Augsburg, 1. Januar. (A. Z.) Wir sind ermächtigt, die Nachricht auS der Pfalz von der Begnadigung des Artillerie- Lieutenants Grafen Fugger als durchaus unwahr zu erklären.
Dresden, 28. Dez. Die „Deutsche Allg. Ztg.," deren aroßdeutsche Richtung bekannt ist, schreibt: Die Borlagen der StaatSreAerung in Betreff der deutschen Frage smd bis heute noch nicht erschienen, ja, noch nicht einmal zum Drucke befördert worden. Da sie aber den Zusicherungen des Staatsmini- sters v Beust zufolge schon vor Weihnachten den Kammern voraele'gt werden sollten, so ist anzunehmen, daß sich in Betreff dieser Angelegenheit neue Anstände erhoben haben. Die Bereinigung der Rechten und Linken in der Kammer ist, wie aus der Wahl des außerordentlichen Ausschusses zur Begutachtung der eventuellen Regierungs-Vorlagen, die deutsche Frage an- langend, erhellt, eine vollständige, und dürfte ganz gewiß so lange von Dauer seyn, als die Opposition gegen das jetzige Ministerium einen gemeinsamen Mittelpunkt der Bestrebungen abgeben wird. Diè Beschickung des erfurter Reichstages und die deutsche Reichsverfassung vom 28. Mai scheinen die Basis dieses Partei-Kompromisses abzugeben. Wie überhaupt bei der Bevölkerung, so hat auch in der Kammer rücksichtlich der deutschen Frage offenbar ein Umschlag der Meinungen zu Gunsten Preußens st a t t g e f u n d e n. Die Kammer-Majorität soll demnach allen Ernstes an die Möglichkeit eines Ministeriums Carlowitz glauben und in diesem Sinne zu operiren gesonnen seyn. So viel wir jedoch die Lage der Dinge zu überschauen vermögen, werden die Kammern nicht im Stande seyn, das gegenwärtige Ministerium zu stürzen. Dasselbe hat in dem Umstande, im Mai den Thron und die Verfassung gerettet zu haben, eine zu starke Schutzmauer, und ist nölhigcnfalls wohl auch geneigt, die Frage um seine Existenz noch andcröalSauf parlamentarische Weise zu beantworten.
Dresden. Selbst die berühmten Dresdener Stollen treiben jetzt Politik. Es ist eine uralte Sitte, daß die hiesige Bäckerinnung dem Könige und der Königin durch eine Deputation alljährlich am Weihnachtsfeste zwei Exemplare vieles berühmten Backwerkes, jedes von drei Ellen Länge, als Geschenk überreicht. Der König machte diesmal der Bäckerdeputation das Kompliment, daß ihre Stollen weit besser seyen als früher. Der Sprecher der Deputation meinte, man müsse doch mit der Zeit sortschreiten. „Aber gewiß nur im Guten," entgegnete der König.
Berlin, 28. Dezbr. (W.-Z.) Das preußische Ministerium beräth jetzt mit dem Könige in wiederholten Sitzungen die endgültige Gestalt der Verfassung. Der König ist entschieden gegen die Aufhebung der Fideikommisse, um sich die Möglichkeit, eine Pairie zu schaffen, nicht für immer abzuschneiden. In Bezug auf Steuerbewilligung will das Kabinet der Kammer jede Konzession machen und jeve Waffe gewähren, um ein unbeliebtes Ministerium zu stürzen, nur verlangt es, daß die Steuern unter allen Umständen gezahlt werden. Es gibt sogar zu, daß die gezahlten Steuern in den Provinzialkassen verbleiben und nicht in die Generalstaatskasse abgeführt werden sollen.
Mehrere preußische Oberpräsidenten, die sich außer Stande erklärt haben, die Wahlen bis zum 24. Januar hinlänglich vorbereiten zu können, sind vom Minister des Innern dahin beschieden worden, daß sie alle Kräfte anstrengen sollten, uiü den Wahltermin einzuhalten; im schlimmsten Falle könne er um einige Tage verschoben werden, müsse aber jedenfalls noch im Januar statthaben.
Berlin, 29. Dez. (A. Z.) Die englischen Kronrechtsgelehrten haben in der Sache der „Gefion" sich für Ausrechthaltung des Status quo ausgesprochen.
