Das Krebsbüchlein für 1848.
Berlin, 25. Dez. (K. Z.) Die Kammer-Ferien geben Muße zu mancherlei Rückblicken. Herr Harkort stellte kürzlich lehrreiche Betrachtungen an über den RechenschaflS« Bericht für 1848 oder, wie er sagt, über „daS Krebsbüch, lein pro 1848, welches der Finanz-Minister den Kammern übergeben hat, und dessen lehrreicher Inhalt ein Defizit von 26% Million Thaler ist". ES sollen, wie er meint, namentlich die untern Klassen sich merken, wie theuer ihnen die maßlosen Wühlereien zu stehen kommen. Die einzelnen Positionen weisen handgreiflich darauf hin. Im Jahre 1848 wurden weniger eingenommen: 224,000 Thlr. Chauffeegelder; wer trug den Hauptschavcn? Antwort: Fuhrleute und Wirthe. 700,000 Thlr. an Schlacht- und Mahlsteuer; wer darbte in den gro, ßen Städten? die Handwerker und Arbeiter. 600,000 Thlr. an Stempelsteuer: Kauf und Verkauf ruhten also in unerhörtem Maße. 1,700,000 Thlr. an Ein- und Durchgangs-Abgaben; dieser Verlust trifft alle die beim Handel interessirlen Personen. 222,000 Thlr. an Braumalzstèuer ; weisen ebenfalls auf die Entbehrungen der arbeitenden Klassen hin. 134,000 Thlr. an Strom- und Kanalgefällen; deuten auf den Verfall der inneren Schifffahrt und NahrungSlosigkeit der Kahnführef. 3,000,000 Thlr. Ersparungen an StaatSbauten sind noihgevrungen den Bau-Handwerkern entzogen worden.
„Daran" — heißt eS weiter — „dachten die berliner Frei« heiiShcleen nicht, daß, wenn sie einem Minister die Fenster einschlugèn, die Führleute auf der Straße und die Spreekâhne still liegen würden. Und wenn die Breslauer rothe Farben trugen, fiel ihnen im Traum nicht ein, daß die Ovcr-Fluß- bäuten nicht zur Ausführung kämen. Und das Stück hat noch nicht auSgespielt; pro 1849 und 1850 sind ebenfalls 20 Millionen mehr aufzubrigen als gewöhnlich. Jede Thorheit trägt die Arznei in sich selbst; allein so ein Revolutiönchen bleibt doch immer eine Pferdekur, in der Mancher stecken bleibt; wir würden also den Weg friedlicher Reform als den billigsten empfehlen! Am Tage hübsch fleißig seyn und am Abende vernünftigen Rath pflegen, führt weiter als Kauo- nenschläge und Hahnenfedern."
Deutschland.
Mainz, 27. Dez. (D. Z.) Die RathSkammer hat entschieden , daß zu einer gerichtlichen Anklage gegen den Abgeordneten Mohr genügende Gründe nicht vorliegen und derselbe seiner Hast zu entlassen ist. Die Staatsbehörde hat indeß gegen diese Enticheivung Appellation eingelegt.
Frankfurt» 28. Dez. Heute Mittag ward die Abschieds- Adresse hieilger Einwohner Sr. kaiserl. Hoheit dem Herrn Erzherzog Johann durch eine aus allen Ständen zusammengesetzte Abgeordnetenschail überreicht. Herr Rath Schlosser leitete die Verlesung der Adresse mit wenigen Worten ein.
Die Verlesung der Adresse geschah darnach durch Herrn Dr. Jucho, worauf der Erzherzog sichtlich bewegt sich äußerte:
Meine Herren! Vor Allem meinen herzlichen Dank für Ihre freundlichen Gesinnungen und für das Andenken, welches mich sehr erfreut. Als ich durch Wahl der Nationalversammlung, unter gleichzeitiger Zustimmung sämmtlicher deutschen Regierungen, zur Würde eines Reichsverwesers berufen, Frankfurt betrat, war in mir der Vorsatz lebendig, für deS gemeinsamen Vaterlandes Wohl meine Kräfte zu widmen. Die Ergebnisse von dem anderthalbjährigen Aufenthalte sind Jedermann bekannt. Redlich war mein Wille. Mit dem aufrichtigen Wunsche für Deutschlands Eintracht, Friede und Ordnung, für Frankfurts, der alten Kaiserstadt, Wohl scheide ich, zurückkehrenv dahin, von wo ich gekommen. Wenn auch entfernt, wird meine Theilnahme nicht erkalten und Nichts mir fremd bleiben, waâ Deutschlands Geschicke, — waS Frankfurt insbesondere betrifft.
