Abgeordneten der zweiten Kammer der Stândeverfammlung, daß die Regierung nicht einem Manne von so exklusiver dogmatischer Richtung die so hochwichtige Stelle verleihen möge, zu spät gekommen.
In der heutigen Sitzung des Geschwornengerichts wurde zuvörderst der vom Jahre 1848 her als Wortführer in den Volksversammlungen und als Verbreiter aufreizender Flugschriften sattsam bekannte Buchhändler Weller als Verleger dreier von den gemeinsten Schmähungen auf die deutschen Fürsten, die Zentralgewalt, die einzelnen Regierungen ic. wimmelnden Brochüren, deren angebliche Verfasser er nicht nennen wollte, zu 1'/,Jahr Gefängniß verurtheilt. Der Angeklagte betrug sich auch vor dem Gerichtshof so höchst unanständig, daß er sich mehrmalige Ordnungsrufe und beschämende Zurechtweisungen vom Präsidenten zuzog, und er mag eS hauptsächlich diesem Betragen zuschrciben, daß die vielleicht sehr harte Strafe ihm kein Mitleiden oder Bedauern im Publikum weckte.
Berlin, 19. Dez. (A. Z. C.) Morgen beginnt vor un, serem Geschwornengericht wiederum ein kleiner Riesenprozeß. Nahe an zwanzig Einwohner der Nachbarstadt Bernau sind deS Aufruhrs angeklagt, dessen sie sich schuldig gemacht haben sollen, als bei Auflösung der Nationalversammlung im November v. I. Zuzug von Stettin nach Berlin unternommen wurde. Die Verhandlungen werden mindestens drei Tage dauern.
Die in den Zeiiungen enthaltene Nachricht, daß der Prozeß wider den Handlungsdiener Ohm schon im Januar zur Verhandlung gelangen werde, ist völlig ungegründet. Die Voruntersuchung ist noch gar nicht geschloffen und eS muß, ehe eS zur öffentlichen Verhandlung kommt, noch die Anklage durch die Rathskammer des Kriminalgerichts uwv den Anklagesenat deS AppellationSgerichtS gehen.
Nach der Nationalztg. faßt sich die Anklage gegen Hrn. Krauthoffer-KrolowSki in Pofen, woiüber soeben noch vor den Geschwornen verhandelt wird, in folgende Hauptpunkte zusammen: 1) Krotowski habe auf dem Markte in Posen im März 1848 Geld »ertheilt; 2) vom ffomite 2000 Thlr. erhalten, mit denen er in Berlin die Insurrektion befördern sollte; 3) in Kurnik einen Husarenosfizier verhaften wollen; 4) die Land, Wehroffiziere Burgand und Brachvogel mit einer Abtheilung Landwehr gefangen genommen und sie der Kasse beraubt; 5) habe er bei Rogatin und Schrimm mitgekämpft; 6) habe er die Befehle deS Partisanenbefehlshabers der polnischen Republik an die Gerichte in Posen uno Bromberg und an daS Generalkommando unterzeichnet und mit der Vehme gedroht; 7) sey er in Moschin an der Spitze eines Aufrührerhaufens eingerückt, habe den Bürgermeister entsetzt, einen andern eingesetzt und Waffenauslieferung vom Gensdarmen verlangt; 8) habe er Schiffe mit Salz auf der Warthe bei Rogalin in Beschlag nehmen lassen; 9) sey er in Razower Hauländereien eingefallen und habe sie gebrandschatzt.
Dom Alsener Sunde, 15. Dezbr. Die bei Sonderburg stationirte dänische Kriegsbarke Saga mit 12 Kanonen, die sonst in einiger Entfernung von der Stadt lag, hat jetzt an die Schiffbrücke derselben angelegt. Die Danen halten auf allen südlichen Höhen Alsens Tag und Nacht treulich Wacht, da sie einen Ueberfall von den Schleswig-Holsteinern befürch, ten, welche von Kiel ausgehend gerade auf Alten lossteuern könnten. Ein Theil der dänischen Feldartillerie ist auö der Süder- nach der Norderharde verlegt worden. Die Beurlaub, ten deS 10. dänischen Bataillons werden einberufen.
Wien, 15. Dez. (W. Z.) Laube's Ernennung zum Dramaturgen des Hofburgtheaters ist noch nicht erfolgt. — Dingelstedt aus Stuttgart ist hier, bewegt sich aber nicht in diplomatischen Kreisen. — Baron Cotta, welcher wegen seiner AÜg. Zeitung allerlei Schritte versuchte, ist wieder ab- gereist.
