t bezeichnend, daß, wie erzählt wird, die ersteren sich meist >t großer Fassung in ihr Schicksal ergaben, während die Jr- incer laute Jammertöne ausstießen und die auf dem Schiffe ad in den Rettungsbooten herrschende Verwirrung in einer Seife vermehrten, welche zu dem iraurigcn Ausgange viel ^getragen zu haben scheint. In dieser ganz entgegengesetz- n Gemüthsart beider Völker spiegelt sich auch il)r politisches -chicksal.,. :
Das „Jewish Chronicle" enthält folgende Mittheilung : Wir haben in Erfahrung gebracht, daß Heinrich Heine, der whlbekannte Israelit, welcher wegen seines Witzes und seines Unglaubens so berühmt war, wiederum, während er durch rankheit ans Bett gefesselt war, Jude geworden ist, und daß 'Rur noch seine vollkommene Wiedergenesung abwartet, um ffentliches Zeugniß von seiner Rückkehr zur Synagoge ab# liegen."
London, 21. Dezbr. Die „Enterprize" und der „Znvesti- ator", welche vor Kurzem unter dem Kommando deS Kapitän loß aus dem Polarmeere zurückgekehrt sind, werden in Woolrich zu einer neuen Expedition ausgerüstet und am 28. d. so reit fertig seyn, daß sie sehr bald ihre Reise zur Aufsuchung es Sir I. Franklin antreten können. Sie begeben sich zunächst ach den Sandwich-Inseln und von dort nach der Behring- waße, um die Durchforschung des PolarmeereS von Westen »ach Osten in der Richtung der dort vorherrschenden Strömung wrzunehmen, während bisher fast alle Reisen unzweckmäßiger Seife in der entgegengesetzten Richtung unternommen wurden, sndeß werden sich auch zwei ausgezeichnete See-Offiziere auf wei nach der Davisstraße bestimmten Wallsischfängcrn ein- chiffen, um die Nachforschungen in den östlichen Gegenden deS bolarmeeres fortzusetzen.
London, 25. Dez. Wir haben Nachrichten aus der Kap- tabt bis zum 3. November. Die Stimmung der Kolonisten n Bezug auf die Aüfnahme von Sträflingen hatte, wo mög« ich, noch einen entschiedeneren Charakter des Widerstandes angenommen. Die Zeitungen waren voll von den heftigsten Ingriffen gegen den Gouverneur Sir H. Smith, und diesem alte Aerger und Aufregung eine ernsthafte Erkrankung zuge- ogen. .Die „Anti-Konrirl-.Affozi^ agitirten mit großem xtfö'lge und verbreiteten unter dem Landvolke fulminante" ldreffen, in welchen die britische Regierung geschmäht wurde, lin Abende des 1. Nov. waren in der Kapstadt alle männ- ichen Einwohner von einem gewissen Alter aufgefordert wor- en, sich im Stadlhause einzufinden, um sich als Konstabler inschreiben zu lassen.
Italien.
Venedig, 18. Dezbr. (Lloyd.) Der Mord des Marine- )ffi;iers Griesner hat allenthalben einen gewaltigen Eindruck emacht. Der Mörder ging, wie es sich jetzt erweist , schon ;it mehreren Tagen mit diesem Vorsätze um. In einer Zranntweinbuve, wo er sich kurz vor der That die nöthige Segeifterung zu verschaffen suchte, sagte er unverholen, daß er epte in V'as Arsenal gehe, um dort angestellt zu werden, oder stbst etwas anzustellen (o saro puntato, o puntarè) ; daß der Hord einem anderen Individuum gelten sollte, ist nur Ver« iiithung; sein Ausruf, als er mit geschwungenem Messer auS er Reihe der übrigen Arbeiter sprang, war: ich will euch Alle mbringen. Noch konnte man nicht viel Näheres über die Imstande und weiteren Beweggründe der That erörtern.
Ungarn.
