zur Abwehr gerüstet. Die Redaktion dieser Blätter wird hoffentlich für diese wichtige vaterländische Angelegenheit ihre Spalten unpartheiisch öffnen. T.
Zur Umwälzungslèteratur
Unter dieser Ueberschrift liest man in der „Karlsr. Ztg.": Als ein weiteres Beispiel, welche heillose Verwirrung die badische Revolution in manchen Köpfen und Herzen angerichtet hat, übergeben wir nachstehendes Schreiben eines badischen Kanoniers, daS uns zu diesem Zwecke mitgetheilt wird, der Oeffentlichkeit. Derselbe war im September v. I. von dem Depotskommandanten nach Gottesau einberufen worden, erschien aber nicht, sondern entwich ohne weiteren Anlaß über die Grenze, und schrieb von Havre aus (Postzeichen; 19. Dez.) den Brief, den wir buchstäblich, nur mit Weglassung zweier Namen, folgen lassen.
„Adresse: M. Monsieur (folgt der Name) Capitain de t Artillerie Brigade en Carlsruhe Grand duc de Bade Havre de Grace, 18. December 1849. Hochzuverehrender Herr Hauptmann. Hiermit erhalten Sie einige Zeilen von mir er- gebenst Unterzeichneten, welche Sie ebenfalls auch dem Hrn. Haupim. **, und den Offerieren der frühern 3. Batterie mit theilen mögen, — Zuvor muß ich meinen tiefgerührtesten Dank, für Ihre, vom 4. Septemb. an mich gesante Einladung in die frische Verbummungsanstalt in Gottesau ausprechen,. Es thut mir bis heute noch sehr leid, Ihrer dortmaligen Einladung nicht konte Genüge leisten mögen Sie mich deßhalb entschuldigen, und die Kugel die Sie für mich gerichtet hatten, ja doch lieber für Sie selber, und besonders dem Htp. ** ic. gebrauchen, Sollen Sie meiner Angabe nicht folgen, so mögen Sie warten, bis zur weitern zukünftigen Staatsumwalzung, dann werde ich selber so frei sein und mir die Mühe nicht sparen, Ihnen einen Besuch ohne weitere Einladung abzustatten Die Kugeln sind gegossen, die Läufe sind geschmiedet, die Stricke sind gezwirnt , die Beile sind geschliffen der Hauklotz ist gesetzt Die Guillotine ist angespannt, die Laternenpfosten, dienen als Galgen rc. u. s. w. ich hielte es übrigens für besser, wenn Sie ihrem kriechenden Athemzug durch eigene Materialien ein Ende machen, denn sie sind nach genauester Berechnung die Kosten, die Stricke flechten, nicht werth, allder (oder) man müßte sie von Stroh flechten, welches etwas billiger kommt wie Hanf,, Ich glaube daß Sie meinem schreiben völligen Glauben schenken werden, indem ich in oer Nacht vom 13. auf den 14. Mai bewiest daß ich ein Mann von Wort bin —. Somit Grüße ich alle in GotteSau kommandierenden Hunde aufs freundschaftlichste bis zu meiner Rückkehr aus Nodamerika» Anton Albrecht von Zähringen Amt Freiburg Kanonier der dritten Batterie spater frei Batterie Blind."
Zu weiterer Würdigung dieses Briefes ist noch beizufügen, daß der Schreiber desselben erst am 1. April v. I. als Rekrut zuging, und daß er, als noch nicht in den Batterieverband eingetreten, mit dem in seinem Schreiben erwähnten Hauptmann ** nur wenig, mit dem Depotskommandanten aber, an welchen das Schreiben gerichtet ist, gar nicht in Berührung kam. Er war der einzige Mann feiner Batterie, welcher am 14. Mai v. I. durch Worte eine meuterische Gesinnung an den Tag legte und deßhalb von dem betreffenden Batteriekommando im Laufe dieses Sommers dem Kriegsministerium in einer besondern Meldung als Meuterer bezeichnet wurde. Bis zu der Entweichung nach Frankreich scheint er sich unbehelligt in seiner Heimathsgemeinde aufgehalten zu haben.
D e u t s ck i a n D
Dem „Darmstädter Journal" wird aus Wiesbaden geschrieben: Daß doch die Menschen „Gottes Gnade" nicht mehr mögen! Sie werden sehen, wie weit sie damit kommen. Gewiß hätten sie besser gethan, solche nie wegzuwerfen. Als im Landeskalender von 1849 bei des Herzogs Namen noch das „von Gottes Gnaden" zu lesen war, erzürnten sich die Demokraten. Man entschuldigte es, daß der erste Bogen des Kalenders schon im Frühjahre 1848 gedruckt worden. Nun aber erblicken diese Leute zu ihrem Entsetzen in dem Landeskalender von 1850 wieder das „von Gottes Gnaden". Daö
ist zu arg! Schon wittert man eine würtenibergische Restauration. Wenn aber auch die Herrn Demokraten der „Gnade GotteS" entbehren können, so sollten sie doch bedenken, daß eö noch recht Viele gibt, welchen sie zu ihrem LebenSglücke unentbehrlich ist und die sie gerne in christlicher Demuth annehmen. Was von der Gnade GotteS kommt, kann nur gut seyn! Die Engländer, ein stolzes, mächtiges, freiheitsliebendes Volk, danken Gott, daß sie noch seine Gnade haben. Wo aber sind die Franzosen, die sie wegwarfen, hingekommen?
