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Schwurgerichte um allen Kredit — Summa sie geben dem Ab­solutismus gewonnenes Spiel. Je nichtiger und illusorischer die Wirksamkeit der deutschen Kammern wird, je mehr sich ganze Schaaren von Staatsbürgern an der Betheiligung von allen Wahlen zurückziehen, um so mehr müssen wir darauf be­dacht seyn, die Wahlgesetze zu reformiren.

Mag dann auch die Demokratie eine Weile schmollen und brummen, sie wird schon durch Schaden klug werden, und zu der Einsicht kommen, daß ein Spatz in der Hand besser ist, als eine Taube auf dem Dache, daß Wählen unter allen Um­ständen besser ist, als nicht Wählen, und daß derjenige, wel­cher durch den eigenen Unverstand und durch die Macht'der Ereignisse das Heft sich hat aus der Hand winden lassen, immer gescheidter handelt, wenn er den kleinen Rest des ihm Verbliebenen Einflusses geltend zu machen sucht, und sich in seinen hochfliegenden Planen bescheidet, als wenn er sich schmol­lend in den Winkel setzt und dadurch zuletzt dem allgemeinen Spotte verfällt.

Stuttgart, 31. Dez. Es ist der Befehl ergangen, daß vom neuen Jahr an der Eingang aller königlichen Erlasse aber­mals die Formel enthält: Wilhelm, von Gottes Gnaden, König von Würtemberg.

Hamburg, 28. Dez. Die K affe epr eise sind hier un­gemein hoch gestiegen. Heute sollen sie bereits mit 6 Schill. daS Pfund notirt worden seyn.' An der Börse wollte man wissen, für nordamerikanische Rechnung seyen 4000 Säcke hier aufgekauft, was freilich etwas unglaublich klingt.

Flensburg, 26. Dez. Die Nordd. fr. Presse erzählt den nachfolgenden politischen Weihnachtsspaß. Unter andern Ge­schenken erhielt heute der Graf Eulenburg von einem Vereine von Damen ein zierliches Kästchen geschickt, worin sich eine weiße Nachtmütze mit roth-weißer Klunker und der roth-ge­stickten Inschrift: Greve til Eulenborg, befand. Dabei lag eine Zuschrift, welche folgendermaßen lautete: „Genehmigen Sie, Herr Graf beifolgendes Zeichen einer aufrichtigen Anerkennung Ihrer Verdienste um unser theures Vaterland! Die deulschgc- sinnten Einwohnerinnen des Herzogthums Schleswig."

Breslau, 29. Dez. Der Kongreß der Konstitutionellen, der gestern und heute hier stattgefunden, war verhältnismäßig nur schwach besucht; die Zahl der Anwesenden belief sich noch nicht auf 100, Auswärtige gegen 10—15. Es hat sich ein Wahlkomite zur Leitung der Wahlen für das Erfurter Parla­ment im konstitutionellen Sinne gebildet, dessen Thätigkeit sich auf die ganze Provinz ausdehnen soll.

Eine betrübende Erscheinung bietet die Ueberfüllung der Gefängnisse in der ganzen Provinz. Sie ist so groß, daß nicht nur die Strafanstalten weit über das räumliche Verhält­niß mit Gefangenen versorgt sind, sondern daß auch schwere Kriminalvcrbrecher in den Kreisgefängnisscn sitzen und die leich­teren Vergehen, namentlich Polizeivergehen und die Holzdieb­stähle, vorläufig gar nicht abgebüßt werden können.

Brünn , 28 Dezbr. Die „Presse" ist trotz alledem hier wieder erschienen, und zwar trägt sie an ihrer Spitze ein Wort Talleyrand's : Gest pire qu'un crime, c’est une faute. Der Redakteur, Hr. Zang, bemerkt in dem einleitenden Artikel: „DaS freie Wort ist zwar für diesen Augenblick aus den Mauern Wiens verbannt. An eine unparteiische, wenn gleich noch so gemäßigte, Besprechung unserer Zustände ist, nach den jüngsten Vorfällen, nicht mehr zu denken, und wer von dem Blitze, der des Nachbars Haus getroffen, nicht auch daS eigene verzehrt sehen will , muß auf den letzten Schatten von Selb- . stândigkeit Verzicht leisten. Aber es bleiben doch immer, wenn auch nur wenige, Plätze in der Monarchie, wo die freie Presse , auf dem festen Boden des Gesetzes fußen kann, und die Sym- i pathieen, die ihr dorthin folgen, werden nicht geringer seyn, , als die Verfolgungen, die sie zu erdulden hat."