Bei dieser Gelegenheit ward Sr. kaiserl. Hoheit überdies ein Gemälde von Funck, die Ansicht der Stadt Frankfurt vom Hainer Wege aus ausgenommen, überreicht. Die Oberpost- amlSzeitung schließt ihren Bericht also: Bevor die Deputation sich entfernte, sprach noch Se. kaiserl. Hoheit im Tone
der innigsten Rührung, welche sich allen Anwesenden mittheilte, s nachstehende Worte: „Die Herren sind mir fast alle bekannt; wer aber von Ihnen da eintrifft, wo meine Heimath ist: er lasse nur sagen: ein Frankfurter ist da — und mein HauS soll I ihm immer offen stehen".
Kassel, 25. Dezbr. Gegen den Unfug der demokratischen Presse, der sich bereits bis zur bedenklichsten Verbreitung und Rührigkeit gesteigert hat, ist endlich — endlich ein Verein zu- sammengctrelen, um die einzige erfolgreiche Waffe, die Presse selbst, nachdrücklicher und allgemeiner, als eS bisher geschehen ist und von Einzelnen geschehen konnte, zu handhaben. Der „Preßverein für Kurheffen" — so heißt er — bezweckt „die Förderung und Unterstützung der Presse im Sinne der konstitutionellen Partei, und die Bekämpfung entgegenstehender Teu, denzen im Wege der Presse." Er will sich über daS ganze Land verbreiten, und durch Flugblätter, Broschüren, sowie durch ein VereinSorgan, zu welchem die von dem talentvollen Dr. Pfaff redigirte „Neue Hessische Zeitung" bestimmt ist, wirken. Hauptsächlich ist eS dabei auf Berichtigung und Widerlegung der von der „Hornisse" und andern Schandblättern in schamlosester Weise verbreitetem Unwahrheiten und Verdrehungen abgesehen. Zum Vorstande deS hiesigen Zentral-AusschusseS ist der ausgezeichnete', kürzlich auS dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten auSgeschiedene Frhr. Wilhelm Schenck zu Schweinsberg erwählt worden. Die ganze Rechte unserer Ständeversammlung hat sich bei dem Vereine beiheiligt. Unter den Ausschußmitgliedern befinden sich auch Henkel und Pfeiffer, sowie das thätigste und intelligenteste Mitglied unseres Landtages, Oberpostmeistcr Rebelthau.
Aus der Pfalz, 23. Dez. Der Artillerie-Lieutenant Graf v. Fugger, der bekanntlich im Mai zu dem pfälzischen VolkS- Heer übergegangen und seither in Landau gefangen gehalten wurde, ist vom Könige auf seine Veruriheilung hin begnadigt und dem Regiment wieder zugetheilt worden, ein Akt, der natürlich verschieden gedeutet wird.
Erfurt, 22. Dez. Sylvester Jordan und Eigenbrodt sind hier angekommen, werden für jetzt aber nur wenige Tage hier verweilen. Möchten doch Gäste von solcher Farbe einen gâns stigen Einfluß auf dH politische Stimmung unserer Stadt aus- üben. Bis jetzt ist von deutscher Gesinnung sehr wenig zu merken. Für die Wahl zum Parlamente ist hier auch wenig zu hoffen.
Hamburg, 24. Dez. DaS Aktienspiel hat den Ruin ei. neS sonst auf hiesigem Platze sehr geachteten und gut stehenden HauseS, Meinhold und Comp., herbeigeführt. Dieses HauS hat heute feine Zahlungen eingestellt, was an unserer Börse große Sensation erregte, da man mit Recht befürchtet, daß dieser Fall nicht vereinzelt bleiben könnte. Wie bedeutend die Geschäfte sein müssen, welche dieseâ, HauS in Fonos gemacht , erhellt daraus, daß die Differenzen für den Monat Dez. allein 200,000 M.-B. betragen. (D. Ref.)
Frankreich.
Paris, 23. Dez. Seit der Wahl Ludwig BonoparteS zum Präsidenten, sind in Frankreich 104 Preßprozesse eingeleitet worden.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Aiehl
F r u ch t p r e i s e.
Namen der Städte.
Datum der Pr eise.
Walzen
W. Malter
Korn vr. Malter
Pfd st. kr.
Gerste vr. Malter Pfdi fl. lkr.
Hafer
vr. Malter
Pfd
st.
kr.
Pfd
st.
kr.
Bingen . . . .
19. Dez.
260
6
42
266
4
45
147
3'40
129
2
30
Diez.....
21. Dez.
310
10
17
290
7
7
260
5
22
-—
3
45
Dillenburg . . .
22. Dez,
300
11
30
300
9
—
260
7
—
190
5
—•
Friedberg . . .
28. Dez.
215
6
16
196
4
40
75
3
26
136
2
80
Hadamar. . , .
Herborn ....
21. Jul.
15. Dez.
320
14
11
30
20
360
8
9
50
15
260
7
8
20
200
4
4
1.0
20
Mainz. . . . ;
Wiesbaden . . .
28. Dèz.
200
7
19
200
4
55 200
4
26
200
5
40
27. Dez.
170
6
—
160
4
144
3
30
96
2
15
Druck und Verlag der £ ScheÜeuberg'fchen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden,