Frankfurt, 6. Jan. (O.-P.-A.-Z.) In die Abtheilungen der Bundeszentralkommission sind noch folgende preußische Beamte eingetreten: Obristlieutenant v. Wangenheim als Referent in die Marineabtheilung: Hauptmann Roulland, von dem JngenieurkorpS, als Hilfsreferent in die Abtheilung für bas Festungswesen; Major v. Twardowski, von der Avjutantur, in gleicher Eigenschaft bei der Abtheilung für die Bundeskontingente. Als Kanzleivorstand wirb ber preußische Kanzleiraih Gier ach aus Berlin fungiren; außerdem erwartet man noch einen preußischen Hilfsarbeiter in der Abtheilung für die Kassen- und Matrikularangelegenheiten.
Darmstadt, 5. Jan. (D. Z.) Die zweite Kammer ist um einen großen Mann ärmer. Herr Wilhelm Schultz hat heute von Zürich auS erklärt, daß er in der Absicht, sich einer ihm möglicher Weise drohenden Kriminaluntersuchung zu entziehen, sich von Darmstadt entfernt habe und in Zürich daS „Ende deS VolkSdetrugs" in Deutschland abwarten wolle.
Aus dem Ried (Worms gegenüber, auf der rechten Rheinseite), 3. Januar. Mit welchen Gefühlen und Glückwünschen gewisse Leute das neue Jahr beginnen, sollte während der Neujahrsnacht in dem stark demokratistrten Biblis auf eine schauderhafte Weise offenbar werden. Der als sogenannter Aristokrat bekannte Gemeindediener nâmlich wurde daselbst von einigen Burschen, und zwar wahrscheinlich nach erfolgter Verabredung vor das Ende des Orts in die Nähe deS Kirchhofs gelockt und hier durch einen Schuß jählings um das Leben gebracht. Die Ladung Schrot drang geradezu in daS Herz des Unglücklichen, und der arme Familienvater blieb todt auf der Stelle. Er hinterläßt eine trostlose Wittwe und drei unerzogene Kinder, denen das vierte bald folgen wird. Doch dieser Schandthat sollte noch eine zweite folgen; auch den würdigen katholischen Pfarrer Schero erwartete dasselbe Geschick und eine Kugel drang bald nach Mitternacht in sein Schlafgemach, ohne jedoch glücklicherweise ihn zu verletzen. Allein trotz dieser Bedrohung seines Lebens hielt derselbe mit großer Seelenruhe dem Ermordeten, dessen Begräbniß zum Lobe der Gemeinde von nahe und fern eifrig besucht war, in dec Kirche eine Rede, die, mit Unerschrockenheit und Wärme vorgetragen, auf die Herzen aller Anwesenden einen tiefen und wir hoffen auch bleibenden Eindruck machte. Während der Mörder des Gemeinde- dieners nebst einigen andern Burschen bereits gefänglich eingezogen, ist der Thäter des Attentats auf den Pfarrer bis zur Stunde noch unbekannt. Zugleich erwähne ich deS Gerüchts, das hier allgemein verbreitet ist, cs sey zu Schönberg bei Bensheim dasselbe Verbrechen an dem dortigen Polizeidiener verübt worden, und zwar abermals während der Neujahrs, nacht. Darüber jedoch fehlen mir noch authentische Berichte.
Gießen, 4. Januar. (O.-P.-A.-Z.) Endlich ist die Wahl zur ersten Kammer in Darmstadt im Wahlbezirk Gießen-Gladenbach entschieden. Der konstitutionelle Kandidat deS Gieße- ner vaterländischen Vereins, Hofgerichtsrath Kraft, hat gesiegt, und zwar mit absoluter Stimmenmehrheit.
Stuttgart, 3. Jan. Heute früh kam ein Bauersmann an die Gemächer Sr. Maj. des Königs und wollte mit Gewalt in dieselben cindringen, unter dem Dorgeben, daß er mit dem König sprechen müsse. Alle Zurückweisung nützte nichts, und man war endlich genöthigt, ihn durch zwei Gardisten abführen zu lassen, welche ihn auf die Schloßwache brachten. Geistesstörung geht aus dem ganzen Benehmen deS Mannes hervor, welcher bestimmt behauptet, es sei ihm in der verflossenen Nacht ein Geist erschienen, der ihm befohlen habe, sogleich zum König zu gehen und mit ihm zu sprechen, zu welchem Ende er heute früh 2 Uhr vom Bett aufgestanden se» und sich von Nürtingen auS, woher er zu seyn vorgibt, auf den Weg ge- , macht habe. (Ulm. K.)
