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Wurf vorliege, unverändert dem Erfurter Parlamente werde vorgelegt, daß die Regierungen ferner eine Annahme derselben im Ganzen beantragen werden, endlich, daß man auch Hoff­nung glaube haben zu dürfen, diesem Wunsche gewillfahrt zu sehen.

Berlin, 8. Jan. Die mit der Landwehr projektirte Ver- ünderung dürfte wesentlich die seyn, daß von jedem Bataillon 200 Mann einberufen werden, und beständig bei der Fahne Verbleiben sollen, diese Mannschaft soll aber hauptsächlich oder ganz aus den von der Linie zurückgestellten Rekruten, nicht aus älteren Landwehrmännern bestehen; nur Linienosfiziere sollen dabei angestellt, dagegen die Landwehrosfiziere zur Linie fom« mandirt werden. Bei Einberufung der Landwehr im Ganzen gehört jedes Regiment zu dem gleichnamigen Linienregiment und steht unter dessen Kommandeur. Die gegenwärtige Ver­mehrung des stehenden Heers wird demnach etwa 26,000 Mann betragen. (Erf. Zig.)

Wien, 6. Jan. Die Wittwe deS auf den Wällen Ofens gefallenen Generals Hentzi hat den handschriftlichen Nachlaß desselben dem k. k. Kriegsministerium übermacht, und sollen sich darunter höchst entsprechende und nützliche Arbeiten militärischen Inhalts befinden, denn General Hentzi gehörte zu den gebil­detsten Offizieren des kaiserl. Heeres und diente stets in einem wissenschaftlichen Korps, dem Jngenieurkorps. Besondere Wich­tigkeit soll aber ein Tagebuch über die Belagerung von Ofen besitzen, indem daraus erhellt, daß der Garnison von Ofen von vornherein die Rolle der 300 Spartaner bei Thermopylä zugetheilt worden und Hentzi sich hierüber gar keine Illusion wachte, was seine tapfere Ausdauer und seinen Selbstmord nach dem Sturm in einem ganz andern Licht erscheinen läßt. Es dürfte aus jenen merkwürdigen Aufzeichnungen ein geheimes Einverständniß des österreichischen Oberbefehlshabers mit Gör­gey hervorgehen , dem durch die Festhaltung Ofens durch die k. k. Truppen ein Vorwand geboten werden sollte, sich der Ausführung des von dem genialen Dembinski entworfenen Operationsplans zu entziehen, der nichts Geringeres anstrebte, als auf Wien loszurücken und die Erbländer zu insurgiren, bevor noch die Russen Zeit hatten, auf dem Kampfplatze zu erscheinen. In der Belagerung Ofens liegt der Grund der Begnadigung Görgey's. (Brest. Z.)

Schweiz.

Zürich, 9. Jan. (D. Z.) Eine kurze Betrachtung über die Stellung der Parteien, welche die N. Z. Z. heute bringt, zeigt eine merkwürdige Achnlichkeit im Gange der eidgenössi­schen und der deutschen Entwickelung, immerhin mit dem Un­terschied , daß die Ersteren zu einem festen Punkt, dem neuen Bunde, gelangt sind, die Letzteren noch nicht. In Beziehung auf den Bund streben die Einen nach dem Fortschritt in einer Einheitsregierung, die andern sehen die Wohlfahrt indermög­lichst freien Kantonalbewegung. Weitere Schattirungen ergeben sich aus der Rückwirkung der auswärtigen Ereignisse und den verschiedenartig berührten örtlichen Interessen. Gerade wie bei uns. Der Rath der N. Z Z., treu zu der errungenen Bun­desverfassung zu stehen, 'bedarf für die Deutschen nur der klei­nen Aenderung, beharrlich nach der in Aussicht gestellten Bun­desverfassung zu streben.

F r K n k r e è â.

Paris, 9. Januar. L. Napoleon arbeitete gestern Mittag geraume Zeit im Elysee mit den Ministern des Auswärtigen, des Krieges, der Marine und mit Changarnier. — Fürst Jules Polignac, der bekannte Chef des Ministeriums unter Karl X. zur Zeit der Juli-Ordonnanzen, ist hier eingetroffen. Er wohnte gestern einer legitimistischen Festlichkeit bei. — Nach dem „Na­tional" Hat einer der Hauptredakteure der „Reforme", Russe von Geburt, naturalistrter Schweizer und seit mehreren Jahren in Frankreich wohnend, den Befehl empfangen, Paris und Frank­reich sofort zu verlassen. Nur mit großer Mühe soll er einen Aufschub von zwei Tagen erwirkt haben, um seine Angelegen­heiten ordnen zu können. — L. Blanc hat eine Schrift heraus- gegeben, worin er seine Erinnerungen an die Ereignisse von der Februar-Revolution bis zu seiner Flucht aus Frankreich veröffentlicht.

