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Berlin. Der Hempel'sche stenographische" Bericht über den Prozeß Waldeck wird in mehr als 25,000 Eremplaren abgesetzt. In Berlin allein ist eine Abonnentenzahl von mehr alS 10,000.

Breslau, 30. Novbr. (Bresl. Ztg.) Das anhaltende Schneegestöber hat die Wiederherstellung eines regelmäßigen Verkehrs auf der oberschlesischen Bahn leider gehindert. Seit gestern Mittag ist von BreSlau aus kein Zug abgegangen. In der vergangenen Nacht traf der gestern Nachmittag fällige Wiener Zug ein. Der Mittags fällige Güterzug langte 7 Uhr Abends an. Es fehlen mithin folgende auS Oberschlesien ab­gehende Züge: der gestern Abend fällige Güterzug, desgleichen der Personenzug und sämmtliche heutige fahrplanmäßige Züge. Laut telegraphischer Depesche aus Ratibor hat die Nordbahn gestern Abend keinen Zug aus Wien abgelassen. Die Admini­stration der oberschlesischen Bahn befindet sich noch ohne nähere Nachricht von der Strecke. Vermuthlich wurden auch von Oberschlesien auS heute keine Züge abgefertigt. Es scheint, als befänden sich die ausgebliebenen Züge in Brieg. In­zwischen dürfte der losscner Durchstich unwegsam geworden seyn. Auch scheint es, alS sey die Bahn, sowohl zwischen Brieg und Ohlau, als zwischen Ohlau und BreSlau unfahrbar. Eine seit gestern unterwegs gewesene leere Maschine wurde heute Morgen durch drei große Lokomotiven aus Kältern ein# gebracht, von wo auS dieselbe allein nicht weiter konnte. Eine Maschine, welche heute Morgen 10 Uhr von hier abfuhr, um möglichst bis Ohlau zu dringen, soll nach 5 Uhr AbendS zu­rückkehren. Ob der morgende Frühzug wird abgehen können, ist sonach noch nicht zu bestimmen. Die Briefpost wird durch Estafetten befördert. Auf der niederschlesischen Eisenbahn scheint der Verkehr zwar erschwert, aber nicht gehemmt. Der gestern Abend fällige Tageszug blieb auS und traf erst heute Mittag zugleich mit dem Nachtzuge ein, der sich um etwa 3 Stunden verspätet hatte.

Schweiz.

Aus der Schweiz, 30. Novbr. (K. Z.) In Rorschach iß die Wittwe des in Pest Hingerichteten Grafen Ludwig Bat- thyani mit ihren Kindern eingetroffen, und wird dort ihren Aufenthalt nehmen. Ihre Schwester, die Gräfin Westerhold, mit ihrem Gemahl wohnt schon seit längerer Zeit dort.

Großbritannien.

London, 30. Nov. (D. Z.) Die Berathungen über die schwierige Frage, ob es rathsam sey, die Hinrichtungen gänz­lich abzuschaffen oder beizubehalten, aber sie dem Auge des Publikums zu entrücken und im Innern der Gefängnisse in Gegenwart weniger richterlicher Zeugen vollziehen zu lassen, wie namentlich Hr. Dickens will, nehmen in den Zeitungen und Meetings ihren Fortgang. Die vom Pöbel bei der Hin­richtung der Eheleute Männig begangenen und von Charles Dickens so eindringlich geschilderten Rohheiten haben diese Frage hauptsächlich angeregt. Es haben bereits mehrere Meetings staltgesunden, auf denen man übereinkam, Bittgesuche um gänz­liche Abschaffung der Todesstrafe an das Parlement zu richten. Bei einem solchen in Southwark gehaltenen Meeting bediente sich ein Geistlicher, Namens Henry Christmas, einer eigenen Beweisführung. Die heilige Schrift, sagte er, enthält zwar den Spruch, daß, wer Blut vergossen habe, dessen Blut auch wieder vergossen werden solle; aber das sey nicht buchstäblich zu nehmen; so habe ja Kain seinen Br der todtgeschlagen, und doch habe er nicht gehört, daß Kain gehängt wor­den sey: Simeon und Levi hätten die männliche Bevölkerung einer ganzen Stadt kaltblütig ausgerottet, und keinen von bei­den habe man dafür aufgeknüpft, MoseS habe unbestraft einen Aegyptier erschlagen und sich dabei sehr besorglich umgeschaut, „ob kein Polizeibeamter in der Nähe sey." Letzterer im Munde eines Geistlichen gewiß schlechte burleske Witz erregte, wie sich denken läßt, vieles Lachen. Die Britannia, die sich über die Ungläubigkeit dieses Geistlichen stark ereifert, meint sehr rich­tig, eS sey eben in allen diesen Fällen kein Gericht da gewe, sen, um die Uebelthäter zur Strafe zu ziehen.

Sprechsaal für Stadt und Land.

* Zur Unterhaltung an den langen Winterabenden.