Berlin, 31. Dezbr. (O.-P.-A.-Z.) Seit einigen Tagen machen sich Stimmen dafür geltend, den Reichstag anstatt nach Erfurt, nach Berlin zu berufen. Auch Seitens der Kammermitglieder sind Aeußerungen dieser Art geschehen. Abgesehen von vielen innern Bedenken, die sich einer solchen Berufung des Reichstags nach Berlin entgegenstellen würden, sprechen auch äußere Gründe dagegen. Es darf erwartet wer
den , die Regierung, trotz der gewiß zu berücksichtigenden Wünsche eines Theils der Volksvertretung, eS bei Erfurt bewenden lassen wird, um so mehr, als Hr. v. Ravowitz bereits früher Zusicherungen gemacht hat, den Sitz der Reichsregierung nicht in die preußische Residenz zu verlegen. Auch bei den Verhandlungen zwischen Hrn. v. Radowitz und Hrn. v. d. Pfordten in Betreff des Beitritts Bayern zu dem Bundesstaate, bemerkt Hr. v. Radowitz in einem vertraulichen Schreiben an den damals in Berlin anwesenden bayerischen Minister (in Betreff des 8. 68 des Verfassungsentwurfs): „Hierbei würde Preußen sich verbindlich machen, daß der Sitz der Reichsregierung nicht eine der preußischen Residenzen seyn werde." Es würde nicht räthlich erscheinen, durch Zurücknahme dieser, wie ähnlicher bis jetzt offengehaltener Proposttionen, den dem Bündnisse vom 26. Mai noch nicht beigetretenen Staaten den Anschluß zu erschweren.
Königsberg, 28. Dezbr. Dr. Jacoby hat dem Wahl- kommissarius in Corsfeld auf seine Anzeige wegen der auf ihn dort gefallenen Wahl zur ersten Kammer geantwortet, daß er die Wahl ablehnen müsse, da er die in Berlin jetzt tagenden Kammern als gesetzlich berechtigt nicht anerkenne.
Frankreich.
Paris, 31. Dez. (O.-P.-A.-Z.) Die „Presse", welche am 31. Dezbr. 1848 63,000 Abonnenten zählte, hat am gleichen Tage 1849 deren nur noch 34,500, also einen Verlust von 28,500. Sie stimmt deßhalb ein Klaglied an.
Heute Morgen hat die Bürgcrwehr von Paris dem General Changarnier einen Ehrendegen überreicht.
Die Nationalversammlung hat heute die Verhandlungen wegen des Vertrags mit La Plata fortgesetzt. Diese Angelegenheit beunruhigt das Ministerium und beschäftigt sehr die öffentliche Meinung; man hofft, eS werde gelingen, die Sache friedlich zu lösen.
Ungarn.
Pesth, 25. Dez. (A. Z.) Unsere Weihnachten brachten sehr kaltes Wetter, was uns nach den Bauernregeln Hoffnung auf ein zeitiges Frühjahr gibt. Gestern sind wieder mehrere politische Verhaftete aus dem Neugebäude entlassen worden, auch ist man allgemein der Meinung, daß diese große Josephskaserne bald gänzlich ihrer Bestimmung als Pesther Bastille enthoben werden dürfte.
Durch einen dieser Freigelassenen erfuhr ich Nachstehendes über den schändlichen Siebenbürger Walachen Kolossy, der bekanntlich am 28. Septbr. 1848 dem unglücklichen kaiserlichen Kommissär Grafen Lamberg den ersten Streich auf der Pesth, Ofener Schiffsbrücke versetzte. Kolossy steht in den zwanziger Jahren. Sein Vater lebt als Schullehrer in Szeliste, einem etwa drei Stunden von Hermannstadt gelegenen Dorfe, das die Niederlassung der sogenannten Käsewalachen ist. Die Ein« wohner ernähren sich nämlich durchgängig, wie es auch in den einzelnen Ortschaften Italiens, Hollands und der Schweiz der Fall ist, von der Bereitung und dem Verkauf von Käse. Im Verhöre Koloffy's hat sich durch übereinstimmende Aussage vieler Augenzeugen, wie durch sein eigenes Geständniß hcrauS- gestellt, daß der Reichstag in seinem Beschlusse vom 29. Sept, den Pesther Magistrat zwar zum Einschreiten der Justiz beorderte, Kolossy aber in Pesth verblieb, in die Honved trat und von Kossuth augenblicklich zum Lieutenant befördert wurde I — Wie nennen Sie bei Ihnen in Deutschland draußen das Avan- cement eines Mörders?
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an I jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegeben oder ikann im Expeditionslokale abgeholt werden.
Die Expedition der Nasi. Allg. Zeitung.
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