Deutschland.
** Wiesbaden, 4. Dez. Zu der in Nr. 286, 3te Ausgabe, der Nass. Allg. Zeitung publizirten, auS der Wahl des Gemeinderaths hervorgegangenen, Kandidatenliste zu den Geschwornen für die Stadt Wiesbaden ist zu bemerken, daß dieselben nicht auf einhelligem Beschluß des Gemeinderathes, sondern nur auf der Wahl einer Majorität beruht.
+ "Weilburg, 3. Dez. Durch die mir heute zugekommene Nr. 286 der Nass. Allg. Zeitung, worin sich eine Schilderung hiesiger Gemeinderathsszenen, und namentlich eine Aeußerung des Gemeinderaths Karl Wimpf in Bezug auf die Untersuchung „wegen des Konfliktes mit den Preußen" findet, bin ich an die Erfüllung meines vor längerer Zeit gegebenen Versprechens erinnert worden.
In meiner damaligen Beantwortung der ergötzlichen Erklärung , die Karl Wimpf kurz zuvor in der freien Zeitung hatte abdrucken lassen, worin er unter Anderm meine erste Mittheilung über den bekannten hiesigen Straßenskandal einen „Lügenartikel" zu taufen beliebte, bemerkte ich nämlich, daß sich die Lügenhaftigkeit fraglichen Artikels demnächst auch durch daS, freilich auch damals schon leicht vorauszusagende Re, sultat der anhängigen gerichtlichen Untersuchung ergeben würde, und verband damit das Versprechen, dieses Resultat nach seinem Bekanntwerden durch Ihre Zeitung zu veröffentlichen.
Schon seit mehreren Wochen ist nun das Urtheil in dieser Untersuchung ergangen, und lautet in der Hauptsache dahin, daß wegen Betheiligung an fraglichen „Konflikten" Karl Wimpf in eine G efâng nißstr'afe von vier Wochen, sein erwachsener Sohn in eine solche von drei Wochen und sein Bruder Georg Wimpf in eine Geldstrafe von 30 fl. zu verurtheilen seyen.
Durch den Inhalt dieses richterlichen Erkenntnisses wird den geneigten Lesern Stoff genug geboten seyn, um sich ein Urtheil über die „Lügenhaftigkeit" meiner Mittheilung zu bilden.
Karl Wimpf aber, der natürlich gegen dieses Urtheil ap- pellirt hat, wird sich nunmehr veranlaßt finden, sich zu einem ganz anderen Zwecke nach Zeugen umzusehen, als blos um deren Namen zu erfahren, und sie dann der demokratischen- Vehme Preiß zu geben.
Ob Karl Wimpf, wenn die Appellation den gewünschten Erfolg nicht hat, gleich seinem, ebenfalls wegen Unfugs zu AmtSgefângnißstrafe verurtheilten Gesinnungsgenossen in Diez, dann im G n ad enw e g um Verwandlung der Arrest-! in Geldstrafe supp liziren wird, was sich besonders bei einem erklärten Demokraten sehr gut ausnimmt, wird die Folge lehren.
Karlsruhe, 1. Dezember. Zur allgemeinen und größern Theils angenehmen Ueberraschung bringt das Regierungsblatt von gestern die Entscheidung der Kammerfrage für die regelmäßige Erneuerung, also gegen die Auflösung. Zunächst wird durch eine Verordnung vom 29. Rovbr. der Landtag für die Periode 1848 —49 geschlossen. Drei weitere Verordnungen bestimmen die theilweise Erneuerung der ersten Kammer durch Wahlen von vier Mitgliedern des grundherrlichen AdelS, welche «ach dem Gesetze auStreten und von Abgeordneten der beiden Hochschulen, so wie die Ergänzung der zweiten Kammer, aus welcher 16 Abgeordnete durch das Loos ausscheiben, von denen 8 schon freiwillig ihre Stellen niedergelegt, was außer ihnen noch 11 Mitglieder gethan haben. Eine letzte Verordnung, welche daS Erscheinen der vorangehenden erklärt, schreibt die Steuern für die drei Monate Dezember, Januar und Februar aus, unter Berufung auf das Gesetz der Nothwendigkeit das stärkste von allen.
Konstanz, 30. Novbr. (D. Ztg.) Von dem Bezirksamte werden I. Fickler, Latour und Egenter vorgeladen, um sich wegen Proklamationen und Aufsätzen zu verantworten, die in den Monaten Mai, Juni und Juli in 59 Nummrrn der See- blätter erschienen sind und der Majestätsbeleidigung und des HochverralhS angeschuldigt werden. Der vormalige Regierungsdirektor Peter wird für den durch den Aprilaufstand , wo er die Statthalterschaft unter Hecker versah, ungerichteten Schaden von 300,000 fl. und für die Verluste durch die Mui, Revolution im Anschläge zu 3 Millionen von dem Fiskal in Anspruch genommen.
