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reichs Sachsen und Hannover allein ausgenommen, sind bei i dem Verwaltungsrathe sämmtlich eingereicht, und nach vor­gängiger Einsicht und Prüfung, zum gemeinsamen Vollzug der Abgeordnetenwahl für das Volkshaus, auf den 31. des lauf. Monats, den betreffenden Regierungen zurückgegeben. Ebenso sind diese Wahlverordnungen in diesem Augenblicke durch die Regierungsblätter fast überall veröffentlicht. Die Thätigkeit des Verwaltungsrathes wendet sich demnach jetzt zunächst der definitiven Feststellung des Verfassungsentwurfs zu, wie der- selbe, sey es unverändert in seiner ursprünglichen Fassung oder eventualiter unter allseitig zu billigenden Modifikationen der verbündeten Regierungen, als deren gemeinsame Proposition, dem versammelten Reichstage, zur Vereinbarung mit demselben, vorgelegt werden wird. sStaatsanz.)

Berlin, 6, Jan. General Lamoriciere, der bisherige Ge­sandte der französischen Republik in Petersburg, ist hier mit einem zahlreichen Gefolge eingetroffen, denn zugleich mit ihm sind die ebenfalls abberufenen Herren de Bentzheim, de Senne- ville, Va Mant und Brefield angekommen; das ganze franzö­sische Gesandtschaftspersonal in Petersburg wird umgestaltet. Der Kaiser, so wird erzählt, hat die Absendung der englischen Flotte nach den Dardanellen einen Degenstich ins Wasser ge­nannt; allein die Provokation zum Kriege ging in dieser An­gelegenheit offenbar nicht von England auS, und die neuesten Nachrichten von Konstantinopel beweisen, wie tief der Kaiser sich verletzt fühlt, wie wenig er bis jetzt zu willigem Nachgeben sich hat entschließen können.

Berlin. Eine Ansprache von Berlins Bürgern in Be, treff der Wahlen schließt mit folgenden Worten:

Sobald der Reichstag in Erfurt ohne alle Umschweife die ganze Verfassung, welche die preußische Regierung vor­schlägt, wie sie da ist, annimmt, ist mit Einem Schlage der sämmtliche Wirrwarr geschlichtet. Die vereinigten Staaten können, wie Preußen in der Note vom 17. Novbr. v> I. dar­gethan hat, dann nicht mehr zurücktreten, was ihnen freisteht, wenn auch nur ein einziger Vorschlag zur Aenderung gestellt wird. Der Verfassungsentwurf erhält durch die Annahme so­fort bindende Kraft eines Grundgesetzes. Der Bundesstaat tritt somit in's Leben. Der König von Preußen ist Reichs­vorstand und seine Erben auf dem preußischen Thron sind Er­ben dieser Würde. Die deutsche Nation hat an Preußen ihren durch die überwiegende Mehrheit der deutschen Staaten recht­lich anerkannten Kern und Mittelpunkt gefunden. Die Wolken am Horizont zerstreuen sich. Während wir jetzt immer noch umhertreiben auf hoher See, rufen wir dann endlich: „Land!"

Wer das Vaterland liebt, trete auf unsre Seite. Preußen! Als der König Friedrich Wilhelm III. sein Volk aufrief, die Kelten der Fremdherrschaft zu brechen, erhob cs sich wie Ein Mann. Das war 1813, und mit Preußen standen ungefähr dieselben Stämme auf, welche jetzt mit uns nach Erfurt Volksvertreter senden. Die Ketten wur­den zerbrochen in der Leipziger Schlacht. Und vor und nach der Völkerschlacht sammelten sich um Preußen die zerstreuten Glieder der gesammten deutschen Nation. Heute geht eben fo Großes unter uns vor. Der König Friedrich Wil­helm ruft das deutsche Volk, und namentlich uns Preußen, zu des Vaterlandes Rettung auf, indem er uns eine Reichsver­fassung vorschlägt. Schlagen wir ein in die dargebotene Rechte! wählen wir nach Erfurt wie Ein Mann/ nur in dem Sinn, daß dort die Verfassung im Ganzen, wie sie da ist, angenommen wird. Preußen! Unsre Väter vergossen ihr Blut für Deutschland auf den Schlachtfeldern. Henle gilt eS, die Frucht ihrer Siege zu ernten. Wie die Väter dem Banner ihres Königs folgten, folgen wir mit Gott dem Banner seines Sohnes! Es gilt eine neue Völkerschlacht, eine geistige, und wer ein echter Preuße ist, der wählt und stimmt dafür, daß die vom Könige vorgeschlagene Verfassung ohne Weiteres angenommen werbe. Es gilt eine reitende That Preußens für Deutschland: DaS ist die unbedingte An­nahme der Verfassung, welche unser König dem Reichstag in Erfurt darbietet.

