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Mtodj mehr der Befehl, den daS Armeekorps in Böhmen er» fühalten haben soll, sich marschfertig zu halten. Zu einer Jnter- an<vention in Sachsen oder wegen eines Zerwürfnisses mit Preu- harßen? so fragen die Journale, ohne als Antwort etwas mehr ^eralS Konjekturen dafür zu finden. Die Nordbahn hatte ihre dichurch daS Unwetter unterbrochenen Fahrten wieder begonnen.

Wien, 29. Nov. (D. Z.) Trotz Kälte und Schneegestöber teilten gestern Abend Hunderte von Neugierigen auf den Mi- chaelsplatz, um sich selbst zu überzeugen, ob denn wirklich ein Wunder geschehen oder ob es Wahrheit, daß die Fenster des ' ReichStagslokalS erleuchtet seyen: und eS war Wirklichkeit, die Fenster glänzten hell erleuchtet in das Schneelicht und die J Kunde drang in alle Gast- und Kaffeehäuser der Residenz, daß ■ im Reichstagssaale Vorbereitungen getroffen würden, um mehr . Raum zu gewinnen für den Reichstag, dessen Einberufung nun J sicher erfolgen werde. Aber nach genauerer Nachforschung er« hielten wir eine ebenso unerwartete als komische Aufklärung 1 über die Ursache der hellen Fenster. Im Burgtheater gab man . 1 die „Jungfrau von Orleans" und die darin beschäftigten Sta- ‘ tisten kampirtcn in dem an das Theater anstoßenden Reichs- tagssaale: daher die Erleuchtung.

m« Dem Oesterr. Korrespondenten wird aus Preßburg vom kn! 28. Nov. geschrieben: Der Regierungsantritt Sr. Maj. des -G Kaisers wird am künftigen Sonntag hier auch dadurch gefeiert öoj werden, daß an diesem Tage die Reichsverfassung vom 4. März in solenner Weise verkündigt wird. Um derselben die größte Publizität zu geben, wurde zugleich auf Kosten der Kommune an| die Drucklegung von einigen tausend Eremplaren beschlossen, welche öffentlich vertheilt werden sollen.

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dk- Frankreich.

ui(‘ Paris, 30. Nov. (A. Z.) Die verlornen Kinder so vie- ler Parteien, welche sich in der Hoffnung auf Sinekuren der [ Politik des Elysee angeschlosscn hatten, und im Grunde blos „^Trabanten deS Hrn. Persigny bildeten, ziehen sich in dem âMaße zurück, als sie sich in ihren Erwarlungen getäuscht sehen. MilSie wandern inS Lager der feindlichen Vetter und lassen ihrem Zorn und Geifer in dem Sudelblatt „La Liberte" freien Lauf. Jm^Elysee selbst sucht man einzulenken, und sich der Majorität g, der Nationalversammlung zu nähern. DaS Schmollen mit gn Thiers hält man für bedenklich, und darum wird Mole, der oft bei „Hofe" speist, als Vermittler gebraucht, um den un- entbehrlichen modernen Talleyrand ins bonapartifche Interesse zu ziehen. Ob eS gelingen wird, ist um so mehr zu bezwei­feln , als Verbindlichkeiten zwischen Hrn. Berryer und Hrn. Thiers vorhanden sind, die zu brechen in den Macht weder des einen noch deS andern zu liegen scheint. Für den 10. Dez. ! werden große Vorbereitungen getroffen. Ludwig Bonaparte wird an diesem Tage nicht nur Aufwartungen entgegennehmen, ; . sondern auch Begnadigungen und Orden in Menge gewähren, ö Vielleicht erscheint auch ein Rechenschaftsbericht über vaS Jahr - I seiner Regierung. Man behauptet, es dränge ihn wieder ' ein Manifest vom Stapel laufen zu lassen. Der Prinz von . Moskwa meinte neulich, daß die Volksvertreter jenen Tag nicht dankbarer begehen könnten, als wenn sie den Präsidenten mit einer beträchtlichen Gehaltszulage überraschten. Mit „dem Kredit" allein reichen die Bonapartisten nicht aus. Die Natio- y. naliften besaßen ihn ebenfalls seiner Zeit, und heute müssen sie Ki hungern und darben.

w Paris, 4. Dezember, Morgens. Nach dem „Evenement" az sollen zwischen L. Napoleon und dem Ministerrathe bezüglich sch der Amnestiefrage ernste Meinungs-Verschiedenheiten obwalten. Ersterer will die bezüglich der Transportirten von Belle -Jöle v« -faktisch bereits verwirklichte Amnestie auch auf die Eingesperr» lur ten von Doullens (die Verurtheillen vom 13. Juni) ausveh- d nen, während daS Ministerium Bedenken trägt, eine so wich­tige Maßregel zu genehmigen.

j Italien.

Die Opinione glaubt die Wahrheit der folgenden Anekdote verbürgen zu können: Der Podesta von Mailand machte vor kurzem dem Marschall Radetzky seine Aufwartung und wagte in6 ts anzudeuten, daß oer Belagerungszustand jetzt, wo der Friede tut überall wiederhergestellt sey , ohne Gefahr wieder aufgehoben ißi werden könne. „Ich bedaure," erwiderte der Marschall, „Ihren

Wunsch nicht erfüllen zu können; der gegenwärtige Friedens» zustand ist nicht dauerhaft, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß wir im Frühlinge genöthigt seyn werden, eine militärische Erkursion nach Sardinien zu machen."

