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Aus der Seegegend, 5. Jan. (S. M.) Die G e rüch te von einem Putschversuche aus der Schweiz und dem Elsaß ge­winnen nachgerade so vielen Boden bei uns, daß die Militär­kommandos der königl. preuß. Besatzungslruppen bereits ihre Instruktionen erhielten. Diesen zufolge fanden in aller Eile Truppenversendungen statt, und die Bürgermeister em­pfingen die Weisung, Wagen bereit zu halten, um nöthigenfalls und eiligst die Truppen nach den geeignet scheinenden Plätzen entschicken zu können. Ob hierbei nicht auch auf Württemberg Rücksicht genommen wird, mag vor der Hand dahin gestellt bleiben, aber die Thatsache ist richtig, daß die dortigen Zu­stände von eifrigen Augen beobachtet werden. — Das Beneh­men der preußischen Truppen ist wirklich ein musterhaftes zu nennen; namentlich ist es ihre stille Eingezogenheit, die für sie allgemein einnimmt.

Berlin, 5. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Die Krisis, die, allen gegentheiligen Versicherungen zum Trotz, dennoch obgewaltet hat, ist glücklich und vollständig gelöst. Das Ministerium Brandenburg-Manteuffel bleibt im Amt und wird seine bisher in Betreff Preußens und des deutschen Bundes­staats eingehaltene Politik im Einverständniß mit dem König entschieden weiter verfolgen.

Berlin, 4. Jan. (Köln. Ztg.) Es bleibt mir vor Post­schluß noch Zeit, Sie für heute gegen die Gerüchte, welche die Berliner Blätter füllen und Lenen das Schweigen der halb­offiziellen Organe einen seltsamen Kredit verleiht, zu warnen. Gestern theilte man uns mit, die Gerüchte seyen einer auslän­dischen häßlichen Quelle entsprungen. Wir sollten uns davor hüten. Von gestern bis heute aber kann sich unmöglich ein Ereigniß erfüllt haben, das Deutschland und Preußen mit Schimpf und Schande dem AuSlande gegenüber bedecken würde. Europa's Aufmerksamkeit ist gewaltig auf uns gelenkt worden. Das konstitutionelle Königthum kann nicht abdanken, und ein Ministerium der äußersten Rechten bleibt unmöglich.

Aus dem Guhrauer Kreise, 31. Dez. (Schl. Z.) Der hohe Wasserstand der Oder hat viele Ortschaften des Guhrauer Kreises schwer heimgesucht. Eine Eisversetzung un, terhalb Züchen machte die Fluthen immer höher und höher 'steigen, bis endlich das tobende Element unfern des mit Ge­treide vollauf gefüllten Magazins bei Züchen sich Bahn brach und den Damm zersprengte. Die Dörfer Züchen, Jrrsingen, Herrnlauersitz, Austen, Waldvorwerk, Kittlau, Klein-Osten, Klein-Lauersitz sind gänzlich, Lübchen und Corangelwitz theil­weise unter Wasser gesetzt und von Eisschollen umringt; fast kein Haus ist, daS nicht in seinem Erdgeschoß fußhoch mit Wasser angefüllt ist, die meisten sind bis an die Dächer unter Wasser gesetzt; ja viele sind zu zählen, von denen bloß die Schornsteine, als Zeugen furchtbaren Unglückes, hervorragten, Zeugen, deren von Tag zu Tag immer mehr ins Wassergrab hinein versinken. Durch die erstgenannten 4 Orte zieht, denn noch ist die Eisversetzung nicht gewichen, gegenwärtig der Oderstrom, auf dem dichte Eisschollen treiben und den auf die Dachböden geflüchteten Unglücklichen neues Bangen bereiten. Der Dammbruch geschah am 23. Dezember. Der eingetretene gelinde Kältegrad hat zwar die Flächen mit Eis überzogen; aber cs ist zu schwach, um zu tragen, und bildet, mit den Eisschollen der Overfluth in ein Ganzes verschmolzen, für die Kahnfahrt ein fast nicht zu überwindendes Hinderniß. Wie viel Menschenleben zu Grunde gegangen in der tobenden Fluch — ja vielleicht auch durch Frost und Hunger — läßt sich noch nicht ermessen; auch nicht die Noth, denn auch sie ist unermeßlich.

Schweiz.

Graubündte». Die Churer Zeitung veröffentlicht fol­gende, in der That heutzutage nicht mehr für möglich gehaltene Erscheinung deö Aberglaubens: Mit Bedauern vernehmen wir, daß in einer reformirten Gemeinde unsers Kantons, welche zu einer sonst aufgeklärten Landschaft gehört, jüngst noch HerenhokuSpokuS getrieben, nämlich ein Ziegenbock, dem eS aus ganz natürlichen Gründen im Gehirn nicht geheuer war, und der deßhalb zuweilen posstrlichc Sprünge machte, als ver­fielt verbrannt wurde. Man hat uns diese Sache mit dem Auftrage mikgetheilt, die Vorsteher der betreffenden Landschaft auf den geistig verwahrlosten Zustand der Gemeinde, in der das heutzutage Unerhörte vorkam, aufmerksam zu machen.

