Universität. Die Laufbahn im Staatsdienste begann er am 13. Oktober 1800 bei dem Olmützer f. f. Kreisamte. Im Jahr 1841 war er zum Präsidenten der k. k. allgemeinen Hofkammer erhoben worden. Nachdem er allmâlig zum Präsidenten des Ge- neralrechnungövirektoriumS emporgestiegen, begann seine eigentliche politische Wirksamkeit. Er gewann in dieser Stellung bald daS Vertrauen des Publikums, welches bedeutende Reformen im Finanzwesen erwartete. Seine Wirksamkeit begann der Präsident damit, den unermeßlichen Kredit, welchen bis dahin einige Bankiers bei der privilegirten Nationalbank genossen, wohlthätig zu beschränken. Freilich entstand in Folge dessen eine Art Handelskrisis, als deren erstes Opfer das Haus Geymüller u. Komp. fiel. Nach dem Tode des Fürsten Lobkowitz wurde Kübeck von dem Kaiser durch ein sehr schmeichelhaftes Handschreiben auch zum Vorsteher der Hofkammer im Münz- und Bergwesen ernannt, welches Departement er zuerst dem nachmaligen Bankgouverneur Ritter v. Breyer, später dem staatsräthlichen Referenten Schwarzhuber zur Besorgung unter seiner Oberleitung anvertraute. Während seiner Amtsführung ward der große Beschluß gefaßt, den Staatseisenbahnbau zu unternehmen. Don Kübeck rührt die erste Emittirung der Zen- lralkassascheine, zunächst im Betrage von 5 Mill. Fl., her. DaS Papier sand bei der Kreditfähigkeit des Staats reißenden Absatz. Weniger glücklich war er bei dem Schlüsse zweier Anleihen, denen drückende Stipulationen beigesellt wurden, und durch welche der Grund zu jenem mißlichen Terrorismus gelegt scheint, welchen die Bankiers dem Staate gegenüber auszuüben begannen, und welchem damals leichter als jetzt bei dem so glücklich gelungenen Wurse der 4VrProzent. Anleihe die Spitze abgebrochen werden konnte.
Auch im Zollwesen versuchte Frhr. v. Kübeck einige sehr wesentliche Reformen. So z. B.ward derZoll auf Kolonialwaaren, namentlich Kaffee, durch ihn bedeutend ermäßigt; auch Halbfabrikate erhielten später einen geringern Zoll, ohne daß jedoch diese Begünstigung eine erhebliche Wirkung zu äußern vermocht hätte. Kübeck's Tendenz, dem Schutzzollprinzip zu huldigen, fand an den Industriellen, namentlich in Böhmen, mächtige Gegner. Der von Kübeck ins Leben gerufene Ankauf von Privateisenbahnaktien äußerle keine vvrtheilhafte Wirkung im Allgemeinen, und der Präsident stimmte später selbst dafür, daß eine Vorschußkaffe genügt hätte, um dem gedrückten Zustande des Papierhandels aufzuhelfen. Im März des Jahres 1848 zog sich Frhr. v. Kübeck freiwillig von den Staatsgeschäften zurück, und cs ist ungewiß, ob aus Erkenntniß der ungeheuern Schwierigkeit der Lage ober aus einem andern Grunde. Man sprach damals, Frhr. v. Kübeck habe seinem Posten aus Gesundheitsrücksichten entsagt, und nannte ein Herzübel als die Quelle seiner Leiden. Im Herbste v. I. fand sich Kübeck wieder geneigt, eine ihm zu Theil gewordene Wahl als Abgeordneter für den kremsierer Reichstag anzunehmen, woselbst er auch eintrat, ohne aber irgend eine politische Thätigkeit zu entwickeln »der sonstigen Einfluß zu üben. Eine von ihm im April d. J. nach Pesth übernommene Mission, wo er dem Armeekommando zur Seite stehen sollte, war von ganz kurzer Dauer.
Oesterreichs Stellung zu Frankreich und England.
Wien, 19. Dez. Als der erste Gesandte des Königs Louis Philippe, Marschall Maison, wenn ich nicht irre, nach Wien kam, fand er hier eine Aufnahme, welche ihm deutlich bewies, wie ungünstig der Hof und die hohe Gesellschaft gegen den „Barrikadenkönig" gestimmt sey. Man erzählt sich hier die Anekdote, daß bei einem Hofball der Gesandte der Fürstin Metternich die Bemerkung machte: ’Vous avez un beau diademe Madame la princesse — und diese ihm antwortete — II n'est pas vole'. Fürst Metternich entschuldigte sich freundlich beim Marschall mit den Worten: Que voulez vous mon eher, je n'ai pas fall leducation de ma femme. Sir Gordon, der torystische Repräsentant Englands, war dagegen die diplomatische Soinmität Wiens. Mochte er auch „Unschickliches" begehen, bei einer Hosparade mit seinem Kabriolet mitten durch die Reihe der glänzenden Equipagen in die Hofburg fahren — ihm ward alles nachgesehen, und der „originelle Engländer" that, was er wollte.
