* Berlin, 9. Dez. (H. Korr.) In der gestern stattgehabten i, Sitzung des Gesummtministeriums, welcher auch der König beiwohnte , ward die Angelegenheit in Betreff der Fürsten- '« thümcr Hohenzollern - Sigmaringen und den Hohenzollern- 6 Hechingen verhandelt. Wie wir hören, wird die Einverleibung Ji dieser Fürstenthümer in Preußen nun bald erfolgen, da die bisher noch obwaltenden Schwierigkeiten beseitigt sind. Die An- gelegenheit wird binnen Kurzem vor die beiden preußischen Kammern gebracht werden, um die Genehmigung derselben
1,1 zur Uebernahme der genannten Fürstenthümer zu erhalten. Die an die beiden betreffenden Fürsten zu entrichtende Gelb- 1,1 summe, welche als eine namhafte bezeichnet werden kann, ist I11 bereits festgesetzt. Wichtig ist noch hervorzuheben , daß die ii beiden Fürsten die fernere Selbständigkeit der Fürstenthümer, n! den Zuständen in Süddeutschland gegenüber, für unhaltbar er» P klärt haben.
£ Ragnit , 6. Dez. Von den hier eingelieferten 16 Ver- V brechern, die man für Spießgesellen der Krolinus'schen Bande hielt, sind heute acht nach Ucberrumpelung des Gefängnißwär- W ters wieder entsprungen. (D, R.) in
® Wien. Die Eisdecke der Donau hat sich an den y meisten Stellen bereits kompakt gebildet; das Eis hat beinahe V Schuhdicke erreicht und wird fortwährend durch reichliches ™ Treibeis vermehrt. „Die Schiffe der Dampffchifffahrts-Gesell- m schäft", berichtet der „Lloyd", „von denen die wenigsten in । W Sicherheit gebracht werden konnten, die meisten aber vom M Froste im Strome überrascht wurden, haben beinahe durch- i" gehenbs sehr bedeutenden Schaden erlitten, der durch den im Frühjahre bevorstehenden starken Eisgang nur vermehrt werden tw dürfte, da keine Hoffnung 'vorhanden ist, daß eine mildere ich Witterung die Eisdecke vor dieser Zeit wieder zertheilt, n
ll Wien, 10. Dez. Mit allerhöchster Entschließung vom 8.
B' d. M. ist allen Jenen, welche wegen politischer Vergehen oder Verbrechen bis zu einjähriger Kerkerstrafe verurtheilk worden bi find, die Hälfte ihrer Strafzeit bereits vollendet und der kai- r™ serlicheir Gnade sich durch ihr neueres Benehmen würdig ge- bi macht haben, dte noch übrigeStraszeit nachgesehen, und das k. k. Justizministerium mit der Ausführung dieser allerhöchsten Verordnung beauftragt. eit!
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Frankreich.
neu Paris , 12. Dezbr., Morgens. Die „Voir du Peuple" inbt fordert die Repräsentanten vom Berge, so wie die übrigen ent» int! schiedenen Republikaner und überhaupt alle Gegner der Ge- »oi tränkesteuer in der Versammlung auf, sich der Abstimmung K« über den Gesetzentwurf des Hrn. Fould zu enthalten; es sey â dann mit ziemlicher Gewißheit anzunehmen, daß die Anhänger m des Ministeriums die zu einem gültigen Votum nöthige Stim- hre« mcnzahl (376) nicht zusammenbringen würden. Das demokra- deu tische Organ verpflichtet sich zugleich feierlich, die Namen der- ehe« jenigen Repräsentanten zu veröffentlichen, welche in dieser schli Frage, wo das Land einstimmig sey, gegen dessen allgemeinen
Wunsch stimmen würden.
Die „Gazette de France" sagt: „Aus der von L. Napo« mtei leon auf dem Stadthause gehaltenen Rede kann man ersehen, ue daß wir geradezu einer Verlängerung der Präsidentschaft und üb somit einer neuen Revolution entgegenschreitcn; denn sobald Su die Verfassung thatsächlich vernichtet ist, wird man nothwendig En eine andere haben müssen, falls man nicht ohne Verfassung, )rur wie ohne Grundgesetz, d. h. ganz nach Willküyr regieren will.
Dies ist, man muß es gestehen, eine sehr beruhigende Aussicht für den Gewerbfleiß und für die Arbeit."
find In einem konservativen Organe liest man: „Die Mehr« j[ di -ahl der Begnadigten von Belle-Jsle hat sich wieder der Ar- Hat Veit zugewendet, und darauf verzichtet, die Agitatoren zu fein machen; eine gewisse Anzahl unverbesserlicher Menschen aber i ait hat nichts Eiligeres zu thun gehabt, als ihre alte Gewohnheit )igiif wieder aufzunehmen, d. h. KlubbS zu bilden, und die Weintz', t schenken zu besuchen, um dort Anarchie zu predigen. Dies ist i e n1 ihre demokratische und soziale Manier, die Wohlthaten der Frei- Pre» heit nützlich anzuwenden. Die Behörde, von den Weinwirthen nv fr benachrichtigt, welche ihre Säle nicht in heimliche Versamm- üb! lungsorte umgcwanbelt wissen wollen, soll ihre Ueberwachung verdoppelt haben.