Erzherzog Johann wird nach seiner Rückkehr aus Frankfurt seinen bleibenden Wohnsitz in Graz nehmen. Auch Kaiser Ferdinand und die Kaiserin Maria Anna werden im kommenden Frühjahr daselbst erwartet. — Edmund Zichy, deri Bruder deS in Ungarn kriegsrechtlich ermordeten Grafen Eugen | Zichy- ist in Folge eines Schlaganfalls in Florenz wahnsinnig 1 geworden. — Die Mutter Koffulh'S hat die Erlaubniß er, halten, ihre auf dem Preßburger Schlosse verwahrten Enkel; zu besuchen. '
Der „Lloyd" schreibt: Vorgestern überreichte eine Depu, tation die HuldigungSadresse der Stadt Klausenburg, und Se. Majestät erwiederte die bezügliche Ansprache in reinem schönen ungarischen Dialekte. — Die Regulirung deS kais. Hofstaates hat bereits in allen Zweigen begonnen. Hauptgrunvsatz derselben ist Ersparniß. ES werden die Dotationen aller Aemter bedeutend vermindert. Die Zahl der Hofdienerschaft wird sehr reduzirt, und diejenigen, die in dem Status des Hofstaats verbleiben, erhalten nur drei Viertel ihres früher bezogenen Gehaltes.
Frankreich
Paris, 16. Dez. (W. Z.) DaS „Journal des DebatS" macht heute in einem Artikel über das erste Jahr LouiS Bo- naparte's folgende, für die Stellung der Orleanisten bedeutsame Aeußerung: „DaS Werk der Versöhnung zwischen den verschiedenen Parteien der Ordnung ist besser gelungen, als wir glaubten. Unsere Erinnerungen trennen unS vielleicht noch; unsere Hoffnungen stehen einander nicht so schroff mehr gegenüber. Wenige gibt eS in der Partei der Ordnung, welche nicht restgnirt die Chancen der Zukunft annehmen, sollte die Zukunft auch ihren persönlichen Wünschen zuwider seyn, wenn sie nur nicht der gesellschaftlichen Ordnung zuwider ist."
Paris, 18. Dez. Die große Rattenverfolgung hat in den unterirdischen Gängen der Hauptstadt, welche zusammen 150 Stunden lang sind, in der Nacht vom 14, zum 15. Dez. begonnen. Man hat strategisch wie taktisch den Feldzug gegen diese Ungethüms so gut angewendet und mit solchem Erfolge ausgeführt, daß sich bereits 250,000 Ratten auf^Gnave und Ungnade ergeben mußten. Man hofft, diese Zahl auf 600,000 zu bringen, und wiegt sich in der Vorstellung, daß, wenn man jährlich vier solcher Jagden anstellt, die Stadt in drei Jahren von dieser Plage befreit seyn dürfte.
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Spanien
Madrid, 6. Dez. (A. Z.) In diesen Tagen hatte sich I die Nachricht verbreitet, daß die Königin gesegneten 'LeibeS sey. ‘ Im Publikum war große Freude darüber, denn die Sage erschien glaubhaft. Dabei bemerkte man aber mit Bedauern, daß die Königin forlfuhr, sich mit gewohnter Leidenschaftlichkeit dem Vergnügen deS Tanzes hinzugeben. Die Kunde hatte eine gute Wirkung auf die öffentlichen Fonds geäußert; denn wenn die Königin Leibeserben bekäme, so würde dies dazu beitragen, die Ruhe im Staat zu sichern, während andrerseits, wenn sie ohne Leibeserben auS dem Leben ginge, ohne Zweifel unter dem Herzog von Montpensier, den Söhnen deS Jnfanten Don Francisco und denen deS Don Carlos SuccessionSstreitigkeiten entständen, in welche Frankreich und England sich einzumischen nicht ermangeln würden. Leider scheint aber diese schöne Hoffnung wieder verschwunden zu seyn ; man glaubt, daß die Königin, welche schon auf den letzten drei Hofbällen sich unwohl befand, vorgestern eine Fehlgeburt gethan habe, denn sie hat schon seit zwei Tagen daS Bett nicht verlassen *).
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*) Französische Nachrichten auS Madrid vom 9. Dezember wissen nichts von einer Fehlgeburt, sondern sagen nur: Isabelle fügt sich mit Wider- n streben in die durch ihren interessanten Zustand nöthig gewordenen 6 Vorsichtsmaßregeln.
Verantwortlicher Redakteur r W. H. Riehl.
a g n L s v 3 9 u e 0 b 0 2 o
Fruchtpreife
Namen der Städte.
Datum der Pr eise.
Walzen »r. Malter
Pfd fl.lfr.
Korn vr. Malter
Gerste vr. Malter
W fl.lfr.
Hafer
»r. Malt»
WIR.
fr.
W
fl.
fr.
I Bingen ....
19. Dez.
260
6
42
266
4
45
147
3'40
129
2
30
i Diez.....
14. Dez.
310
10
25
290
7
37
260
5
37
—
3
40
Dillenburg . . .
15. Dez.
300
II
40
300
9
10
260
7
—
190
5
—-
Friedberg . . .
21. Dez.
215
6
28
196
4
40
75
3
41
136
2
35
Hadamar....
21. Jul.
14
30
8
50
7
—
4
10
Herborn ....
8. Dez.
320
II
20
360
9
15
260
6
20
200
4
30
: Mainz.....
9. Nov.
200
7
13
200
5
3
200
4
41
200
54
Wiesbaden . . .
20. Dez.
170
6
—
160
4
—
144
3
30
96
2
15
Druck und Verlag der L. Scheüeuberg'schen Hof,Buchhandlung .in Wiesbaden-
