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und Größe unseres Vaterlandes thätig mitzuwirken. Hier und in vielen benachbarten Landgemeinden, die diese Versammlung sehr zahlreich besucht hatten, sind also bereits Komite's im Anschluß an das Zentralkomite in Darmstadt für die Reichs­tagswahlen gebildet, und ein günstiger Erfolg wird kaum zu bezweifeln seyn.

Marburg, 3. Jan. Von unserer Bezirksdirektion ist ein Rundschreiben an die Geistlichen des Bezirks erlassen, in welchem über die Verwilderung der Jugend Klage geführt wird und worin die Geistlichen zugleich aufgefordert werden, zur Abhülfe dieses Uebels Vorschläge zu thun. Von den Geistlichen ist strenge Religiosität in den Schulen, als Hebel der Sittlichkeit, empfohlen worden.

Köln, 5. Jan. (Köln. Z.) Die Seeberichte geben uns Nachricht von den vielen Unfällen, welche beiden schweren Stürmen zu Ende Novembers und Anfang Dezembers v. I. in der Nord - und Ostsee stattgefunden haben. In der Nacht vom 16. zum 17. Nov. wurden fünf Schiffe und neun Küsten­fahrer ein Opfer derselben, und viele andere liefen mit mehr oder weniger Havarie in verschiedene Häfen ein; vom 19. bis 25. Nov. gingen drei Schiffe total zu Grunde und zwei wur­den auf die Küste geworfen; vom 26. Novbr. bis 2. Dechr. wurden bei 40 Unfälle gemeldet, worunter einige Totalverluste.

Karlsruhe, 9. Jan. In badischen Blättern ist nun auch der pensionirte Hofgerichtsrath v. Jtzstein aus Mannheim zur Fahndung ausgeschrieben und die Beschlagnahme seines Ver­mögens erklärt. Er steht „wegen verschiedener hochverrätheri- scher Unternehmungen und Betheiligung an Wegschaffung der aus der großherzogl. Generalstaats- und AmortisalionSkaffe geraubten Gelder" in Untersuchung und wird aufgefordert, sich binnen drei Wochen bei dem Stadtamt Karlsruhe zu stellen.

Freiburg, 6. Jan. Das großherzoglich badische Kriegs, Ministerium erläßt soeben nachstehende Bekanntmachung; „Die Soldaten Ludwig Gerhard, Klemens Jäckle, Taver Böh­ler, der Korporal Wilhelm Ruhm und Johann Adam Haber­korn, welche auf der Rückkehr aus der Schweiz durch Absingen aufrührerischer Lieder und auf andere Weise ihre fortwährende Anhänglichkeit an die Sache des Umsturzes kundgegeben ha­ben, sind als Kriegsgefangene in die Kasematten nach Rastatt gebracht worden, um wegen ihres Vergehens und zugleich wegen ihres Antheils an der Mairevolution je nach Umstän­den vor das Kriegsgericht oder das Standgericht gestellt zu werden. Indem wir dies zur Warnung anmit öffentlich be­kannt machen, ersuchen wir zugleich die Redaktionen der in- und ausländischen Zeitungen, diese Warnung in ihren Blättern gleichfalls zu veröffentlichen. Karlsruhe, den 2. Jan. 1850 Groß. Kriegsministerium.

Stuttgart, 7. Jan. (Karlsr. Z.) Von Männern liberal­konservativer Gesinnung aus allen Theilen des Landes wird i eine gemeinschaftliche Kundgebung zu Gunsten des Anschlusses i Württembergs an das engere Bündniß vorbereitet. Unter den Theilnehmern steht oben an Dr. Duvernoy, Departements chef des Innern im vorigen Ministerium, welchem sich auch seine frühern Kollegen Paul Pfizer und Goppelt anschlie­ßen dürften. Die Kundgebung ist unabhängig von dem vater­ländischen Verein, welcher mit feinen Zweigvereinen längst in dieser Richtung wirkt. In Tübingen wurde eine Erklärung * für das engere Bündniß von der großen Mehrzahl der Uni­versitätslehrer unterzeichnet. Unter den zahlreichen Unterschrif­ten ist die des Kanzlers Wächter besonders zu bemerken. Auch Professor F. Vischer, als Reichstagsmitglied früher entschieden österreichisch gesinnt, hat sich der Erklärung ange­schloffen. •

Stuttgart, 8. Jan. (S. M.) Ein bei der Eisenbahn beschäftigter Arbeiter ging gestern auf einem der Geleise im hiesigen Bahnhof, um etwas zu holen, als ein Wagenzug da­her kam. Der Zugführer, der den Mann bemerkte, gab so­gleich das Warnungszeichen. Dieser beachtete eS auch und! trat aus vcm betreffenden Geleise hinaus. Zu gleicher Zeit ' aber ging, auch ein Güterzug vom hiesigen Bahnhöfe ab; der Mann hielt wohl daS Pfeifen dieses Zugs, von dessen Adgehen er nichts wußte, für ein von dem ankommenden Zuge wieder- : holt gegebenes Zeichen. So traf eS sich, daß der Unglückliche zwischen die beiden Wagenzüge kam, von diesen gefaßt und, : ihm beide Beide abgebrückt wurden.

