leben zu rufen, da die Menge der zur Aburtheilung gelangenden Fälle für die Kräfte eines einzigen Gerichtshofes zu groß ist. — Es wird gegenwärtig wieder mit Eifer auf Hein- zen'sche Schriften gefahndet. Die schweizerische RevolutionsLiteratur, die vor dem März 1848 in Berlin viel Verbreitung fand, gelangt indeß jetzt nur in sehr wenig Hände. Freilich liegt die Kolportage dieser Schriften sehr darnieder, seitdem Dr. Rutenberg eine Anstellung bei der „Deutschen Reform" gefunden hat.
Zur Statistik der preußischen Armee dürften nachstehende Angaben, über deren Stärke in ihren verschiedenen Truppentheilen von Interesse seyn. Das Totale der Infanterie beträgt auf gewöhnlichem Friedensfuß 87 904 Mann , auf dem Kriegsfuß 139,535 Mann; die Kavalerie auf dem Friedensfuß 22,453 M., auf dem Kriegsfuß 37,421 M.; die Artillerie auf dem Friedensfuß 17,349 M., auf dem Kriegsfuß 26,835 M.; die Pioniere im erstern Fall 3788 M., im intern 5163 M.; die Armeegensd'armerie 208 M., das Totale des stehenden Heeres, incl. Offiziere, Aerzte und Unterstab auf dem Frie- densfuß 130,090, M., auf dem Kriegsfuß 205,680 M.; die Landwehr ersten Aufgebots besteht aus 96,346 M., auf dem Kriegsfuß aus 154,970 M., mithin daS Totale deS stehenden Heeres und der Landwehr ersten Aufgebots auf dem Friedcns- fuß 226,436 M., auf dem Kriegsfuß 359,777 M. Die regelmäßigen jährlichen Ausgaben für daS stehende Heer erfordern die Summe von 25,374,715 Thlr.
Mecklenlmrg-Schwerm, 9. Jan. Gegründete Befürchtungen werden laut, daß der Wind hier bald umspringen konnte. Die Deputirten der Ritterschaft in Berlin und Wien sind mit dem Ausfall ihrer Missionen über Erwarten zufrieden. Man spricht bereits als ganz sicher von einer zu erwartenden Ordre auf Wiedereinsetzung deS ritter- schaftlichen engeren Ausschusses, welches allerdings wohl der erste Schritt der BundeSkommission seyn würde.
Kiel, 10. Jan. (Konst. Zeitg.) Die Dänen fangen an ernstlicher zu rüsten. Die Mühle bei Sonderburg, welche südlich mit einer Batterie versehen ist, wird mit schwerem Geschütz montirt und General Schleppegrell ad interim zum Höchst- kvmmandirenden auf Alsen ernannt ; rücken die Schweden aus Flensburg , so ist zu gewärtigen, daß die Dänen von Alsen herüberkommen, um Flensburg zu besetzen , worauf dann unweigerlich die Kündigung deS Waffenstillstandes folgen würde.
Gumbinnen. Die „Gumbinner Volkszeitung" bringt nachfolgende Schilderung KrotinuS, der wir, trotz ihrer poetischen Färbung, wahrheitsgetreue, treffende Zeichnung nicht absprechen können. ES wird von dem Räuberhauptmann Fol-