Frankreich.

Paris, 4. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Das Gerücht, der türkische Kaiser habe Hrn. v. Lamartine Ländereien in der Nähe von Smyrna geschenkt, bestätigt sich. DaS „Journal von Kon, stantinopel" vom 9. Dez. v. J. enthält darüber Folgendes: „Die ottomanische Regierung hat Hrn. v. Lamartine/der sich in dem ottomanischen Reiche niederzulassen wünscht, Ländereien zugestanden. Diese unentgeltlich bewilligten Grundstücke, von einem Flächenraum von mehr als 3500 Hektaren, liegen "ei­nige Stunden von Smyrna; sie sind mit allen erforderlichen Oekonomiegebäuden versehen und sehr ergiebig. Die Urkunde wurde am 3. Dez. von dem Großvezier einerseits, und dem Bevollmächtigten des Herrn v. Lamartine, dem ehemaligen Volksvertreter in der verfassunggebenden Versammlung, Hrn. Rolland, andererseits unterzeichnet."

Paris, 4. Jan. Der Ministerrath hielt heute unter LouiS Napoleons Vorsitz eine zweistündige Berathung im Elysee. Die „Estafette" will wissen, daß dem Ministerrâthe Mittheilung von wichtigen Nachrichten aus Deutschland (?) gemacht worden sey. — Die Ankunft Lamartine's und sein Erscheinen in der Versammlung werden für morgen angekündigt. — Der amt­liche „Moniteur" enthält jetzt das vom 1. Januar datirte Dekret, durch welches der kraft deS Gesetzes vom 14. Okt. 1848 in den Vollgenuß seiner Rechte als Franzose und als General wieder eingesetzte Divisions-General Jerome Bonaparte, unter Hinweisung aus seine militärischen Dienstleistungen von 1807 bis zur Schlacht von Waterloo, zum Marschall von Frankreich ernannt wird.

Ein Dekret L. Napoleou'S verfügt, daß die beständige Theater-Kommission eine berathende seyn und dem Minister über alle Gesetzgebungs- und Verwaltungsfragen ihr Gutachten abgeben soll, welche sich auf die Theater beziehen, und zwar insbesondere über die Errichtung dramatischer Jn- stitute und über die das Konservatorium der Musik und Dekla­mation betreffenden Bestimmungen. Die Zahl der Mitglieder dieser Kommission ist definitiv auf elf festgesetzt; keines dersel­ben darf direkt oder indirekt mit einem Theater in Verbin- dung stehen. Ein zweites Dekret ernennt die Mitglieder der Kommission. _____

Großbritannien.

London, 2. Jan. In Gegenwart der Königin, des Prinzen Albert und der ganzen königlichen Familie wurden gestern die gebräuchlichen Neujahrsgeschenke der Königin, be- stehend aus Fleisch, Brod, Steinkohlen, Kartoffeln, Bettdecken, und Kleidern unter den bejahrten und schwachen Armen der Stadt Windsor und ihrer Nachbarschaft vertheilt.

Auch Ledru Rollin ist bereits bei seinen Gesinnungsge­nossen in Mißkredit und in den Verdacht gerathen, ein Ge­mäßigter und sogar ein Aristokrat zu seyn. Der Klub fran­zösischer Sozialisten, welcher bisher in London unter Ledru Rollins und Louis Blancs Präsidentschaft bestand, hat M aufgelöst, nur um Ledru Rollin loS zu werde», und sich dann von neuem konstituirt. Aehnlich wie Ledru Rollin soll eS auch Hrn. Etienne Arago gehen.

Türkei.

Konstantinopel, (D. A. Z.) Ein merkwürdiger Con- flikt ist eben eingetreten, der von bedeutenden Folgen sein kann. Der österreichische Gesandtschaftsgeistliche, von dessen Toleranz ich schon früher bei Gelegenheit der Beerdigung ei­nes Protestanten gemeldet, hat eine HauStaufe beim österrei, chischen Gesandtschaflskanzler, welche der betreffende Pfarrgeist­liche verweigert hatte, in Gegenwart deS Grafen Stürmer und des Generalkonsuls, Hr. Michanowich, vollzogen, weil ein ärztliches Attest über die Kränklichkeit deS KindeS und die Nothwendigkeit der Haustaufe bei dem kalten regnerischen Wetter vorlag. Nun ist derselbe vom hiesigen katholischen Erzbischöfe zur persönlichen Abbitte oder 3u dreitägigem Haus­arrest und schriftlicher Abbitte verurtheilt worden, wo nicht, soll er mit dem Interdikte belegt werden. Natürlich wird die österreichische Gesandtschaft seinen Entschluß, sich Dem nicht zu unterziehen , Unterstufen und nötigenfalls auf eine unab­hängige Stellung ihres Gesandlschasrsgcistlichen hinarbeiten.

Verantwortlicher Redakteur; W. H» Riehl,