Wien, 4. Jan. (O.-P.-A.-Z.) ES heißt, daß der Kaiser Ferdinand' und Kaiserin Maria Anna zum Besuch hierher kommen sollen. — Der Kardinal-Erzbischof von Salzburg,

Fürst"Schwarzenberg, erhält nun definitiv den erzbischöflichen Stuhl in Prag als Primas von Böhmen. — Der Pcsther Ma­gistrat hat auf den Antrag des Bürgermeisters Koller be­schlossen , den kaiserlichen Heerführern Haynau, Jellachlch und Fürsten Winvischgrätz, so wie dem russischen F.M. Paskiewiez, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Pesth anzubietcn. — Von dem im Somogyer Komitate aufgestellten Standgerichte sind 3 Straßenräuber zum Tode verurtheilt und in Nemes-Ded mit dem Strang hingerichtet worden.

Die Wiener Post vom 4. Jan. bringt wichtige Meldungen. Die Wiener Zeitung enthält das ministerielle Programm, nach welchem die Landesverfassungen den einzelnen Kronländern er­theilt werden sollen. In den Wahlbestimmungen ist der Grund­satz des dreigliederigen WahlkörperS beibehalten. Es hieß die Landtage der Kronländer sollen im Herbst zusammentreten, der Reichstag aber bis zum Frühjahr 1851 berufen werden. Doch was sind Voraussagen in dieser Zeit I Die Truppenmärsche nach Böhmen dauerten fort.

Frankreich.

Paris, den 4. Jan. (M. I.) Herr Mole hat in Bezug auf das Anerbieten, ins Ministerium zu treten, die Bedingung gestellt, zugleich die Präsidentschaft deS Ministeriums zu er, harten. Wie es scheint, will LouiS Napoleon auf diese An­forderung nicht eingehen, da er selbst den Vorsitz führt, und seit dem Rücktritt Odilon Barrot's keine Lust fühlt, sinen Ministerpräsidenten zu ernennen. Heute waren die Truppen den ganzen Tag in den Kasernen zurückgehalten.

Bei der Abstimmung über das Gesetz in Bezug auf die Elementarlehrer hat das Ministerium abermals eine Schlappe erlitten. Zwar wurde das Votum ungültig erklärt, allein nichts vestvweniger zeigt sich eine starke Sgaltung zwischen der Kammermehrheit und dem Kabinet.

Paris. Die jetzt lebenden Generalfeldmarschalle Frank­reichs sind: Soult, 1769 geb., ist 1804 zum Marschall ernannt; Gerard, 1773 geb. , Marschall 1830; Sebastian!, 1775 geb., Marschall 1840; Ralle, 1775 geb., Marschall 1847; Dode, 1776 geb., Marschall 1847; I. Bonaparte, 1784 geb., Mar­schall 1850.

Großbritannien.

London. Der United Service Gazette zufolge be­steht die in Irland stehende Streitmacht immer noch aus bei­nahe 25,000 Mann Linienlruppen, wozu 12,000 Konstabler zu Fuß und zu Pferd kommen und 21,800 enrollirte Pensionäre. DaS Land ist, bis auf den unbedeutenden Orangistenlärm, ruhig, aber man traut der Ruhe nicht. John O'Connells aufgewârmte Repealagitation wird kaum bemerkt. Die ganze Familie O'Connell befindet sich übrigens in sehr schlechten VermögenSumstänvcn.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

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Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden,