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mehrere Behörden, die bis jetzt in anderen Städten der Pfalz ihren Sitz haben, dahin verlegt werden. Die Erträgnisse der pfälzischen Ludwigsbahn entsprechen den früher so hoch ge­schraubten Erwartungen nicht ganz, allein dennoch sind diesel­ben befriedigend. Die Zukunft dieser Linie hängt von der Verbindung mit Frankreich ab und diese wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Die Auswanderung nach Amerika wird im nächsten Früh­linge bei unS sehr beträchtlich werden. Man schätzt die Zahl der Familien, welche schon im Monat März fortzugehen ge­denken, auf mehrere Hunderte.

Gotha, 3. Dez. Unsere Deputirtenversammlung ist heute durch Reskript der Staatsregierung, da das den Abgeordneten auferlegte Mandat früher erfüllt sey, aufgelöst und die unge­säumte Einberufung einer neuen Deputirtenversammlung auf Grund des von dem aufgelösten Landtage geschaffenen Wahl­gesetzes (direkte Wahlen) von Seiten der StaatSregierung in Aussicht gestellt worden. Unter mehreren vor der Auflösung verlesenen Eingängen war auch ein Erlaß des Staatsministè- riumS, welcher dem Beschlusse der Abgeordneten wegen Ein­führung der Oeffentlichkeit und Mündlichkeit bei politischen und Preßprozeffen die landesherrliche Sanktion versagte.

Dresden, 4. Dezbr. (D. A. Z.) Die II. Kammer hat den Antrag deS Abg. Oberl. Müller, die Aufhebung des Bela­gerungszustandes in Dresden und Krimmitzschau betreffend, mit 48 gegen 7 Stimmen angenommen.

Aus Mecklenburg, 3. Dez. Während bie Reaktion alle Mächte der Erde gegen unsere Verfassung zur Hilfe ruft und leider nur zu viel Gehör für ihre Rechtsverletzungen findet, schreitet unser Ministerium unverwandt auf der betretenen Bahn fort und veröffentlicht jetzt eine Verordnung wegen V o r n ah m e d e r W a h l e n zu der nächsten Abgeordneten­kammer, welche verfassungsmäßig am 1. Februar k. I. zu- fammentreten soll.

H Berlin, 4. Dezbr. Die Lith. Korresp. berichtet, in der Deutschen Frage herrsche in Folge eines neuerlichen Minister­rathes vollkommene Meinungseinheit. Der König sey den Ansichten des Hrn, v. Manteuffel in allen Stücken beigetreten, und in Folge dessen hätten auch die Minister Simons und von der Heydt ihre hier und da abweichenden Ansichten auf­gegeben.

Berlin, 5. Dez., Abends. (K. Z.) Der eben ausgegebene „Preuß. Staats-Anzekger" veröffentlich das vom Staalsmini- sterium erlassene Reglement zur Ausführung der Verordnung vom 26. Nov. in Betreff der Wahlen der Abgeordneten zum VolkShause. In den Paragraphen 1 und 20 wird den Ober- Präsidenten vorgeschrieben, unverzüglich die Einrichtung der Wahlbezirke vorzunehmen und die Wahlkreise, die Kommissa- rien und die Wahlorte zu bestimmen.

Berlin. Der Prozeß, der gestern sein Ende erreicht hat, wurde heute sogar in die Debatten der I. Kammer hineinge­zogen. Herr v. Gerlach, seines Verhältnisses zu dem ge­strigen Urtheil uneingedenk, wagte es, in Bezug auf die Ge­meindeordnung , wie er früher bei der Verfaffungsreviston ge- than, zu äußern, man verdanke diese Gemeindeordnung „dem N. N., der gestern das Kriminalgefängniß verlassen." Von vielen Seiten rief man dem Führer der Kreuzzeitungspartei zu: „Ohm! Ohm!" Verschiedene Redner der Linken wiesen auf das Unparlamentarische in dem Auftreten des Hrn. von Ger­lach hin. Vielleicht hätten sie besser gethan, ihm bemerklich zu machen, wie sehr er vor Allen Grund habe, den Namen Wal­deck zu vermeiden.

Berlin, 4. Dezbr. (A. Z. -K.) Heute Abend sollen dem Ober-Tribunalrath, Herrn Waldeck, von seinen Freunden beson­dere Huldigungen zu Theil werden. Einzelne Häuser und Straßentheile, namentlich in den Vorstädten, waren bereits gestern Abend illuminirt. Im Falle Hr. Waldeck nicht, wie er früher beabsichtigt haben soll, mit seiner Familie eine sofortige Erholungsreise nach Westphalen zu seinen Anverwandten an- tritt, dürfte er in diesen Tagen seinen Sitz beim Ober-Tribu­nal wieder einnehmen. — Die konservative Partei ist sehr un­zufrieden darüber, daß gestern keine geeigneten Vorkehrungen getroffen waren, um allen demonstrativen Aufläufen vorzubeu­

gen. Berlin hätte, wie sie behaupten, am Nachmittag wieder vollständig das Ansehen früherer Zeiten gehabt, ungeachtet doch jetzt die Regierung stark genug sey, um dergleichen zu verhin­dern. — Man will nachrechnen, daß der Buchhändler Hempel durch Herausgabe deS stenographischen Berichtes über den Waldeck'schen Prozeß gegen 10,000 Thaler verdient habe und noch mehr hätte verdienen können, wenn er daS Unternehmen gleich anfangs noch energischer angriff. Es sollen von jeder Nummer, deren einige zwanzig erschienen sind, zwischen 20- und 30,000 Eremplare abgegangen seyn. Noch täglich kommen Nachbestellungen.

