I Nassauische
Allgemeine Zeitung.
' JE 304. Sonntag den 23. Dezember 1849.
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, Zweite Ausgabe.
E| Uebersicht.
— Amtlicher Theil.
Dienstnachrichten.
)[, Nichtamtlicher Theil.
z Deutschland. VmS (Karl Heinzen). — Mainz (Die Rheinbrücke). —
H Bamberg (Auflauf). — Leipzig (Prof Harleß, Verurtheilung). —
Berlin (Prozesse). — Posen (Die Anklageakte gegen Krauthofer). — I — Vom AlsenerSunde (Vorsichtsmaßregeln der Dänen). — Wien 2 (Laube. Dingelstedt. Erzherzog Johann. Ersparungen im Hofstaate).
Frankreich. Paris (Die große Rattenverfolgung).
- Spanien. Madrid (Die Königin).
' Amtlicher Theil.
7, Der mit der Dersehung der Schule zu Zimmerschied biS- $ her beauftragt gewesene Lehrvikar Reichard ist zum Lehrer daselbst ernannt worden.
Heinrich Fischer von Montabaur und Jakob Kaiser von Laufenselten sind nach bestandener Prüfung in die Zahl der geprüften Kandidaten des Straßen, Brücken« und Wasser, baueS ausgenommen worden.
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I Nichtamtlicher Theil. 7 ---------
v Deutschland.
>71 ^ Ems, 19. Dezbr. ES ist von einiger Seite die Be« strafung der Führer der badischen Umsturzpartei zu hart befun« ’ den worden und es laßt sich allenfalls darüber streiten, unbe- ,: greiflich ist es aber, daß Struve's Anhang wie z. B. der un- id sinnnige Heinzen deswegen ganz Europa mit Aristokratenblut ■ überschwemmen will, wenn man die früheren Ansichten dieser y Herren vergleicht. So schrieb Struve in einem Briefe an den 4 Kanzler von Wächter vor einigen Jahren über die Zurechnungs- fâhigkeit der Uebertreter der Siaatsgesetze in seinem phreno- " logischen Werke, Gallerie berühmter Männer des neunzehnten 2 Jahrhunderts Heft 1., Seite 25 Folgendes:
Insofern wir unter Zurechnungsfähigkeit einen Zustand 15 verstehen, welcher den Staat berechtigt, mit Zwangsmaßregeln rd gegen den Uebertreter seiner Gesetze aufzulretcn, so geräth die Phrenologie mit derselben durchaus nicht in Konflikt, vielmehr _ geht sie von dem Grundsätze aus, daß jede Uebertretung d e r Srafge setze, sie komme von einem geistig Ge, funden oder von einem geistig Kranken, daS Ein- 11 schreiten der Staatsgewalt rechtfertigt und herausfordert. — Jede Uebertretung eines Strafgesetzes gehört nach der Ansicht der Phrenologie vor die Strafgewalt, und die eine unterscheidet sich von der andern nur dadurch, daß nach der Verschiedenheit der ihr zu Grunde liegenden Bewegursacken verschiedene Mittel zu deren Beseitigung angewandt werden. DaS im trunknen
Muth begangene Verbrechen hat zur Folge, daß der Ver, brecher von seiner Neigung zum Trunke, daS in der Mon omanie begangene, daß er von seiner Monomanie geheilt seyn muß, bevor er der Gesellschaft zurückgegeben werden kann 2c.
Wenn aber Heinzen seine Mordlust durch den AuShänge, schild der Anerkennung der Reichsverfaffung beschönigen will, so sollte er wissen, daß er Seite 33 seiner vor zwei Jahren erschienenen 30 Kriegsartikel sagt, daß „eine Form deS Rechts niemals vom Unrecht mit Gültigkeit benutzt werden kann." Folgende Kuriosität wird aber wohl kein Leser bei dem blutdürstigen Heinzen (Kriegsartikel 5) vermuthen: „Der Mensch unserer Tage sagt sich, daß die Menschheit ihre Mordwerkzeuge wegwerfen wird; er sagt sich, daß eine Zeit kommen müsse, wo eS eben so wenig noch Flinten und Kanonen gebe, als lebende Mordmaschinen, welche sie abfeuern; er sagt sich, daß eine Zeit kommen werde, wo man auftie offizielle MoxMiM- schaft, die man MilitÄrwesen nennt, zurückschauen werde, wie wir auf die Menschenfresser Nukahiwo's und Neuseelands." Vorläufig scheint eS Karl Heinzen noch mit den Menschen freffern Neuseelands zu halten.
Mainz, 21. Dez. (O.-P.-A.-Z.) Seit gestern steht die hiesige Rheinbrücke wieder, auch ist das Wasser noch immer im Wachsen begriffen, so daß selbst' bei wieder eintretender Kälte nicht so leicht EiS entstehen kann.
Bamberg, 16. Dezbr. Die Neue Münchener Zeitung berichtet heute Näheres über den vor einigen Tagen hier stattgefundenen Auflauf. Im Verlaufe des 13. Dez. hatte sich in der Stadt daS Gerücht verbreitet, deutsch-katholische Priester Bierdimpfel sey hier angekommen und wolle um 5 Uhr AbendS im Schießhause einen öffentlichen Vortrag zur Bildung einer deutsch-katholischen Gemeinde halten. Bald gab sich die Absicht kund, diese Versammlung, selbst mit Gewalt, zu sprengen. Bedeutende Volkshaufen zogen deshalb nach 4 Uhr Nachmittags die Langgasse hinab gegen das SchießyauS, in welches man Hrn. Bierdimpfel eintreten gesehen haben wollte. Auf die Nachricht aber, daß der Gesuckte sich im Schießhauie nickt befinde, zog sich der Haufe von da weg in die Kapizinergasse vor das HauS eines Seifensieders, welcher seiner demokratischen Ansichten wegen bekannt ist und auch als Begünstiger deS Deutschkatholizismus gilt. Allein der Gesuchte fand sich auch hier nicht, und der Haufe verlief sich gegen 5 72 Uhr, ohne daß wirkliche Erzesse staitgefunden. Von Seiten der Stadtkommandantschaft waren auf Ersuchen der Polizeibehörde eine Abtheilung Infanterie und ein Zug Reiterei kommandirt worden, um für mögliche Fälle bereit zu seyn. Die Zeitung zieht aus dem Vorfälle den Schluß, daß in Bamberg kein Boden für den Deutschkatholizismus sey.
Leipzig, 18. Dez. (O.-P.-A.-Z.) Was ich Ihnen schon vor längerer Zeit mittheilte, daß der hiesige Prof. Harleß zum evangelischen Hofprediger designirt sey, ist jetzt definitiv entschieden; er wird den Titel eines Generalsuperindendenten von Sachsen erhalten und Ende Januar sein Amt antreten. Sonach ist die Interpellation oder vielmehr der Antrag vieler
