Köhler saß. — Die Eröffnung des Landtags geschieht am 24. d. M. Der demokratischen Seite fehlen Mohr, Vogt, Schulz, Wittmann , Schmitz, Heldmann, und die wegen Wahlanständen nicht einberufenen Feigel und Schmitt. Dennoch dürfte die Linke in der Mehrheit seyn und das Bureau besetzen. Der Kandidat derselben zum Präsidenten ist Hillebrand, jener der Rechten Gagern. Zum Vizepräsidenten wird die Linke Glaubrech oder Lehne, die Rechte Reh aufstellen. Die Eröffnung des Landtags wird nicht durch den Großherzog, sondern durch den Ministerpräsidenten Jqup geschehen.
Karlsruhe, 21. Dezbr. (O.-P.-A.-Z.) Die Freilassung Ficklers (derselbe ist über Stuttgart und Ulm nach der Schweiz gereist) hat hier große Sensation erregt. Die hiesigen Gerichte hatten zu wiederholten Malen seine Auslieferung von dem würtembergischen Kriminalgericht verlangt, und noch vor Kurzem war ein Bescheid von dort eingegangen , auS welchem sich erwarten ließ, daß jenem Verlangen entsprochen werden würde. Um so mehr mußte die Nachricht von seiner Freilassung überraschen. Fickler gehörte bekanntlich zu den thätigsten Urhebern der Revolulion und war bei seinen Fähigkeiten um so gefährlicher, je weniger diese an geistigen Kapazitäten an ihre Spitze zu stellen vermochte. Die 1000 Gulden Kaution, welche Fickler für seine Freilassung auf dem Hohenasperg erlegen mußte, sind, wie wir aus gutunterrichteter Quelle erfahren, zum Theil von dem Stuttgarter Rechtskandidaten Tafel, einem eingefleischten Radikalen, und zum andern Theil von dem dortigen königl. würtembergischen Rcgierungsrath Pfeiffer, einem Manne, der unbeschadet seiner republikanischen Gesinnung königl. Regierungsrath ist, zusammengebracht worden.
Berlin, 19. Dez. Die Verhältnisse der hiesigen politischen Tagespresse werden sich zum bevorstehenden Jahres- und Abonnementswechsel nicht unerheblich ändern. Den bedeutendsten Verlust wird, wie leicht zu begreifen, die Neue Preußische Zeitung erleiden. In den Reihen ihrer politischen Meinungsgenossen werden alle Tendenzlügen und Tendenzschmähungcn ^ntgeheißen ; die Huberffche Theorie von der Spionage und der Denunziation als Pflicht des Bürgers, die gestern Abend gepredigte Lehre: im Gewühle des Kampfes, sey jede Waffe erlaubt, mit welcher der Gegner kampfunfähig zu machen ist, werden beifällig ausgenommen und gläubig in die Praxis übertragen. Allein was man nicht vergibt, daS find die schmâsüchtigen Ausfälle auf den Richterstand. Wie versichert wird, haben diese in Folge des Waldeck'schen Prozesses von der Neuen Preußischen Zeitung unternommenen Angriffe auf einen Stand, der mehr als irgend einer in Preußen sich der Achtung aller Parteien zu erfreuen hat, die Abnehmer deS Blattes in den Provinzen vermindert. Der klägliche Zustand, in dem sich die Deutsche Reform befindet, die mit den geringen Zuschüssen, welche auS Regierungsfonds jetzt noch gewährt werden, es versuchen wird, bis Ostern ihr Daseyn zu fristen, wird den größern Theil der Abonnenten beider genannter Blätter wahrscheinlich den ältern konservativen Zeitungen und zu einem großen Theile der Konstitutionellen Zeitung zuführen. Die Haude-Spener'sche Zeitung wird von Neujahr ab sich auch des Telegraphen bedienen, um ihre schon sehr beträchtliche Abonnentenzahl zu vergrößern. Die übrigen Blätter werden wohl folgen müssen.
Hr. v. Rauch, der auS Petersburg zurückgekehrt ist, bringt nicht unerfreuliche Nachrichten über die Ansichten des Kaisers Nikolaus in Bezug auf die preußisch, deutsche Politik mit. Der Kaiser verkennt nicht, daß Preußen Pflichten übernommen hat, denen eS nachkommen muß. Es ist sein Wunsch, daß Oesterreich und Preußen auch ferner in gutem Einvernehmen bleiben, und er wird Alles aufbieten, bei etwaigen Differenzen zwischen diesen Mächten zu vermitteln, damit ernste Konflikte, die die Ruhe Europas gefährden könnten, vermieden werden. Hr. v. Rauch hat während seiner Anwesenheit in Petersburg in dem Hause unsers Gesandten Hrn. v. Rochow gewohnt. (Lith. Nachr.)