Großbritannien.

London, 7. Jan Der Daily News zufolge wäre Herr Heald, der flüchtige Gatte der vielnamigen und vielgenannten Lola Montez glücklich in London eingetroffen, und befände sich mithin in Sicherheit. Man hat in London einen Brief aus Kadiz vom 27. Dezbr., worin ès heißt, daß daS wunderliche Ehepaar sich seit 10 Tagen dort befinde; das Aussehen der Lola habe sich sehr verändert, sie sey lange nicht mehr so hübsch, als da sie im Jahre 1842 in Kadi; war. Ihr Temperament habe sich leider nicht gebessert, und cS scheine ihre größte Freude zu seyn, ihren Manu in Furcht und Zittern vor ihr zu erhalten. Ihre Wuthausbrüche, als sie von der Flucht Healds hörte, sollen sehr bedeutend gewesen seyn,, auch setzte sie in Begleitung von zwei ihrer vielen Freunde, die sie immer um sich hat, in Person dem Flüchtigen nach Algesiras nach.

Die Fortschritte eines Jahrhunderts werden von einem englischen Blatte schlagend folgendermaßen veran­schaulicht. Im Jahr 1760 betrug die Bevölkerung Londons 674,000, die von England und Wales nicht ganz 6*/3 Mill. Seelen. Die Staatsschuld war nur 70 Mill. Pfund groß, aber vielleicht noch geringer im Verhältniß zum jetzigen wär der Nationalreichthum. Der König von Großbritannien hatte im Jahre 1750 nicht über 13 Millionen Unterthanen mit Ein­schluß aller Kolonien; die jetzigen Vereinigten Staaten zählten keine 3 Millionen Einwohner; die Franzosen besaßen Canada und waren Herren in Indien; Holland und Portugall bedrohten Englands Seemacht, Spanien monopolisirte seine 9 Reiche in Amerika, Portugall besaß Brasilien, Frankreich war die tonange­bende Macht. Heutzutage ist das briltische Reich dreimal so groß wie das römische, seine Kolonien umgürten den Erdball, seine Kaufleute sind die Erben des Moguls, und, rechnet man die ameri­kanischen Pflanzstaaten Englands hinzu, so stehen 180 Millionen Menschen unter der Herrschaft der angelsächsischen Reize, welche, ursprünglich auf einen Küstenwinkel der Nordsee beschränkt, jetzt in ihrem Reiche die Sonne nicht untergehen sieht.

Italien.

Die neuesten Nachrichten aus Rom vom 28. Dezember melden, daß sämmtliche Häupter der bewaffneten Korps, welche während der republikanischen Periode den Dienst versahen, erilirt worden sind. Dieses Loos trifft 84 Individuen; unter ihnen befinden sich Stuart, Lopez, MareS- cotti, Caucci, Sguarzoni rc. Auch Gallieno, welcher die Bür­gergarde am 16. Nov. 1848 befehligte, wird darunter genannt. — 'Der Rückkehr des Papstes wird gegen den 15. Jan. mit großer Bestimmtheit entgegengesehen. Salmi, BezirksvMLâlter von Jesi, hatte sich mehre male geweigert, die Prolamationen und Befehle österreichischer Militärautoritäten öffentlich bekannt zu machen. Eine bei ihm veranstaltete Hausdurchsuchung lieferte den Beweis seiner geheimen Verbindung mit den Flüchtlingen in der Schweiz. Ec ward gefänglich nach An­cona gebracht und soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden.

Aegypten.

Zur Charakteristik der ägyptischen Verhältnisse theilt die Allgemeine Zeitung folgende Zeilen aus einem Pri, vatbrief aus Aegypten von der Mitte Dezembers mit: Die hiesige Regierung entbehrt aller Moralität und Kraft. Jeder Tag entdeckt eine neue Spitzbüberei, und die Schurken sprechen darüber ohne Scham. Artim-Bei ist in fünf Jahren von einem armen Teufel zu einem enorm reichen Manne ge­worben. Da und dort hat er Landgüter, in der Stadt zwei große Paläste, und Jedermann weiß und spricht öffentlich da­von, wie der Minister das Geld zusammengebracht hat, aber auch Jedermann zollt ihm die schuldige Achtung und buhlt um seine Gunst. Es herrscht eine Demoralisation, von der man in Europa keinen Begriff hat. Wenn unser Landsmann Pruner-Bei durch seinen Einfluß auf Abbas n:cht so günstig wirkte, so würde man fabelhafte Berichte über die hiesige Wirthschaft empfangen.

Verantwortlicher Redakteur r W* H. Riehl