Der schon früher aus dem Gefängnisse zu Ham unter dem Vorbehalte, daß er die Stadt nicht verlassen dürfe, entlassene Bon-Maza hat jetzt, wie man hört, von L. Napoleon seine völlige Freiheit zurückerhalten.
Der „Peuple" hat seit dem 8. Sept. 1848 nicht weniger als 18 Prozesse auszuhalten gehabt, die ihm zusammen 81,800 Frs. Geldstrafe und 43 Jahre Gefängniß für seine Geranten gekostet haben.
— In der Jnvalidenk'rche werden Vorkehrungen zu dem Gedenkgoltesbienste getroffen, welcher zur Feier des achten Jahrestages der Ankunft von Napoleon's Asche äbqehaltea werben soll. Der Erzbischof von Paris wird die Messe lesen, und L. Napoleon, sowie seine Familie, anwesend seyn.
Schweden
Upsala, 27. Nov. Ein Schreiben von hier berichtet, zufolge der Times, daß die Herzöge von Ostgothland und Daln carlien, die jetzt auf der Universität von Upsala stubiren, die in einem Grabgewölbe der Calhedrale beigesetzten sterblichen Ueberreste Gustav Wasa'S zu sehen wünschten, und daß daS Gewölbe ihnen auf spezielles Geheiß deS Königs geöffnet wurde. Von dem Körper des großen Monarchen fand man zwar nur noch das Geripp übrig, aber seine Kleidung, im altspanische» Kostüm, vollkommen erhalten, fast als ob sie noch neu wäre. Der Stoff besteht aus Sammt und Seide mit Gold- und Silberverbrämung. Krone, Szepter, Reichsapfel und die Scheibe des Königsschwerts, wie die Scbnallen am Gürtel und den Schuhen sind von feinem und massivem Gold und zu« Theil mit Edelsteinen verziert.
Sprechsaal
für Stadt und Land.
Die Goldberger'schen Rheumatismusketten.
Schon seit langer Zeit sind die nassauischen Zeitungen und Anzeigeblätter mit Anpreisungen und Empfehlungen der Golk berger'schen galvano-elektrischen Rheumatismusketten ungefüllt und der Absatz dürfte groß und vortheilhaft seyn, denn die JnsertionSgebühren müssen beträchtliche Summen kosten. Doch die Anführung eines Punktes wird genügen, die Unwirksamkeit dieser Rheumatismusketten zu beweisen.
ES ist ein bekanntes physikalisches Gesetz, daß zwei het» rogene Metalle ohne flüssigen Zwischenleiter keinen elektrische» Strom erzeugen. Einem Physiker brauche ich das freilich nicht zu sagen; aber die Erfahrung hat gelehrt, daß mancher (Gerichts-) PhysikuS kein Physiker ist, und da nicht allein ba6 Publikum, sondern mancher (Gerichts-) Arzt sich täuschen ließ, und sogar ärztliche Zeugnisse über die Wirksamkeit dieser Seite prangen, so ist es an der Zeit, Dem zu begegnen.
Ich hätte nicht gedacht, daß seit der geistreiche Professor Heidenreich in Anspach , der erste Matador der medizinischen Physik, die Unwirksamkeit jener Ketten nachgewiesen, noch ein Arzt ein Zeugniß zu ihren Gunsten öffentlich ausstellte. Heidenreich hac ja durch die craktesten Versuche erhärtet, daß die ganze Wirksamkeit der Kette höchstens auf dem Kitzel deS um« gehängten Metalldrahtes und auf — der Einbildung bericht. Ein wirklichen Erfolg hat daher auch noch Niemand von der Anwendung dieser Kelte gesehen.
Es ist deßhalb wahrlich Zeit, das Publikum zu belehren, und eS ist nicht nur Pflicht jedes Arztes, ries zu thun, sondern namentlich haben auch diejenigen Blätter, die sich so gern die volksaufklärenden nennen, die heilige Verpflichtung, hier aufklärend zu wirken, da sie durch die Annoncen am meiste» zur Verbreitung beigelragen.
Eine andere, hier nichl zu erörternde, aber höchst interessante Frage ist die, ob eine Regierung, die die Gesundheit der Staalsangehörigen nur den von ihr approbirten Aerzlen an- vertraut wissen will, diesem Eingriff eines Laien in die ârzt» liche PrariS ruhig zusehen darf? 8—.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