Frankreich.
Paris, 19. Dez. (K. Z.) Die „Estafette", welche zu den Gegnern der Getränkesteuer gehört, läßt sich heute folgender
maßen vernehmen: „Die Repräsentanten beginnen der langwierigen Diskussion über die Getränkesteuer überdrüssig zu werden, und sie sind nicht die Einzigen. Man wünscht allgemein, daß diese Frage so rasch als möglich abgethan werde, damit nach Beseitigung aller Ungewißheit die Geschäfte wieder ihren gewohnten Lauf nehmen. Der Kleinhandel ist wegen der Folgen des Votums über die Steuer in Schrecken gerathen; er besorgt, daß Unruhen in der Provinz die Bekanntmachung des Gesetzes, welches die Steuer herstellt oder, richtiger gesagt, beibehâlt, bezeichnen dürften. Die Bauern und Landwirthe leben auch in der That der Ueberzeugung, daß diese Steuer vom 1. Januar 1850 an abgeschaft sey. Man stelle sich daher ihre Ueberraschung vor, wenn man ihnen im Namen des neuen Gesetzes eine Summe abfordern wird, die sie nicht mehr zahlen zu brauchen meinen. Die Regierung selbst soll nicht ohne Befürchtungen seyn. Sie weiß, daß der Bauer sich nur dann auflehnt, wenn er seine Interessen verketzt und seine Rechte mißkannt glaubt. Dieser Fall wird sicherlich eintreten, und einige Repräsentanten entwarfen heute von der in ihren Departements vorherrschenden .Stimmung eine wenig beruhigende Schilderung. Wir halten uns nicht für große Propheten, wenn wir sagen, daß die Herstellung der Getränkesteuei die jetzige Regierung eben so unpopulär machen wird, als bit provisorische Regierung es durch das Dekret wegen der 45 Centimes wurde."
Parteilose Beurtheiler sehen übrigens die Dinge nicht so schwarz als die „Estafette", und sind der Ansicht, daß es Höch, stens an einzelnen Orten deS Südens den Aufhetzungen bei Sozialisten gelingen werde, die Landbewohner und die unterer Klassen in kleinen Städten zum Versuche einer Steuerverweigerung zu treiben, daß aber eine schnelle Unterdrückung bet etwa damit verknüpften Erzesse mit Sicherheit zu erwarten sey
Straßburg, 22. Dez., 10 Uhr Vormittags. Soeben triff! hier folgende telegraphische Depesche ein: „Paris, 21. Dezbr., 2% Uhr Nachmittags. Das Getränksteuergesetz ist mit einet Mehrheit von 418 gegen 245 Stimmen angenommen worden."
GroHbritannien ^
London, 18. Dezember. (D. Ztg.) Die heutige Timet enthält an der Spitze eines leitenden Artikels folgende Mittheilung : „Wir sind jetzt in Stand gesetzt, dem Publikum de> finitiv zu der Abschaffung des unsinnigen französischen Paßsystems Glück zu wünschen. Englische Reisende werden fortan bei ihrer Landung auf französischem Boden nicht mehr einen einstweiligen Arrest unterworfen, noch während ihres AufeM- haltS in Frankreich wie verdächtige Bettler ober in Freiheit gesetzte Galeerensklaven unter polizeilicher Ueberwachuug gehalten seyn. Die Quälerei war auch zu schmählich und unerträglich stand im Widerspruch mit dem Zeitgeiste und machte der Intelligenz der französischen Nation keine Ehre." Ma» erinnert sich, daß schon früher einmal der Pariser Korrespondent davon schrieb, daß es die Absicht der französischen Regil- rung sey, daS Paßwesen abzuschaffen, und daß die Anregunz dazu namentlich vom Präsidenten der Regierung selbst ausgr- gangen sey. UebrigcnS scheint diese Vergünstigung nur fw reisende Engländer getroffen zu seyn; waS thäte Frankreich nich auch dem herrischen England zu Gefallen?
Am 12. Dez. begab sich in der Nähe von Kilrush (Irland) ein schrecklicher Unglücksfall. Etwa 50 arme Leute die in der Stadt, wo sie vergebens um Aufnahme in dal Armenhaus nachgesucht hatten, nach Moyarta zurückkehrte», befanden sich in einem Boote, als dieses plötzlich mit alle« darin Befindlichen umschlug. 40 bis 45 Menschen verlöre« bei diesem Unfall daS Einzige, waS sie zu verlieren hatten das Leben. 33 Leichen sind bereits ans Land geschwenm worden. _______________
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird a« jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegcben ob« kann im Expeditionslokale abgeholt werden.
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