l ich e Jugend. Der Plan hierzu geht von dem seit einiger Zeit hier weilenden Herrn Karl Fröbel auS; er hat ein Programm erscheinen lassen. Auch hören wir, ist die Konstitui- rung eines FrauenvereinS zu diesem Behufe bereits im Werke.
Der mecklenburgische Staat will in Hamburg eine Million Thaler leihen, die sehr vorsichtigen Börsenmänner haben aber dem mecklenburgischen Delegirten vorläufig keine bejahende Antwort gegeben; ehe nicht der innere Streit zwischen Ritterschaft und Regierung erledigt ist, halten unsere Börsenmänner daS Kapital für nicht gesichert.
Wien, 9. Januar. (O.-P.-A.-Z.) Vorgestern besuchte der Kaiser die Alserkaserne und musterte die Truppen. Der Prinz von Wasa war in seinem Gefolge.
Am. 1. Jan. wurde die Dampfschifffahrt auf dem Gardasee mit den k. k. österreichischen Dampfbooten eröffnet.
S eh w e i z.
Bern, 12. Jan. (D. Z.) Noch immer bildet der Brand in Neuenburg das Tagesgespräch, und man ergeht sich in Muthmaßungen verschiedener Art. Die Flüchtlinge haben ihr bischen Habe ganz verloren. Das Feuer brach im zweiten Stock der Kaserne aus, während oben schon viele in den Belten lagen. Der Tumult und Schrecken soll entsetzlich gewesen seyn. Das Feuer griff so schnell um sich, daß an ein Löschen nicht zu denken war. Zum Glück waren die Dächer der umliegenden Häuser mit Schnee bedeckt, so daß die vom Wind darauf geschleuderten Feuerbrände nicht zündeten, sonst wäre ein ganzes Stadtviertel rettungslos verloren gewesen. Einige der Flüchtlinge sprangen aus den Fenstern, andere ließen sich an Betttüchern herab ; eine große Leiter, auf welcher sich mehrere zu retten suchten, brach, und viele Quetschungen und Verwundungen fielen vor. Der Verdacht, die Polen hätten den Brand angezündet, brachte das Volk in eine solche Wuth s gegen sie, daß noch größeres Unglück geschehen wäre, wenn! nicht Staatsrath Steck sogleich alle Polen hätte verhaften las-; sen. Diese befinden sich nun hier in Gefangenschaft; die deut- l sehen Flüchtlinge sind in einem Nachbardorfe untergebracht. 5
Stallen. I !
Rom, 2. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Kardinal Lambruschini wird j erwartet. — In Balbino werden Quartiere für 6000 Mann spanische Truppen bereitet. 6 französische Regimenter haben den Befehl erhalten, sich marschfertig zu halten. Man sagt, eS würden nur 4000 Mann Franzosen in Civitavecchia bleiben. Die Besatzung Roms soll aus 4000 päbstlichen Sbirren, 2000 Mann päpstlicher Linientruppen, 6000 Spaniern und 4000 Neapolitanern gebildet werden.
Venedig, 6. Jan. Man will hier die Insel St.-Giorgio, welche gerade dem Lido und Piazza San-Marco gegenüberliegt, in eine Festung verwandeln. Dadurch wäre dann freilich all- fälliger Widerstand bald gebrochen. Es scheint überhaupt, man suche allen größern Städten ein solches Twing-Uri (Castiga matli) auf die Nase zu setzen.
Polen
Bon der polnischen Gränze, 9. Januar. (O.-P.-A.-Z.) Nachrichten aus dem Innern von Polen wollen als bestimmt wissen, daß die russischen Truppen immer mehr gegen den Süden rücken, um Ende März in die Türkei einzufallen. (?) Die Vorsicht und Rücksicht auf diesen neuen Krieg hat den Czaaren zu einem Ukas bestimmt, welcher die bessere Verpflegung der Armee bezweckt. Die Soldaten sollen demnach fünf halbpfündige Portionen Fleisch in der Woche erhalten, während sie sonst nur die Hälfte davon pro Woche bekamen. Dies Wohlleben der kaiserlichen Armee wird mit dem 15. Januar beginnen. Sold erhält der russische Soldat täglich eine halbe Kopeke Silber d. h. 4 Pfennige, im Feldzuge das Doppelte, was ihm gewöhnlich aber erst nach dem Kriege auSgezahlt wird, weil dann der Sold für die Umgekommenen erspart wird.
