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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M LV2 Freitag den 2L Dezember 18LS

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Deutsche Landtage.

Hansemann und Scribe.

Preußen oder Oesterreich ?

Deutschland. Frankfurt (Nationalverein für deutsche Auswanderer).

— Köln (Demokrateiifest). — Stuttgart (Widerlegung). — Mün­chen (Ein Brief König Ludwigs). — Berlin (Die neue Statthalter­schaft für Schleswig-Holstein). — Triest (Die Bora).

Frankreich. Paris (Das Journal de Debats über den Notenwechsel zwischen Berlin und Wien).

Großbritannien. London (Verminderung des Landheeres. Wahn­sinnsprozeß).

Ungarn. P e st h (Kriegsrechtliche Urtheile).

Deutsche Landtage.

Ueber den deutschen Landtagen schwebt ein tragisches Ge­schick, sie scheinen dazu verurtheilt zu seyn, sich alle selbst den Tod zu geben. Grade diejenigen Ständekammern, auf denen augenblicklich ein großer Theil der Entscheidung in der deut­schen Frage beruht, die der vier Königreiche, sind, kaum zusammengetreten, ihrem Ende nahe und erfüllen keine der Hoffnungen, die auf sie gesetzt werden konnten. In München hat sich die Abgeordnetenkammer selbst auf die Seite der v. d. Pfordtenschen Politik gestellt, in Hannover ist gar keine Aus­sicht auf einen Beschluß der Kammern, der die Sache deS Bundesstaates irgendwie fördern könnte. In Dresden wartet die Regierung nur auf eine passende Gelegenheit um sich der Kammern wieder zu entledigen ; eS bedarf nur eines erneuerten Dringens auf die Aufhebung des Belagerungszustandes in der Hauptstadt, so wird die Auflösung nicht lange auf sich warten lassen. In Stuttgart endlich droht dem zur Revision der würtembergischen Verfassung einberufenen Landtage schon nach kaum vierzehntägigem Leben das Ende. Dieser Landtag, her­vorgegangen aus allgemeinen Wahlen, ist zu Zweidrillheilen radikal und folgt dem von Frankfurt bekannten Heißsporn Moritz Mohl. Er hat in der deutschen Frage sein Prinzip, er will die Frankfurter Reichsverfassung ganz und ungeschmälert, nur daS undemokratische Erbkaiserthum natürlich nicht, er will die Reichsverfassung trotz Ministerium Schlayer, trotz dem Bündnisse vom 26. Mai, trotz Allem, was an Hindernissen seit dem 28. März sich gegen diese Verfassung aufgethürmt hat. Er will sie, denn sie ist sein Prinzip. Natürlich würde ihn daS Ministerium aufgelöst haben, wenn er auf diesem Prinzip bestanden wäre. Jetzt droht ihm aber der Untergang schon früher in Folge eines Wortes, das die erbitterten Par­teien zum Kampfe gereizt hat. Ein Minister nannte die ehe­malige Kammer der Standeöherren noch bestehend, der Land­tag witterte darin reaktionäre WiedererweckungSgclüste und protestirte, der Minister erklärte, er habe sich übereilt mit jener Aeußerung, der Landtag aber blieb bei seinem Proteste. Es ist eben die alte Geschichte, die ewig neu bleibt; Keiner will nachgeben. So wird denn wahrscheinlich daS Ministerium sein

Auflösungsrecht gebrauchen, ehe der Landtag seinen Beschluß in der deutschen Frage gefaßt hat. Dieser Beschluß freilich würde doch ein ganz unpraktischer gewesen seyn.

Hanfemann und Scribe.

Hansemann hat ein dickeS Buch (über 380 Seiten) gegen den Bundesstaat geschrieben. Wie kann man sich nur soviel Mühe geben, sich bei allen Parteien zu Grunde zu richten? Uebrigens konnten wir das neue „staatsmännische" Werk erst gestern gegen Mitternacht durchblättern. Er will nicht, daß Preußen „zwanzig d emokrat isch unter­wühl t e S t a a t e n " mit einigen sechs Millionen Einwohnern zu seinem Schaden „erwerbe". Dies erinnert an Herrn Eugene Scribe in Paris mit der unvermeidlichen weißen Halsbinde, welcher in seinen Vaudevilles mit den Millionen auch immer so um sich wirft. Man darf freilich den Unter­schied nicht vergessen, daß Scribe's Vaudeville's amüsant sind, während der fragliche Oktavband beim ersten Blick eine andere Wirkung hervorbringt. Ferner hat Scribe bei all seinem leicht­fertigen Flon-Flon niemals ein nationales Gefühl verletzt und nicht aus Eitelkeit und autodidaktischem Hochmuth ein junges Ideal bekrittelt und bemäkelt. DaS Hansemann'sche Buch ist das herzlose Rechenerempel eines selbstgefälligen politischen Parvenüs. Da lobe ich mir die Männer der äußersten Rechten. Die verfolgen und verderben doch mit Leidenschaft! Lieber einen bösen, heißblütigen Gegner als diese spießbürgerliche Unfähigkeit der Begeisterung! So schreibt die Weser- Zeitung.

Preußen ober Oesterreich?

in.

(Schluß.)

Aber eben der „zweite Großstaat" Deutschlands welcher sich im Laufe der Zeit gebildet hat und naturgemäß sich bilden mußte, ist die Hauptursache, daß die Lage jetzt ganz anders ist, als ehedem, daß eine Herstellung der deutschen Kai- scrwürde für Oesterreich ganz unmöglich wird. Im Laufe der Völkergeschichte ist die einfache Rückkehr zu früheren Zuständen noch nie dagewesen, und wo sie versucht wurde, schlug sie in ihr Gegentheil um. Fragt man nach der Ursache so muß sie eben in Oesterreichs Politik gesucht werden, wo nicht seit drei, doch gewiß seit zwei Jahrhunderten. Soll Deutschland daS alte deutsche Reich wieder werden in seiner Zerklüftung mit dreihundert unmittelbaren und halbsouveränen Dörfern, Städten, Freiherren. Die aufrichtigsten Freunde Oesterreichs können und werden dieß nicht wünschen. Soll Deutschland aber eine einige, einzige, mächtige, ehrenhafte, glückliche Nation werden, dann kann es weder ein Anhängsel und Nebenland der österreichi­schen Krone wieder werden, wie ehedem, noch ein namenloser Spielball zwischen den beiden europäischen Großmächten Preu,