Heute genießt Herr v. Beaumont, der Gesandte des Präsidenten der französischen Republik, überall die ausgezeich
netste Aufnahme, seine Gemahlin wechselt Visiten mit einer Erzherzogin, und Lord Pansonby, der bevollmächtigte Gesandte Englands, einer der ältesten Adelsfamilien entsprossen, hat Wien, mit Zurücklassung eines einfachen Geschäftsträgers, verlassen. Und doch — möchten wir mit Bestimmtheit sagen — wünscht das Wiener Kabinct nichts sehnlicher, als mit der englischen Regierung in gutes Einvernehmen treten zu können, um sich von Frankreich gänzlich zurückzuziehen. Man fühlt hier zu sehr, wie gefährlich die Konsolibirung einer französischen Republik wäre. Je ruhiger dort die Entwickelung vor sich geht, je mehr die ertremen Elemente zurücktreten und der besonnenen Partei, die vor allem das Wohl deS Landes im Auge hat, Platz machen würde, um desto schwerer wird es für die andern Regierungen seyn, rein dynastifche Zwecke zu verfolgen.
Mögen sich die Sachen in England wie immer gestalten, dort ist daS Königthum und das Repräsentativsystem so fest gegründet, daß keine heftigen Rückstöße zu fürchten sind. Aber Frankreich war immer daS Land, nach welchem sich die Augen der Völker seit der ersten Revolution gewendet haben, und wenn sich dort die Möglichkeit einer Republik herausstellen sollte, würde mancher „engere Rath" unmöglich werden. Daher würde auch eine Usurpation Louis Napoleons nicht den mindesten Widerstand finden, weil man dieselbe als den sichersten Uebergang zur legitimen Regierung, oder doch wenigstens zur brauche Orleans steht. Dem Hrn. v. Persigny, der hier im Vertrauen nachgefragt hat, wurde auch die beruhigendste Antwort zu Theil. So wie man die Republik anerkannt hat, so würde man auch jede Veränderung der äußern Regierungsform anerkennen, besonders wenn sie „Garantien für die Ruhe und Ordnung" bietet. ES handelt sich jetzt vor Allem darum, der Eventualität eines Bündnisses zwischen Frankreich und England vorzubeugen, um so mehr als die Interessen deS Letztem jetzt durch die Handelsoper atio - nen Oesterreichs in Italien bedeutend geschmälert werden dürften. Unter diesen Umständen ist es sehr wichtig, daß der Papst und der Großherzog von Toskana, wie ich Ihnen neu, lich mittheilte, bereits mit der hiesigen Regierung in Unterhandlung getreten sind, um sich dem Zollvereine, der so eben mit Modena und Parma abgeschlossen wurde, aNzuschlWen. Sardinien wird voraussichtlich seinen Beitritt verweigern; aber seine Waaren wie seinen Transit wird dann hierorts ein größerer Zoll treffen. Um aber diese Pläne mit Sicherheit auS- führen zu können, muß man auf Frankreichs gutes Einvernehmen rechnen können; und Louis Napoleon hat bisher alle Beweise seiner Gefälligkeit gegeben. Dies verhindert jedoch nicht, daß nie soviel Legitimisten in Frohsdorf versammelt waren, als jetzt. (W. Z.)
Deutschland.
Frankfurt, 27. Dez. (O.-P.-A.-Z.) Se. kaiser. Hoheit der Erzherzog Johann empfing gestern die regierenden Bürgermeister und eine Deputation deS Senats der freien Stadt Frankfurt, welche demselben die ihm zu Ehren geschlagene Denkmünze überreichten. Diese Herren erbaten sich die Erlaubniß, ein Gemälde anfertigen zu lassen, welches den Erzherzog im Augenblick der Uebernahme der ReichSverweser- stelle in der Paulskirche darstellt. Heute gibt der Erzherzog ein großes Gastmahl, zu welchem die BundeSkommiffarien, die fremden Botschafter bei der Zentralgewalt und die regierenden Bürgermeister der freien Stadt Frankfurt eingeladen sind. Der Tag der Abreise Sr. kais. Hoheit und höchstdesscn Familie ist noch nicht bestimmt; eine Unpäßlichkeit deS Grafen v. Meran, seines Sohnes, verhindert dieselbe.
Frankfurt, 27. Dez. (Journ. de Francs.) Die BundeS- kommisston hat ihre Geschäftsordnung folgendermaßen eingetheilt: Für daS diplomatische Fach: Herr v. Bi e genle b en; Inneres, Justiz und Handel: Herr Geh. RegierungSrath M a t t h i S; Finanzen: Herr Ministerialrach Baron v. Nell; Marine: Herr Oberstlieutenant v. Wangenheim. DaS Kriegswesen ist in drei Sektionen getheilt, nämlich für die Bundestruppen: Herr Oberstlieutenant v. Li el; für die Festungen: Herr General Eberle und für daS Derprovian- lirungSwesen: Herr Jntendanturralh Loos.
Augsburg, 24. Dez. Gestern Nachmittag wurden, wie wir hören, Vie drei in der hiesigen Frohnveste verhaftet ge-