Sprechfaul
für Stadt und Land.
j"!" Wiesbaden, 10. Jan. So wäre denn unser Schulkollegium, als integrirenver Theil des Ministeriums des Innern, gebildet, „vorerst" aus den Herren Regierungsrath Seebode, Schulinspektor Ebenau und dem katholischen Stadtpfarrer, Dekan Petmecky dahier, ohnstreitig auS Männern, die (Sin« sicht in das Schulwesen mit Interesse dafür verbinden. Wir dürfen den Ergebnissen ihrer Verwaltung, abgesehen von dem Konfessionellen, mit Vertrauen entgegensetzen. Die beiden ersten- Herren, obgleich Protestanten, haben sich doch ohne Zweifel von jeder konfessionellen Beschränkung frei gemacht und begrei, fen ihre Stellung als Diener des Staates, der ohne alle Konfession ist, zu gut, als daß sie sich könnten und dürften berufen fühlen, in ihrem öffentlichen Wirken das Interesse irgend einer oder ihrer eigenen Kirchengesellschaft zu vertreten; ihre Thätigkeit wird daher voraussichtlich nicht die geringste konfessionelle Färbung an sich tragen. Ist dies auch von 'ber Wirksamkeit des Herrn Dekan Petmecky zu erwarten? Zwar als ein milder und duldsamer Mann allgemein bekannt und geachtet, steht derselbe doch als Priester im Dienste seiner Kirche und wird und muß sich als solcher verpflichtet achten, vorzugsweise für das Beste seiner Kirche in seiner dermaligen neuen Stelle zu wirken; mag der Staat ihn auch verpflichten wollen, von seiner kirchlichen Stellung hier ganz abzusehen, so kann er selbst dies doch unmöglich, da er in seinem Gewissen dafür gebunden ist. Der Regierung kann das nicht verborgen geblieben seyn; sie muß cs bei der Zusammensetzung des Kollegs so gewollt haben. Wir sind weit davon entfernt, es tadeln zu wollen, wenn den lange gehegten Wünschen und pft und laut ausgesprochenen Forderungen der katholischen Kirche auf diese Weise, wie auch schon bei der Besetzung der Direktorstelle am Idsteiner Seminar, Genüge geschieht; wir müssen eS sogar, als mit den Forderungen der Gerechtigkeit und mit den Grundsätzen einer gesunden Politik übereinstimmend, vollkommen billigen, wenn dem konfessionellen Bewußtseyn und dem kirchlichen Bedürfnisse des Volkes bei dieser tief und bedeutungsvoll in's Leben eingreifenden Sache gebührende Rechnung getragen wird; aber wir verlangen für uns selbst, was wir bei Andern recht finden, mit eben so großem und — weil für die Mehrzahl der Bewohner deS Herzogthums — mit noch größerem Rechte. Wir schämen uns nicht, zu bekennen, daß wir evangelische Protestanten find; wir find noch nicht so weit — fortgeschritten, daß wir unS von der konfessio- ' nellen Form unseres Glaubens losgemacht hätten,' und auch^ noch nicht zu der Höhe moderner Bildung emporgestiegen, wo man für alles Kirchliche kalt ist, daß wir auf die Nichtbeachtung unserer konfessionellen Bedürfnisse in der Zusammensetzung des obersten VerwallungsrathS für die Bildung unserer Kinder mit Gleichgültigkeit hinsehen, ja, daß wir an der Zusammensetzung des Schulkollegiums, wie es bis jetzt besteht, nicht wirklichen Anstoß nehmen sollten. Wir bekennen das offen; und wie wir, so denken viele tausend Protestanten im Herzogs thum. Sie alle sagen: entweder dürfte gar kein Geistlicher in daS Kolleg, oder es müßte auch ein evangelischer hinein; wir haben gleiche Rechte mit den Katholiken, gleiches konfessionelles Bewußtseyn , gleiches Bedürfniß; uns kann es eben so wenig gleichgültig seyn, ob unsere Kirche da vertreten ist oder nicht, am wenigsten, wenn die katholische Kirche einen Priester dahin sendet; Staatsbeamten können wir auS den oben angedeuteten Gründen unmöglich als Wahrer und Förderer unseres konfessionellen Interesses hier ansehen. Von der Gerechtigkeit und Klugheit unserer Regierung müssen wir daher erwarten, daß sie der evangelischen Kirche nicht versaget, was der römisch-katholischen zugestanden ist. WaS dem Einen recht, muß dem Andern billig seyn. Wir glauben auch, daß man damit umgeht, unsere bescheidenen Wünsche zu befriedigen; wenigstens schöpfen wir auS dem „vorerst" im Verordnungsblatte einige Hoffnung.
Mehrere Freunde der Kirche.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
