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nehmen wird der Vorwand und das Zeichen zu einerJnvasion der Schweiz durch Oesterreich und Preußen, vielleicht auch zu einer Besetzung von Piemont seyn. Dies ist beschlossen. Die großen Kabinette gehen nicht eilig, aber sicher zu Werke. WaS sie von vorn herein gewollt haben, das wollen sie auch noch jetzt und werden dabei (sie hoffen eö wenigstens) mit Frankreich Hand in Hand gehen. Der aufgeklärte Geist des Prinzen Präsidenten wird sie nicht im Stiche lassen.

Deutschland

Heidelberg, 10. Jan. Diesen Morgen um 2 Uhr starb Prof. Dr. Morstadt an den Folgen eines Blutsturzes, der ihn während der Weihnachtsferien befiel. An ihm verliert die juristische Fakultät hiesiger Universität eine sehr bedeutende Lehrkraft. (Fr. Z.)

Köln, 6. Jan. (A. Z.) Bald wird nun der Kassations- Hof in der Lage seyn, über das Forum des Elberfelder Mai­aufstandes zu bestimmen. Man befürchtet sehr, daß diese Sache, die gegen zwei Monate, wenn nicht länger dauern wird, hier, her verwiesen werden dürfte. Die nächste Folge wäre für Köln ein Gerichtsstillstand: wenigstens würde das Personal der Richter ohne einen außerordentlichen SukkurS nicht zureichen, und selbst in der zahlreich besetzten Advokatur würde Verlegen­heit entstehen; es werden mit den Richtern und mit den Ge­schwornen, sowie mit dem Präsidium und der Prokuratur Er­satzmänner sitzen müssen. Die Zahl der Angeklagten soll sich auf 190 biS 200 belaufen in Vereinigung mit den Beschul­digten der umliegenden mit Elberfeld zusammenhängenden Be- wegungen.

Eine weitere Sache von Wichtigkeit für die nächste Zeit ist die beabsichtigte Erstürmung des Landwehrzeughauses zu Siegburg. Kinkel war dabei Anführer, und wird aus seiner Haft hieher vor die Schranken geführt werden. (Sein Trans­port hierher erfolgt hoffentlich in humanerer Weise, als sein Transport nach Stargardt.) Der Name des Mannes wird den Asfifen , vor denen er stehen wird, einen besonderen Ruf geben. Während D'Estcr, Rageaur und andere fast verschol­len sind, genießt Kinkel noch immer eine vorzügliche Theil­nahme, und nicht allein bei seinen Gleichgesinnten: man hält ihn nämlich allgemein für einen edlen Menschen „in seinem dunklen Drange," und dem dichterischen Zauber pflegt man ja auch mehr als die Licenz zu Gute zu halten.

Trier, 8. Januar. (Trier. Ztg.) Heute hatte die erste Sitzung des Prozesses Grün und Genossen Statt. Schon vor 8 Uhr sammelten sich die Zuhörer an dem Eingänge des Land­gerichts-Gebäudes. Die gesammte Gensd'armerie und eine Kompagnie des 17. Infanterie-Regiments sind zur Aufrechthal­tung der Ruhe und Ordnung innerhalb und außerhalb des Gebäudes kommandirt. Unter ihrer Eskorte fahren die Ange- geklagten, 23 an der Zahl, in drei Omnibus am Hofe an und treten in den Sitzungssaal ein, dann die Zeugen und der Ge­richtshof. Den Vorsitz hat der Appellalionögerichtsrath v. Fisenne. Für das öffentliche Ministerium fungirten der Ober- Prokurator T. Nister und der Staats-Anwalt v. Holleben. Bei der Masse geladener Zeugen (im Ganzen 275) bleibt dem Publi­kum nur ein beschränkter Raum. Von parlamentarischen No­tabilitäten waren zugegen: Rodbertus, Pastor Alff, Staats- Prokuraior Schornbaum, Landgerichts-Assessor Otto, auch Pastor Gommelshausen. Nach Vereidigung der Geschwornen wird der Beschluß des Appellations-Gerichtshofes, welcher die Angklangten vor den Assisenhof verweist, so wie die Anklage- Akte vorgelesen. Die Verlesung dauert an anderhalb Stunden. Der Präsident hält jedem Angeklagten das auf ihn Bezügliche aus der Anklage vor, und der Ober - Prokurator Deuster be­gründet diese nun ausführlicher. Nach einer Hindeutung auf die große Wichtigkeit dieses Kriminal-ProzesseS auf die Rhein- lande ging der Ober-Prokurator auf die Zeitverhältnisse über­haupt ein. Man habe die schöne Idee der Einheit Deutschlands gewißbraucht, um unter dem schwarz-roth-goldnen Banner die soziale Republik einzuführen. Die Moselgegend hätte lebhaften Antheil an der Bewegung, am Steuer-VerweigerungS-Beschlusse u. A., genommen, es sey zu körperlichen Mißhandlungen der Beamten gekommen. Doch die Leiter der Bewegung hätten sich in Bezug auf die Moselaner verrechnet. Der Eid der Zeugen würde der Wahrheit dienen, die Gewissenhaftigkeit der Ge­