Pesth, 18. Dezbr. Ueber die ungarische Krone läßt ch eine ministerielle Zeitung folgendermaßen vernehmen: ,,Die lufklärungen, welche ein Sekretär Kossuth's über das Schicksal er Krone' des heiligen Stephan jüngst durch die Presse er« feilte, sind nicht geeignet, die Kenntniß deS Publikums über lesen Gegenstand zu vermehren. Nach wie vor besteht die iermuthüng, daß sie auf den Beuteantheil Kossuth's fiel, der e, da sie seinem Haupte entging, gelegentlich seinem Beutel »verleiben wird. Sollte er sie aber, wie einige magyarische Schwärmer behaupten, für künftige, ihm günstigere Zeiten ir
gendwo in Ungarn verborgen haben, so dürfte ihr das Schick« sal der Schätze Alarich's bcvorstehen, über die noch heute, nach fast anderthalb Jahrtausend, der Butento seine Wellen rollt. Das Verschwinden dieser Krone erscheint als ein Wahrzeichen,' wie solche manchmal bei großen Ereignissen in der Weltgeschichte Vorkommen, und dürfte bedeuten, daß Ungarn von nun an ein wahrer, bleibender Bestandtheil des schönen österreichi«. schen KaiserthumS seyn und seiner eigenen Krone nicht mehr benötigen wird."
Rußland.
In Riga und Dorpat sind auf allerhöchsten Befehl am 27. Aug. die sämmtlichen Buchhandlungen und Leihbibliotheken geschlossen und unter Siegel gelegt worden, ohne daß diese Maßregel bis jetzt beigelegt wäre. Die Entscheidung darüber, ob und wann dieselben wieder geöffnet werden dürfen, ist lediglich von Petersburg zu erwarten. In den großen aus Deutschland kommenden Bücherballen war oft verbotene Waare verborgen. Man konnte sich so ziemlich jedes Verbotene Buch verschreiben lassen, nur zur bloßen Ansicht ließen sich die Buchhändler solche Schriften nicht kommen. Die Professoren in Dorpat waren in dieser Hinsicht sonst begünstigt. In der llni- Versitäts-Bibliothek gab es für sie einen eigenen, den Studenten verbotenen „Gislschrank."
Sprechsaal für Stadt und Land.
Erklärung.
Für alle diejenigen, welche nach der gestrigen Erklärung des Herrn v. Bracht in die Bereitwilligkeit der Thealerdirek- tion, Fräulein v. Bracht auftreten zu lassen, Zweifel setzen sollten, bemerke ich Folgendes:
Oltüver an ; ihr Auftreten auf der hiesigen Buhne an jedem beliebigen Tage würde die Direktion um so freudiger begrüßt haben, als der Mangel einer guten Coloratur-Sängerin, wie überhaupt an vielen Theatern, besonders bei 'bem hiesigen sühlbar wurde, störend auf das Repertoir wirkte, und da-' durch Schaden dem Geschäfte zuführte, die Schwierigkeiten aber, keine genügende Künstlerin zu engagiren, durch die vorgerückte Jahreszeit vermehrt waren. Herr v. Bracht erklärte leider, daß seine Fräulein Tochter durch Kränklichkeit am Singen verhindert sey. Anfangs Dezember erst machte derselbe die Mittheilung, seine Tochter sei bereit, in der WeihnachtS« woche zu debutireu. So erfreulich diese Mittheilung auch war, so wird doch Jeder, der ein Theater-Geschäft zu beurtheilen versteht, die Direktion vollständig gerechtfertigt finden, wenn sie in ihren Bemühungen, eine gute Sängerin für die hiesige Bühne zu acquiriren, fortfuhr für den möglichen Fall, daß Fräulein v. Bracht entweder von Neuem kränklich werden,, oder den von ihr gehegten Erwartungen nicht entsprechen sollte. Darum wurde Frl. Cornet aus Hamburg, von der, als der Tochter einer als gleich trefflich anerkannten Sängerin, wie Gesangslehrcrin, die Direktion sich Gutes. zu versprechen glaubte, auf mehrere Gastrollen engagirt und ihr der 29. De, zember als den Tag ihres ersten Auftretens bestimmt. Dies geschah schon Mille dieses Monates und ist der Grund, warum heute Frl. v. Bracht nicht auftreten, dieser Tag ihr auch nie fest zugesichert werden konnte. Daß Frl. v. Bracht am Don« nerstag nicht bebutiren konnte, wie es anfänglich beabsichtigt war, findet seinen Grund in der Unmöglichkeit, ihr die später von ihr — und zwar von einer Anfängerin nicht unbilligerweise — beanspruchten Proben wegen der vorhergegangenen Feiertage zu gewähren. Uebrigens wird Frl. v. Bracht nächsten Donnerstag den 3. Jan. als Amine in der Nachtwand« lerin auftreten. Wiesbaden, den 29. Dezember.
Gustav Schmidt.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