Nachschrift. Am Schluffe unserer Korrespondenz er­fahren wir, daß Waldeck bereits nach Westphalen abgereist, so wie daß Hr. Gödsche spurlos verschwunden sey. Verbürgen können wir jedoch weder das Eine noch das Andere.

Berlin, 4. Dezember. Ueber Rußlands Haltung in der deutschen Angelegenheit hört man verschiedene Angaben. Es werde sich neutral halten, erzählen die Einen, aber der Kaiser habe gesagt, er wolle gegen denjenigen marschiren lassen, der den Krieg beginne. (Als ob ein Krieg zu erwarten sey! Be­schäftigt sich auch der Kaiser mit unmöglichen Eventualitäten?) Aber an einer andern unterrichteten Stelle heißt es, Rußland unterstütze Oesterreich. Man meint freilich nur eine diploma­tische Unterstützung. Und da kann beides feinen Grund haben. — Während die „Jntependance" Perstgny's Senvung nach Berlin in Abrede stellt, scheint er hier erwartet zu werden. Er vertrat neulich die Idee einer Allianz Deutschlands und Frankreichs mit großer Wärme und nicht ohne Beifall. Unter Deutschland war Preußen vor Allem verstanden und so wird Persigny, sollte sich seine Mission bestätigen, von unserem Bun­desstaat anders denken lernen, als die übrigen Diplomaten, welche sammt und sonders, mit wenigen Ausnahmen, zu seinen entschiedenen Gegnern gehören.

Wien. Die Ostdeutsche Post schreibt: Am 29. Nov. früh erschien der Kaiser unversehens an der Taborlinie und fand eine lange Reihe mit Viktualien beladener Wagen auf die Be­amten harrend, welche sich noch nicht eingefunden hatten. Der Kaiser soll sebr entrüstet gewesen seyn: ähnliche Fälle dürften ob ihrer Folgen schwerlich mehr vorkommen.

In O e st e r r e: ch bestehen bereits 106 Telegraphenbureaur; binnen drei Jahren, wo die noch zu errichtenden Linien been­digt seyn werden, dürften noch an 200 Bureaux hinkommen. Sämmtliche Büreaur sind nach den vier Weltgegenden in vier Inspektionen eingetheilt.

Wien, 30. Nov. Nach den neuesten Meldungen in Be­treff des ungewöhlich anhaltenden Schneefalls sind die Statio­nen Gänserndorf, Angern, Dürnkrut, Hohenau, Mâhrisch-Neu« dorf und Göding gänzlich verweht. Zwischen Brüssau und Zwittau ist in letztverflossener Nacht die Verwehung an mehre­ren Stellen eingetreten. Für den Postverkehr wird auf anderm Wege vorgesorgt. Heute sind weder auf der Brucker noch auf der Gloggnitzer Bahn die Züge abgegangen.

Wien, 1. Dez. Der Minister deS Auswärtigen hat vor 2 Tagen abermals eine D ep e s ch e nach Berlin gesandt, deren Inhalt, wie man sich in wohlunterrichteten Kreisen er­zählt, entschieden gegen die Einberufung deS Erfurter Reichs, tages Protest einlegt. (N. C.)

Wien, 1. Dez. Das im Ban begriffene neue Arsenal vor der Belvederelinie wird eins der großartigsten Unternehmen seiner Art werden. Die Länge des Gebäudes wird 400 Klafter, die Breite 300 Klafter betragen. Außerdem daß damit Zeug­haus, Gewehrfabrik, Geschützgießerei, Bohrwerk nebst allen technischen Artilleriewerkstätten vereinigt sevn werden, erhält dasselbe auch noch eine Kaserne, Kirche, Spital und Wohnungen für etwa 6000 Personen. Der Bau, welcher schon weit vor­geschritten ist und bei rein über 12 Mill. Ziegel verwendet worden seyn sollen, leiten die Architekten Förster, v. d. Nulle und Sieghardtsburg.

Erzherzog Johann wird nicht, wie es hieß, diesen Winter in Meran zubringen, sondern nach Wien kommen, um dem jungen Kaiser seine Huldigung barzubringen und mancherlei Geschäfte zu schlichten. Ein Besuch Tirols ist jedoch vom Erzherzog im kommenden Jahre in Aussicht gestellt. (Presse.)

Einem Privalschreiben entnimmt daS Fremdenblatt fol­gende Daten über Klapka'S letzte Irrfahrten und seinen gegen-