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Berlin, 29. Nov. Die Verhandlungen wegen der Jnstal- ation der Frankfurter Zentralkommission gehen ihrem Ende ntgegen. Zuerst verlangte Oesterreich, der Reichsverweser olle die Kommission feierlichst installiren. Preußen konnte iesem Verlangen nicht genügen und refüsirte. Höchstens wird ran zugeben, daß der Reichsverweser in Gegenwart der Kom- aission (nicht in ihre Hände) sein „Mandat" niederlegt. Aber ie zweite Forderung Oesterreichs, der Reichsverweser solle in Gegenwart der andern Bevollmächtigten abdiziren, kann Preußen gleichfalls nicht erfüllen. Darüber wurden die Verhandlungen Ikpflogen, und man glaubt, sie würden eine für unS befrie- igende Lösung erhalten.

Ein Brief aus Würtemberg theilt mit, zwei Mitglieder elbst des gegenwärtigen Ministeriums neigten sehr zum An« chluß an den Bundesstaat. Römer agitirt seinerseits , aber er König ist und bleibt separatistisch.

Berlin, 30. Nov. (W. Z.) Zuverlässige Briefe lassen mS nicht mehr daran zweifeln, daß die vier Könige, die den Lundesstaat nicht wollen, in der That ein Schutz- und Trutz- >ündniß gegen denselben eingegangen sind und Kongresse u. igL Pläne beabsichtigen. Die Einberufung des Reichstages vird ein festes Bollwerk dagegen seyn.

Berlin, 30. Nov. Die Reaktion hat einen furchtbaren Schlag erlitten. So müssen wir Waldecks Prozeß, bei der Wendung, die er nimmt, auffassen. Die Reaktion war die An- lâgerin, sie drang auf seine Verstrickung, in ihm wollte sie er Revolution den Kopf abschlagen. Sie hatte in der Ver­wendung und dem Haß, die alle ihre Schritte bezeichnen, auch »ierbei gehandelt. Waldeck war nie daS Haupt der Revolu- ion, nur deren Aushängeschild, und ein Unterliegen in dieser Sache konnte zu einer Totalniederlage sür sie werden. Wir agen, die Reaktion war Anklägerin, denn der Regierung müssen »ir die Stelle einer gezwungenen Richterin vindiziren. Dem Ministerium Brandenburg-Manteuffel konnte wenigstens der Prozeß nur unerwünscht kommen. Unerwünscht auch dann, -enn Waldeck schuldig befunden, verurtheilt ward. Noch ist «er Prozeß nicht entschieden, aber so gut wie entschieden. Wir reinen nicht den wohl vorbereiteten Deus ex machina, die )'Estersche Erklärung, vor dem Notar in der Schweiz adge- eben, daß er die verfänglichen Briefe nicht geschrieben, welche eute eine Schlagwirkung auf das Auditorium hervorbrachte, ondern das gänzliche Zerfallen der Anklage in sich selber, seit er Mitangeklagte Ohm die Maske selbst abgerissen und in einer ekelhaften Nacktheit und doch Falschheit vor uns steht. Waldeck wird freigesprochen; dies hätte nichts auf sich, er leibt doch gerichtet mit seiner ganzen Partei. Auch daß er feben Monate lang unschuldig in Untersuchungshaft saß , hat r mit Andern gemein. Aber daß die hohe Polizei mit den Anklägern entweder unter einer Decke gespielt, oder sich grob# ich von ihnen täuschen lassen, daß sie in der Person deS bolizeipräfidenten in einer Art vor Gericht auftrat, daß der Gerichtspräsident die Rollen tauschen und Zeugen und An­läger als Angeklagte behandeln mußte, das macht die Sache o ernsthaft, daß sie ohne eine Krists nicht enden kann. Die Stadt ist still, aber die Aufregung groß.

I Ein Veteran der juristischen und allgemeinen Literatur, ö,err Dr. Jul. Ed. Hitzig, vormaliger Kriminaldirektor, ist M 26. November, beinahe 70 Jahre alt, in Berlin gestorben ,md am 30., unter Begleitung einer großen Anzahl von Män- zern der Wissenschaft, des BeamtenstandeS und der Presse, gegraben worden.

Flensburg, 28. Nov. (O.«T.) Der Straßenunfug wird ntcresfanter. Gestern Abend gegen 10 Uhr hielt am Süder- narlt ein Oberlieutenant der neutralen, ordnunghal­tenden schwedischen Truppen einen sich auf seinen Posten be­lebenden Nachtwächter an mit der Frage, ob er ein Däne sey. Der Wächter antwortete: „Nein, ein Schleswig-Holsteiner", and Jener schlug ihm darauf dermaßen mit der Faust in'S Gesicht, daß er ein blaues Auge davon trug.