Von dem pensionirten Hofgerichtspräsidenten Raht ist uns nachfolgende lange Epistel zugekommen, welche wir jedoch trotz ihrer Länge dem Publikum vollständig mittheilen, da sie nach unserm Dafürhalten jedenfalls den pikantesten Artikel bildet, welchen unser Blatt im Laufe dieses JahreS gebracht hat. Es ist zwar eine große Naivität, einem Redakteur zuzumuthen, einen Brief, wie den nachfolgenden, im eignen Blatte abzu- drucken, der im Wesentlichen aus nichts als aus Verdächtigun­gen des Blattes selbst, ja aus offenbaren Beschimpfungen seiner Mitarbeiter zusammengesetzt ist, allein wir stellen uns trotzdem gleichfalls auf den naiven Standpunkt des Briefstellers und drucken den Brief buchstäblich ab. Herr Raht beansprucht, daß dieser Abdruck zu seiner Satisfaktion geschehe, wir um sererseits entsprechen seinem Wunsche mit Vergnügen, weil wir glauben, daß in diesem Briefe unsere größte Satisfaktion liege. Denn niemals hat es ein Korrespondent dieses Blattes gewagt, ein so ungünstiges Bild von Hrn. Raht zu zeichnen, als er in diesem Briefe von sich selber mit meisterlichem Pinsel entwirft.

Nur Eine Bemerkung erlauben wir uns noch vorauSzw schicken, weil sie eine offenbare Unwahrheit betrifft, durch deren stillschweigenden Abdruck wir die Meinung erwecken könnten, als seyen wir damit einverstanden. Schon ganz kurze Frist nach dem Entstehen unseres Blattes ist zum Behufe löblicher Verdächtigung in der Freien und damals noch eristirenden Nassauischen Zeitung die infame Lüge auSgestreut worden, unser Blatt stehe im Solde der Regierung, was darin enthal­ten, seyen Ansichten der Regierung u. dgl. Wir haben dieser Lüge entgegen wiederholt erklärt, daß nichts Offizielles an unserm Blatte ist, als der „Amtliche Theil," und daß mit dem Striche, welcher denselben schließt, ein reines Parteiorgan der­jenigen Partei beginnt, die man meinetwegen die ministerielle nennen mag, s o lange das Ministerium sich auf konstitutio­nellem Wege hält, und die Opposition eine solche Fastnachts­Politik durchführt wie bisher. Die Heute, wetoK-w« der Nass. Allg. Zeitung als von einem Regierungsorgane sprechen, müssen niemals ein wirkliches RegierungSorgan angesehen haben, sie würden sonst wissen, daß ein solches nicht in dem Tone der offenen Partei-Polemik gehalten seyn darf, welchen wir niemals unkerdrückt haben, daß vielmehr dadurch eine Regierung sich selber das größte Dementi geben würde, denn sie soll objektiv dastehen in dem Kampfe der Parteien. ES gibt aber Leute, die so lange Andern etwas vorlügen, bis sie zuletzt selber daran glauben, und gerade so ergeht es auch un­sern Demokraten. Sie haben so lange ihren Mitbürgern vor­gelogen, in jedem Artikel der Nass. Allg. Zeitung seyen die Inspirationen der Regierung zwischen den Zeilen zu lesen, daß sie nunmehr selber daran glauben.

So kommt auch Hr. Raht zu der Behauptung, in den beiden von ihm bekämpften Artikeln unseres Blattes seyen die Motive der Regierung in dem Verfahren gegen ihn nieverge- legt! Wir können einen Mohren nicht weiß waschen und eben so wenig wird eS uns gelingen, den Demokraten den Selbst­betrug zu nehmen, daß in den nichtamtlichen Artikeln unseres Blattes die Ansichten der Regierung niedergelegt seyen, aber wir müssen doch hier noch einmal unsern Protest dagegen ein­legen. Denn eine originelle „Dreistigkeit" bleibt es immer, wenn man einer Redaktion, die wiederholt erklärt hat, daß ihr Blatt nicht die Ansichten der Regierung als solcher vertrete, einen Artikel zur Aufnahme zuschickt, dessen Argumentation von A — Z auf die Voraussetzung gegründet ist, daß Motivirungen, weil sie in der Nass. Allg. Zeitung (dem Regierungsorgane!) gestanden haben, deßhalb auch die Motivirungen der Regierung seyn müssen!

Und nun möge der Brief des pensionirten Hrn. HofgerichtS- Präsidenten Raht folgen:

Herr Redakteur!

Sie haben, getreu dem seit der Entstehung IhreS Blat­tes und besonders seit dessen Erklärung zum RegierungSorgan befolgten Systeme, eS sich zur Aufgabe gemacht, daS in mei­ner Person mit Verletzung der Grundrechte des deutschen Vol­kes und der Verfassung des HerzogthumS gegen die Unabhän­gigkeit der Richter und der Rechtspflege begangene Attentat in einer Reihe von Artikeln, besonders aber in den Nummern