schwornen würde entscheiden. Spezieller in Bezug auf das Marienburger Komplott: Die Presse und die Vvlksversammlun- geu hätten in vorigen Frühjahre auf Außerordentliches vorbe­reitet, daß etwas geschehen müsse. Am 20. Mai hätte das Moselland aufstehen sollen; in welcher Weise, darüber sey an einem Sonntage auf Marienburg komplotlirt worden; Grün, Schily, Jmanbt seyen offenbar die Hauptleiter gewesen. Eine feste Verabredung sey auf den 18. Mai getroffen worden. Dr. Grün sey Haupt-Anstifter des Komplotts. Freilich sey Grün in Beziehung auf die Ausführung seines Planes nicht festge­blieben, und würden hierüber Aeußerungen, die Schily in der Schweiz gethan, Aufklärung geben. Die Ausführung dauerte wohl eine Stunde. Es erfolgte nun noch das Verlesen des Zeugenverzeichnisses, auf dem 197 Belastungszeugen figurirten.

Man meldet aus Brieg vom 8. Januar: Heute um 2 Uhr Nachmittags bewegte sich ein trauriger Zug nach hiesigem Bahnhöfe. 61 schwere, zu langjähriger, zum Theil lebenswie- riger Haft verurtheilw Verbrecher wurden durch Polizeibeamten und Soldaten auf Umwegen dorthin transportirt, um mittelst Ertrazuges in das Zellengefängniß nach Moabit befördert zu werden. In Liegnitz stößt das Kontingent des Jauerschen, in Kohlfurt das des Görlitzer Zuchthauses zu ihnen. Ein Wag­gon namentlich war eS, der die Veteranen des Zuchthauses enthielt. Einer unter ihnen, seit 1816 im Kerker, war Justiz- Kommissar in Wrietzen, in den Jahren deS Freiheitskrieges freiwilliger Jäger. Als Avancirter verabschiedet, erschlug und beraubte er aus dem Nachhauseweg einen Bauer. Um 800 Thaler beging er den Mord, und eine grimmige Ironie des Schicksals schenkte ihm im Laufe seiner Kerkerhaft durch allerlei Zufälle (wer vermöchte es Glücksfälle zu nennen?) ein Ver­mögen von mehr als 100,000 Thaler. Der Arme erzählt mit Genugthuung, daß er jetzt alle auf dasselbe bezüglichen Prozesse gewonnen habe. Ein blinder Greis nimmt den Platz neben ihm ein. Er hat das Arbeitshaus in Kreuzburg, in dem er deti- nirt war, angezündet. Auch der berüchtigte Räuber Schneider, der Schrecken res Strehlener Kreises, befindet sich im Zuge. Viele der Gefangenen kannten das Vehikel nicht, auf dem sie beför­dert werden sollten. Sie hatten im Kerker nichts von Eisen­bahnen gehört. Die alten Habitues des Zuchthauses sollen, obwohl sie ihr Reiseziel nicht kennen, ihren Aufenthaltsort, den ihnen die Gewohnheit erträglich gemacht hate, ungern verlassen haben. Man sagte, daß sie nur die Hoffnung tröste, ihrer Begnadigung entgegen zu reisen. Die Armen, wüßten sie, baß ihnen auch der kleine Trost, daS Angesicht ihrer Leidensge­fährten zu schauen, gemeinsam zu arbeiten, den süßen Laut der Menschenstimme zu hören, geraubt werden soll, wüßten sie, daß sie ewigem Schweigen, grauenvoller Einsamkeit in enger Zelle entgegen gehen!

Kaiserslautern, 1. Jan. Der „Vogesenbote" meldetaus zuverlässiger Quelle, daß das erste Erkenntniß über den Sieute nant Grafen Fugger auf Todesstrafe lautet.

München, 6. Jan. (Nürnb. Korr.) Das protestantische Oberkonsistorium in München hat an die protestantischen Kon­sistorien im November vorigen Jahres die Weisung erlassen, daß zwischen den deutschkatholischen Gemeinden und den pro­testantischen keine Gemeinschaft in religiöser Beziehung bestehen könne, weil jene das Wort GotteS und die heilige Schrift verwerfen. Ferner darf die Taufe der Deutschkatholiken nicht als gültig anerkannt werden, wenn ein geborner Deutschkatholik zum Protestantismus übergehen will, weil die deutschkatholische Taufe nicht im Namen der heiligen Dreieinigkeit vollzogen wird. Und endlich darf kein Deutschkatholik bei der Taufe eines Protestanten als Pathe angenommen werden.

Magdeburg, 8. Januar. (D. Z.) Die Konst. Ztg. be­richtet, daß die wirklich demokratischen Vereine Magdeburgs beabsichtigen, sich als politische Verbindungen aufzulösen und dafür in religiöse Vereine wieder zusammen zu treten, wodurch sie der lästigen polizeilichen Aufsicht enthoben würden. Die sogenannten freien Gemeinden^treiben eine heillose Wirthschaft in der Provinz Sachsen und sind überall im Zunehmen.

In Verden ist am 8. Januar eine Hinrichtung mit dem Schwert an zwei Mördern vollzogen worden, ein seltener Fall, indem bisher sämmtliche von den hannoverschen Gerichten ge­sprochene Todesurtheile durch die Gnade des Königs in Frei­heitsstrafen verwandelt sind. Der vorliegende Fall aber —