Wien, 27. Nov. (D. Z.) Die Deutschen in Ungarn füh- en Beschwerde und, wie eS scheint, gerechte Beschwerde über hre Zurücksetzung: sie halten wenigstens gehofft, daß jetzt ein lmschwung eintreten würde und sie haben sich abermals ge# âuscht. Unter allen höheren Negierungsbeamten, welche den leuen BerwaltungöorganismuS in's Leben führen, findet sich ast kein einziger Deutscher; im eigentlichen Ungarn sind Ma­

gyaren, im Banat Walachen, in der BacSka Serben an die Spitze der Verwaltung gerufen und doch bilden die Deutschen im Nordwesten und Süvosten des Landes mächtige und kom­pakte Völkerkomplere, doch sind alle größeren Städte vorwie­gend deutsch. In der Bacska haben die Deutschen, obgleich an Zahl den Serben gleichstehend und an Vermögen ihnen weit überlegen, nicht einmal Petitioniren dürfen gegen die Ein­verleibung in die serbische Woiwodina: der serbische Regie, rungSkommiffär hat die aufliegenden Petitionen konfisziren lassen und ihre Wiederaufnahme bei Strafe von — Stockprü­geln verboten.

Frankreich.

Paris. Auf den Sandwich-Inseln haben die Fran­zosen sich einen Gewaltstreich erlaubt. Da die hawaiische Re, g ierung sich auf gewisse Forderungen des französischen Konsuls, die Branntweineinfuhr betreffend, nicht unbedingt einlassen, sondern direkt mit Paris unterhandeln wollte, ließ der franz. Admiral das hawaische Fort besetzen und entwaffnen und die Flagge niederreißen. Drei Tage dauerte diese Besetzung; dann verließen die Franzosen die Insel.

Belgien.

Brüssel, 13. Nov. (B. Bl.) Der Eisenbahnzug, welcher gestern Nachmittag 4 Uhr Namur verließ, führte 400 Passagiere mit sich. Alâ der Zug sich der Station Charleroi näherte, ließ der Zugführer unweit der Brücke über den Kanal den gewöhn, lichen Signalpsiff erschallen, bemerkte aber das Gegenzeichen nicht. Auch auf einen wiederholten Pfiff wurde das Zeichen nicht aufgezogen. Das veranlaßte den Zugführer, den Zug anhalten zu lassen, und nach der Station hinzugehen. Hier fand er den Wächter, von einem Dolchstich getroffen und mit einem Instrument auf den Kopf geschlagen, bewußtlos liegen. Unweit davon waren die Schienen durch Hämmer, die mit Leinwand umwickelt waren, loSgeschlagen worden. Don einem solchen Hammer war auch dèr Kopf des Wächters ge­troffen. Letzterer wurde glücklich zum Leben gebracht und er, zählte nun, daß er, die Bösewichter auf der Bahn bemerkend, daS bereits aufgezogene Signal wieder eingezogen habe und sodann auf dieselben zugeeilt sey. Diese seyen über ihn herge, fallen, und dann, nachdem sie ihn niedergeschlagen, entflohen. Die besonnene Kaltblütigkeit dieses Mannes und des Zugfüh­rers hat ein furchtbares Unglück vermieden; der Zug wäre, wenn er bis zu den gelösten Schienen gelangt wäre unmittel­bar in den Kanal gestürzt. Zwei verdächtige Individuen sind verhaftet worden.

Großbritannien.

London, 30. Novbr. Die Times zeigt an, daß die Regie­rung beschlossen habe, den afrikanischen Reisenden, Herrn Ri­chardson, auf seiner bevorstehenden Entdeckungsreise in die große Wüste Sahara, Soudan und die Gegenden von Burna und des Sees Tschad aufs wirksamste zu unterstützen. Zwei preu­ßische Gelehrte, von der Regierung beauftragt, einen wissen­schaftlichen Bericht darüber abzufaffen, nämlich die Doktoren Barth und Overweg werden ihn begleiten. Zugleich hat Ri, chardson den Auftrag, mit den Häuptlingen im innern Afrika Handels- und Freundschaftöbeziehungen anzuknüpfen.

Norwegen.

Man versichert, daß der Kronprinz Karl Eugenius unmit­telbar nach seiner Vermählung mit der Prinzessin Wilhelmina Louisa der Niederlande (die nächsten Februar in Haag vor sich gehen wird) zum Vizekönig von Norwegen ernannt werden, und in Christiani« seinen ordentlichen Wohnsitz nehmen wird. Daß die Entlassung deS bisherigen Statthalters angenommen, und dessen Stelle nicht wieder besetzt ist, bestätigt diese Ge­rüchte. (O.-P.-A.-Z.)

Verantwortlicher Redakteur; W. H. Riehl.