Darmstadt, 8. Jan. Wie gestern die kleine demokratische Opposition der ersten Kammer durch Hinausschieben der deut­schen Frage überhaupt wenigstens noch Frist zu gewinnen strebte, so fu^te sie heute, wo die Berathung des Wahlgesetzes zum Volkshause auf der Tagesordnung stand, wo möglich nochmals die Sache zu vereiteln. Strecker beantragte plötz­lich, über die heutige Tagesordnung wegzugehen, da der gestrige Beschluß der Kammer ein verwerfender sey. Allgemeines Er­staunen! Strecker aber demonstrirte so: Die preußische Bundes­verfassung verändert durch ihren Art. 192 und andere Be­stimmungen die hessische Verfassung. Zu einer Verfassungs­veränderung sind aber gesetzlich mindestens 13 Stimmen der ersten Kammer nöthig. Da nun gestern blos 12 Stimmen für den preußischen Bund waren, so ist dieser verworfen — quod erat demonstrandum. Die Freude dauerte aber nicht lange. Hr. Emmerling und Andere setzten der Opposition auseinander, daß etwas, was noch nicht bestehe, unmöglich unsere Verfassung ändern könne. Noch sey die preußische Bundesverfassung nur Entwurf, der in Erfurt erst berathen und beschlossen werden solle. Nach dessen Annahme könne also erst die Rede,von einer Aenderung unserer Verfassung durch denselben seyn. Die Kammer trat diesen Ansichten bei und ging mit 11 gegen 7 Stimmen über den Strecker'schen Antrag zur Tagesordnung über. Die 37 Artikel des Wahlgesetzes, welches natürlich im Wesentlichen ganz mit dem preußischen übereinstimmt, wurden hierauf von der Kammer in zwei Sitzungen, am Vormittag und Abend, die zusammen an acht Stunden dauerten, disku- tirt und angenommen, mit einigen Zusätzen und Modifikation nen, die aber nur als Wünsche ausgedrückt wurden, um der raschen Ausführung der Sache, in Uebereinstimmung mit dem Berliner Verwaltungsrathe, kein neues Hinderniß zu bereiten. Sobald die Kammer etwas vollzähliger ist, wird man auch zur Wahl eines Mitgliedes für das StaatenhauS schreiten; zwei soll die zweite Kammer wählen, eines beide Kammern gemein­schaftlich auS drei von der Regierung vorgeschlagenen Kandi­daten (Kanzler Birnbaum in Gießen, Oberappellationsrath Hesse dahier, und Gutsbesitzer Dr. Zangen in Rheinhessen). Die übrigen drei ernennt die Regierung.

Die Opposition legte am Schluffe der heutigen Abend­sitzung noch einen feierlichen Protest ein gegen die oklroyirte Berliner Verfassung und das preußische, wie sie sagte, „volks­feindliche" Wahlgesetz. Sie beharrt fest bei der Frankfurter Verfassung, die nur auf gesetzlichem Wege, wie sie ihn selbst verschreibet, verändert werden könne. Der Gegenstand wird nun schleunigst zur Berathung an die zweite Kammer gehen und man ist äußerst begierig, was unsere Herren Demokraten jetzt thun werden. (D. Z.)

Worms, 7. Jan. (Darmst. I.) Gestern Nachmittag hat­ten wir sehr erfreuliche Besuche von Mitgliedern beider Kam­mern unserer Landstände, um die Bildung von Komitees zur Beförderung der bevorstehenden Reichstagswahlen zu bevor- worten; unter Anderen unsere alten Feldherrn auf politischem Kampfplätze, die Herren H. v. Gagern und Wernher. Es waren nicht blos kalte Gründe, durch die nur diese wahr-} haft genialen Männer von der Nothwendigkeit des Wäh­lens zum Reichstage überzeugten; die Bewahrheitung ihres Systems, ihres Wollens und Vollbringens lag in den leben­digen Gestalten der Männer selbst, wehte uns wie ein Hauch aus jedem ihrer Worte entgegen. Wir fühlten in allem, was sie vortrugen, — und das mögen ihre demokratischen Kol­legen sich merken, — wir fühlten, daß sie mit dem Welt­geist, mit der Nothwendigkeit der Weltgeschicke gehen. Sie sind, was sie sind, nicht blos oder wesentlich durch Ueberlegung, Studium, Nachdenken, Anstrengung ihres Willens. Was diese Männer charakterisirt, ist, daß sie Alles dieß auS der Ursprünglichkeit ihres inneren LebenS heraus sind und dar­stellen. „Heute geschlagen und morgen wieder auf dem Schlacht- felde !" rief uns Gagern im Verlaufe seiner Rede zu, und gleich darauf Wernher, indem er in sehr klarem Bilde unsere Partei mit einer Schiffsmannschaft verglich, die es ihrer Ehre schuldig sey, daß kein Mann vom andern weiche, so lange noch ein Floß am andern hinge und von der die Klugheit verlange, daß dieselbe nicht mit fluchwürdigem Eigensinn über eine Sand­bank überzuietzen suche, wodurch augenfällig das Schiff zer­schelle, daß sie vielmehr dieselbe zu umschiffen trachte: „Bleiben Sie bei uns auf dem Schiffe!"

Die Worte dieser beiden Männer waren nicht in den Wind gesprochen; alsbald waren Hunderte bereit, auf dem vorgeschlagenen Wege zur Erreichung der Freiheit, Einheit