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- Wien, 28. Dez. (O.-P.-A.-Z.) Der rühmlichst bekannte Professor Robert Mohl, ehemaliger deutscher Reichsminister, e ist an die hiesige Hochschule berufen, auch wird im Frühjahr - der Ministerialsekretär der „Austria," Dr Gustav Höfken, einst e Dozent in Heidelberg und Abgeordneter zur Frankfurter

Nationalversammlung, Vorlesungen über Nationalökonomie halten. —

Gestern fand die festliche Vertheilung der Weihnachtsge­schenke an die im Transportsammelhause befindlichen 400 Sol, baten in Gegenwart des Kaisers statt. Das Schönste dabei ist, baß der größte Theil der Betheiligten aus affentirten Hon- veds bestand, an welche die Vertheilung jener Geschenke beS. Komites des Vereins für rekonvaleszente Krieger der öfler, reichischcn und russischen Armee — ganz gleichmäßig vorge­nommen wurde.

Frankreich.

Paris, 29. Dez. (O.-P.-A.-Z.) Die Spannung zwischen den beiden höchsten Staatsgewalten zeigt sich bei Anlaß der Neujahrsbeglückwünschung in einem ziemlich hellen Lichte. Der Minister Rouher ersuchte den Präsidenten der gesetzgebenden Versammlung, bei derselben anzufragen, zu welcher Stunde sw dem Präsidenten der Republik vorgestellt zu werden wünsche. Herr Dupin erwiderte: „Fragen Sie die Versammlung, wenn Sie wollen; sie wird Ihnen nicht durch ein Votum, sondern- Ge.lächter antworten. J

Paris. Das Geschwornen ge richt der S ein e hat durch Freisprechung des Verfassers einer royalistischen BroschüreD "Demokratische Republik oder repräsentative Monarchie?" die. Frage: „Ist es erlaubt, vom allgemeinen Stimmrechte zu for­dern, daß es sich über die beste Form der Regierung ausspreche, d. h. zwischen der Monarchie und der Republik zu entscheiden?" bejaht. Der Berg hat bisher den Grundsatz vertheidigt, daß das allgemeine Stimmrecht sich nur innerhalb des Kreises der Republik äußern dürfe und von dieser als einer unwandelbaren' Idee ausgehen müsse. Auch die Regierung hatte bisher Peti­tionen gegen die Republik als unkonstitutionell nicht gestattet." Durch dieses Verdikt der Jury ist der Presse so wie dem Pe- tilionsrecht eine große Erweiterung für ihre Bewegung gegeben.

— Demnächst wird ein Werk des Erkönigs Ludwig- Philipp, „Achtzehn Regierungsjahre", in vier Bänden, er­wartet.

Großbritannien.

London, 27. Dez. Der elektrischeTelegraph, wel­cher unter dem Meere geführt werden und Frankreich mit England verbinden soll, wurde anfangs als etwas unmög­liches belächelt. Jetzt ist diese Idee sehr nahe. Eine englisch, französische Kompagnie organisirt sich in diesem Augenblick in London, um binnen kurzer Zeit daS Projekt des Herrn Jakob Bret zwischen Dover und Boulogne in Ausführung zu brin­gen. Die beiden Ausgänge der untermarinen Linie sollen bis Paris und London gehen, so daß die Mittheilung einer De, pesche zwischen beiden Städten in einer Minute wird bewerk, stelligt werden können. Dieses Resultat hat etwas Wunder­bares an sich, die Fonds, welche für diese Unternehmung be­gehrt werden, sind sehr beträchtlich. Die Arbeiten werden übrigens nicht mehr als vier oder fünf Monate dauern, und man hofft, daß der Telegraph nächsten Mai oder Juni schon wird funktioniren können.

Italien.

Rom, 18. Dez. (D.-A.-Z.) Seit der Wiederherstellung der Priesterhcrrschaft sind so massenhafte Verhaftungen wie in den letzten zwei Tagen nicht vorgekommen. Zu allen Zeiten des TageS begegnet man langen Reihen zusammengebundener', oft wohlgekleideter Männer, welche Karabinieri zum gericht­lichen Verhöre führen. In der Nacht vom 15. zum 16. Dez, ist nämlich in der senatorischen Kirche des Kapitols Santa, Maria in Aracoeli daS ganze silberne Altargerâthe, darunter viele Votive, eine Monstranz, Lampen und der Kelch mit ben cingefegneten Hostien gestohlen, ohne daß man biè diesen Au­genblick den Thätern auf diè Spur gekommen. Die kanon^ schen Gesetze verhängen in solchen Fällen unwiderruflich Todesstrafe. __—___

Verantwortlicher Redakteur r W. H. Riehl.