Großbri sannt en.

London, 3. Dez. Die englische Fregatte „Eurydice" ist am vorigen Freitag vom Kap der guten Hoffnung mit Depe­schen des Gouverneurs, Sir Harry Smith, in Plymouth cm» gekommen. Sie verließ die Kapstadt am 12. Okt. In Folge des Entschlusses der Kolonisten, sich der Aufnahme der im „Neptune" zu ihnen gebrachten Sträflinge zu widersetzen, konnten weder Flotte noch Heer sich Lebensmittel und sonstige Bedürfnisse auf dem gewöhnlichen Wege verschaffen, da sich Jedermann weigerte, den Beamten und Truppen der englischen Regierung irgend etwas zu verkaufen. Der Gouverneur war daher genöthigt, Gewaltmaßregeln zu ergreifen, um von sich und den übrigen Dienern Ihrer Majestät die drohende Gefahr des Hungertodes abzuwenden. So ließ er z. B. Ochsen wäh­rend der Arbeit ausspannen, zahlte einen festgesetzten Preis für dieselben, und schickte sie dann zum Grasen auf Weideland, welches der Regierung gehörte. Auf diese Weise wurden die See- rind Landtruppen wenigstens mit Fleisch versorgt, wenn auch nicht eben in sehr reichlichem Maße. Eigentliche Ruhe- störungen waren bis zur Abfahrt „Eurydice" nicht vorgekom, men, obgleich die Aufregung aufs Höchste gestiegen war. Die Kolonisten hatten erklärt, daß sie die königlichen Schiffe mit keinerlei Borräthen versorgen würden, solange das Verbrecher- Schiff in der Bai liegen bleiben würde, worauf der Gouver­neur erwidert hatte, er habe alle möglichen Zugeständnisse ge­macht, und werde sich durch Drohungen nicht einschüchtern lassen. Doch war das von ihm an den „Anti-Sträflingsverein* gerichtete Schreiben, in welchem er die Gründe seines Ver­fahrens auseinandersetzte, und das Verhalten der Kolonisten rügte, in gemäßigtem Tone gehalten.

Die „Times" widmet Hrn. Heinzen heute einen Leitartikel. Daß sie besonders hart mit ihm umgeht, kann man nicht gerade sagen. Uebrigens meint sie, ein Mann, welcher die Reaktionäre, d. h. die politisch Andersdenkenden, bis zum Chimborasso und Himalaya verfolgen, und ihnen keinen anderen Zufluchtsort, als das Grab, verstattet wissen wolle, habe doch eigentlich nicht das Recht, sich über Verfolgung zu beschweren, und zu verlangen, in England geduldet zu werden. „Wenn wir Hrn. Heinzen," so lautet der Schluß des Artikels, „nach seinen eigenen Worten beurtheilen wollen, so ist weder er noch irgend Jemand sonst zu ähnlichen Ansprüchen berechtigt, und wenn wir ihm erlauben, hier zu bleiben, so thun wir nichts Anderes, als daß wir die Gesetze deS wahren Sozialismus über­schreiten."

London. Der „Globe" bringt einen leitenden Artikel zur Rechtfertigung des Lord Kommissars der Jonischen Inseln. Sir Henry Ward gehört in England zur liberalen Partei, und nichts, bemerkt der „Globe" mit Recht, erfordert so viel sitt­lichen Muth, so feste Grundsätze, als die Stellung eines libera­len Staatsmannes, wenn er berufen ist, Greuel zu bekämpfen, die im entweihten Namen der Freiheit begangen werden. Ohne viel zu fragen, ob man in England auch sein Betragen miß­deuten werde, hat Sir Henry sich durch rechtzeitig entfaltete Strenge den Dank aller Besitzenden und aller arbeitenden Be­wohner der Jonischen Inseln erworben. Man hat in England viel über die Grausamkeit geschrieen, mit welcher Sir Henry die italiänischen Flüchtlinge von Korfu zurückwieS; man hat nicht bedacht, einmal, daß die Ionischen Inseln nicht im Stande waren, diese 1300 Ausländer auf die Dauer zu ernähren, zweitens, daß der englische Kommissär offene Rüstungen gegen Oesterreich nicht dulden durfte, ohne daS Völkerrecht zu ver­letzen. Die österreichische Presse hat schadenfroh viel über-die „blutige Unterdrückung deS cephalonischen Aufstandes" dckla- ntirt, die Wahrheit aber ist, daß während der ganzen Dauer desselben 21 Personen hingerichtet wurden, kein einziger wegen bloßen KomplotttrenS, sondern alle überwiesen auf die könig­lichen Truppen gefeuert und hochverräterische Handlungen, außerdem aber Mordthaten, P l ü n d c r u n g u n v Brandstiftung begangen zu haben. Sir Henry Ward hat nicht mehr gethan, als was General Eavaignak, der Republikaner, während des PariserIJuniaufruhrs that.

Verantwortlicher Rebakieur: W» H» Riehl.