Stuttgart, 2. Dezbr. (O.-P.-A.-Z.) Die Eröffnung t sg lange erwarteten verfassungberathenden Versammlung Rotation gestern endlich statt. Es war ein stiller Akt. Auf der StMntqegk keine wogende Menge, vom Schlosse bis zum Ständesaale ftir0Ue d militärischen Spaliere, keine Auffahrt, keine Uniformen, tiefem Abgeordneten in schwarzen Fräcken, da und dort auch ein lnan zi scheivner Rock, der Zug von der Kirche klein, da nicht einNnission alle Abgeordneten dem Gottesdienst ungewohnt hatten, viellchie zw« aus Furcht vor dem Glatteis, das alle Straßen überzogGegem vielleicht werden sie noch früher auf den Teppichen deS SitzuiWeichfi saales zu Falle kommen. icpflog
Nachdem der Gottesdienst vorüber, wurde der MinMgende des Innern, welcher den Körrig vertrat, von einer Deputat!« Ei die aus lauter Rothen bestand, eingeholt. So tief sich Schlauchst t nach allen Seiten verbeugte, so hatte doch sein Auftreten gaichluß den Charakter, als sollte eine Szene, die doch umsonst wâi,er Kö nur möglich rusch abgemacht werden. Er ließ die Eidesfor» verlesen, den Eid schwören und nahm von jedem Einzelnen bi $ Schwur noch besonders entgegen. Nichts konnte charakterlos n scher seyn, als der Händedruck Schlayer's, der sich hier einBunde Kammer von beinahe lauter Gegnern gegenüber sah; deihündni selbst die konservative Partei , die nach der gestrigen Abstihgl. fl mung offenbar Römer zum Anführer hat, steht dieser Ministwird c kombination nicht unbedingt zur Seite.
In der Rede, welche Schlayer gehalten, ist nur von bi B Schuld der Demokraten die Rede,' vom Aufruhr und dSchlag Defizit, das durch ihn veranlaßt worben, von den „GrunWendr rechten" und der Abänderung der Landesvertretung, vEägerü „einigen" abzuändernden Bestimmungen der Verfassung — »der Re sonst nichts. Ich habe die Rede mit eignen Ohren gehöÄendui mit eignen Augen mehreremal gelesen und nichts gefundei»ierbei nicht eine Andeutung von dem Stand der Dinge in Beziehubion, r auf die Einigung mit andern deutschen Staaten, mit Oestevache reich oder »Preußen. Man sieht, die Regierung wird diefiagen, Punkt nicht in Angriff nehmen, sie begnügt sich mit dem Aupir di« schub, mit dem Interim bis Mai 1850. Aber die KammMinist« wird die Sache nicht ruhig lassen. Zrozeß
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Stuttgart, 1. Dezbr. (O.-P.-A.-Z.) Erste Sitzung deer Pr verfassunggebenden Versammlung. Anfang 4 Uhr. Alterkeinen Präsident Römer. Da die Versammlung gar stark nach linD'Este sich neigt, so sind die auf der rechten Seite des Saals bestreben, lichen Sitze ebenso spärlich besetzt als beleuchtet. Meute« Versammlung Hal das Recht, für die Dauer ihrer Wirksamonderi keit einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten zu wählen er M Von 58 abgegebenen Stimmen erhielt Schoder 39, Römer ISeiner Rödinger 1 Stimme. Schoder ist demnach PräsidenlValbe Er nimmt den Präsiventenstuhl ein und spricht: leibt
Indem ich den ehrenvollen Antrag dieser Wahl übernehmljeben ist es meine Pflicht, Ihnen für das Vertrauen und die Anerr mit kennung, die Sie mir hiermit zu erkennen geben, meinen auslnklâg richtigsten Dank zu sagen. Wohl fühle ich, daß meine Krasich,vo nicht im Verhältniß zur Größe der mir gewordenen Aufgabflolize! steht, aber gleichwohl folge ich diesem Ruf; wie ich eS aMrich meine heilige Pflicht erkläre, mein Amt mit strenger Unparteflâger lichkeit nach allen Seiten hin auszuüben, so vertraue ich aucho erni daß alle Richtungen dieses Hauses mit Nachsicht und WoMtadt wollen mir entgegenkommen. Nur dann wird eS mir möglich. ® seyn, mit Erfolg meinem Amte obzuliegen. Der Grundsach^err 1 der im Jahr 1848 sich Bahn gebrochen hat, daß daS historischM 26 Recht, wo es sich überlebt hat, dem vernünftigen VolkSwilleMd weichen muß, ist eS, welchem diese hohe Versammlung, eisern ! Versammlung, gewählt vom ganzen Volke, ihr Daseyn vergrab dankt. Es ist dersesben eine höchst schwierige Aufgabe unter schwierigen Verhältnissen zu Theil geworden. DaS Werk bei 6 deutschen Volkes, das in Frankfurt begonnen wurde, ist von"""s den Regierungen Deutschlands verworfen worden, in Würtenu"""l berg allein hat eS sich landesgesetzlicher Anerkennung zu freuen. Ob nun die Regierungen die dem Volke gegebenen!^"° Versprechen gewähren werden, das wird die Zukunft lehren. 4 Inzwischen ist es WürtembergS Aufgabe, im Wege friedlicherA^^ Verständigung zwischen Regierung und Ständen alle Rechtt^ des deutschen Volks in einem sichern Hafen zu wahren, auf „
daß der Gedanke der Einheit Deutschlands, wenn die Zeit M ™
erfüllt haben wird, unverfälscht zur Geltung gelange. Gehende a wir den Weg der Mäßigung wie der Entschiedenheit, der alle!»? ist der Weg des RechtS und der Treue! -
Bei sofort vorgenommener Wahl deS Vizepräsidenten ' ' hält von 59 abgegebenen Stimmen Rödinger 39, Reyscher 18/ A Seeger 1, v. Zwerger 1 Stimme. 1
