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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^N 1. Dienstag -en L Januar 1850*

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Dertheidigungsmanifest der deutschen Lehrer an das deutsche Volk.

Deutschland. W iesb aden (Die Geschwornen für das erste Quartal des

Jahres 1850). — Berlin (Papiergeld. Agitation für den engeren Bundes­staat). — Posen (Râthselhafte Vorsichtsmaßregeln).

Schweiz. G en f (Unglücksfall).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Großbritannien. London (Der Prinz von Wales).

An die Redaktion der „Nass. Allg. Zeitung."

Wir entledigen unS eines Auftrages, wenn wir Sie bitten, in Ihr geehrtes Blatt beiliegendes „Vertheidigungsmanifest deutscher Lehrer an daS deutsche Volk" aufzunehmen. ES liegt auch im Interesse unseres nassauischen LehrerstandeS, daß die kräftigen Worte der Abwehr gegen Verlâumdung und Miß, trauen verbreitet werden und Eingang finden.

Wiesbaden den 30. Dez. 1849.

Der derzeitige Vorstand des Wiesbadener Lehrervereins.

Vertheidignngsmaniseft der deutschen Lehrer an das deutsche Volk.

Der deutsche Lehrerstand ist in seinem theuersten Gute: dem Vertrauen deS Volkes, bedroht und seine Ehre ge, fährdet. Seine Gesinnung, seine Treue, seine Liebe zum Volke wird beargwöhnt und verdächtigt. Verdeckt und offen beschuldigt man ihn, daß durch ihn hauptsächlich das Volk irre geleitet werde; daß er vornehmlich das Herz der Menge den Regierungen abgewendet, daS gewaltige Ringen nach Freiheit und Einheit in falsche Bahnen gelenkt und den Wi­derstand gegen den alten Druck und die alte Noth überstürzt habe; daß er somit einen großen Theil der Schuld an der kläglichen Gegenwart deS hoffnungsreichen Anfangs deutscher Freiheit und Ehre trage.

Auch die Versammlung der deutschen Lehrer zu Nürnberg im September d. I. hat die Wucht solcher offiziellen und nicht offiziellen Verdächtigungen zu empfinden gehabt. Sie hat durch ihre Haltung und durch den Inhalt ihrer Verhandlungen das Mißtrauen, das ihr hindernd von vielen Seiten her entgegen arbeitete, am besten zu widerlegen gemeint. Aber es kann ihr im Namen des heiligen Berufes der gesummten Lehrerschaft der entehrende Verdacht nicht gleichgültig seyn, mit dem man einem Stande zu nahe tritt, dessen Wirksamkeit vorzugsweise mit in der ungetrübten Reinheit der Achtung vor seiner Sitt­lichkeit wurzelt. Daher dies Nothwort der Abwehr an daS gesammte deutsche Volk.

Es ist wahr, eS ist schmerzlich wahr, daß sich in einzelnen deutschen Ländern eine Anzahl von Lehrern in widergesetzlicher Weise an den politischen Bewegungen der lctztvergangencn Zeit beteiligt hat. Die allgemeine gewaltige Erregung, die so Viele — wahrlich nicht immer die Schlechtesten — mit sich fortriß; die gedrückte äußere Lage, mehr noch

die halbe Bildung vieler Lehrer, bei der man sich hüten mag, die Lehrer selber am meisten verantwortlich machen zu wollen — dieses Alles vereint, hat jene traurige, nimmer völlig entschuldbare Thatsache unableugbar gemacht. Aber die allgemeine deutsche Lehrerschaft muß feierlich die Verantwortung für diese Ueberschreitung en Einzelner von sich ablehnen. Sie muß sich im Namen der Gerechtigkeit dagegen verwahren, die im Verhältniß verschwindend kleine Anzahl, welche jene Rüge trifft, zum Bilde der unendlich überwiegenden Mehrzahl der Lehrer zu machen.

Wohl hätten Viele gewünscht und wünschen eS noch, daß die Lehrer von dem mächtigen Aufleben deutsch-nationalen Geistes gar nicht sich hätten berühren lassen. Sie erröthen nicht, laut oder verhohlen zu wünschen, daß der Lehrer kalt, theilnahm- und thallos, wie sie selber meist, den GeburtS- wehen seines theuren Vaterlandes zugesehen hätte und zusehe. Aber mögen sie daS, waS sonnenklar ist, wegzuleugnen su­chen: — der Lehrer, auf dessen grundlegendem Bau die Zu­kunft deutscher Nation gegründet werden soll: er muß ein lebendiger, ein daS Leben erfassender, wie Leben spen- dender, er muß ein „deutscher Mann" seyn. Nur das Le, bendige zeugt das Lebendige. Nur wer das tief innerlichste Wesen seiner Nation im eigenen Busen empfunden hat und lebensfrisch bewahrt, vermag mit nachhaltiger Begeisterung die zarten Lebenskeime zu wecken und zu pflegen, in denen daS Auferblühen der Zukunft des deutschen Volkes verborgen liegt. Wie jeder deutsche Mann — und mit in den vordersten Reihen derselben — hat der Lehrer daS heilige Anrecht und die heilige Pflicht, innerhalb der Schranken des Gesetzes, mit dem Leben seiner Nation in inniger thatbezeugter Wechselwir­kung zu bleiben. Traurig, daß so Viele aus dem deutschen Volke, so Viele auch der Lehrer, hinter dieser heiligen Pflicht zurückgeblieben sind! Aber daS gesammte deutsche Volk muß im Namen des Lehrerbcrufes und seiner eigenen Zukunft, alle Lehrer dafür verantwortlich machen, daß sie so denken und so handeln. Achtung gebietend und Herzensfreude muß es ihm sein, daß ein allgemeiner Zug warm empfundener Sehnsucht nach einer wahren, freien, kräftigen, ächtnatio­nalen Volksbildung durch die deutschen Lehrerherzen hin­durchgeht und die Geringfühgigkeit der dazu gebotenen Mittel sie mit einem tiefen Wehe erfüllt. Wer hat den Muth, zu seiner eigenen Schande auf diese Sehnsucht, auf dieses Wehe den Stein zu werfen? (Schluß folgt.)

Der allgemeine deutsche Kehrerverein auf seiner Versammlung zu Nürnberg.

In deren Auftrage der Vorort.

Deutschland.

* Wiesbaden, 31. Dez. Verzeichniß der Geschwornen für die Assisen deS I. Quartals deS JahreS 1850.

Hauptgeschworne: Bernhard Meckel von Camberg; Wilhelm Bermbach von Oberlauken; Franz TraverS von Lorch; Joh. Mich. Wintermayer I. von Dotzheim; Lud-